Nikolaus von Wassilko

Nikolaus Ritter von Wassilko (nach 1914)

Nikolaus Ritter von Wassilko (* 25. März 1868 in Lukawetz (Lucavăț); † 2. August 1924 in Bad Reichenhall), auch Nicolae oder Nikolaj, ukrainisch: Mykola mit Vornamen genannt, war ein österreichischer, später ukrainischer Politiker und Großgrundbesitzer rumänischer Herkunft aus einem Zweig der Familie Wassilko.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Er absolvierte die Theresianische Akademie in Wien und erbte 1892 die Güter seines Vaters gleichen Vornamens, der mit der Baronin Aglaia von Petrino-Armis verheiratet gewesen war. Nikolaus engagierte sich politisch zuerst in der konservativen rumänischen Partei. Da er in dieser keine bedeutende Position einnehmen konnte, wandte er sich 1897 der ruthenischen Abordnung zu, die ihm Funktionen innerhalb ihrer Partei zugesagt hatte.[1] Obwohl er zu jenem Zeitpunkt weder die russisch noch ukrainische Sprache beherrschte, kandidierte er 1898 für den ruralen Bezirk Wischnitz (rumänisch: Vijnița, ukrainisch: Вижниця) und wurde in den Bukowiner Landtag gewählt. Diesen Bezirk vertrat er dort bis 1918.[2] So meinte er in einem Diskurs vor dem österreichischen Reichsrat, entgegen aller historischen Tatsachen, am 1. März 1900: „Die Bukowina ist slawische Erde und slawisch muss sie bleiben.“[3] Als Mitglied der Nationaldemokratischen Partei wurde er 1907 in das Abgeordnetenhaus des Reichsrats gewählt, wo er bis 1918 wirkte [4] und zu den einflussreichsten [ruthenischen] Abgeordneten der Bukowina gehörte.[5]

Während des Ersten Weltkriegs war er Gründungsmitglied des Zentralrats der Ukraine von Wien (1914) und des Zentralrats der Ukraine (1915). In diesem Gremium setzte er sich für die Gründung eines Fürstentums GalizienWolhynien innerhalb der Doppelmonarchie nach dem Krieg ein und war ein Mitorganisator bei der Aufstellung des freiwilligen Huzulenkorps, das dann an den Kämpfen gegen die zaristische Armee 1915/1916 teilnahm.[6][7]

Durch seine guten Verbindungen zu den österreichisch-ungarischen Diplomaten handelte er günstige Konditionen für eine zukünftige Ukraine im Friedensvertrag von Brest-Litowsk aus sowie die Unterzeichnung eines Geheimvertrages bezüglich der Anerkennung der Westukraine als autonomes Mitglied innerhalb der Donaumonarchie nach dem Krieg.

Nachdem er schon 1918 Mitglied des nationalen Zentralrates der Ukraine geworden war, wurde er nach der Gründung des Direktorates der Ukraine 1919 als Vertreter der Volksrepublik Ukraine (nicht kommunistisch) im Rang eines Ministers in die Schweiz geschickt. 1923 wurde er zum Präsidenten der ukrainischen diplomatischen Missionen und Botschafter der Ukraine in Deutschland ernannt.[8]

Er starb an einem Lungenleiden in einem Sanatorium in Bad Reichenhall.

Familie

Er war der Sohn des Ritters Nikolaus von Wassilko (1837–1892) und seiner Gattin aus zweiter Ehe, Eugenie Naumann sowie Enkel des Demeter (1796–1878), Bruder des Freiherren Jordaki Wassilko von Serecki. Nikolaus heiratete zweimal: 1892 Olga Gherghel mit der er vier Kinder hatte und nach ihrem frühen Tod Jetty Winkler.[9]

Nach dem Vorbild des Freiherren Alexander Wassilko von Serecki ließ er 1892 Nikolausdorf zur Ansiedlung deutscher Bauern errichten.[10]

Wappen

Ritterwappen von Wassilko von 1788

Da Nikolaus nicht von der freiherrlichen Familie abstammte, führte er das Ritterwappen von 1788.

In mehreren Schriften wird er fälschlicherweise als Baron, einmal sogar als Graf geführt.

Einzelnachweise

  1. Ion Nistor - Unirea Bucovinei (Ed. Humanitas, București, 1991), p. 268
  2. A. Геровский - "ГАЛЕРЕЯ УКРАИНСКИХ ВОЖДЕЙ В АВСТРИИ, 1960)
  3. Ioan Cocuz - '"Partidele politice românești din Bucovina: 1862–1914 (Edition Cuvântul Nostru, Suceava, 2003), S. 406
  4. Ion Nistor - Unirea Bucovinei (Ed. Humanitas, București, 1991), p. 310
  5. Thomas Hensellek, Die letzten Jahre der kaiserlichen Bukowina, Studien zur Landespolitik im Herzogtum Bukowina, Diplomica Verlag GmbH, Hamburg 2011, S. 105-108
  6. [ЦДАВО України, Ф.3696, оп.2, спр.8, Арк.32 зв.
  7. Ion Nistor - Unirea Bucovinei (Ed. Humanitas, București, 1991), p. 374–375
  8. ЦДАВО України, Ф.3696, оп.2, спр.8, Арк.32 зв.
  9. Michael Sturdza: Genealogie Wassilko
  10. http://www.feefhs.org/journal/10/galicia.pdf

Literatur

  • Die Flondoraffaire im Bukowinaer Landtage. Nach den stenographischen Protokollen. Czernowitz 1903. Verlag der „Bukowinaer Post“, Druck Isidor Wiehler, Czernowitz
  • Erich Prokopowitsch, Der Adel in der Bukowina, Verlag "Der Südostdeutsche", München 1983
  • Ion Nistor, Istoria Bucovinei, Editura Humanitas , Bucureşti 1991
  • Ion Nistor - Unirea Bucovinei (Ed. Humanitas, București, 1991)
  • Ioan Cocuz - '"Partidele politice românești din Bucovina: 1862 – 1914 (Edition Cuvântul Nostru, Suceava, 2003)