Maximilian I. (HRR)

Maximilian I. Albrecht Dürer, 1519

Maximilian I. von Habsburg, genannt der letzte Ritter (* 22. März 1459 in Wiener Neustadt; † 12. Januar 1519 in Wels, Oberösterreich), war ab 1477 Herzog von Burgund, ab 1486 deutscher König, ab 1493 Erzherzog von Österreich und ab 1508 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Maximilian wurde auf der Burg in Wiener Neustadt als Sohn von Kaiser Friedrich III. und Eleonore Helena von Portugal geboren, und zwar am 22. März 1459 um ungefähr 16 oder 17 Uhr.[1] Somit war er Erzherzog von Österreich und trug diesen Titel schon als Kind.

1462 und 1463 erlebte er als Vierjähriger die Auseinandersetzungen zwischen seinem Onkel Albrecht VI. und seinem Vater Kaiser Friedrich III. in Wien. Die Wiener öffneten damals Albrecht die Tore, obwohl Friedrich in der Stadt weilte und Albrecht sein erklärter Gegner war. Sie feierten diesen als neuen Befehlshaber und Heilsbringer für die Stadt, belagerten gemeinsam mit ihm die Hofburg und beschossen diese tagelang mit den beiden vorhandenen Kanonen. Maximilian verzieh das den Wienern nie. Deshalb hielt er sich trotz der Tatsache, dass Wien Residenzstadt seines Erzherzogtums war, später nur selten dort auf und residierte lieber in Wiener Neustadt.

Früh weckte seine Mutter Eleonore die Träume von einem Heldenleben in ihm. Die einsame und frustrierte Frau wollte nicht, dass ihr Sohn ein ebensolcher menschenscheuer Geizhals wie sein Vater Friedrich würde. Sie erzählte ihm nächtelang alte portugiesische Heldensagen und ließ das Kind lieber tanzen und mit Pfeil und Bogen schießen, als ihn zum Lernen anzuhalten, wie es der Vater lieber gehabt hätte. Als der Sohn acht Jahre alt war und die Mutter starb, konnte er bei weitem besser reiten und fechten als Latein. Er war sein Leben lang ein glänzender Turnierkämpfer, aber ein schwacher Lateiner.

Herzog von Burgund und Titularkönig der Deutschen

Maximilian I. und seine Gemahlin Maria von Burgund. Anonym, 2. Hälfte 15. Jh.

Am 19. August 1477 heiratete Maximilian in Gent auf Schloss Ten Walle die Erbherzogin Maria des Hauses Burgund, die Tochter Herzog Karls des Kühnen, und wurde Herzog von Burgund. Maria wird als eine der schönsten Frauen der damaligen Zeit beschrieben. Mit ihr hatte Maximilian zwei Kinder: Philipp (* 1478) und Margarete (* 1480); ein zweiter Sohn, Franz, starb 1481 nach der Geburt. Wenige Monate nach seiner Heirat wurde Maximilian am 30. April 1478 in Brügge zum Ritter geschlagen und danach zum Souverän (Großmeister) des Ordens vom Goldenen Vlies ernannt.

Durch den frühen Tod Marias nach einem Jagdunfall 1482 fielen Maximilian bzw. seinem und Marias Sohn die Niederlande, die Freigrafschaft Burgund und das eigentliche Herzogtum Burgund zu, das allerdings französisches Lehen war und sofort von Frankreich besetzt wurde. Frankreichs Versuche, auch weitere ehemals französische Territorien aus der burgundischen Erbschaft zurückzuerobern, konnte Maximilian 1479 durch den Sieg seiner Truppen in der Schlacht bei Guinegate verhindern. Allerdings verlobte er bald danach seine kleine Tochter mit dem jungen französischen König Karl VIII., dem sie eben jene Territorien als Mitgift einbringen sollte (wozu es aber nicht kam, s. u.).

Am 16. Februar 1486 wurde Maximilian noch zu Lebzeiten seines Vaters im Kaiserdom St. Bartholomäus von Frankfurt am Main zum Rex Romanorum gewählt. Am 9. April 1486 erfolgte seine Krönung im Kaiserdom zu Aachen. Im langwierigen Krieg gegen die Franzosen stand Maximilian nicht nur einmal am Rand der Niederlage. Er wurde sogar in Brügge (Grafschaft Flandern) von seinen eigenen unzufriedenen Untertanen ins Gefängnis geworfen (Januar–Mai 1488); sein alter Vater Friedrich stellte aber eine Armee zusammen, befreite seinen Sohn und schaffte es auch, die Lage in Burgund einigermaßen zu stabilisieren.

Am 19. März 1490 verzichtete Sigmund von Tirol zugunsten Maximilians auf die Regentschaft in Oberösterreich (Tirol, die österreichischen Vorlande und die verbliebenen Stammlande im Raum Schweiz/Bodensee).

1490 heiratete Maximilian per procurationem, d. h. ohne persönliche Anwesenheit, Anna, die junge Herzogin und Erbin der Bretagne. Er musste aber erleben, wie 1491 die noch nicht vollzogene Ehe aufgelöst wurde und Anna Karl VIII. heiratete, der deshalb Margarete zurückschickte, die inzwischen einen Großteil ihrer Kindheit am französischen Hof verbracht hatte. Am 16. März 1494 vermählte sich Maximilian I. in Hall in Tirol in zweiter Ehe mit Bianca Maria Sforza (1472–1510).

Erzherzog von Österreich, regierender König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches

Maximilian nimmt die Huldigung der weltlichen und geistlichen Stände (einschließlich des Papstes) entgegen. Aus Petrus Almaire: Liber missarum der Margarete von Österreich. Um 1515.

Nach dem Tod seines Vaters, des Kaisers Friedrich III., im Jahre 1493 trat Maximilian als römisch-deutscher König dessen Nachfolge an. 1497 tauschte er die Herrschaft Rhäzüns gegen die Herrschaft Haigerloch. Erst im Jahre 1508 nahm Maximilian den Titel erwählter Kaiser an. Auch übernahm er das Erzherzogtum Österreich.

Als 1495 Karl VIII. im Handstreich das Königreich Neapel eroberte, auf dessen Krone er Ansprüche geltend machte, bildete Maximilian mit dem Herzog von Mailand, der Republik Venedig, dem Papst Alexander VI. und König Ferdinand II. von Aragón die Heilige Liga. Bei dieser Gelegenheit verlobte er seine Tochter Margarete mit Ferdinands Sohn Juan, dem voraussichtlichen Erben der Kronen Aragons und Kastiliens. Im Jahre 1496 verheiratete Maximilian seinen Sohn Philipp mit Ferdinands Tochter Johanna der Wahnsinnigen. Da der spanische Thronerbe nur wenige Monate nach der Heirat mit Maximilians Tochter Margarete im Jahre 1497 starb, rückte Johanna, die Gemahlin Philipps des Schönen, als aragonesisch-kastilische Thronerbin nach. Durch Maximilians Allianz mit Spanien fühlte sich Frankreich von Osten und Südwesten zugleich bedroht, und der habsburgisch-französische Gegensatz begann, der die europäische Geschichte für die nächsten 250 Jahre prägen sollte.

1495 initiierte Maximilian auf dem Reichstag zu Worms eine umfassende Reichsreform, die eine reichsweite Steuer, den Gemeinen Pfennig, und einen Ewigen Landfrieden vorsah, Letzteren allerdings gegen den Willen Maximilians und auf Druck der Reichsstände. Die komplexen Strukturen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation konnte die Reform jedoch nicht aufbrechen. Von den Institutionen, die aus ihr hervorgingen, hatten die neugebildeten Reichskreise und das Reichskammergericht Bestand.

Mit dem letzten meinhardinischen Fürsten, Graf Leonhard von Görz, handelte Maximilian ab 1497/98 einen Erbvertrag aus, der den Habsburgern die Grafschaft Görz einbringen sollte. Aber erst nach einer schlussendlich gewonnenen Auseinandersetzung mit der Republik Venedig gelang es dem mit hohen Ehren dafür gewonnenen Görzischen Reichsverweser Virgil von Graben, diesen Vertrag endgültig zu realisieren.[2]

Am 4. Februar 1508 nahm Maximilian mit Zustimmung von Papst Julius II. im Dom zu Trient die Kaiserwürde an. Er nannte sich von da an Erwählter Römischer Kaiser. Eine Kaiserkrönung in Rom konnte nicht stattfinden, weil die Republik Venedig den Durchzug durch ihr Gebiet verweigerte.

Um den wachsenden Druck zu vermindern, der durch Beistandsverträge der Herrscher Frankreichs, Polens, Ungarns, Böhmens und Russlands auf dem Reich lastete, aber auch um Böhmen und Ungarn für Habsburg zu sichern, traf sich Maximilian 1515 mit den jagiellonischen Königen Wladislaw II. von Ungarn und Böhmen und Sigismund I. von Polen in Wien. Dabei setzte er auch die Familie Radziwill in den Reichsfürstenstand. Die dort arrangierten Hochzeiten brachten dem Haus Habsburg ein Jahrzehnt später die Kronen von Ungarn und Böhmen ein. Freundschaftliche Beziehungen unterhielt Maximilian auch zu den russischen Zaren Iwan III. und Wassili III., doch die von Kaiser und Papst angestrebte Kirchenunion gelang nicht.

Tod und Nachleben

Totenbild Maximilians

Maximilian starb am 12. Januar 1519 auf der beschwerlichen Reise von Innsbruck zum Landtag nach Linz[3] in der Burg von Wels, vermutlich an Darmkrebs. Die Art und Weise, wie Maximilian seinen Tod plante und ihm entgegenging, zeugt von einem außergewöhnlich demütigen und mit Schuld beladenen Selbstempfinden des Kaisers. Seinen Sarg hatte er bereits vier Jahre mit sich führen lassen.[4] Nachdem er die letzte Ölung empfangen hatte, übergab er das kaiserliche Siegel und verbat, ihn mit seinen Titeln anzureden.[5] Er befahl, nach seinem Tod nicht einbalsamiert zu werden, sondern verfügte stattdessen, dass sein Leichnam gegeißelt werde und dass seine Haare geschoren und die Zähne ausgebrochen werden.[5] Leichenhemd und Beinkleid ließ er sich aus Scham kurz vor dem Tod bringen, zog sich selbst an und verfügte, dass er so in den Sarg gelegt werden solle.[6]„Das Totenbildnis, das von ihm erhalten ist,“ schreibt Reformationshistoriker Thomas Kaufmann, „ist ein in seiner Realistik erschütterndes Dokument: ein fahlgelbes Gesicht mit tief eingefallenen Wangen, der zahnlose Mund leicht geöffnet; ein halb zugedrücktes Augenlid gibt den Blick auf eine verdrehte Pupille frei.“[5]

Grabmal in der Innsbrucker Hofkirche
Grab Kaiser Maximilians in Wiener Neustadt

Maximilians Nachfolger als Kaiser wurde sein in den Niederlanden aufgewachsener Enkel Karl V., Sohn des schon 1506 verstorbenen Philipp und Johannas. Zum Vormund seiner Enkel und zur Regentin über die Niederlande hatte Maximilian nach Philipps Tod seine zwischendurch mit Philibert von Savoyen verheiratete, aber früh verwitwete Tochter Margarete berufen, die ihrer Aufgabe bis zu ihrem Tod 1530 mit fester Hand und diplomatischem Geschick nachkam.

Maximilian I. wurde getreu dem Testament von Wels in seiner Taufkirche, der St.-Georgs-Kapelle der Burg in Wiener Neustadt, unter den Stufen des damaligen gotischen Hochaltars beigesetzt, wie sein Vater Friedrich III. im Ornat des St.-Georg-Ritterordens – und zwar so, dass Priester während der Messe genau über seinem Herzen zu stehen kommen.

Sein berühmtes großes Grabmal in der Hofkirche in Innsbruck mit zahlreichen Bronzefiguren (daher im Volksmund: „Schwarzmanderkirche“), unter anderem von Peter Vischer d. Ä. und Albrecht Dürer (Entwurf der Figur des Königs Artus), das Maximilian zu Lebzeiten für die St.-Georgs-Kapelle in Auftrag gegeben hatte, ließ erst sein Enkel Ferdinand I. in der eigens von ihm dafür erbauten Hofkirche aufstellen. Das Grabmal ist jedoch ein Kenotaph und blieb unvollendet.

Maximilians Wirken

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Hausmacht Österreich

Für die Geschichte Österreichs gilt Maximilian als Figur der Einigung, die sein Vater Friedrich betrieben hatte: Die Teilung in die Albertinische und die Leopoldinische Linie des Hauses Habsburg, die mit dem Neuberger Teilungsvertrag 1379, ganz gegen die Absicht Rudolfs des Stifters, begonnen hatte, ging 1490 zu Ende. Sigmund von Tirol sorgte durch seinen Verzicht in Oberösterreich zu Gunsten des Enkels seines Bruders Ernst, genannt der Eiserne, für die Wiedervereinigung der Habsburgischen Besitzungen, nachdem Friedrich schon 1463 Niederösterreich und Innerösterreich wieder vereint hatte.

Mit dem 1494 geschlossenen Bündnis zwischen Maximilian und den Königen Spaniens, Ferdinand und Isabella, und der daraus resultierenden Hochzeit zwischen Erzherzog Philipp und Erzherzogin Margarete mit den Kindern des spanischen Königshauses und der am 22. Juli 1515 im Stephansdom zu Wien geschlossenen habsburgisch-jagiellonischen Verlobung (und späteren Doppelhochzeit) legte er den Grundstein für die spätere Weltgeltung des Hauses Habsburg: sein Enkel Karl, Kaiser Karl V. sollte über ein Reich herrschen, in dem „die Sonne nicht mehr unterging“.

Gleichzeitig beginnt mit seinem Sohn Philipp dem Schönen aber die nächste Teilung der Habsburger, mit dessen Sohn Karl sich die Spanische Linie (Casa de Austria) begründet (man nimmt Phillips Übersiedlung nach Madrid 1504, oder aber Karls Antritt 1516), während der jüngere Sohn Phillips, Ferdinand das Haus Österreich begründet.

„Bella gerant alii, tu felix Austria nube
Nam quae Mars aliis, dat tibi regna Venus.“

„Kriege mögen andere führen, du, glückliches Österreich, heirate:
denn die Königreiche, die andern Mars gibt, schenkt dir Venus.“

Dieses Distichon, das die Heiratspolitik der Habsburger charakterisiert, wird noch immer gerne Matthias Corvinus zugeschrieben, er war jedoch keinesfalls der Verfasser; die Autorenschaft ist auch heute noch strittig.

Kunst und Literatur

Denkmal für Kaiser Maximilian I. (Burggarten Wels)

Maximilian, selbst hoch gebildet und ein Freund des Humanismus und der Renaissance, pflegte ein großes Interesse an Wissenschaft, Literatur und Kunst und machte sich um ihre Förderung im Reich verdient. Er gab selbst poetische Werke heraus, die von ihm konzipiert waren, teils von ihm selbst, teils von Marx Treitzsaurwein von Ehrentrei(t)z, Melchior Pfintzing und Hans Ried geschrieben wurden. Der Theuerdank, weitgehend von eigener Hand, allegorisiert Maximilians Brautwerbung, der Weißkunig (unvollendet), geschrieben von Marx Treitzsaurwein von Ehrentrei(t)z, berichtet von seinen Taten bis 1513. Beide illustrierten Hans Burgkmair der Ältere, Hans Schäufelin und andere Künstler mit Holzschnitten. Der Freydal, ein drittes geplantes Werk zu den Turnieren des Kaisers, blieb jedoch vom Textumfang und von der Anzahl der Illustrationen her ein fragmentarisches Projekt.

Maximilian unterstützte den Humanismus, indem er ein Konzept von Konrad Celtis umsetzte und 1501 ein Collegium poetarum et mathematicorum gründete. Dieses sollte Teil der Universität Wien sein und zwei Lehrstühle für Poetik und Rhetorik sowie zwei für Mathematik und ihre naturwissenschaftlichen Anwendungsgebiete beinhalten.[7] Diese Institutionalisierung des Humanismus war eine Pioniertat.

Das Verdienst Maximilians und seines Kanzlers Niclas Ziegler um die Entstehung einer vorbildlichen deutschen Schreibweise wird von der Folgezeit sehr hoch eingeschätzt. Die Einheitsbestrebungen äußerten sich in einer Zurückdrängung ausgesprochen süddeutscher Züge zugunsten von mitteldeutschen. So erwuchs in Süddeutschland eine bald auch den Buchdruck umfassende Schreibtradition, die man das 'Gemeine Deutsch' nannte und die noch lange Zeit eine Konkurrenz für die sich immer mehr durchsetzende ostmitteldeutsche Tendenz der neuhochdeutschen Schriftsprachentwicklung darstellte.

Wohl vermittelt über Willibald Pirckheimer trat Maximilian 1512 zu Albrecht Dürer in Verbindung; ab 1515 gewährte er ihm eine jährliche Rente von 100 Gulden.

Maximilian gilt als Stifter der Frauensteiner Schutzmantelmadonna in Molln, eines Werks Gregor Erharts. Unter dem Mantel sind unter anderem er und Bianca Maria Sforza dargestellt.[8]

… und Schulden

Triumphwagen für Maximilian I. Abdruck von Originalplatten Dürers; ? 16. Jh.
Maximilian I. Peter Paul Rubens, 1618
Die große Unterfertigung der Unterschrift Maximilians I Maxi(milianus)R(ex)s(ub)s(cripsit) auf einer Urkunde vom 10. März 1497. Für Briefe verwendete er statt der Namensunterschrift meist die Sigle p(er) reg(em) p(er) s(e).

Maximilian sollte den Habsburgern aber noch ein anderes „Erbe“ hinterlassen, von dem sich seine Nachfolger nur mehr sehr langsam erholten: da er einem ausgesprochen prunkvollen Lebensstil huldigte, hinterließ er einen enormen Schuldenberg. Die Kosten seiner zahllosen Kriege und seine Hofhaltung wurden durch die laufenden Einnahmen keineswegs annähernd gedeckt, so dass der Kaiser ständig neue Kredite bei seinem Hausbankier Jakob Fugger aufnehmen musste, das führte 1501 sogar zum Erwerb eines Hauses in Augsburg. Aufgrund seiner vielfachen Aufenthalte (17, insgesamt 2 Jahre und 211 Tage) nannten ihn die Augsburger sogar Bürgermeister von Augsburg. Da Maximilian seinen Verpflichtungen kaum nachkommen konnte, gelang es dem Augsburger Bankhaus in der Folge, zahlreiche Privilegien zu erlangen. Aber auch andere Städte mussten für die horrenden Kosten aufkommen. So besuchte er die nahe an Augsburg gelegene freie Reichsstadt Memmingen insgesamt 13 Mal und nannte sie seine Ruh und Schlafzell. Die Stadt musste bei jedem Besuch Geld- und Naturalienzahlungen leisten. Das Diktat der leeren Kassen brachte Maximilian letztlich auch dazu, völlig unstandesgemäß die Tochter des italienischen Condottierefürsten Galeazzo Maria Sforza und der Bona von Savoyen, Bianca Maria Sforza, zu ehelichen, was ihr Onkel Ludovico Sforza in die Wege geleitet hatte. Maximilian erhielt dafür die für damalige Zeiten wahrhaft kaiserliche Mitgift von 400.000 Golddukaten in bar und weitere 40.000 Dukaten in Juwelen; Ludovico erreichte endlich sein großes Ziel, von Maximilian mit dem Herzogtum Mailand, das ein Lehen des Heiligen Römischen Reiches war, belehnt zu werden.

Feudaler Ritter und Renaissance-Fürst

Als Kunstmäzen, Förderer der Wissenschaften, Humanist, aber auch in seiner Prunkverliebtheit stellte sich Maximilian zwar als typischer Renaissanceherrscher dar, auch tragen seine Bemühungen zur umfassenden Popularitätssteigerung bereits alle Züge eines „modernen“ Herrschers. Doch gleichzeitig stilisierte sich Maximilian entsprechend der burgundischen Tradition des Rittertums zum Idealbild des mittelalterlichen Ritters. Maximilians groß angelegte Dichtungen sind nicht nur ein letztes, nachklingendes Denkmal einer vergangenen Epoche, sondern teilweise auch verschlüsselte Autobiographien, die neben realen Ereignissen auch Bezug auf Pläne und Vorhaben des Kaisers wiedergeben, die dieser wegen Geldmangels nicht ausführen konnte. Ebenso strickte der Kaiser damit aber bewusst an seiner eigenen Legende – so trug ihm der unvollendete Freydal später den Ruf ein, der beste Turnierkämpfer seiner Zeit gewesen zu sein.

Maximilian erhielt den Beinamen Der letzte Ritter, denn er verkörperte noch das bereits geschwundene Ideal des alten burgundischen Rittertums. Zugleich erwies er sich jedoch als vorausschauender, modernisierender Herrscher der anbrechenden Neuzeit, sodass man das auch zu Der letzte Ritter und erste Kanonier erweitert hat.

Genealogie

Vorfahren

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Leopold III. (Habsburg) (1351–1386)
 
 
 
 
 
 
 
Ernst der Eiserne (1377–1424)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Viridis Visconti (1350–1414)
 
 
 
 
 
 
 
Friedrich III. (HRR) (1415–1493)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ziemowit IV. von Plock und Kujavien (1352–1426)
 
 
 
 
 
 
 
Cimburgis von Masowien (1394–1429)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Alexandra von Litauen (1370–1434)
 
 
 
 
 
 
 
Maximilian I. (HRR) (1459–1519)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Johann I. (Portugal) (1357–1433)
 
 
 
 
 
 
 
Eduard (Portugal) (1391–1438)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Philippa of Lancaster (1360–1415)
 
 
 
 
 
 
 
Eleonore Helena von Portugal (1436–1467)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ferdinand I. (Aragón) (1380–1416)
 
 
 
 
 
 
 
Eleonore von Aragonien (1402–1449)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Eleonore Uracca von Kastilien (1374–1435)
 
 
 
 
 
 

Nachkommen

Maximilian I. und seine Familie. Bernhard Strigel, 1. Viertel 16. Jh.
  1. ∞(I) 1477 Maria von Burgund (1457–1482), Erbherzogin aus dem Haus Burgund, Tochter Karls des Kühnen und Isabelle aus dem Haus Bourbon
    1. Philipp I. (Kastilien), „Philipp der Schöne“ (1478–1506), König von Kastilien
      ∞ 1496 Johanna, „Johanna die Wahnsinnige“ (1479–1555), Königin von Kastilien
    2. Margarete von Österreich (1480–1530) (1480–1530), Statthalterin der habsburgischen Niederlande
      ∞(I) 1497 Johann von Aragón und Kastilien (1478–1497), Fürst von Asturien
      ∞(II) 1501 Philibert II. (1480–1504), Herzog von Savoyen
    3. Franz (*/† 1481)
  2. ∞ 1490 (aufgelöst 1491) Anna, Herzogin der Bretagne aus dem Haus der Kapetinger, Tochter Franz II. und Margarete von Foix, Prinzessin von Navarra
  3. ∞(II) 1494 Bianca Maria Sforza (1472–1510), Tochter des Herzogs Galeazzo Maria von Mailand und Bona von Savoyen

Illegitime Nachkommen:

Wappen und Wahlspruch

Maximilian I Arms.svg

Kaiser Maximilian I. von Habsburg:

Auf dem nimbierten Deutschen Doppeladler, schwarz auf Gold, ein Brustschild, vorne in Rot ein silberner Balken, der Bindenschild, das ist Österreich, hinten von Gold und Blau dreifach schrägrechts geteilt in rotem Bord, das ist Burgund

Motto:
Um ein außen herum mit Schwertern und Streitkolben bestecktes Rad, über welchem ein Reichsapfel schwebt, die Devise:

„Per tot discrimina rerum“

„Durch so viele Gefahren“

Werke

  • Trilogie:
    • Theuerdank: 1517 erschienene Dichtung mit ritterlichem Charakter (größtenteils von Maximilian selbst geschrieben)
    • Der Weißkunig. Eine Erzählung von den Thaten des Kaisers Maximilian des Ersten. Erstdruck 1775
    • Freydal
  • Geheimes Jagdbuch
  • Das Fischereibuch

Rezeption

Durch die kaiserliche Entschließung von Franz Joseph I. vom 28. Februar 1863 wurde Maximilan I. in die Liste der „berühmtesten, zur immerwährenden Nacheiferung würdiger Kriegsfürsten und Feldherren Österreichs“ aufgenommen, zu deren Ehren und Andenken auch eine lebensgroße Statue in der Feldherrenhalle des damals neu errichteten k.k. Hofwaffenmuseums (heute: Heeresgeschichtliches Museum Wien) errichtet wurde. Die Statue wurde 1870 vom Bildhauer Josef Gasser aus Carrara-Marmor geschaffen, gewidmet wurde sie von Kaiser Franz Joseph selbst.[9]

Siehe auch

Literatur

  • Axel Metz: Der Stände oberster Herr. Königtum und Landstände im süddeutschen Raum zur Zeit Maximilians I. Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg Reihe B: Forschungen Bd. 174, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-020762-2.
  • Sigrid-Maria Größing: Maximilian I. – Kaiser, Künstler, Kämpfer. Amalthea Verlag, Wien 2002, ISBN 3-85002-485-7.
  • Manfred Hollegger: Maximilian I., 1459–1519, Herrscher und Mensch einer Zeitenwende. Kohlhammer. Stuttgart 2005, ISBN 3-17-015557-1.
  • Sieglinde Hartmann (Hrsg.): Kaiser Maximilian I. (1459 – 1519) und die Hofkultur seiner Zeit. Reichert. Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-89500-664-7.
  • Thomas Kuster; Monika Frenzel (Hrsg.): Ausstellungskatalog. Maximilian I. Triumph eines Kaisers. Ein Herrscher mit europäischen Visionen. Innsbruck 2005/2006.
  • Thomas Kuster: Die Moreskentänze(r). Eine Form der „fürstlich kurzweyl“. In: Maximilian I. Triumph eines Kaisers. Ein Herrscher mit europäischen Visionen. Bd. 6, Innsbruck 2006, S. 43–49 (Reihe: Tiroler Kulturgüter).
  • Mathias F. Müller: Die Ikonographie Kaiser Maximilians I. im Tafelbild und auf Münzen und Medaillen. In: Unser Neustadt (Blätter des Wiener Neustädter Denkmalschutzvereines) 54/1-2 (2010) S. 1-13.
  • Mathias F. Müller: Rinascimento alla Moderna - Die geistesgeschichtlichen Grundlagen für das Mäzenatentum Kaiser Maximilians I. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Schwaben 103 (2011) S. 69-105. (ISSN 0342-3131)
  • Malte Prietzel: Das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004.
  • Raphael de Smedt (Hrsg.): Les chevaliers de l’ordre de la Toison d’or au XVe siècle. Notices bio-bibliographiques. (Kieler Werkstücke, D 3) 2., verbesserte Auflage, Verlag Peter Lang, Frankfurt 2000, ISBN 3-631-36017-7, S. 185-190, Nr. 77bis.
  • Hermann Wiesflecker: Kaiser Maximilian I. Verlag für Geschichte und Politik, Wien / R. Oldenbourg, München 1971–1986 (5 Bände; Standardwerk).
  • Hermann Wiesflecker: Maximilian I. Die Fundamente des habsburgischen Weltreiches. Verlag für Geschichte und Politik, Wien / Oldenbourg, München 1991 (einbändige Biographie), ISBN 3-7028-0308-4.

Lexika

Weblinks

 Commons: Maximilian I. – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Maximilian I. – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Wiesflecker in seiner fünfbändigen Biographie gibt fälschlich 23 Uhr an (Bd.1, 1971, S.65), gestützt auf eine Fehldeutung, indem die Darstellung des Mars in „Des jungen w[eisen] k[önigs] ascendenten in seiner geburt“ für das Sternzeichen des Schützen gehalten wurde. Siehe Franz Stuhlhofer: Georg Tannstetter (Collimitius). Astronom, Astrologe und Leibarzt bei Maximilian I. und Ferdinand I. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 37 (1981) 7-49, dort 42-44.
  2. Geschichte Österreichs: von den Anfängen bis zur Gegenwart. Von Erich Zöllner. S. 159
  3.  Hermann Wiesflecker: Maximilian I.. S. 378 (einbändige Ausgabe).
  4. Michael Ignaz Schmidt: Von Maximilian I. bis auf Karln den Fünften, Band 10, Gegel, Mannheim und Frankental 1784, S. 159, (Digitalisat in der Google Buchsuche)
  5. a b c Thomas Kaufmann: Geschichte der Reformation, Frankfurt am Main 2009, S. 51.
  6. Johann-Evarist Schmid: Historischer Katechismus oder der ganze Katechismus in historisch-wahren Exempeln für Kirche, Schule und Haus, Hurter, Schaffhausen 1852, S. 259, (Digitalisat in der Google Buchsuche)
  7. Franz Graf-Stuhlhofer: Humanismus zwischen Hof und Universität. Georg Tannstetter (Collimitius) und sein wissenschaftliches Umfeld im Wien des frühen 16. Jahrhunderts. Wien 1996, S. 44-49.
  8. Angela Mohr: Die Schutzmantelmadonna von Frauenstein. Verlag Ennsthaler, Steyr 1986, 2. Auflage, S. 27. ISBN 3-85068-132-7
  9. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Das Museum und seine Repräsentationsräume. Kiesel Verlag, Salzburg 1981, ISBN 3-7023-0113-5, S. 30
Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich III./V. Römisch-deutscher König
1486/1508–1519
Karl V./I./II./I.
Erzherzog von Österreich
1493–1519
Wilhelm von Sachsen Herzog von Luxemburg
1482–1516
Siegmund Graf von Tirol etc.
1490–1519
Karl von Valois, der Kühne Großmeister des Ordens vom Goldenen Vlies
1478–1482
Philipp I. von Habsburg