Neudörfl

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Neudörfl
Wappen von Neudörfl
Neudörfl (Österreich)
Neudörfl
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Mattersburg
Kfz-Kennzeichen: MA
Fläche: 9,02 km²
Koordinaten: 47° 48′ N, 16° 18′ O47.79777777777816.296666666667273Koordinaten: 47° 47′ 52″ N, 16° 17′ 48″ O
Höhe: 273 m ü. A.
Einwohner: 4.295 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 476,16 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7201
Vorwahl: 02622
Gemeindekennziffer: 1 06 07
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktgemeinde Neudörfl
7201 Neudörfl
Website: www.neudoerfl.gv.at
Politik
Bürgermeister: Dieter Posch (SPÖ)
Gemeinderat: (2012)
(25 Mitglieder)
13
7
3
1
1
13 
Von 25 Sitzen entfallen auf:
  • SPÖ: 13
  • PRON Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Kürzel: 7
  • ÖVP: 3
  • FPÖ: 1
  • GRÜNE: 1
Lage der Marktgemeinde Neudörfl im Bezirk Mattersburg
Antau Bad Sauerbrunn Baumgarten Draßburg Forchtenstein Hirm Krensdorf Loipersbach Marz Mattersburg Neudörfl Pöttelsdorf Pöttsching Rohrbach bei Mattersburg Schattendorf Sieggraben Sigleß Wiesen Zemendorf-Stöttera BurgenlandLage der Gemeinde Neudörfl im Bezirk Mattersburg (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
1994 wieder aufgebautes[1] Grenzwächterhäuschen am ehemaligen Übergang von Trans- nach Cisleithanien, 150 m östlich der Leitha-Mitte (Blickrichtung).
Johannes-Nepumuk-Kapelle, 1745 nach einer Pestepidemie vom Pächter des Leithagasthauses dem Brückenheiligen gewidmet.
„Hofleithamühl“, Mitte des 17. Jh. von Graf Nikolaus Esterházy de Galantha erbautes Kastell [2]
Leithagasthaus (ursprünglich: „Hofleithamühl“), 1874 Ort des Gründungsparteitags der österreichischen Sozialdemokratie [3]
Neudörfl (Lajtaszentmiklós), historische Ansichtskarte (um 1900). Gebäude links (Anschnitt): Hauptstraße 1, bis 1911 Volksschule (in der Rudolf Steiner ab 1868 verhältnismäßig früh gut lesen lernte)[4]
Neudörfl (Mitte rechts) und Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Neudörfl (ungarisch: Lajtaszentmiklós, d. h. „St. Nikolaus an der Leitha“, kroatisch: Najderflj) ist eine Marktgemeinde im Bezirk Mattersburg, Burgenland in Österreich.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Neudörfl ragt westlich bis Wiener Neustadt und auch nördlich und östlich nach Niederösterreich. Neudörfl an der Leitha grenzt einerseits an die Aulandschaft entlang der Leitha, andererseits an den Zillingdorfer Wald und das Rosaliengebirge.

Neudörfl, kongruent mit der gleichnamigen Katastralgemeinde, ist die einzige Ortschaft sowie der einzige Siedlungsname der Marktgemeinde.[5]

Geschichte

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Später unter den Römern lag das heutige Neudörfl dann in der Provinz Pannonia.

Im Jahre 1194 wird vom Babenbergerherzog Leopold V. mit einem Teil des Lösegeldes des englischen Königs Richard Löwenherz westlich von Neudörfl die Festungsstadt Wiener Neustadt gegen die Ungarn gegründet.

Bis zum Mongolensturm (1240/1241) war die Bevölkerung rein ungarisch. Im Mittelalter hieß die Gemeinde Röjtökör (von ungarisch rejtek, das Versteck und őr, die Wart).

Neudörfl war seit 1871 Sitz der freimaurerischen Grenzloge Humanitas. Am 5. und 6. April 1874 wurde im damaligen Leithagasthaus (Hauptstraße 154)[6] die Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Österreichs) in die Wege geleitet.

Der Ort gehörte, wie das gesamte heutige Mittelburgenland, bis 1920/21 zum ungarischen Komitat Sopron. Ab 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Budapester Regierung der Ortsname Lajtaszentmiklós verwendet werden.

1919, nach Ende des Ersten Weltkriegs, wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn (mit Ausnahme von Ödenburg) in den Verträgen von St. Germain und Trianon der Republik Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum damals gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Marktgemeinde ist Neudörfl seit 1. Juni 1973.[7]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung


Politik

Bürgermeister ist Dieter Posch (SPÖ), als Amtsleiter fungiert Robert Haider.

Die Mandatsverteilung in der Gemeindevertretung, die mit der Gemeinderatswahl am 7. Oktober 2012 um zwei Sitze erweitert wurde und nunmehr 25 Sitze zählt, ist: SPÖ 13, ÖVP 3, FPÖ 1, Grüne 1 und Bürgerliste „Pro Neudörfl“ 7 Mandate.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Flur-/Wegkapelle
  • Landespflegeanstalt und Rehabilitationszentrum
  • Ehem. Esterhazysches Kastell
  • Kriegerdenkmal
  • Kath. Pfarrkirche Mariae Geburt
  • Bildstock, Santer-, Marien- oder Wetterkreuz
  • Pest-/Dreifaltigkeitssäule

Wirtschaft und Infrastruktur

Neben mittelständischer Wirtschaft hat auch der Tourismus Bedeutung. Durch den Weinbau und die Buschenschenken (Heurigen) kam der Ort zum Beinamen „Grinzing von Wiener Neustadt“.

Größtes Industrieunternehmen mit etwa 90 Mitarbeitern ist die Firma HTP High Tech Plastics, die Bauteile und Komponenten für die Elektronikbranche und den Automotive-Sektor herstellt.[8]

Persönlichkeiten

  • Rudolf Steiner (1861–1925), Begründer der Anthroposophie, verbrachte in Neudörfl einen Teil seiner Kinder- und Jugendzeit. Er schrieb hierüber in der autobiografischen Schrift Mein Lebensgang.[9]
  • Tito (1892–1980), ab 1953 Präsident Jugoslawiens, wohnte von 1912 bis 1913 in Neudörfl, nachdem er bei Daimler in Wiener Neustadt eine Stelle als Einfahrer gefunden hatte.
  • Eduard Uhl (1813–1892), Jurist und Bürgermeister von Wien, Mitglied der Freimaurerloge Humanitas, Neudörfl.

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Johann Pehm (1898–1961), Schmiedemeister und Politiker.
  • Josef Posch (* 1934), Politiker; seit 1985 Ehrenbürger der Marktgemeinde Neudörfl.[10]
  • Anton Schreiner (1873–1932), Ziegeleibesitzer und Politiker.

Literatur

  • Festschrift anläßlich der Markterhebungsfeier 29. September 1973 bis 7. Oktober 1973. Neudörfler Jahrbücher, Band 1. Marktgemeinde Neudörfl an der Leitha, Neudörfl an der Leitha 1973, ZDB-ID 2295233-0.[11]
  • Walter Göhring: Der Gründungsparteitag der österreichischen Sozialdemokratie, Neudörfl 1874. Jugend und Volk, Wien (u.a.) 1974, ISBN 3-8113-7433-8, ISBN 3-7141-7433-8.
  • 100 Jahre Sozialdemokratischer Parteitag. Neudörfl 1974 – Internationale Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung. Geschichte der Arbeiterbewegung, Band 8. Europaverlag, Wien 1976, ISBN 3-203-50601-7.
  • Franz Schachinger (Hrsg.), Roman Tschirk (Ill.): Neudörfl. Geschichte und Geschichten. Neudörfler Jahrbücher, Band 2. Marktgemeinde Neudörfl an der Leitha, Neudörfl an der Leitha 1982, ZDB-ID 2295233-0.[12]
  • Mitteilungsblatt der Marktgemeinde Neudörfl. Marktgemeinde Neudörfl, Neudörfl 1977–1994.[13]
  • Herbert Radel: 350 Jahre Neudörfl. Dorf an der Grenze. 1644–1994. Gemeinde Neudörfl, Neudörfl 1994.[14]
  • Ferdinand Zörrer: Österreichisches Freimaurermuseum Schloß Rosenau bei Zwettl. Museumsverein Schloß Rosenau, Österreichisches Freimaurermuseum, Rosenau bei Zwettl 1994.[15] – Inhaltsverzeichnis online (PDF).
  • Neudörfl. Mitteilungsblatt der Marktgemeinde Neudörfl. Erscheint monatlich. Marktgemeinde, Neudörfl 1995–, ZDB-ID 2451277-1.[16]
  • Rudolf Steiner: Mein Lebensgang. Rudolf-Steiner-Verlag, Dornach, Schweiz 1995, ISBN 3-7274-5701-5.

Weblinks

 Commons: Neudörfl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Radel: 350 Jahre, S. 46.
  2. Neudörfl, ehemaliges Esterházy-Kastell „Hofleithamühl“. In: bundesdenkmalamt.at, März 2007, abgerufen am 11. Oktober 2010.
  3. Göhring: Gründungsparteitag, 1974.
  4. Rudolf Steiner: Mein Lebensgang. Philosophisch-anthroposophischer Verlag, Dornach 1925, 1. Kapitel (1861–1872). – Volltext online.
  5. 89. Neudörfl. In: Österreichischer Amtskalender online. Jusline Österreich GmbH, Wien 2002–, Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  6. Heute: Caritas-Hilfseinrichtung mit den Schwerpunkten Asyl/Migration/Integration. – Siehe: Haus Sarah. In: www.caritas-wien.at, abgerufen am 31. August 2011.
  7. Bgld LGBl 16/1973
  8. Internetseiten der Fa. HTP High Tech Plastics
  9. Volltext online. In: Lorenzo Ravagli: anthroweb.info.
  10. Radel: 350 Jahre, S. 95 ff.
  11. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund, sowie Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek.
  12. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund sowie Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek.
  13. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  14. Ohne ISBN. Kein Bibliotheksstück nachweisbar.
  15. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.
  16. Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.