Miroslav Navratil

Miroslav Navratil, auch: Friedrich Navratil (* 19. Juli 1893 in Sarajevo; † 7. Juni 1947 in Zagreb) war ein kroatisches sogenanntes Fliegerass der k.u.k. Luftfahrtruppen, sowie General und Verteidigungsminister im Unabhängigen Staat Kroatien.

Navratil wurde als Sohn kroatischer Eltern in Sarajevo geboren. Er besuchte eine Infanteriekadettenschule und war bei Kriegsausbruch Leutnant des bosnisch-hercegowinischen Infanterieregiments Nr.1. Unter anderem nahm er an den zwei österreichisch-ungarischen Offensiven gegen Serbien teil, später auch an der 2. Isonzoschlacht. Im Frühjahr 1917 suchte der mehrfach ausgezeichnete, aber auch kriegsmüde Navratil um eine Versetzung zu den Luftfahrtruppen nach, dem aufgrund seiner Leistungen stattgegeben wurde.

Navratil besuchte die Fliegeroffiziersschule in Wiener Neustadt zur Beobachterausbildung und wurde am 12. Juni der Fliegerkompanie 13 in Galizien als Beobachteroffizier zugewiesen. Im Oktober 1917 wurde er zur ebenfalls in Galizien stationierten Fliegerkompanie 11 versetzt. Dort kam er wegen des Zusammenbruchs des Zarenreichs kaum mehr zum Einsatz, stattdessen wurde seine Einheit an die italienische Front verlegt. Im November wurde dem mehrmaligem Ansuchen Navratils zur Pilotenausbildung stattgegeben.

Als Jagdflieger ausgebildet, wurde er der elitären Jagdfliegerkompanie 41J unter dem Kommando von Godwin von Brumowski zugewiesen. Bis er im Juni 1918 ein eigenes Kommando erhielt, gelang ihm jedoch nur ein einziger Abschuss bei Flik 41J. Alle weiteren erzielte er als Kommandant der Jagdfliegerkompanie 3J bis Kriegsende, davon viele gegen Flieger der Royal Air Force. Bei einem Testflug am 26. Oktober bruchlandete er und war bei Kriegsende Rekonvaleszent.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Navratil zunächst als Oberst Teil der Luftstreitkräfte des neuen südslawischen Staates. Wegen Differenzen mit serbischen Offizieren wurde er aus der Armee entlassen. Nach der bedingungslosen Kapitulation Jugoslawiens gegenüber den Achsenmächten wurde er erster Oberbefehlshaber der Luftstreitkräfte des Marionettenstaates Unabhängiger Staat Kroatien. Kurze Zeit später wurde er zum Militärattaché in Bukarest ernannt. Im August 1943 zum Generalleutnant (kroatisch:General Pukovnik) befördert, war er vom 2. September 1943 bis 29. Jänner 1944 Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er galt als gemäßigt und war schockiert über die Politik der Verfolgung der Minderheiten gemäß den Rassengesetzen, aber seine Karriere unterbrach er deshalb nicht.

Danach wurde Navratil mit dem Aufbau der Luftabwehr um Zagreb und anderen Städten beauftragt. Ab März 1944 war er Botschafter in Rumänien. Als er im Februar 1945 das Aussenministerium übernehmen sollte, setzte er sich zu Verwandten nach Wien ab, wo er bis Kriegsende blieb. Nach dem Krieg wurde er in Zell am See von den Amerikanern festgenommen und 1946 an Jugoslawien ausgeliefert. In einem neuntägigen Prozess wurde er zusammen mit sechs anderen Personen wegen Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Deutschland und Kriegsverbrechen verurteilt und 1947 hingerichtet.

Quellen

  • O'Connor, Dr.Martin: Air Aces of the Austro-Hungarian Empire 1914–1918. Flying Machines Press, Mountain View (Californien) 1986, ISBN 1891268066

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