Michael Degen

Michael Degen auf dem roten Teppich zum Studio Hamburg Nachwuchspreis. 2012
Michael Degen (2011)

Michael Max Degen (* 31. Januar 1932 in Chemnitz) ist ein deutsch-israelischer[1] Theater- und Filmschauspieler und Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Jugend

Verfolgt wegen seiner jüdischen Herkunft, überlebte er den Zweiten Weltkrieg und die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in Berlin zusammen mit seiner Mutter Anna Degen unter falscher Identität im Versteck bei nichtjüdischen Freunden. Sein Vater wurde im September 1939 deportiert. Dieser überlebte zwar das Konzentrationslager Sachsenhausen trotz schwerster Verletzungen, starb aber kurz nach seiner Freilassung an den Folgen der erlittenen Folter im April 1940.

Schauspielausbildung

Bereits 1946 begann Michael Degen eine Schauspielausbildung am Deutschen Theater im damaligen sowjetischen Sektor Berlins. Dort erhielt er auch sein erstes Engagement. 1949 emigrierte er auf Wunsch seiner Mutter in den jungen Staat Israel, dessen Staatsbürgerschaft der zuvor Staatenlose erhielt. Er diente dort in Folge bei den Israelischen Streitkräften während des israelischen Unabhängigkeitskrieges unter der Weigerung, eine Waffe zu tragen und den Fahneneid abzulegen.[2] Während dieser Zeit fand er auch seinen älteren, im Krieg verwundeten Bruder Adolf Degen in einem Lazarett wieder und lernte mit seiner Hilfe auch Neuhebräisch. Danach war er an den Kammerspielen in Tel Aviv engagiert. Nach zwei Jahren Israel verließ er das Land und kehrte in die Bundesrepublik zurück.

Karriere

Michael Degen (2006)

Nach seiner Rückkehr nach Berlin spielte er wieder im Ensemble von Bertolt Brecht am Deutschen Theater. In den nächsten Jahrzehnten folgten zahlreiche Engagements in Köln, Frankfurt am Main, Berlin, München, Salzburg, Hamburg und Wien. Im Laufe seiner Theater- und Filmlaufbahn arbeitete er – neben dem bereits erwähnten Bertolt Brecht – mit so renommierten Regisseuren wie Peter Zadek, Ingmar Bergman, Claude Chabrol, Rudolf Noelte und George Tabori zusammen.

Dem Fernsehpublikum wurde Michael Degen erstmals durch seine Rolle (Grunlich) in Franz Peter Wirths Mehrteiler nach Thomas Mann Die Buddenbrooks (1979) bekannt. In den 1980er Jahren sollten Fernsehfilme wie Dieter Wedels Mittags auf dem roten Platz (1983), Egon Monks Die Geschwister Oppermann (1983), Peter Beauvais' Die ewigen Gefühle (1984) und Michael Kehlmanns Geheime Reichssache (1987) folgen.

Seit 1986 meidet Degen politische Stellungnahmen in der Öffentlichkeit, da er nach einem Protest gegen ein Treffen der „Leibstandarte Adolf Hitlerrechtsradikale Morddrohungen erhielt und seine Wohnung in Hamburg verwüstet wurde.

Für viele Fernsehzuschauer blieb er am nachhaltigsten durch eine der populärsten Serien der späten 1980er Jahre an der Seite von Witta Pohl und Günter Strack in Erinnerung: Diese Drombuschs (ab 1989). Außerdem ist er in der ARD-Krimiserie Donna Leon in der Rolle des eitlen Vice-Questore Patta (seit 2000) sehr präsent.

Auch weiterhin bekommt Degen Filmangebote, da er mit seinem markanten Aussehen und seiner guten Sprechtechnik mit der angenehmen Stimme des ausgebildeten Schauspielers als Stütze für jedes Filmprojekt gilt. Degen spielt sowohl in Serien als auch in ausgewählten anspruchsvollen Filmproduktionen.

Seit einigen Jahren tritt Michael Degen auch als Schriftsteller in Erscheinung. 2003 erhielt er für seine Memoiren den Berliner Bären (BZ-Kulturpreis).

Privates

Degen ist zum zweiten Mal verheiratet und hat vier Kinder. Eine Tochter ist die Schauspielerin Elisabeth Degen (Aimée und Jaguar, Nach so vielen Jahren).

Verfilmung seiner Autobiografie

Degens Autobiografie Nicht alle waren Mörder (2002) wurde 2006 für die ARD verfilmt. In Zusammenarbeit mit ihm verfasste Jo Baier das Drehbuch und führte ebenfalls Regie. Der Berliner teamWorx-Chef Nico Hofmann produzierte mit Gabriela Sperl und Jürgen Schuster das Vier-Millionen-Euro-Projekt. Die Dreharbeiten begannen am 10. Oktober 2005. Darsteller sind unter anderen Aaron Altaras, Nadja Uhl, Hannelore Elsner, Dagmar Manzel, Axel Prahl, Maria Simon, Katharina Thalbach und Richy Müller. Der Film wurde am 1. November 2006 in der ARD gezeigt.

Filmografie

  • 1967: Das Attentat: L. D. Trotzki – Tod im Exil
  • 1968: Der Richter von Zalamea
  • 1970: Die U-2 Affäre
  • 1973: Supermarkt
  • 1975: Filmriss
  • 1976: Die 21 Stunden von München
  • 1977: Jenseits von Gut und Böse
  • 1977: Tatort – Das Mädchen am Klavier
  • 1978: Die Buddenbrooks
  • 1980: Ein Mann von gestern
  • 1981: Derrick – Prozente
  • 1981: Derrick – Kein Garten Eden
  • 1981: Die Wahlverwandtschaften
  • 1982: Das Traumschiff
  • 1983: Derrick – Via Genua
  • 1983: Plötzlich und unerwartet
  • 1983: Die Geschwister Oppermann
  • 1983: Diese Drombuschs
  • 1984: Der Alte – Von Mord war nicht die Rede
  • 1984: Julia
  • 1984: Die ewigen Gefühle
  • 1985: Der Alte Episode – Die Tote in der Sauna
  • 1985: Hautnah
  • 1986: Das Wahlergebnis
  • 1987: Derrick – Ein Weg in die Freiheit
  • 1987: Wer lacht schon über Rosemann
  • 1987: Die Kolonie
  • 1987: Die Bombe (Fernsehfilm)
  • 1988: Game, Set, and Match
  • 1989: Wie du mir…
  • 1990: Der Alte – So gut wie tot
  • 1990: Dr. M
  • 1991: Der Alte – Grenzenlos
  • 1991: Struppi & Wolf
  • 1991: Der Froschkönig
  • 1991: Die Erbschaft
  • 1992: Der Alte – Tödliche Beziehungen
  • 1992: Auto Fritze
  • 1993: Der Alte – Korruption
  • 1993: Ein unvergessliches Wochenende …in Salzburg
  • 1993: Tatort – Die Sache Baryschna
  • 1993: Christinas Seitensprung
  • 1993: Das Sahara Projekt
  • 1994: Die letzte Entscheidung
  • 1994: Anna Maria – Eine Frau geht ihren Weg
  • 1995: Das wilde Mädchen
  • 1996: Spiel des Lebens – Nachtasyl
  • 1996: OP ruft Dr. Bruckner
  • 1996: Spitzenleistung
  • 1996: Tanz auf dem Vulkan
  • 1997: Kidnapping – Ein Vater schlägt zurück
  • 1997: Verschollen in Thailand

Bücher

Hörbücher

Auszeichnungen

Einzelnachweise

  1. „Ich möchte einfach mehr Zeit haben“, Interview von Ralf Fischer und Jan Poppke mit Michael Degen auf HaGalil.com. Abgerufen am 20. August 2010.
  2. Hamburger Abendblatt vom 4./5. Dezember 2010, Magazin, Rubrik:Stadgespräch, Seite III.

Weblinks