Moritz von Königswarter

Moritz Freiherr von Königswarter (* 16. Juli 1837 in Wien; † 14. November 1893 ebenda) war ein österreichischer Bankier. Er war Mitglied des österreichischen Herrenhauses und jüdischer Philanthrop.

Moriz Freiherr von Königswarter (von Theodor Mayerhofer, 1884)

Inhaltsverzeichnis

Leben

Königswarter wurde 1860 Gesellschafter und 1872 Leiter der Bank seines Vaters Jonas Freiherr von Königswarter. Von 1879 bis 1881 gehörte er dem Verwaltungsrat der Creditanstalt an. Er war auch einige Zeit dänischer Generalkonsul in Wien und Direktor der Nordbahn sowie Mitglied des Staatsschulden-Kontrollausschusses. Ferner gehörte er zu den Mitbegründern der Israelitischen Theologischen Lehranstalt Wien.[1]

Königswarter errichtete und unterhielt das auf den 1840 gegründeten Verein zur Förderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten zurückgehende jüdische Lehrlingsheim in der Grünentorgasse 26, Wien-Alsergrund, das bis zu seiner Auflösung durch die Nationalsozialisten, 1938, existierte und das als Heim- und Lehrstätte im Jahre seiner Schließung 118 Waisenknaben beherbergte.[2] Kurz vor seinem Ableben stiftete Königswarter dem Verein zur Errichtung und Unterhaltung von Wärmestuben 100.000 Gulden.[3] Zahlreiche andere humanitäre Institutionen sind mit dem Namen Königswarters verbunden, unter anderem das Blinden-Institut auf der Hohen Warte sowie die Kaiser-Franz-Josephs-Stiftung.[4]

Nach schweren Leiden verstarb Moritz von Königswarter in seinem Palais am Kärntner Ring 4, Wien-Innere Stadt.[4] Gemäß seinem letzten Willen wurde sein Leichnam obduziert. Die vom Pathologen Richard Paltauf vorgenommene Leichenöffnung erbrachte unter anderem ein hühnereigroßes, etwa eineinhalb Jahre altes Gliom im linken unteren Hirnlappen.[5] Königswarter wurde am 16. November 1893 auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet, wo er ein Ehrengrab erhielt (Tor 1, Gruppe 5b, Reihe 1, Nr. 7).[6]

Moritz von Königswarter war seit dem 26. Oktober 1860 mit Charlotte Edle von Werthheimstein (1841–?) verheiratet gewesen.[7] Von seinen drei Söhnen wurde der zweitgeborene, Hermann (1864–1915), zum Universalerben bestimmt.[8] Die Annahme, der Obduktionsbefund könnte Grundlage für die Anfechtung des Testaments durch die beiden minderberücksichtigt gebliebenen Söhne sein, wurde von den drei Brüdern unisono zurückgewiesen.[9]

Literatur

Weblinks

 Commons: Moriz von Königswarter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.landtag-noe.at/service/politik/landtag/Abgeordnete/ZAbgK/Koenigswarter.pdf
  2. Angelika Shoshana Duizend-Jensen, Historikerkommission der Republik Österreich (Hrsg.): Jüdische Gemeinden, Vereine, Stiftungen und Fonds. „Arisierung“ und Restitution. Wien 2002, S. 27. (Gedruckte Ausgabe 2004: ISBN 3-7029-0499-9). – Volltext online (PDF), abgerufen am 30. November 2012.
  3. Neue Freie Presse: Baron Moriz Königswarter, S. 5, sowie Michaela Feurstein(-Prasser), Gerhard Milchram: Jüdisches Wien. Stadtspaziergänge. Böhlau , Wien 2001, ISBN 3-205-99094-3, S. 100.
  4. a b Neue Freie Presse: Baron Moriz Königswarter, S. 5.
  5. Leichenbegängniß des Freiherrn Moriz v. Königswarter. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 10502/1893, 16. November 1893, S. 2, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  6. Hedwig Abraham: Moritz Königswarter, Freiherr von. In: viennatouristguide.at, abgerufen am 30. November 2012.
  7. Ernst August Krahl, Richard Graf Belcredi (Hrsg.): Mährisches Wappenbuch vom Jahre 1888. (Wappenalbum des mährischen Großgrundbesitzes. Die Markgrafschaft Mähren in kunstgeschischtlicher Beziehung). Beheym-Verlag, Gessertshausen 1986, S. 64.
  8. Neue Freie Presse: Baron Moriz Königswarter, S. 6.
  9. Kleine Chronik. (…) Baron Moriz Königswarter. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 10503/1893, 17. November 1893, S. 5, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp