Notfallsanitäter

Notfallsanitäter ist eine Qualifikationsbezeichnung für Personen im Rettungsdienst. Während der Begriff in Österreich bereits seit 2002 existiert, wird er in Deutschland derzeit noch geprüft und diskutiert. Er soll dort künftig den Beruf des Rettungsassistenten ersetzen.

Inhaltsverzeichnis

Notfallsanitäter in Deutschland

Der Beruf des Notfallsanitäters soll in Deutschland den bisherigen Rettungsassistenten als höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst ablösen. Die neue Ausbildung zum Notfallsanitäter soll sich wesentlich von der bisherigen Ausbildung zum Beruf des Rettungsassistenten unterscheiden. Sie soll umfangreicher werden und von zwei auf drei Jahre verlängert werden. Die Neuregelung der seit 1989 unveränderten Ausbildung wird seit längerem für überfällig gehalten.

Die Bundesregierung hat am 28. November 2012 einen Entwurf für ein Notfallsanitätergesetz vorgelegt.[1] Der Gesetzesentwurf wurde gegenüber dem ursprünglichen Referentenentwurf[2] an einigen Stellen abgewandelt. Der Referentenentwurf war in der Fachwelt als noch nicht ausgereift angesehen worden. Zum Beispiel hatte der Deutsche Feuerwehrverband Veränderungen in dem Referentenentwurf gefordert.[3]

In dem Gesetzesentwurf wird als Ausbildungziel formuliert, dass entsprechend dem allgemein anerkannten Stand rettungsdienstlicher, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse fachliche, personale, soziale und methodische Kompetenzen zur eigenverantwortlichen Durchführung und teamorientierten Mitwirkung insbesondere bei der notfallmedizinischen Versorgung und dem Transport von Patientinnen und Patienten vermittelt werden sollen (§ 4 Abs. 1 Satz 1 des Entwurfs)

Die Ausbildung soll aus theoretischem und praktischem Unterricht und einer praktischen Ausbildung bestehen und mit einer staatlichen Prüfung abschließen. Der theoretische und praktische Unterricht soll in staatlich anerkannten Schulen durchgeführt werden, die praktische Ausbildung an einer genehmigten Lehrrettungswache und an geeigneten Krankenhäusern.(§ 5 Entwurfsfassung)

Als Zugangsvoraussetzung soll der Hauptschulabschluss zukünftig nicht mehr genügen, sondern mindestens ein mittlerer schulischer Bildungsabschluss vorgewiesen werden müssen. Hauptschüler müssen zusätzlich eine mindestens zweijährige Berufsausbildung absolviert haben. (§ 8 Nr. 2 Entwurfsfassung).

Notfallsanitäter in Österreich

Notfallsanitäter (NFS) sind in Österreich für den Rettungs- und Notarztdienst ausgebildete Personen. In der Ausbildung werden die Grundlagen der Notfallmedizin und Techniken der Versorgung verletzter oder erkrankter Personen erlernt.

Ihre Aufgabe ist neben den allgemeinen Aufgaben eines Sanitäters (Betreuung des Patienten während des Transportes, Hilfestellung bei auftretenden Akutsituationen und Durchführung lebensrettender Sofortmaßnahmen) unter Anderem die Unterstützung des Notarztes. So werden auf allen Notarztmitteln (NAW, NEF, NAH, ITW) Notfallsanitäter eingesetzt.

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter baut auf der zum Rettungssanitäter auf und erlaubt dem Notfallsanitäter erweiterte Maßnahmen, wie etwa die Gabe bestimmter Medikamente („Arzneimittelliste 1“) und die Anwendung von Notfallkompetenzen (siehe unten).

Die Bezeichnungen Rettungssanitäter und Notfallsanitäter bzw. die jeweiligen Ausbildungen sind erst seit 2002 durch das Sanitätergesetz (SanG) gesetzlich geregelt und staatlich anerkannt.

Das am häufigsten verbreitete „Arbeitsmittel“ der Notfallsanitäter in Österreich, das Notarzteinsatzfahrzeug

Ausbildung

Die Ausbildung baut auf der zum Rettungssanitäter auf und stellt die höchste Qualifikation im österreichischen Rettungsdienst dar. Sie umfasst weitere 480 Stunden und gliedert sich in drei Teile:

  • die theoretische Ausbildung im Ausmaß von 160 Stunden,
  • ein Krankenhauspraktikum im Ausmaß von 40 - 120 Stunden, sowie
  • ein 280-stündiges Praktikum in Notarztsystemen, von dem bis zu 120 Stunden als Krankenhauspraktikum absolviert werden können.

Personen, die sich für die Aufnahme zur Ausbildung zum Notfallsanitäter bewerben, müssen folgende Voraussetzungen erfüllen[4]:

  • eine aktive Berechtigung als Rettungssanitäter
  • eine Bestätigung, dass der Bewerber mindestens 160 Einsatzstunden im Rettungs- und Krankentransportdienst absolviert hat, welche die Eignung für die Ausbildung zum Notfallsanitäter bestätigen
  • den positiven Abschluss eines Eingangstests

Der Lehrstoff der Rettungssanitäter-Ausbildung wird vertieft, zusätzliche Inhalte betreffen Einsatztaktik und Arzneimittellehre. Die Ausbildung endet mit einer mündlichen und praktischen Prüfung vor einer Prüfungskommission.

Nach Abschluss der Ausbildung sind NFS berechtigt Medikamente der „Arzneimittelliste 1“ zu verabreichen. Diese umfasst meist nur Paracetamol (ausgenommen Wien: Acetylsalicylsäure, Glyceroltrinitrat, verschiedene Beta 2 Sympathomimetika).

Notfallsanitäter werden üblicherweise von den Hilfsorganisationen (Rotes Kreuz, Samariterbund, Johanniter), der Wiener Berufsrettung sowie dem Österreichischen Bundesheer ausgebildet. Private Rettungsdienstschulen wie in Deutschland gibt es nicht.

Notfallkompetenzen

Rechtliche Einordnung

Notfallsanitäter können durch zusätzliche Ausbildungen sogenannte Notfallkompetenzen erwerben. Dadurch dürfen sie unter bestimmten Umständen Maßnahmen durchführen, die normalerweise Ärzten vorbehalten sind. Im Vergleich zu Deutschland sind die Notfallkompetenzen in Österreich durch ein Bundesgesetz geregelt (SanG)[5], was bedeutet dass der anwendende Notfallsanitäter einen eindeutig vorgegebenen rechtlichen Rahmen für die Anwendung hat. Wenn die Voraussetzungen für die Anwendung zutreffen, muss die Notfallkompetenz angewendet werden. Laut herrschender juristischer Meinung ist ein rechtfertigender Notstand (vgl. Notkompetenz in Deutschland) im österreichischen Rettungsdienst nicht denkbar, weshalb eine Überschreitung der vorgegebenen Algorithmen (siehe unten) nicht rechtzufertigen ist.

Anwendung

Notfallkompetenzen dürfen angewendet werden, wenn

  • das Leben oder die Gesundheit des Patienten unmittelbar gefährdet ist,
  • das gleiche Ziel nicht durch weniger eingreifende Maßnahmen erreicht werden kann, und
  • ein Arzt verständigt, oder die Verständigung veranlasst ist.

Man unterscheidet die allgemeinen Notfallkompetenzen NKA und NKV, sowie und die besondere Notfallkompetenz NKI. Die Notfallkompetenzen bauen aufeinander auf, das heißt ein Notfallsanitäter mit der NKI muss bereits NKA und NKV besitzen.

Allgemeine Notfallkompetenz

  • Notfallkompetenz Arzneimittellehre (NKA): Verabreichung von Medikamenten laut „Arzneimittelliste 2“
  • Notfallkompetenz Venenzugang und Infusion (NKV): Punktion peripherer Venen und Verabreichung kristalloider Infusionslösungen

Die Arzneimittelliste 2 umfasst (hier beispielsweise beim Roten Kreuz) folgende Medikamente[6]:

Besondere Notfallkompetenz

  • Notfallkompetenz endotracheale Intubation (NKI): Einführen eines Beatmungsschlauches in die Luftröhre ohne Muskelrelaxans

Weitere Notfallkompetenzen können durch Verordnung des Bundesministers für Gesundheit (Bundesministerium für Gesundheit) definiert werden.

Häufig wird die Anwendung der Notfallkompetenzen von den jeweiligen Trägerorganisationen des Rettungsdienstes genauer definiert und durch organisationsinterne Algorithmen reglementiert: So war beispielsweise beim österreichischen Roten Kreuz lange Zeit die Armbeuge als Punktionstelle dem ärztlichen Personal vorbehalten, der NKV durfte nur Handrücken und Unterarm punktieren.

Die Landesverbände Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Vorarlberg, Tirol und Steiermark (Ausnahme NKI-Rettungsmediziner in Graz/Steiermark) bieten die Ausbildung zur NKI zur Zeit nicht an. Wegen der niedrigen Anwendungsfrequenz ist die endotracheale Intubation durch Sanitäter unter Österreichischen Rettungsdiensten sehr umstritten, als Alternative wird häufig vor der endotrachealen Intubation der Larynxtubus von den NFS/NKI angewendet. Zudem laufen seit November 2010 in einigen Bundesländern Studien die allen Sanitätern (RS und NFS ohne Notkompetenzen) den Einsatz von Larynxtuben bei der Herz- Lungen Wiederbelebung erlauben.[7] Seit Jänner 2012 ist der Einsatz des Larynxtubus bei der Reanimation in Salzburg für alle Sanitäter (RS und NFS ohne Notkompetenzen) zugelassen.

Einzelnachweise

  1. Entwurf eines Gesetzes über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters sowie zur Änderung weiterer Vorschriften, Bundestags-Drucksache 17/11689
  2. Entwurf eines Gesetzes über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters sowie zur Änderung des Hebammengesetzes
  3. Stellungnahme des Deutschen Feuerwehrverbandes
  4. Rechtsinformationssystem: Bundesrecht: Gesamte Rechtsvorschrift für Sanitätergesetz, Fassung vom 10. Dezember 2009
  5. http://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR40027452&ResultFunctionToken=40134237-6bfc-4cbd-9f25-48f5009dee1d&Position=1&Kundmachungsorgan=&Index=&Titel=SanG&Gesetzesnummer=&VonArtikel=&BisArtikel=&VonParagraf=&BisParagraf=&VonAnlage=&BisAnlage=&Typ=&Kundmachungsnummer=&Unterzeichnungsdatum=&FassungVom=04.09.2011&NormabschnittnummerKombination=Und&ImRisSeit=Undefined&ResultPageSize=100&Suchworte=
  6. http://www.roteskreuz.at/fileadmin/user_upload/PDF/Ausbildung/Arzneimittelliste_Algorithmen%20090223.pdf
  7. http://www.roteskreuz.at/stmk/dienststellen/leibnitz/aktuelles/newsbeitrag/datum/2011/05/28/einfuehrung-larynxstubus-im-rettungsdienst/

Siehe auch

Literatur

  • Christoph Redelsteiner u.a. (Hrsg.): Das Handbuch für Notfall- und Rettungssanitäter. 1., akt. Auflage inkl. Aktualisierung zu den neuen Reanimations-Leitlinien des ERC. Braumüller, Wien 2005+2007, ISBN 978-3-7003-1655-8

Weblinks