Martinek-Kaserne

Einfahrtsbereich im Nordosten der Martinek-Kaserne
Blick von der Badner Straße bei Sooß zum südlichsten Punkt der Anlage im Bild rechts
Blick vom Harzbergturm Richtung Norden
Hotel Brusatti, 1909 [Anm. 1]

Die Martinek-Kaserne ist eine Kaserne des Österreichischen Bundesheeres in Baden bei Wien in Niederösterreich. Das Gelände mit den Gebäuden liegt zwischen dem Stadtgebiet von Baden und Sooß an der B 212.

Inhaltsverzeichnis

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

Nach der Besetzung Österreichs bezog zuerst eine Einheit der Schutzpolizei Unterkunft in Baden. Anstelle vorgesehener größerer Flakabteilungen wurde am 14. März 1938 im Hotel Brusatti[Anm. 1] eine kleinere bayerische Flakabteilung einquartiert. Drei Wochen später kam ein von Oberst Job Odebrecht (1892–1982) befehligtes Vorkommando des Flakregiments 25 in die Stadt. Am 24. April des Jahres wurden im Rathaus der Stadt Baden die (mit dem Luftgaukommando XVII[1] geführten) Verhandlungen zu den riesigen Grundkäufen (30 Hektar, davon 8 auf Sooßer Gemeindeboden)[Anm. 2] abgeschlossen.[2] Ohne feierlichen Spatenstich, jedoch an der Baustelle Vöslauerstraße[3] ermuntert durch Worte des inspizierenden Generalfeldmarschalls Hermann Göring,[4] begannen im Mai 1938 die von dem österreichischen Architekten Leo Splett (1908–1993) geplanten Arbeiten. Das für 2000 Mann Belegschaft ausgelegte Bauprojekt wurde im Juni 1941 abgeschlossen, wobei zehn Prozent (28.000 m³ umbauter Raum) des Gesamtvorhabens insbesondere wegen des Kriegsausbruchs nicht verwirklicht werden konnten.[1]
Bei Kriegsende war die Kaserne von der SA zur Sprengung vorgesehen. Diverse Zündschnüre konnten jedoch von einem in der Flak-Kaserne beschäftigten Badener Freiheitskämpfer durchtrennt werden, sodass ausgelöste Detonationen nur eine verhältnismäßig geringfügige Zerstörung zur Folge hatten.[5]

Die weitläufige Anlage aus zahlreichen Gebäudekomplexen war 1945–55 Stützpunkt der sowjetischen Besatzung. Nach der Rückgabe 1955 waren zwei Verwendungszwecke in engerer Wahl: ein Großspital bzw. eine Schulstadt.[6] Man entschied jedoch zugunsten der angestammten Widmung: Am 15. März 1956 rückte in die Artilleriekaserne Baden (offizieller Name 1956–63)[6] als Vorauskommando die Schulbatterie 2 ein,[7] der am 12. April des Jahres die Artillerietruppenschule folgte. 1957 wurde eine Kraftfahrunteroffiziersschule eingerichtet, 1962/63 rückte das Panzerartilleriebataillon PzAB 9 ein. Am 28. Juni 1963 wurde, verbunden mit der Enthüllung einer Gedenktafel,[8] die Kaserne nach dem Artilleriegeneral Robert Martinek (1889–1944) benannt.

Seit Verwendung durch das Österreichische Bundesheer bildet die Kaserne eine eigene Garnison. Außerdem ist seit 1969 im Komplex die Sanitätsanstalt Baden/Militärkommando Burgenland untergebracht,[6] die Grundwehrdiener sowie Personal umliegender Kasernen des nördlichen Industrieviertels sowie des Burgenlandes ambulant wie klinisch versorgt.

Mit ungefähr 400 Beschäftigten, die neben den Grundwehrdienern hier laufend Dienst versehen, ist das Bundesheer einer der größten Arbeitgeber der Stadt Baden.

Pläne von Verteidigungsminister Günther Platter sahen eine Schließung der Kaserne im Jahr 2008 vor. Es wurden auch bereits Studien und Widmungspläne zur späteren Nutzung des großen Geländes gemacht, wie beispielsweise von Schulen.[9] Teile der Anlage stehen unter Denkmalschutz.

Entgegen dem Plan, die Kaserne im Jahr 2008 zu schließen, hat sich ein Verkauf weiter verzögert, da für die Anlage (als Ganzes) immer weniger geboten worden ist. Im Jahr 2009 war mit 650 Soldaten mehr Mannschaft untergebracht als je zuvor. Seit 2009 ist für 2012 ein Verkauf (bzw. eine Vorbereitung zum Verkauf) im Gespräch, allenfalls auch eine militärische Weiternutzung bis 2015.[10]

Literatur

  • Viktor Wallner: Von der Kommandantur zum Kongresscasino. 50 Jahre Baden in Daten und Bildern. 1945–1995. Neue Badener Blätter, Unterhaltsames und Wissenswertes aus dem Kurort Baden bei Wien, Band 6,1, ZDB-ID 2161928-1. Verlag der Gesellschaft der Freunde Badens und der Städtischen Sammlungen, Baden 1993(?).
  • Herbert Hofinger (Red.), Otto E. Plettenbacher (Mitarbeit): 40 Jahre Martinekkaserne Baden. 1956 - 1996. Festschrift. Herausgegeben und verlegt von: BMLV, Kommando III. Korps, Baden 1996.
  • Viktor Wallner: Häuser, Menschen und Geschichten – ein Badener Anekdotenspaziergang. Gesellschaft der Freunde Badens, Baden 2002.
  • Rudolf Maurer: „Befreiung? – Befreiung! Baden 1945–1955. Katalogblätter des Rollettmuseums Baden, Band 55, ZDB-ID 2101396-2. Rollettmuseum, Baden 2005, ISBN 3-901951-55-5.

Einzelnachweise

  1. a b Wallner: Häuser, S. 179.
  2. Rettung aus der Wirtschaftsnot: Riesige Grundkäufe für den Kasernenbau. In: Badener Zeitung, Nr. 34/1938 (LIX. Jahrgang), 27. April 1938, S. 3. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
  3. Generalfeldmarschall Hermann Göring in Baden. In: Badener Zeitung, Nr. 39/1938 (LIX. Jahrgang), 14. Mai 1938, S. 1. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
  4. Generalfeldmarschall Göring im Bezirk Baden. Jubel um den Marschall des Reiches. In: Badener Zeitung, Nr. 40/1938 (LIX. Jahrgang), 18. Mai 1938, S. 1 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bzt.
  5. Maurer: „Befreiung? – Befreiung!, S. 63.
  6. a b c Wallner: Häuser, S. 180.
  7. Wallner: Von der Kommandantur zum Kongresscasino, S. 20.
  8. Wallner: Von der Kommandantur zum Kongresscasino, S. 27.
  9. Nutzungskonzept der Martinek Kaserne in Baden HTL-Innovativ Austria, abgerufen am 13. Februar 2010.
  10. Martinek-Kaserne: Verkauf 2012 geplant (…). In. orf.at, 3. Mai 2009, abgerufen am 14. Mai 2012.

Anmerkungen

  1. a b Baden, Kaiser-Franz-Joseph-Ring 15; Ende der 1960er-Jahre abgebrochen.
  2. In den Medienberichten zu Liegenschaftsverkauf wie Ausschreibung werden zumeist 40 ha genannt.

47.99241666666716.224166666667Koordinaten: 47° 59′ 33″ N, 16° 13′ 27″ O