Narrenzunft Schömberg

Die Narrenzunft Schömberg ist eine Narrenzunft, deren Aufgaben als gemeinnütziger eingetragener Verein die Bewahrung der Traditionen der Fasnet und die Ausrichtung der Narrensprünge in Schömberg ist. Schömburg im Zollernalbkreis gilt als eine Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Die Schömberger Fasnet ist überregional bekannt für den Narrentanz „Bolanes“.

Schömberger Fransennarren auf dem Narrentreffen in Weingarten 2006

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Entstehung der Schömberger Fasnet lässt sich bis zum Jahre 1796 zurückverfolgen. Das erste noch erhaltene Narrenkleid stammt aus dem Jahre 1812, welches sich heute noch im Privatbesitz eines Schömberger Einwohners befindet. Erst im Jahre 1922 wurde die Narrenzunft Schömberg als eingetragener Verein offiziell gegründet. Davor wurde die Fasnet von den Handwerkerzünften organisiert und durchgeführt.

Während des Ersten (1915–1918), wie auch dem Zweiten Weltkriegs (1940–1945), sowie dessen Nachkriegszeit (1946–1948) fand keine bzw. fast keine Fasnet in Schömberg statt. 1946 haben die Zwanzger, wenn auch unter sehr schlechten Umständen, ihre Zwanzgerfasnet gefeiert, obwohl dies von der französischen Besatzungsmacht nicht genehmigt wurde. Gleiches wiederholte sich im Jahre 1948. Erst ein Jahr später akzeptierte die Militärregierung die Wahl des Narrenrates.

Im Jahre 1963 fand zum ersten Mal ein Narrentreffen in Schömberg statt, welches von der Narrenzunft organisiert wurde. Weitere folgten in den Jahren 1967, 1982, 1992 und 2002. Ein Jahr später wurde der von dem Künstler Alfred Sessler gestaltete Narrenbrunnen am Schömberger Marktplatz eingeweiht. Bei der offiziellen Einweihung floss Rotwein aus dem Brunnen.

In den 1970er Jahren begannen einige Narren gegen Mitternacht des Fasnetzeischdigs mit dem heute genannten „Mitternachtsbolanes“. 1977 wurde diese Idee von den damaligen Zwanzgern mit einem Fackelverkauf für den letzten Umzug auf alle Fasnetsgänger zugänglich gemacht. Heute ist die Mitternachtspolonaise nicht mehr aus der Schömberger Fasnet wegzudenken, gehört jedoch nicht zum offiziellen Programm der Schömberger Fasnet.

Zwei Jahre später bat das europäische Maskenmuseum in Binche (Belgien) um ein Schömberger Fransenkleidle, welches der Narrenrat bei einem Ausflug dorthin überreichte.

1981 fand das erste Mal der Zunftball statt.

Im Jahre 1988 konnte die Schömberger Narrenzunft dank einer großzügigen Spende die eigene Zunftstube, sowie das Narrenmuseum verwirklichen (Siehe Narrenmuseum).

Während des Zweiten Golfkriegs (1991) sah sich die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, in welcher die Narrenzunft Schömberg seit 1929 Mitglied ist, durch enormen Mediendruck gezwungen, den Zünften zu empfehlen, ihre Fasnetsveranstaltungen abzusagen. Auch der Schömberger Narrenrat sagte die Fasnet ab, was den Zwanzgern verständlicher Weise nicht zusagte. So wagten die Zwanzger am Fasnetssonntag den Verkauf der Narrenblättle, sowie den Narrensprung am Fasnetsmontag, bei dem sie von weiteren mutigen Schömberger Narren begleitet wurden.

Mit der Fasnet 1997 begann die systematische Erfassung und Nummerierung aller Schömberger Narrenkleider. Diese werden mit einem Aufnäher, auf dem das Schömberger Wappen, der Schriftzug „Narrenzunft Schömberg“, sowie eine Nummer aufgestickt sind, ausgestattet. Das letzte registrierte Kleidle, ein Fransennarr, trägt die fortlaufende Nummer 1738 (Stand: Fasnet 2010).

Zum 80-jährigen Bestehen der Narrenzunft fand 2002 ein zweitägiges Narrentreffen in Schömberg statt.

Im Jahr 2012 finden anlässlich des 90-jährigen Bestehens der Narrenzunft und dem 200-jährigen Bestehen des „alten Harzers“ die „Schömberger Narrentage“ statt.

Ablauf der Schömberger Fasnet

Fasnetsvorbereitung

Die Fasnet in Schömberg beginnt nicht wie anderswo am 11. November, sondern am 5. Januar, dem Tag vor Dreikönig mit der Generalversammlung in der Stauseehalle in Schömberg. Neben den üblichen Abläufen einer Hauptversammlung wird hier das erste Mal, beim Einlauf der Zwanzger, die mit einem Fransenkleidle oder Fuchswadel bekleidet sind, der Narrenmarsch gespielt. Die restliche Versammlung unterscheidet sich nur kaum von denen eines Sport- oder Musikvereins. Nur eines ist anders. Die Narrenzunft Schömberg hat keine „richtigen“ Mitglieder. Der Narrenrat geht in den Tagen nach der Generalversammlung, aber vor der Fasnet von Haus zu Haus und zieht die Beiträge während einer Haussammlung ein. Dabei werden die Narrenräte von einem oder zwei Zwanzgern begleitet. Dies ist immer wieder ein willkommener Anlass zur Kommunikation und Einnahme eines oder auch mehrerer Getränke. So lässt sich erklären, warum manche Narrenräte für ihr zugewiesenes Gebiet oft einige Wochen brauchen, bis es komplett besucht wurde. Zur Narrenzunft zählt jeder Schömberger Einwohner, der bei einer solchen Haussammlung mindestens einen Euro bezahlt hat.

Nächster Termin in der Fasnetsvorbereitung, einen Tag später, ist das Abstauben. Die Zwanzger besuchen die wichtigsten Narrenhäuser im Städtle und stauben mit einem sog. „Feadrawisch“ die Narrenkleidle ab. Dies hat einen ehr symbolischen Charakter.

Ab 2. Februar (Lichtmess) gehen kleinere Gruppen oder Jahrgänge „maschgra“ (ital. „Mascera“ = Maskierung). Diese verkleiden sich meist bis zur Unkenntlichkeit und ziehen durch Gaststätten und auch Privathäuser. Früher ging man an Dienstagen, Donnerstagen oder Sonntagen meistens abends zum Maschgra. Zeitenweise beschränkte es sich dann nur noch auf die Samstagabende, wobei in den letzten Jahren die traditionellere Variante wieder mehr Zustimmung gefunden hat.

Ab Anfang Januar finden zudem immer an den Wochenenden Narrentreffen statt, wo sich die Narrenzünfte aus den jeweiligen Vereinigungen bzw. Ringen, den Nachbargemeinden oder auch Narrenzünften ohne direkten Bezugspunkt treffen. Die Schömberger Narrenzunft geht jedoch höchstens auf zwei Narrentreffen pro Jahr, auch wenn die Anzahl der Einladungen größer ist. Grund hierfür ist die Tatsache, dass durch die Abwesenheit von mindestens 150 Narren übers Wochenende das Maschgra stark darunter leidet. Grundsätzlich wird eine Woche vor der Fasnet überhaupt kein Narrentreffen mehr besucht, damit alle gemeinsam Maschgra gehen können.

Der seit 1981 veranstaltete Zunftball findet meistens zwei oder drei Wochen vor der eigentlichen Fasnet statt. Das Programm wird von den Zwanzgern und Neuzehnern, sowie der Narrenzunft, Vereinen und privaten Gruppierungen gestaltet.

Fasnet

„Schmotziga“

Als „Schmotziga“ bezeichnet man den ersten Tag der Fasnet. Dies ist immer ein Donnerstag, welcher sich, wie Ostern, nach dem ersten Frühjahrsvollmond richtet. Der Aschermittwoch, welcher sechs Tage nach dem „Schmotziga“ ist, ist vierzig Tage vor Ostern. Somit beginnt die Fasnet 46 Tage vor Ostern.

Am „Schmotziga“ treffen sich in der Alten Hauptstraße Zwanzger, der Narrenrat und ca. zwanzig Fransennarren und Fuchswädel, welche sich um neun Uhr morgens auf den Weg in die beiden Schömberger Kindergärten machen. Hier wird der Narrenmarsch das erste Mal an der Fasnet gespielt und zusammen mit den Kindern der erste Reigen durch alle Räume getanzt. Die Kinder erhalten danach von den Narren und vom Narrenrat Süßigkeiten.

Um 14:00 Uhr treffen sich vor dem Gasthof Plettenberg hunderte Kinder, Jugendliche und Eltern zum Teil auch aus den Nachbargemeinden zum Kinderumzug. Die Jugendlichen und die Zwanzger tragen Zivilkleidung und den Kopf (Larve) eines Narren, sowie einen Gschellriemen (Riemen mit Glocken) von links nach rechts. Dieser Brauch kommt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wo es kaum Familien gab, die eigenen Narrenkleider besaßen. Die Narrenkleider die es gab, waren auf die Größe einen ausgewachsenen Mannes zugeschnitten. Damit die Jugendlichen auch mal jucken konnten, lieh man die Larven und einen Gschellriemen. Die restlichen Teilnehmer gehen als Maschger. Musikalisch umrahmt wird der Umzug von der Jugendkapelle der Stadtkapelle Schömberg. Der Umzug macht auf dem Weg ins Städtle ein Abstecher zur Firma Lindner, wo die Kinder eine Tafel Schokolade bekommen und mit Getränken versorgt werden. Danach geht es dann weiter auf den Marktplatz, wo eine Polonaise getanzt wird. Danach gehen viele Kinder noch in die Stauseehalle.

Am Abend des „Schmotziga“ gehen viele Gruppen noch einmal maschgra und in allen Lokalen wird zum Tanz eingeladen. In den letzten Jahren nahm die Anzahl der Leute, die Schömberg an diesem Abend besuchen rapide zu, was viele Lokalitäten an die Grenze der Raummöglichkeiten treibt.

Die Feierlichkeiten ziehen sich oftmals bis in die Morgenstunden des nächsten Tages, bei denen schon manche von der Helligkeit überrascht wurden. Durch die Aufhebung der Sperrstunden über die Fasnetstage ist dies möglich.

Freitag

Am Freitag nach dem „Schmotziga“ ruhen aus Respekt vor dem Kreuzestod Jesu Christi alle fasnächtlichen Aktivitäten.

„Fasnetssamschdig“

Am Samstag findet die Fasnet ausschließlich abends statt. Hier gehen die Jahrgänge der 15er bis 20er traditionell in den ausgefallensten Verkleidungen maschgra (bei diesem maschgra handelt es sich um verschiedene Jahrgänge, welche je ein eigenes Motto haben und sich auf diese Art der Öffentlichkeit präsentieren, beispielsweise gehen alle des Jahrgangs als Vampire etc.). Auch andere Jahrgänge oder Gruppierungen nutzen diesen Abend dafür. In den letzten Jahren hat es sich eingebürgert, dass die Jahrgänge im Gasthaus Waldeck treffen und ihr Motto beim Einzug präsentieren. Oft wird dies musikalisch umrahmt, sofern in den Jahrgängen Musiker vorhanden sind. Hier werden bereits die ersten Vesper, Süßigkeiten und eventuell ein Schnaps an die Gäste verteilt.

Danach ziehen die meisten weiter in Richtung Städtle, wobei viele noch einen Zwischenstopp im Gasthof Plettenberg machen, wo zusammen mit vielen Einwohnern Schömbergs, egal ob alt oder jung, gefeiert wird. Auch hier gehen die Feierlichkeiten bis früh am nächsten Tag.

„Fasnetssonndig“

Bolanes am Sonntag
Stadtkapelle beim Bolanes

Der Sonntag beginnt traditionell mit dem Gottesdienst um neun Uhr. Für Zwanzger, wie auch für viele Narren ist dies ein Pflichtbesuch, da dies offiziell zur Schömberger Fasnet dazugehört. Die Narren besuchen den Gottesdienst im Kleidle, jedoch ohne Larve und Gschell. In der ersten Bankreihe sitzen die Zwanzger in Frack und Zylinder, von denen eine Delegation als Messdiener dem Pfarrer zur Verfügung steht. Der Stadtpfarrer hält an diesem Sonntag eine launige, gereimte Predigt. Beim Auszug aus der Kirche wird vom Organist der Narrenmarsch auf der Kirchenorgel gespielt.

Nach dem Gottesdienst verkaufen die Zwanzger paarweise das Schömberger Narrenblättle, mit Ausnahme von zweien. Diese bewegen sich in einer Kutsche oder zu Pferd durch die Straßen Schömbergs und rufen die Fasnet aus. Dazu tragen sie historische Landsknechtuniformen.

Um 14:00 Uhr startet wiederum am Gasthof Plettenberg der große Umzug. Hunderte von Narren und Fuchswädeln jucken durch strengstens festgelegte Gassen und über den Marktplatz, auf dem nach dem Umzug der Schömberger Narrentanz, „da Bolanes“ stattfindet. Musikalisch umrahmt wird der Umzug und die Polonaise von vier Musikkapellen: Der Stadtkapelle Schömberg, der Jugendkapelle Schömberg, dem Musikverein Ratshausen und dem Musikverein Zimmern u.d.B.. Bei schönem Wetter können bis 800 Teilnehmer sein. Die Straßen und der Marktplatz werden von über tausend Besuchern umsäumt.

Der Abend fällt, im Verhältnis zu den anderen Abenden bei vielen ehr etwas ruhiger aus. Grund dafür ist der Narrensprung am Montagmorgen um 8:11 Uhr.

„Fasnetsmedig“

Der Montag zählt, wie der Dienstag zu den absoluten Feiertagen. Diese beiden Tage sind die Haupttage der Schömberger Fasnet. So gut wie alle Narren haben an diesen beiden Tagen freigenommen, sofern sie in einem Ort arbeiten, an dem die Fasnet keine Rolle spielt. Schömberger Unternehmen haben an diesen Tagen grundsätzlich den Betrieb eingestellt.

Los geht's um 8:11 Uhr auf dem Flügelbühle. Von dort geht es noch ohne hörbare musikalische Begleitung in Richtung Marktplatz, wo sich die Stadtkapelle postiert hat und den Narrenmarsch spielt. Von dort geht es dann zum ehemaligen Gasthaus Waldhorn, wo sich die Formation der Narren dann auflöst. Die ersten Getränke werden dann in den umliegenden Lokalen eingenommen, bevor sich die Narren dann um 9:15 Uhr am Waldhorn zum Narrenlied aufstellen. Danach geht es wieder in die umliegenden Gaststätten oder Privathäuser.

Bereits um 10:31 Uhr geht es allerdings weiter. Der Hauptakt steht bevor. „Da Bolanes“ startet pünktlich auf dem Marktplatz, wo sich alle Narren wieder versammeln. Nach der Polonaise die oftmals eineinhalb bis zwei Stunden in Anspruch nimmt, suchen die oft ausgepowerten Narren wiederum die Gast- oder Privathäuser zum Mittagessen auf.

Um 14:31 Uhr findet der große Kinderumzug statt, bei dem auch die anderen Narren teilnehmen. Danach gibt es für die Kinder Wurst und Wecken bei der Zehntscheuer. Der Rest befindet sich zu der Zeit schon wieder in den Wirtshäusern.

Gegen 18:00 Uhr haben alle Narren ihre Gschellriemen zuhause. Denn vor dem Betzeitläuten um sechs müssen diese zuhause abgelegt sein. Eine gute Gelegenheit um auch die Larve heimzubringen, da diese am Abend nicht mehr benötigt wird und man die Gefahr auf Verlust oder Beschädigung, trotz großer Achtsamkeit vermeiden will. Manche ziehen sich um und legen wieder ein Maschgergwand an, andere gehen im Narrenkleidle. Der Abend verläuft wie die Abende am Donnerstag und Samstag.

„Fasnetszeischdig“

Maschgra am Dienstag

Am Dienstag, dem letzten Tag beginnen die Narren etwas später. Erst um 10:02 Uhr treffen sich die Narren wieder beim Rathaus. Es folgt das Narrenlied mit anschließendem Reigen vor der Kanone.

Um 11:00 Uhr findet dann die große Polonaise auf dem Marktplatz statt. Hinter den Fransennarren und Fuchswädeln reihen sich eine große Anzahl an Maschger ein. Danach ziehen die Narren von Gasthaus zu Gasthaus und je später der Tag, desto schwerer die Beine der Narren. Der letzte Reigen endet pünktlich um 18:00 Uhr zur Betzeit.

Gegen Abend verkaufen die Zwanzger dann Fackeln für den noch anstehenden „Mitternachtsbolanes“. Um 23:30 Uhr versammeln sich noch alle noch Anwesenden auf dem Marktplatz und jucken ein letztes Mal. Einige Musikanten spielen dazu den Narrenmarsch in verschiedenen Varianten. Mal normal, mal ganz schnell und mal ganz langsam. Ein Sinn ergibt die Formation der Narren nicht mehr. Alles tanzt wild durcheinander. Um Punkt 0:00 Uhr stoppt der Klang des Narrenmarsches und die Zwanzger versammeln sich um einen bereitgestellten Eisenwagen, in den alle Fackel geworfen werden. Um das Feuer stehen die Zwanzger in der ersten Reihe. Das erste Mal werden die Facklasonndigslieder gesungen, bei denen sich die ein oder andere Träne bei manchen doch zeigt.

Die Fasnet ist (fast) vorbei!

Nach der Fasnet

„Äschamittwoch“

Am Aschermittwoch haben nur noch die Zwanzger eine Aufgabe. Sie laufen noch einmal in Frack und Zylinder zu den Schömberger Geschäften um Spenden zu sammeln, damit sie ihre Schulden und Rechnungen bezahlen können. Zum Dank verteilen sie Heringe und Brot an die Geschäftsleute und Passanten. Voraus tragen sie ein Holzkreut, an dem leere Geldbeutel hängen, als Zeichen, dass alles Geld versoffen ist. Die Zwanzger bekommen auf ihrem Weg viele kleine Geschenke, welche sie alle an dem Holzkreuz befestigen. Der Narrenrat entfernt an diesem Tag die Straßendekoration und geht anschließend zum gemeinsamen Schneckenessen. Viele weitere Gruppierungen schließen sich dem an und füllen nochmal alle Schömberger Lokale.

Von Donnerstag bis Samstag gehen die Zwanzger in den Wald und bereiten das Fackelfeuer, das am Sonntag abgebrannt wird, vor.

„Facklasamschdig“

Am Samstag nach der Fasnet bauen die Männer der Jahrgänge (15er bis 19er) mehrere Hexen und ein Schild mit dem Jahresmotto des Jahrgangs für das am kommenden Sonntag stattfindende Facklafiir. Die Jugendlichen treffen sich an, im Vorfeld meist geheimen Orten, um die Hexen zu bauen, damit andere Jahrgänge diese nicht im Vorfeld stehlen können, was immer wieder versucht wird, um dem anderen Jahrgang einen Streich zu spielen. Die „Zwanzger“ haben an diesem Tag natürlich auch noch einiges zu tun. Als erstes müssen sie den Jüngsten beim Hexenbau helfen, da diese noch nicht unbedingt wissen, wie man das macht. Außerdem müssen auch sie nochmal Hexen bauen und ihre gesammelten Motto-Schilder zusammensuchen, damit sie am nächsten Tag parat sind.

Am Abend laden die jungen Männer die jungen Frauen ihres Jahrgangs zum morgigen Facklafiir ein. Hier treffen sich die Jahrgänger in vorher vereinbarten Gruppen und man lädt die Jahrgängerinnen ehr symbolisch ein. Hierbei wird gerne ein Vesper oder Abendessen zu sich genommen. Danach treffen sich meistens alle Jahrgänge im Städtle.

Jahrgänge die im Jahr zuvor „runden“ Geburtstag feiern konnten (30er, 40er usw.), beteiligen sich oft auch noch einmal am Facklafiir.

„Facklasonndig“

Der Sonntag nach der Fasnet, der erste Fastensonntag, ist der „Facklasonndig“. Früh morgens geht es für die Zwanzger auf dem Festplatz bei der Haupt- und Realschule los. Mit Hilfe erfahrener Zwanzger wird das Facklafiir aufgebaut. Das Holz für das meterhohe Werk haben die Zwanzger seit Donnerstag, manchmal auch schon vor der Fasnet, vorbereitet.

Die jungen Männer der anderen Jahrgänge holen am Spätnachmittag ihre Hexen und das Schild aus den Verstecken und tragen sie rechtzeitig zum Betzeitläuten (18 Uhr) zur Stadtkirche. Sobald die Hexen und das Schild an der Kirche stehen, dürfen sie von niemandem mehr gestohlen werden. Meist treffen sich die Jahrgänge schon etwas früher um in den umliegenden Lokalen noch ein Getränk zu sich zunehmen. Währenddessen pilgert der Rest der Bevölkerung zum Holzstoß auf den Festplatz und betet zusammen mit den Zwanzgern nach dem Betzeitläuten den „Engel des Herrn“, auch als „Englischer Gruß“ bekannt. Kurz danach wird der Holzstoß von den Zwanzgern mit einem Brandbeschleuniger übergossen und angezündet. Sobald der Rauch in den Himmel steigt, schickt ein Zwanzger der sich vor der Kirche in Stellung gebracht hat den ersten Jahrgang auf den Weg zum Facklafiir. Dann geht es zu den Klängen der Facklasonndigslieder „Oh Straßburg“, „Ein Wächterlein auf dem Türmlein saß“ und „Nun ade jetzt geht's zu Ende“ los. Auf dem Weg zum Facklafiir gibt es weitere Stationen, wo die Jugendlichen von den Zwanzgern „aufgewärmt“ werden. Am Feuer angekommen, läuft der jeweilige Jahrgang in einem genau bestimmten Ablauf singend um das Feuer und wirft am Schluss die Hexen hinein. Das Schild wird mitgenommen und bis zur eigenen Zwanzgerfasnet aufgehoben. Erst dort werden alle Schilder verbrannt. Dies macht jeder Jahrgang, bis die Zwanzger den Schluss machen. Die anderen Jahrgänge gehen danach zum Essen in die Gasthäuser. Hier wird zusammen noch einmal gefeiert und die enge Verbundenheit zur Fasnet und zur Tradition mit alten Schömberger Liedern, Trinksprüchen usw. aufrechterhalten.

Der Abend bzw. die Nacht klingt meistens mit einem erneuten Besuch am Facklafiir, wo die Zwanzger die ganze Nacht sitzen werden, aus. Die Fasnet ist endgültig aus und die Narren müssen nun lange warten, bis es am 5. Januar erneut los geht.

Figuren der Schömberger Fasnet

Fransenkleidle

Fransennarren auf dem Narrentreffen in Hechingen 2007

Das Schömberger Fransenkleidle, der Fransennarr oder umgangssprachlich auch einfach „Narr“ genannt, zählt zu den beiden Hauptfiguren der Schömberger Fasnet. Dieses Kleidle wird zu den schönsten und imposantesten Fasnetskleidle im ganzen schwäbisch-alemannischen Raum gezählt.

Der Narr, der durch seine ganze Optik Zeugnis aus der Zeit des Spätbarock und den hohen Zeit des Rokoko ablegt, hat hauptsächlich dazu beigetragen, dass die Schömberger Fasnet weit über ihre Grenzen hinaus bekannt ist und überall Bewunderung und Freude hervorruft.

Ein Narr besteht aus unzähligen Metern von Wollfransen, welche in vorgeschriebener Form auf wertvollem Samt aufgenäht werden. Die glatte liebliche Holzmaske, die meist von einheimischen Künstlern geschnitzt wird, ist am imposanten Hut befestigt. Auf diesem finden sich unzählige Bollen aus Taubenwolle und eine detailreiche Umrandung, was den Narr zu einem farbenprächtigen Kunstwerk macht. Drei Musche von Hahnenfedern und ein langes Schultertuch runden dieses ab. Unter der Jacke muss ein weißes Hemd und eine weiße Fliege getragen werden. Dazu kommen weiße Handschuhe und das selbstverständliche schwarze Schuhwerk. Das Gschell des Narren zählt nur zwei Riemen mit leichten Glocken. Außerdem führen manche Narren eine Pralinenschachtel mit sich. Die Pralinen werden nach dem Bolanes oft an Zuschauer verteilt.

Über den Ursprung bei der Diskussion über das Alter der verschiedenen Narrenkleidle sind sich die meisten Forscher weitgehend einig. Das Fransenkleid ist vermutlich eines der jüngsten. Da in Rottweil ein ähnliches Kleidle existiert, ist nicht sicher zu sagen, wo es zum ersten Mal auftauchte. Eine andere Möglichkeit ist, dass eine Braut bei ihrer Einheirat nach Schömberg um 1800 ein ähnliches Fransenkleidle aus Ettenheim mitgebracht hat.[1]

Vor 1930 war das Fransenkleidle noch aus alten Bauernleinen gefertigt, da nur wenig Bürger sich das teure Samt leisten konnten. Nur sechs von zwanzig Zwanzger hatten bei ihrer Zwanzgerfasnet 1914 ein Fransenkleidle aus Samt. Mit wachsendem Wohlstand zeigt sich diese Variante heute nicht mehr. Allerdings gibt es heute noch Schömberger Bürger, die an die Tradition erinnern wollen und Fransenkleidle aus Leinen herstellen. Auch der Hut war anders. Hier waren früher noch Papierrosen, anstatt der heutigen Bollen aus Wolle üblich.

Die Farbauswahl bleibt den Bürgern selbst überlassen, dennoch gibt es seitens des Narrenrates gewisse Grenzen, welche nicht überschritten werden sollten, da sonst das neu angefertigte Narrenkleidle nicht zugelassen wird.

Fuchswadel

Fuchswadel auf dem Narrentreffen in Hechingen 2007

Der Fuchswadel wird zu der großen Familie der Weißnarren gezählt, welche in vielen Narrenzünften der schwäbisch-alemannischen Fasnet zufinden sind. Auch in den Nachbargemeinden wie Ratshausen und Schörzingen sind ähnliche Figuren zusehen. Außerdem ist der Fuchswadel die zweite Hauptfigur der Schömberger Fasnet.

Der Fuchwadel trägt ein leichtes Kleid aus Leinen, dafür aber ein schweres Gschell mit bis zu sechs Riemen. Die Larve ist wie beim Narr glatt und freundlich. An dieser ist ein bemaltes Schultertuch und drei Fuchsschwänze angebracht. Die Jacke und die Hose des Fuchswadel sind mit phantasievollen Figuren aus der Märchenwelt, Uniformen oder Trachten bemalt. Auch Szenen von Waldarbeiten oder Comics, wie z. B. aus der Walt-Disney-Welt sind schon zusehen gewesen. Neben der üblichen Kleidung (schwarze Schuhe, weißes Hemd und weiße Fliege) hat ein Fuchswadl eine Sandwurst bei sich, an der sich während des Bolanes gehoben wird.

Der Husar

Husar

Der Husar zählt zu den Einzelfiguren der Schömberger Fasnet, dennoch sind beim Bolanes immer zwei Husaren anwesend. Sie gelten als Respektperson, was sich durch das männliche Erscheinungsbild des Husaren deutlich zeigt.

Die Kleidung haben die Husaren laut mündlicher unbelegter Überlieferung einer unglücklichen Liebschaft zu verdanken. Im Österreichischen Erbfolgekrieg von 1740 bis 1748 verliebte sich eine Schömbergerin in einen Reitersoldaten. Dieser kehrte jedoch nicht, wie versprochen, aus dem Kriege zurück. Zur Erinnerung an ihn schneiderte die junge Schömbergerin eine Nachbildung seiner Uniform.

Die beiden Husaren sind heute noch im Privatbesitz der Schömberger Familie Kiene. Diese wurden noch bis in die 1990er Jahre gegen einen geringen Betrag von der Narrenzunft geliehen, bis sich die Narrenzunft zwei eigenen Husarenkleidle herstellen ließ.

Die männliche Larve des Husaren mit einem artialischen Oberlippenbart trägt auf dem Kopf einen Blechhelm aus jener Zeit. Dadurch wirkt der Husar strenger als die anderen Teilnehmer, was ihm das Amt des Ordners des Bolanes deutlich einfacher macht. Das Kleidle selbst besteht aus groben Leinen und einem auffälligen Brustbesatz, was an die österreichischen Uniformen erinnert. Die Leinen sind wie die des Fuchswadel ebenfalls bemalt, allerdings schlicht in schwarz und rot gehalten. Den Rücken des Husaren ziert der Schriftzug „§11“. Die Bedeutung ist bis heute unbekannt, jedoch kann man davon ausgehen, dass die Elf häufig im Zusammenhang mit der Fasnet auftaucht.

Der Halbschwarze

Halbschwarzer

Der Halbschwarze ist ebenfalls eine Einzelfigur der Schömberger Fasnet, welche auch wirklich nur einmal vorkommt.

Larve und Hut entsprechen dem Fransennarren, wobei die Larve zur Hälfte Schwarz bemalt ist. Das Kleidle ist dem Blätzle ähnlich, wobei auch hier eine Hälfte schwarz ist, die andere weiß bzw. hell. Vorstellbar ist die Symbolik zwischen Licht und Dunkelheit, Gut und Böse und auch Winter und Sommer. Der Ursprung könnte bereits im 15. Jahrhundert liegen. Dieser Art der Narren ist aber auch in anderen Zünften vorhanden.

Aufgabe des Halbschwarzen beim Bolanes ist an den Zuschauern entlang zu laufen und mit diesen zuwelschen. Außerdem trägt er einen Korb mit Bonbons, die er an die jüngeren Zuschauer verteilt.

Das Blätzle

Das Blätze ist traditionell das „Kleid der armen Narren“. Entstehungszeitraum und Aussehen sind dem Fransennarren ähnlich, dennoch gibt es entscheidende Unterschiede. Das Kleidle des Blätzle besteht aus einfachen, groben Bauernleinen. Die Fransen sind beim Blätzle aus Filzstreifen. In den Krümmungen der Fransen („Sausoach“) sind Stoff-Flecken angebracht und geben dem Blätze den Namen. Die Kopfbedeckung und die Larve unterscheiden sich nicht vom Fransennarr. Auch die weißen Handschuhe, die weiße Fliege und das schwarze Schuhwerk sind hier eine Selbstverständlichkeit.

Das Blätzle hat ist wie der Halbschwarze eine Einzelfigur und verfügt über einen ähnlichen Aufgabenbereich wie dieser. Das Verteilen von Süßigkeiten aus dem Korb des Blätzle gehört ebenso dazu, wie das daherschreiten während des Bolanes.

Die Warz'

Die Warz' ist wohl das mysteriöseste Kleidle der Schömberger Fasnet. Laut Erzählungen älterer Schömberger Bürger war die Warz' im 19. Jahrhundert auf der Schömberger als Einzelfigur vertreten. Seit dem Jahre 1886 wurde die Warz' nicht mehr als Kostüm getragen. Durch die Erzählung des Schömberges Pius Seifriz (* 1878 †1982) begann der Schömberger Hobbymaler Walter Leis im Jahre 1967 die Warz' wieder herzustellen. Die Originalwarz' ist bis heute nicht mehr aufgetaucht. Der Verbleib lässt sich nur erahnen. Entweder ist sie bei einem damals nicht unüblichen Dachstuhlbrand verbrannt oder sie wurde in den 1950er Jahre, wo die Unsitte herrschte, alte Larven ins Facklafiir zu werfen, zerstört. Im Jahr 2000 wurde eine Beleg gefunden, in welchem sich der Aufenthaltsort der Originallarve der Warz' in der Rottweiler Altertumshalle befinde.[2] Die neue Warz' wurde an der Fasnet 1968 das erste Mal in der Öffentlichkeit getragen.

Die heutige Warz' ähnelt vom Gesichtsausdruck dem Harzer. Allerdings fehlt der Bart und auf der rechten Wange sitzt eine große Warze, welche dem Kostüm den Namen gibt. Die Kopfbedeckung und der Schnitt des Kleidles ist gleich wie beim Harzer. An die Originalbemalung der Warz' konnte sich der Zeitzeuge nicht mehr erinnern. Die heutige Bemalung entstand in der Phantasie des Künstlers, jedoch ähnelt sie der Bemalung des Fuchswadel. Auf dem Schultertuch befindet sich der Schriftzug „†1886 *1968“, welcher symbolisch für das „Sterben“ der Urwarz' und die „Wiedergeburt“ der Warz' steht. Die Warz' trägt wie der Harzer nur einen Gschellriemen mit allerdings nur einer Glocke. Weißes Hemd, weiße Fliege, weiße Handschuhe und schwarze Schuhe gehören auch hier zur Standardbekleidung.

Die Aufgaben der Warz' sind den Aufgaben des Halbschwarzen und dem Blätzle ähnlich: „Welschen“ und Süßigkeiten verteilen.

Der Harzer

Der Harzer ist das vermutlich älteste noch vorhandene Schömberger Fasnetskleidle. Auf dem Rücken des alten Harzers befindet sich die Jahreszahl 1812. Seither ist der Harzer an so gut wie jeder Fasnet mit seinem Besen anwesend. Der Bart zeigt, dass der Harzer respektiert werden möchte. Der Besen ist ebenfalls Ausdruck dessen.

Die Einzelfigur Harzer hat die gleiche Kopfbedeckung wie die Warz' und ein kunstvoll bemaltes Kleidle, wobei sich die Motive hier nicht mit denen des Fuchswadel oder der Warz' gleich bzw. ähnlich sind. Auch das Gschell des Harzers beschränkt sich auf einen Riemen und nur eine Glocke.

Der Harzer steht am Fasnetszeischdig (Fasnetsdienstag) nachmittags ab 16 Uhr im Mittelpunkt der Schömberger Kinder. Diese verfolgen den Harzer mit den Worten „D'Fasnet isch bald aus, d'Harzer hät an Rausch“, was auf den Zustand des Harzers zu diesem Zeitpunkt hindeutet.

Die Sauglock'

Die Sauglock' ist keine aktuelle Schömberger Fasnetsfigur. Bei den Recherchen für das Buch „Fasnet in Schömberg“ (siehe Literatur) wurde die Sauglock' in den Heimatblättern von Karl Leipold wieder gefunden. Die Sauglock' war laut Pius Seifriz das weibliche Gegenstück zum Harzer, was das Aussehen und die Ausstattung dieser Figur ebenfalls vermuten lässt. Bis auf den Bart und den Haarkranz ist alles gleich.

Von der Sauglock' gibt es nur einen bildlich dokumentierten Beweis. Beim Narrentreffen in Rottweil im Jahre 1930 ist sie auf einem, damals gedrehten Film, zwei Sekunden zu sehen. Danach wurde die Sauglock' mysteriöser Weise nie wieder gesehen.

Die Zwanzger

Allgemeines

In kaum einem anderen Ort im Südwesten Deutschlands wird heute noch ein derartig ausgeprägtes Jahrgangsleben betrieben, wie in Schömberg. Es liegt daran, dass der Zwanzger in Schömberg besonders an der Fasnet eine sehr große Rolle spielt. Die Vorbereitungen hierfür beginnen mit 15 Jahren. Als 15er wird das erste Mal um das Facklafiir gelaufen. Die Zwanzgerfasnet ist der Höhepunkt eines jedes Jugendlichen. Zurückzuführen ist das ganze wohl auf die Rekrutenzeit die damals in diesem Alter anfing. Deshalb hat man in der Phase zwischen Jugend- und Erwachsenenalter eine Art „Narrenfreiheit“. Ein weiterer Grund der diese Vermutung stützt, ist, dass am Facklasonndig bis heute alte Rekurtenlieder gesungen werden.

„Zwanzgerfasnet“

Alle Kuriositäten, Peinlichkeiten, Fehltritte, Unzulänglichkeiten usw. werden von den Zwanzgern mit Hilfe der Schömberger Bevölkerung aufgeschrieben, in Reime verpackt und später im Narrenblättle abgedruckt.

Die Taufe der neuen Zwanzger findet am Herrgottstag (Fronleichnam) auf dem Marktplatz statt. Nach der Prozession werden die neuen Zwanzger vom Vorgängerjahrgang getauft. Früher wurde dazu der Narrenbrunnen verwendet, welcher damals noch auf dem Marktplatz stand, aktuell bringen die Jahrgänge ihr eigenes Taufbecken mit.

Am 11. November wird das Narrenkästle von den Vorgängern an die Zwanzger übergeben und an der Zehntscheuer aufgehängt. Hier kann die Bevölkerung die eine oder andere Begebenheit die ans Tageslicht gekommen ist, den Zwanzgern anonym zukommen lassen.

Bei der Generalversammlung der Narrenzunft am 5. Januar beginnt dann auch für die Zwanzger die eigentliche Fasnet. Es folgen Aufgaben wie das Abstauben und die Haussammlungen, wo die Zwanzger die Narrenräte begleiten. Außerdem gehen die Zwanzger jeden Samstag vor der Fasnet maschgra. Ab dem „Schmotziga“ sind die Zwanzger dann im Dauereinsatz bis zum Facklasonndig. Siehe Ablauf der Schömberger Fasnet.

Ein letztes Mal zeigen sich dann die Alt-Zwanzger am Pfingstmontag, wo ein komplett in Flieder gepackter Jahrgänger als „Allabär“ durch die Wirtschaften getrieben wird. An Christi Himmelfahrt und Fronleichnam machen die Zwanzger die beiden letzten Gänge. Vier der Zwanzger tragen bei den Prozessionen die großen Kirchenfahnen durch die Stadt. Am Fronleichnamsnachmittag geht's dann zur bereits genannten Taufe nur dieses Mal in der Rollen des Täufers.

Sonstiges

Narrenbrunnen

Am Fasnetssonndig 1964 ging ein lang gehegter Wunsch der Narrenzunft in Erfüllung. Der Narrenbrunnen direkt am Marktplatz wurde eingeweiht. An diesem Tag floss anstatt Wasser Rotwein durch den Brunnen. Nach dem erfolgreichen Narrentreffen 1962 - auch in finanzieller Hinsicht - wurde die Idee das erste Mal im Narrenrat besprochen. Begeistert beauftragte man den Straßberger Bildschnitzer Alfred Sessler die Figur bzw. den Brunnen zu entwerfen und anzufertigen. Der 1,42 hohe Fransennarr aus Holz wiegt knapp hundert Kilogramm. Mit der Neugestaltung des Marktplatzes hat man den Narrenbrunnen um mehrere Meter versetzt. Hier befindet sich nicht mehr die originale Holzfigur Sesslers , sondern eine 1980 angefertigte, originalgetreue Metallkopie, die den Narrenbrunnen ziert. Grund hierfür war die zu rasche Verwitterung des Holzes. Das Holzoriginal steht heute noch in der Zunftstube.

Im Herbst 2011 wurde die Narrenfigur pünktlich zu den Narrentagen 2012 restauriert.

Narrenskulptur

Auf der anderen Seite des Marktplatzes steht die bronzene Narrenskulptur, die den Parkplatz vor der Sparkasse, dem Friedhof, der Zehntscheuer und dem ehemaligen Gasthaus Lamm ziert. Eingeweiht wurde die Skulptur, die von Gunter Dietrich aus Inzighofen erstellt wurde, am 17. Oktober 1998. Die Kosten von 96.000 DM wurden anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Narrenzunft über Spenden und den Überschuss einer Großveranstaltung finanziert. Auf der Plattform stehen in Lebensgröße die Narrenfiguren Fransennarr, Fuchswadel, Husar und Harzer.

Narrenmuseum

Am 9. September 1988 wurde ein weiterer Traum der Narrenräte wahr. Durch die Sanierung der „Alten Schule“ in der Nähe des Marktplatzes wurden viele Räume frei. In dem restaurierten Gebäude befinden sich die Freiwillige Feuerwehr, das Notariat, das DRK und ein Vereinsraum des Liederkranz Schömberg. Die Narrenzunft beherbergt hier sowohl das Narrenmuseum, wie auch die Zunftstube. Im Narrenmuseum befinden sich die ältesten Narrenkleider, historische Narrenrats- und Musikeruniformen, alte Zunftfahnen und zahlreiche alte Dokumente und Zeugnisse der Schömberger Fasnet und sind seitdem der Öffentlichkeit zugänglich. Mehr als 2,5 Millionen DM und mehr als 5.000 Arbeitsstunden von freiwilligen Helfern stecken in dem historischen Gebäude.

Das Narrenmuseum beherbergt heute ca. fünfzig historische Kleidle, wie auch Schriften, Fahnen, Urkunden und einen historischen Abriss über die Tradition und das Brauchtum der Schömberger Fasnet und deren Entstehungsgeschichte. Die Figuren können in Lebensgröße besichtigt werden. Träger des Narrenmuseums ist die Narrenzunft Schömberg e.V.

Das Museum und eine Zunftstube konnte im Jahr 1988 dank der Initiative des Zunftrates und einer großzügigen Spende des verstorbenen Gönners Herrn Hans-Erich Lindner eingeweiht werden. Das Museum wurde 2009 umfassend renoviert und öffnete im Januar 2010 pünktlich zur Fasnet zu ersten Mal die Pforten.

Zunftstube

Die Zunftstube ist ebenfalls ein Teil der 200 Quadratmeter großen Räumlichkeiten der Narrenzunft. Hier finden die Sitzungen des Narrenrats und die Erfassung der Narrenkleidle statt. In der Zunftstube befindet sich die originale Holzfigur, die Alfred Sessler ursprünglich für den Narrenbrunnen geschnitzt hat.

Liste der Zunftmeister der Narrenzunft

Zeit Name Beruf
1922–1924 Franz-Josef Baier Bäckermeister
1925–1927 Heinrich Schmidberger Landwirt
1928–1930 Karl Ströbel Steinmetz
1931–1933 Franz-Josef Baier Bäckermeister
1934–1937 Thomas Riedlinger Hausmeister
1938 Rudolf Faulhaber Fuhrhalter
1939 Karl Schmidberger Landwirt
1940–1946 kein Zunftmeister
1947–1953 Karl Schmidberger Landwirt
1954–1958 Emil Riedlinger Bankvorstand
1959–1974 Paul Riedlinger Gärtner
1975–1993 Emil Riedlinger Bankvorstand
1994–1995 Peter Schwabe Leiter Qualitätswesen
1996–2000 Jürgen Riedlinger Bankbetriebswirt
2001–2003 Hans Unverricht Schlosser
seit 2004 Bernhard Wuhrer Architekt

Trivia

Pascal Hens auf der Schömberger Fasnet 2007

Im Jahre 1965 fuhren Schömberger Narren in voller Montur am Feldberg Ski. Zufällig war ein Fernsehteam des Süddeutschen Rundfunks anwesend, welches die Aktion genaustens dokumentierte. Bei der folgenden Hauptversammlung der Narrenzunft wurde dieses Unternehmen, dessen Ausführung nicht bei allen Narrenräten bekannt war, heftigst in die Kritik gestellt, da dies nichts mit der Fasnetstradition zu tun hat.

Am Fasnetssamschdig 2007 war ein Teil der Bundesligamannschaft des HSV Hamburg im Bistro Zollhaus am Marktplatz und im Goaßahemml, da sie nach dem Bundesligaspiel gegen den HBW Balingen-Weilstetten die Empfehlung bekamen, die Schömberger Fasnet zu besuchen. Nationalspieler Pascal Hens, bekleidet mit einem Dirndl und einer blonden, langhaarigen Perücke, sagte einen Stiefel mit einem norddeutschen Trinkspruch an.

Einzelnachweise

  1. K. Leipold: Die Schömberger Fasnet. Rottweiler Heimatblätter 1931.
  2. K. Leipold: Die verschiedenen Typen der Schömberger Narrenkleider Rottweiler Heimatblätter 1931

Literatur

  • Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (Hrsg.): Zur Geschichte der organisierten Fastnacht. Dold, Vöhrenbach 1999, ISBN 3-927677-17-5
  • Wulf Wager: Fasnet in Schömberg. Zeitbild eines lebendigen Brauchkomplexes. Hrsg. von der Narrenzunf Schömberg. Wager, Altenriet 2001, ISBN 3-9807995-0-6

Weblinks