Norbert Gstrein

Norbert Gstrein im Literaturhaus Köln am 2. Februar 2009
Norbert Gstrein (Lesung während der O-Töne 2008)

Norbert Gstrein (* 3. Juni 1961 in Mils bei Imst, Tirol) ist ein österreichischer Schriftsteller. Sein Bruder ist der ehemalige Skirennläufer Bernhard Gstrein. Heute lebt Gstrein mit Frau und Kind in Hamburg.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Norbert Gstrein wird als Sohn eines Hoteliers den 3. Juni 1961 in einer kleinen Alpengemeinde namens Vent, die in der Nähe von Sölden, in Tirol (Österreich) geboren. Nach einer vierjährigen Zeit von 1967 bis 1971 als Schüler einer einklassigen Volksschule in dem hoch gelegenen landschaftlich verborgenen Dorfe Vent in dem Ötztal geht er auf ein Internat der Stadt Imst, das er 1979 mit dem Zeugnis der Matura (Reifeprüfung) verlässt. Während seiner Internatszeit zeigt sich eine frühe Vorliebe für Mathematik. Er beschäftigt sich eingehend mit „ungelösten und unlösbaren mathematischen Problemen“ (Gstrein 2005 b, S. 109) und nimmt an einer Mathematik-Olympiade teil.

Nach einem Studium der Mathematik an der Universität in Innsbruck erlangt Gstrein 1984 ein entsprechendes mathematisches Diplom, darnach hält er sich zu weiteren Studien um die Jahreswende 1986/1987 für sieben Monate an der zwischen San Francisco und San Jose inmitten eines so genannten Silicon Valley gelegenen kalifornischen Stanford University und um die Jahreswende 1987/1988 für fünf Monate an der Universität in Erlangen auf. 1988 erscheint seine Dissertation Zur Logik der Fragen, die er an der Universität in Innsbruck bei Roman Liedl und Gerhard Frey[1] einreicht. Roman Liedl ist Mathematiker[2], Gerhard Frey hingegen Philosoph. So kann es kein Zufall sein, dass der beginnende Schriftsteller Norbert Gstrein in dem österreichischen Philosophen Gerhard Frey, dessen weite Räume umspannendes wissenschaftliches Werk von naturphilosophischen über sprachphilosophische zu kunstphilosophischen Fragestellungen beherrscht war, einen Doktorvater findet, der ihn in seiner gemischt mathematisch philosophischen Doktordissertation auf die dem Menschen eigene Art des Fragens aufmerksam macht.

Gstreins bisher größte Erfolge waren sein Erstlingswerk Einer und sein Roman Die englischen Jahre, in dem er die Suche nach der Identität des jüdischen Schriftstellers Gabriel Hirschfelder schildert. Dieser war nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr aus seinem englischen Exil zurückgekehrt. In Form innerer Monologe und Erinnerungen entwickelt Gstrein die Existenzproblematik seines Protagonisten.

Werke

Wissenschaftliche Arbeiten

  • Gstrein 1988 a: Norbert Gstrein: Zur Logik der Fragen. Dissertation, eingereicht [an der Universität in Innsbruck (Österreich)] bei Prof. Dr. Roman Liedl und Prof. Dr. Gerhad Frey. Innsbruck (Österreich) 1988. 3, 112 Bl.

Erzählungen, Novellen

  • Gstrein 1988 b: Norbert Gstrein: Einer. Erzählung. 1. Aufl. 1988. Edition Suhrkamp. N. F. Bd. 483. Frankfurt Main 1988. 118 S.
  • Gstrein 1989: Norbert Gstrein: Anderntags. Erzählung. 1. Aufl. 1989. Edition Suhrkamp. N. F. Bd. 625. Frankfurt Main 1989. 116 S.
  • O2, 1993
  • Gstrein 2005: Norbert Gstrein: Einer. Erzählung. Mit einem Kommentar v. Heribert Kuhn. Suhrkamp Basisbibliothek. Bd. 61. Frankfurt Main 2005. 158 S.
  • In der Luft. Drei lange Erzählungen, Hanser Verlag, München 2011 ISBN 978-3-446-23695-0

Romane

  • Das Register, 1992
  • Der Kommerzialrat, 1995
  • Die englischen Jahre, 1999
  • Selbstportrait mit einer Toten, 2000
  • Das Handwerk des Tötens, 2003
  • Die Winter im Süden, Hanser Verlag, München 2008 ISBN 978-3-446-23048-4
  • Die ganze Wahrheit, Hanser Verlag, München 2010 ISBN 978-3-446-23549-6
    • als Hörbuch (4 CD, ca. 280 Minuten): Osterwold Audio, 2010

Essays

  • Wem gehört eine Geschichte?, 2004

Auszeichnungen

Literatur

  • Kurt Bartsch / Gerhard Fuchs (Hrsg.): Norbert Gstrein. (= Droschl Dossier 26). Mit Beiträgen von Michael Braun, Johann Holzner, Axel Helbig, Daniel Kruzel, Heribert Kuhn, Veronika Leiner, Robert Leucht, Sigurd Paul Scheichl. Graz 2006. ISBN 3-85420-713-1

Weblinks

 Commons: Norbert Gstrein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Frey, der 1915 in Wien geboren wurde und 2002 in Innsbruck starb, widmete sich und seine wissenschaftliche Tätigkeit zunächst Problemen der Naturphilosophie (Gedanken zu einer universalen Philosophie. Stuttgart 1948; Gesetz und Entwicklung in der Natur. Hamburg 1958; Erkenntnis der Wirklichkeit. Philosophische Folgerungen der modernen Naturwissenschaften. Stuttgart 1965; Die Mathematisierung unserer Welt. Stuttgart 1967; Einführung in die philosophischen Grundlagen der Mathematik. Hannover 1968; Elementare Zahlentheorie. Braunschweig 1984), um sich zu gleicher Zeit sprachphilosophischen (Sprache. Ausdruck des Bewusstseins. Stuttgart 1965; Theorie des Bewusstseins. Freiburg Breisgau 1980) und wissenschaftstheoretischen Fragestellungen (Philosophie und Wissenschaft. Eine Methodenlehre. Stuttgart 1970) zuzuwenden. In seinem Alter versuchte er zudem, sich kunstphilosophischen Fragen zu öffnen und diese zu bearbeiten (Von der Wissenschaft zur Kunst. Ausgewählte Schriften. Innsbruck 1989; Anthropologie der Künste. Freiburg Breisgau 1994).
  2. Roman Liedl ist Mathematiker, der zudem eine eigenartige Farbenlehre, die er Harmonielehre nennt (Die Pracht der Farben. Mannheim 1994) entwickelt hat.