Neues Volksblatt

Neues Volksblatt
Volksblatt Logo
Beschreibung österreichische Tageszeitung
Verlag Oberösterreichische Media Data Vertriebs- und Verlags GmbH
Erstausgabe 2. Jänner 1869
Erscheinungsweise täglich (außer sonntags)
Chefredakteur Dr. Werner Rohrhofer
Herausgeber Oberösterreichische Media Data Vertriebs- und Verlags GmbH
Weblink http://www.volksblatt.at/

Das Neue Volksblatt ist eine christlichsoziale Tageszeitung im Besitz der oberösterreichischen Volkspartei. Sie ist die älteste Bundesländer-Tageszeitung Österreichs (außerhalb Wiens), erscheint täglich von Montag bis Samstag in Linz an der Donau (Österreich) und bedient mit ihrer Berichterstattung das Bundesland Oberösterreich.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1869 bis 1945

Die Zeitung wurde mit 2. Jänner 1869 als „Linzer Volksblatt“ vom Katholischen Pressverein ins Leben gerufen. Sie ist damit die drittälteste noch bestehende Tageszeitung Österreichs und die älteste in Oberösterreich. Das „Volksblatt“ wurde als Sprachrohr des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier (1811–1884) in der publizistischen Auseinandersetzung mit dem Deutschliberalismus und dessen 1865 etablierter “Linzer Tagespost“ gegründet. Von 1869 bis 1903 hatte die Zeitung ihren Sitz in jenem Haus in der Rathausgasse 5, in dem während seiner Linzer Jahre (1612–1626) der berühmte Astronom Johannes Kepler gelebt hatte.

Einer der prominentesten „Volksblatt“-Leser war der Wiener Dichter Hugo von Hofmannsthal (1874–1929), Mitbegründer der Salzburger Festspiele und Verfasser des seither dort aufgeführten Mysterienspiels Jedermann. Aus der Sommerfrische in Bad Fuschl (Salzburg) schrieb der angehende Lyriker und Dramatiker etwa am 13. Juli 1891 an seinen Kollegen Arthur Schnitzler: „Ich lese Homer, Maupassant, das Linzer Volksblatt, Eichendorff ...“ Und noch am 18. Juli 1915 schickte Hofmannsthal aus Bad Aussee dem deutschen Insel-Verlag Unterlagen für die Bewerbung der „Österreichischen Bibliothek“, deren Herausgeber er war; auf einer Liste der „oesterr. Provinzjournale" bezeichnete er darin „die wichtigsten mit x“, und da ist das „Linzer Volksblatt“ selbstverständlich dabei.[1]

In der Nacht vom 11. auf den 12. März 1938 stürmten die Nationalsozialisten die Redaktionsräume der Zeitung. Nach dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland wurde das „Linzer Volksblatt“ mit 30. Juni 1938 von den neuen Machthabern zwangseingestellt. Den Verlag und die Druckerei musste der Katholische Pressverein gegen einen Bruchteil des tatsächlichen Wertes an den Berliner NS-Verlag „Die Standarte“ abtreten. Der innenpolitische Redakteur wurde inhaftiert, einige Zeit davon im KZ.

1945 bis heute

Am 8. Oktober 1945 wurde das Blatt wiedergegründet und bis 1950 als Parteizeitung an die oberösterreichische Volkspartei verpachtet. Danach wurde das „Volksblatt“ wieder als regionale christliche Tageszeitung vom Katholischen Preßverein herausgegeben. In diesen Nachkriegsjahren avancierte es zu einer beliebten Publikationsplattform für junge Autoren. So erschien am 7. Dezember 1946 die erste literarische Veröffentlichung der österreichischen Schriftstellerin Marlen Haushofer (1920-1970), noch unter dem Namen Helene Haushofer, im „Volksblatt“: die Erzählung „Die blutigen Tränen“. 1953/54 publizierte der junge Dichter Thomas Bernhard (1931–1989) ebenfalls im Wochenend-Feuilleton des „Volksblattes“ mehrere frühe literarische Texte, darunter erstmals und bis heute exklusiv das Gedicht „Januar" (am 5. Jänner 1954) und die Erzählung „Der Untergang des Abendlandes“ (am 17. Juli 1954); in Zweitabdruck erschienen die Erzählungen „Von sieben Tannen und vom Schnee. Eine märchenhafte Weihnachtsgeschichte“ (24. Dezember 1953, Wiederabdruck am 22. Dezember 2007) und „Das Armenhaus von St. Laurin oder die Welt vor der Tür“ (13. März 1954, Wiederabdruck: 5. Jänner 2007).

1971 kaufte die oberösterreichische ÖVP das „Volksblatt“ schließlich, um seine Umwandlung in eine Regionalausgabe der Grazer Kleinen Zeitung zu verhindern. Im selben Jahr wurde die Oberösterreich- um eine Niederösterreich-Ausgabe erweitert. Nach der Einstellung dieses „Niederösterreichischen Volksblattes“ wurde das bisherige „Linzer Volksblatt" mit 28. September 1974 in „Neues Volksblatt“ umbenannt, da es nunmehr neben den OÖ- auch einige NÖ-Seiten enthielt. Die Auflage stieg Anfang der 1970er-Jahre auf eine Rekordhöhe von rund 50.000 Exemplaren, die Reichweite auf etwa 125.000 Leser. Seit der Umstellung von Groß- auf Kleinformat 1993 bestand weiters bis 2005 eine Kooperation mit der Salzburger Volkszeitung. Heute erscheint das „Volksblatt“ durchgehend vierfarbig in einer Auflage von rund 25.000 Exemplaren, am Wochenende ergänzt durch ein Farbmagazin. Seit Jänner 2012 hat das Neue Volksblatt ein neues Design, das von der Linzer Werbeagentur Die Jungen Wilden erstellt wurde.

Bis 1938 bekleideten ausschließlich katholische Geistliche das Chefredakteursamt. 17. Chefredakteur ist seit 2004 der Satiriker, frühere Kabarettautor und promovierte Theologe Werner Rohrhofer, der zuvor Leiter des APA-Korrespondentenbüros in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz war. Den Verlag leitet seit Oktober 2005 Walter Dipolt.

Das Neue Volksblatt ist Genossenschafter der Austria Presse Agentur, Mitglied des Verbands österreichischer Zeitungen (VÖZ) und dem Ehrenkodex für die österreichische Presse verpflichtet.

Bekannte (frühere) Mitarbeiter

Einzelnachweise

  1. Nur durchgereist. Begleitbuch zur Ausstellung im Linzer Stifterhaus. Linz, 2009. ISBN 978-3-900424-74-9

Weblinks