Moritz von Egidy

Moritz von Egidy
Wappen der Familie von Egidy

Christoph Moritz von Egidy (* 29. August 1847 in Mainz; † 29. Dezember 1898 in Potsdam) war ein königlich preußischer Offizier, Pazifist, Moralphilosoph und christlicher Reformator.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Er entstammte einer ursprünglich niederländischen Familie, die im 17. Jahrhundert nach Elbing ausgewandert war, und war der Sohn von Ferdinand von Egidy und Alexandrine Siegmund.

Leben

Egidy wurde im Kadettenkorps in Potsdam und Berlin erzogen und 1865 Leutnant im brandenburgischen Füsilierregiment Nr. 35, mit dem er den Deutschen Krieg von 1866 mitmachte. 1868 trat er aus Familienrücksichten in den sächsischen Militärdienst. 1875 wurde er Rittmeister, 1884 Major im Husarenregiment Nr. 18, 1887 Oberst im Grenadier-Regiment Nr. 101 "Kaiser Wilhelm, König von Preußen" (2. Königlich Sächsisches), 1889 Oberstleutnant und im Herbst 1890 verabschiedet. Von 1891 bis 1897 wohnte Egidy in Berlin. Dort wurde auch eine Straße in der Wohnungsbaugenossenschaft "Freie Scholle" in Tegel nach ihm benannt.

Großes Aufsehen erregte seine im Oktober 1890 in Leipzig erschienene Schrift "Ernste Gedanken", in der er gegenüber dogmatischer Verengung und Verknöcherung der evangelischen Kirche den undogmatischen Charakter des Christentums als der Religion der Liebe betonte und mit großem Ernst zu einer religiösen Neubelebung aufforderte. Das Werk war gleichzeitig ein Aufruf zu einem reformierten einigen Christentum. Das Werk wurde in fünf Monaten in 50.000 Exemplaren verbreitet. Seine sozialethischen Gedanken machten ihn bekannt und drängten ihn in eine Vorreiterrolle, auch in verschiedenen politischen Lagern. Aufgrund seiner Veröffentlichung wurde der Karrierist aus dem Militärdienst entlassen und stand bis zu seinem Tode unter der Beobachtung der Geheimpolizei.

Er starb am 29. Dezember 1898 an den Folgen einer Erkrankung auf einer seiner Vortragsreisen. Ihm zu Ehren wurden einige Gedenkfeiern abgehalten, beispielsweise am 29. Januar 1899 im Concerthaus in der Berliner Leipziger Straße. Zur Veranstaltung hatte das "Comité der Gedächtnis-Feier" eingeladen, zu dem ca. 100 Personen, darunter Adolf Damaschke, Prof. Wilhelm Foerster, Gustav Landauer, Wilhelm Liebknecht, Gustav Lilienthal, Franz Oppenheimer, Bertha von Petersenn und Bertha von Suttner gehörten.

Veröffentlichungen

  • Weiteres zu den Ernsten Gedanken, Berlin, 1890
  • Ausbau der Ernsten Gedanken, 8 Hefte, Berlin, 1891
  • Bericht über die Pfingstversammlung, Berlin, 1891
  • Das einige Christentum, Berlin, 1891
  • Ernstes Wollen, Berlin, 1891
  • MvE im Interview in: Hermann Bahr; Hermann Greive (Hg.): Der Antisemitismus. Ein internationales Interview Jüdischer, Königstein 1979 (zuerst 1894, Neuaufl. 2005) ISBN 3761080433, S. 38 - 42

Literatur

  • Emmy von Egidy: Christoph Moritz von Egidy: Werden, Sein und Wirken. Den Enkeln zugeeignet zum 90. Gebeurtstag ihres Großvaters. Selbstverlag (Manuskript), Weimar 1937.
  • Engelbert Lorenz Fischer: Die modernen Ersatzversuche für das aufgegebene Christentum. Ein Beitrag zur Religionsphilosophie und Apologetik. Manz, Regensburg 1903.
  • Heinz Herz: Alleingang wider die Mächtigen. Ein Bild vom Leben und Kämpfen Moritz von Egidys. Koehler u. Amelang, Leipzig 1970.
  • Klaus Hugler: Moritz von Egidy, „Ich hab's gewagt!“ Vom preußisch-sächsischen Offizier zum streitbaren Pazifisten. Märkischer Verlag, Wilhelmshorst 2001. ISBN 3-931329-31-3.
  • Ernst Christian Achelis: Egidy, Moritz von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 48, Duncker & Humblot, Leipzig 1904, S. 272 f.

Weblinks