Niederösterreichische Escompte-Gesellschaft

Die Niederösterreichische Escompte-Gesellschaft war eine Großbank der österreichischen Donaumonarchie.

Das 1853, also zwei Jahre vor der Creditanstalt in Form einer Aktiengesellschaft gegründete Institut wurde nach dem Vorbild des belgischen Comptoir d'Escompte und der Berliner Diskonto-Gesellschaft eingerichtet. Das eingezahlte Kapital betrug 5 Millionen fl, Aktionäre hatten einen maximalen Kreditrahmen im Ausmaß von 2 % des eingezahlten Kapitals, anfänglich war die Teilnahme an der Gesellschaft an einen Wohnsitz in Niederösterreich (damals inklusive Wien) gebunden.

Das Institut hatte eine Pionierfunktion im österreichischen Mobilbankenwesen, widmete sich aber vorwiegend dem Wechsel- und dem Kontokorrentkredit. Es beschränkte sich zwar noch um die Jahrhundertwende auf einen "relativ engen und exklusiven Kundenkreis"[1] zählte aber dennoch um 1910 zu den sieben größten Wiener Banken [2] und beherrschte als Alleineigentümer die Böhmische Escompte-Bank und Creditanstalt (Bebca), eine der drei größten deutsch-böhmischen Geschäftsbanken. Es war damit führend in der böhmischen Eisenindustrie engagiert. Leiter des Instituts war damals (als Vizepräsident) Max Feilchenfeld, ein enger Vertrauter des Industriellen Karl Wittgenstein. Die Niederösterreichische Escompte-Gesellschaft war in den letzten Jahren der Donaumonarchie mehrfach bei der Umwandlung von Personenunternehmen in Aktiengesellschaften tätig, etwa im Fall Hutter & Schrantz und Bela Egger. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zerfall der Donaumonarchie musste das Institut seinen beherrschenden Einfluss auf die Bebca aufgeben. Im Gefolge der Bankenkrise der 1930er-Jahre wurden die Mobilbankenaktivitäten der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft schließlich 1934 mit der eben sanierten Creditanstalt fusioniert. Zurück blieb eine reine Industrieholding.

Die Escompte-Gesellschaft hatte ihren Hauptsitz zu Ende des 19. Jahrhunderts in der Kärntner Straße. Die an der Stelle des ehemaligen Hofkriegsratsgebäudes 1913–1915 errichtete Zentrale des Instituts (am Hof Nr 2) diente bis nach der Jahrtausendwende weiter als Bankgebäude, einige Jahrzehnte fungierte sie als Sitz für die Österreichische Länderbank. Seit dem Verkauf durch die Bank Austria im Jahr 2008 ist die Umwandlung in ein Hotel geplant.

Einzelnachweise

  1. Vgl.. Eduard März 1913-23, S 232
  2. vgl. ebenda S 248

Literatur

  • Günther Chaloupek, Peter Eigner, Michael Wagner: Wien – Wirtschaftsgeschichte 1740–1938. Wien 1991, speziell Band 2, S 962ff.
  • Ferdinand Seibt (Hrsg): Die Chance der Verständigung Absichten und Ansätze zu übernationaler Zusammenarbeit in den böhmischen Ländern 1848–1918. Tagungsbericht München 1987.
  • Eduard März: Österreichische Industrie- und Bankpolitik in der Zeit Franz Josephs I – am Beispiel der k.k. privilegierten Österreichischen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe. Wien 1963.
  • Eduard März: Österreiche Bankpolitik in der Zeit der großen Wende 1913–1923. Am Beispiel der Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe. Wien 1981.
  • Fritz Weber: Vor dem großen Krach – die Krise des österreichischen Bankwesens in den zwanziger Jahren. Habilitationsschrift. Universität Salzburg 1991.

Weblinks