Niederösterreichische Landesirrenanstalt am Brünnlfeld

Die Niederösterreichische Landesirrenanstalt am Brünnlfeld (oder auch Bründlfeld) in Wien-Alsergrund war die erste „richtige“ Heilanstalt für Geisteskranke in Wien. Sie ersetzte das „Tollhaus“ im Allgemeinen Krankenhaus.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das dem alten AKH angeschlossene und unter Kaiser Joseph II. errichtete „Tollhaus“ (der Narrenturm, im Wiener Volksmund auch „Guglhupf“ genannt) brachte zwar die erste Anerkennung des „Irrsinns“ als Krankheit. Aber erst mit der Niederösterreichischen Landesirrenanstalt am Brünnlfeld begann das gezielte Behandeln von Geisteskranken.

Die Notwendigkeit, Geisteskranke zu behandeln und sie nicht nur, zwar von Verbrechern getrennt, aber doch wegzusperren, wurde früh erkannt. So wurde 1820 vom Fürsten Schwarzenberg das Brünnlfeld – ein Areal zwischen altem AKH und dem Linienwall - und ein Garten erworben, um eine zeitgemäße und den wissenschaftlichen Grundsätzen entsprechende Anstalt zu errichten. Die Realisierung verzögerte sich allerdings ein wenig.

Projekte

Ein erhalten gebliebenes und mit 28. November 1823 datiertes Projekt von Cajetan Josef Schiefer entstand in Zusammenarbeit mit dem Arzt Johann Nepomuk von Raimann. Dieser war bereits 1820 von der Regierung beauftragt worden, ausländische Irrenhäuser zu studieren, so dass der damalige Entwurf auf dem Stand der Zeit war.

Vorgesehen waren nicht nur menschenwürdige Quartiere für die Kranken, sondern auch therapeutische Einrichtungen. Geplant war etwa ein Konversationssaal für Theater- und Musikvorführungen. Den Innenhof umschlossen vier Trakte, die einerseits der getrennten Unterbringung von weiblichen und männlichen Kranken als auch der Trennung von „tobenden“ und „ruhigen“ Kranken dienten.

Trotz der Bewilligung des Bauprojekts durch den Kaiser konnte es aus Geldmangel nicht realisiert werden.

Spätere Projekte wurden von Doktor Köstler, dem damals leitenden Arzt im Narrenturm entworfen. Dieser konnte seinen Plan aber nicht fertig stellen, da er vorher verstarb.

Andere Wege als sein Vorgänger zur Lösung des Problems beschritt sein Nachfolger, Doktor Biszanik. Er führte Verhandlungen mit Bruno Görgen über den Kauf der Privat-Irrenheilanstalt Görgen. Die Verhandlungen hatten allerdings keinen Erfolg.

1840 wurde die k.k. Landesbaudirektion aktiv und erstellte ihrerseits Pläne für die längst überfällige Errichtung eines Neubaus. Weitere Pläne kamen vom Hofbaurat Paul Wilhelm Eduard Sprenger und von Ferdinand Fellner, dessen Entwürfe von einer Kommission angenommen wurden. Er wurde auch mit der Erstellung der Detailpläne beauftragt.

Realisierung

Aus Platzmangel im Tollhaus wurde im Frühjahr 1848 endlich mit der Errichtung der im Oktober 1852 fertiggestellten und am 1. August 1853 eröffneten Niederösterreichischen Landesirrenanstalt am Brünnlfeld [1] begonnen. 1878 wurde sie erweitert.

Am 17. Februar 1864 wurde die Verwaltung des Irrenfonds und damit auch der Landesirrenanstalt vom Staat an das Land Niederösterreich übertragen, was die Durchführung von Reformen erleichterte.

Unter Unterrichtsminister Karl von Stremayr wurde am 1. Juli 1870 durch eine Allerhöchste Entschließung die Errichtung der I. Psychiatrischen Universitätsklinik genehmigt. Erster Vorstand der Klinik war Theodor Meynert, für den Carl von Rokitansky hier erst eine Prosektorstelle und später die Psychiatrische Universitätsklinik geschaffen hatte [2]

Im Zuge des Baus der Wiener Stadtbahn sollten in Michelbeuern ein Betriebsbahnhof und ein Güterbahnhof errichtet und die dortige Markthalle in einen Zentralmarkt für Schwämme und Beeren umgewandelt werden. Dagegen legte allerdings der niederösterreichische Landessanitätsrat Einspruch. Der Lärm der Eisenbahn sollte die Kranken nicht in ihrer Ruhe stören. Am 9. Mai 1898 fand aber dann ausgerechnet hier am Bahnhof Michelbeuren in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. deren feierliche Eröffnung statt [3]

Nach der Errichtung des Psychiatrischen Krankenhauses Am Steinhof zwischen 1903 und 1907 wurde die Niederösterreichische Landesirrenanstalt am Brünnlfeld geschlossen. An ihrer Stelle wurden die „Neuen Kliniken“ des Allgemeinen Krankenhauses errichtet, weiters war hier der Bau des von Otto Wagner geplanten Spitals für Krebsforschung vorgesehen. Der Erste Weltkrieg und der folgende Zusammenbruch der Donaumonarchie verhinderten allerdings die Verwirklichung. Heute steht auf dem Grundstück das neue AKH.

Direktoren

  • 1853 – 1869: Josef Gottfried von Riedel
  • 1869 – 1872: Karl Spurzheim
  • 1872 – 1885: Ludwig Schlager
  • 1885 – 1895: Moritz Gauster
  • 1895 – 1907: Adalbert Tilkowsky
  • provisorisch bis zur Übersiedlung: Josef Berze

Prominente Ärzte

Julius Wagner-Jauregg erhielt ab 1883 von Maximilian Leidesdorf an der I. Psychiatrischen Universitätsklinik die psychiatrische Ausbildung. [4]

Nach Direktor Ludwig Schlager wurde im Jahr 1886 in Wien Alsergrund (9. Bezirk) die Schlagergasse benannt.

Fußnoten

  1. http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=136526
  2. http://www.aerztewoche.at/viewArticleDetails.do?articleId=3232
  3. Alfred Horn: Wiener Stadtbahn – 90 Jahre Stadtbahn – 10 Jahre U-Bahn, Bohmann Druck und Verlagsgesellschaft m.b.H. & Co.KG, Wien
  4. http://www.clinicum.at/dynasite.cfm?dssid=4171&dsmid=83316&dspaid=660161

Literatur

  • Das Ungebaute Wien, Projekte für die Metropole 1800 - 2000 Katalog Historisches Museum der Stadt Wien, Wien 1999
  • Karl Heinz Tragl: Chronik der Wiener Krankenanstalten, Böhlau Verlag, 2007, ISBN 978-3-205-77595-9
  • Carl Hofbauer: Die Alservorstadt mit den ursprünglichen Besitzungen der Benediktinerabtei Michelbeuern am Wildbache Als – historisch-topographische Skizzen zur Schilderung der Vorstädte Wiens, Wien, 1861