Neukunstgruppe

Die Neukunstgruppe wurde von Egon Schiele und seinen künstlerischen Freunden im Sommer 1909 gegründet. Sie setzte sich aus jungen Künstlern zusammen, welche die Wiener Akademie verlassen hatten und nach neuen künstlerischen Ausdrucksweisen suchten und die letztlich einen eigenen österreichischen Farbexpressionismus geschaffen haben. Unmittelbarer Anlass war ein von Schiele verfasstes Beschwerdeheft mit der Forderung nach mehr Freiheit für die Studenten der Akademie, weswegen Schiele im April von dem Institut gewiesen wurde. Unter den 15 Gründungsmitgliedern der Neukunstgruppe befanden sich der Schwager Schieles Anton Peschka, Anton Faistauer, Rudolf Kalvach, Hans Böhler, Erwin Osen, Franz Wiegele, Robin Christian Andersen sowie der Komponist Arthur Löwenstein. Die Gründung fand am 17. Juni 1909 in der Galerie Gustav Pisko in Wien in der Lothringerstraße 14, nahe dem Schwarzenbergplatz, statt. Zum Präsidenten wurde Egon Schiele gewählt, der auch als Sekretär der Gruppe fungierte. 1911 kommen Oskar Kokoschka, Karl Hofer, Sebastian Isepp, Albert Paris Gütersloh und Anton Kolik dazu.

„Die ,Neukunstgruppe‘ entstand nicht aus irgend einer Erwägung praktischer, kunstpolitischer, oder besonders ästhetischer Natur, sie ist keine spekulative Gründung und nicht von dem Verlangen beherrscht, ,Schule‘ zu machen, sondern sie kam gewissermaßen ungewollt zusammen, durch einen Akt der Notwehr, den ihr die Akademie aufzwang.“

Arthur Roessler, Neukunstgruppe. Ausstellung im Kunstsalon Pisko. In Arbeiter Zeitung, Wien, 7. Dezember 1909, Morgenblatt, Nr. 336, XXI. Jg., 7 f.

Im Dezember 1909 findet die erste Ausstellung dieser Gruppierung in der Wiener Galerie Pisko statt. Anton Faistauer entwirft hierfür ein Plakat, Schiele verfasst dazu ein Manifest. Der Katalog dieser ersten Schau der „Neukunstgruppe“ galt als verschollen, wurde aber 2006 im Rahmen einer Ausstellung der Österreichischen Galerie Belvedere im Oberen Belvedere wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die zweite Veranstaltung der Neukunstgruppe war die Sonderausstellung Malerei und Plastik, welche im Februar 1911 stattfand. Den Künstlern wurden dafür die Räumlichkeiten des Hagenbundes in der Wiener Zedlitzhalle zur Verfügung gestellt. Egon Schiele stellte dabei nicht aus, dafür dominierten Sebastian Isepp und Oskar Kokoschka mit jeweils zwei eigenen Sälen die Ausstellung. Für den Jänner 1912 organisierte Albert Paris Gütersloh unter dem Titel Neukunst Wien nochmals eine Ausstellung dieser Vereinigung im Budapester Künstlerhaus. Mitwirkende waren u. a. Faistauer, Gütersloh, Kolig, Schiele, eventuell auch Kokoschka, der allerdings im Katalog nicht aufscheint.

Nach diesen Ausstellungen bestand nur noch ein loser Kontakt zwischen den Künstlern und die Gruppe löste sich auf. Die Wichtigkeit dieser Gruppierung für Schiele macht ein lange Zeit im Verborgen gebliebenes Ölbild „Die Tafelrunde“ deutlich, das Schiele 1918 gemalt hatte. Hier stellt sich Schiele ganz in Weiß gehalten als König Artus umgeben von einer bruderschaftlichen Männerrunde dar. Unter diesen ist auch Gustav Klimt zu erkennen. Offensichtlich empfand sich Schiele keineswegs als Einzelkämpfer, sondern die Malerkollegen besaßen für ihn einen sehr hohen Stellenwert.

Weblinks

  • Sigrid Diewald, Bettina Schweighofer: Betrachtungen zur Ausstellungssituation in Wien um 1900. Zur Vermittlung avantgardistischer Strömungen in der bildenden Kunst. newsletter MODERNE 5 (2002) Heft 1 (PDF)
  • Werner J. Schweiger: Vereinigung Österreichischer Bildender Künstler und Künstlerinnen [1]
  • Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann [2]
  • Neukunstgruppe [3]