Novomatic

Novomatic Group of Companies
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN (Anleihe) AT0000492962 (Anleihe)
Gründung 1980
Sitz Gumpoldskirchen,
OsterreichÖsterreich Österreich

Leitung

  • Franz Wohlfahrt
    (Vorstandsvorsitzender)
  • Herbert Lugmayr
    (Aufsichtsratsvorsitzender)
Mitarbeiter 17.000[1]
Umsatz 2,7 Mrd. Euro (2010)[1]
Branche Glücksspiel
Website www.novomatic.at

Die Novomatic Group of Companies ist ein global agierender Glücksspielkonzern mit Stammsitz in Gumpoldskirchen (Österreich). Der Konzern betreibt Spielbanken, elektronische Casinos und Sportwettlokale, vermietet Glücksspielgeräte und entwickelt und produziert Spielausstattungen und Spielsysteme. Die Unternehmensgruppe beschäftigte im Jahr 2010 rund 17.000 Mitarbeiter weltweit, davon rund 2.750 in Österreich.[1] Zur Novomatic-Gruppe gehört mit der Admiral Sportwetten GmbH auch der mit über 200 Standorten filialstärkste Sportwetten-Anbieter Österreichs.

Die Novomatic-Gruppe ist in 73 Staaten weltweit tätig und erreichte damit im Geschäftsjahr 2010 einen Umsatz von 2,7 Mrd. Euro (2009: 2,36 Mrd. Euro), das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) betrug 456 Mio. Euro (2009: 285 Mio. Euro).[1]

Inhaltsverzeichnis

Gründungsgeschichte

Unternehmenszentrale in Gumpoldskirchen
Freiheitsstatue in Komořany mit Logo der Novomatic

1974 gründeten Johann F. Graf und der Elektrohändler Gerhard Brodnik die Brodnik & Graf GmbH und starteten mit dem Import von belgischen Flipperautomaten, die in Wirtshäusern, Cafés und Bordellen aufgestellt wurden. Im Jahr 1980 verließ Graf die Firma und rief die Novomatic Automatenhandels GmbH ins Leben, die sich hauptsächlich mit der Herstellung und dem Vertrieb von Glücksspielautomaten beschäftigen sollte und dies nach einer zwischenzeitlichen Umstrukturierung in eine Aktiengesellschaft auch noch bis heute tut.

Die Aktienmehrheit des Unternehmens liegt auch heute noch in Grafs Händen.

Unternehmensstruktur

Die Novomatic Group of Companies besteht aus der Novomatic AG mit Firmensitz im niederösterreichischen Gumpoldskirchen sowie den beiden Schweizer Schwesterkonzernen ACE Casino Holding AG und C.S.C. Casino Systems Holding AG. Die Unternehmensgruppe verfügt über Standorte in 32 Staaten.[2][3]

Kritik

Im Rahmen von drei ORF-Fernsehreportagen der Reihe Am Schauplatz vom 10. Oktober 2006, vom 16. Januar 2007 sowie vom 9. Oktober 2009[4] wurde das Unternehmen mit Vorwürfen konfrontiert, die Regelungen zum „Kleinen Glücksspiel“ (Höchsteinsatz von 50 Cent und maximaler Gewinn von 20 Euro pro Spiel) durch das Zwanzigfache des erlaubten Einsatzes zu umgehen und die Gewinnquoten der einzelnen Automaten systematisch zu manipulieren. Am 14. September 2012 blendete der ORF nach einer Ausgabe der Sendung Am Schauplatz einen Text ein, in dem der ORF die in der Sendung vom 9. Oktober 2009 aufgestellten Äußerungen der manipulierten Glücksspielautomaten und schöne bzw. manipulierte Umsätze bzw. manipulierte Glücksspielautomaten bzw. manipulierte Buchhaltung von Glücksspielautomaten gegenüber den SehrerInnen der Sendung als "unwahr" widerruft[5]. Das Unternehmen gab hierzu damals trotz mehrmaliger Aufforderung keine Stellungnahme vor der Kamera ab und drohte dem ORF und der Journalistin Christine Grabner persönlich mit Klage. Rund 80 geschädigte Spieler forderten auf Grund des organisierten illegalen Glücksspiels ihr Geld zurück und erstatten Anzeige.[6] Thomas Sochowsky, der die Spieler bei diesem Vorhaben unterstütze, wurde von der Novomatic verklagt. Novomatic gab an, er behaupte fälschlich, die Novomatic betreibe illegales Glücksspiel. Während des Prozesses zog Novomatic auf Grund der Aussichtslosigkeit den Prozess zu gewinnen die Klage zurück und zahlte durch einen Mittelsmann die geschädigten Spieler aus.

Durch eine Strafanzeige des Landeskriminalamts Niederösterreich[7] erhärteten sich zunehmend weitere Betrugsvorwürfe. Ein Manager des Unternehmens gab zu, dass Automaten miteinander vernetzt sind und über ein Computernetzwerk von der Konzernzentrale der Novomatic aus gesteuert werden könnten. Damit könne jederzeit online auf die Spielgeräte zugegriffen werden. Dies ist in Österreich privaten Betreibern jedoch verboten, da die Ausspielquoten sonst jederzeit einstellbar und damit für Manipulation offen wären. Daraufhin fordert Novomatic Vorstand Franz Wohlfahrt eine Vernetzung aller in Österreich befindlichen Automaten.

Darüber hinaus wird dem Unternehmen vorgeworfen, in Einzelfällen bestimmte Hunderennen nicht live durchzuführen und zu übertragen, sondern aus älteren Aufnahmen Liveberichte vorzutäuschen, was laut einem Gutachten der österreichischen Kriminalpolizei den Tatbestand des illegalen Glücksspiels erfüllt.[7] Auch diese Praxis wurde vom Unternehmen eingeräumt mit dem Verweis, es stehe sogar in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Unternehmens. Dieses wurde jedoch durch eine ORF-Reportage widerlegt.

Der ehemalige Wiener Landespolizeikommandant Roland Horngacher benutzte über mehrere Monate Luxusautos, die auf die Novomatic AG zugelassen waren. Er wurde u. a. wegen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit einer Razzia in einem zur Novomatic-Gruppe gehörenden Kasino verurteilt.[8]

Politik

Grundsätzlich wird auch kritisiert, dass Länder, Städte und Kommunen bei den Automaten mitverdienen und dass damit das Leid der pathologischen Spieler in den Hintergrund gerät. Auch hat der finanzstarke Konzern gute Kontakte zur Politik:

  • Unter Handelsminister und Vizekanzler Norbert Steger, FPÖ, erhielt die Firma die staatliche Auszeichnung (Rot-Blaue Koalition).
  • Johannes Hahn, von 2004 bis 2010 Obmann der Wiener ÖVP, von 2007 bis 2010 österreichischer Bundesminister für Wissenschaft und Forschung und seit dem 10. Februar 2010 EU-Kommissar für Regionalpolitik in der Kommission Barroso II[9], war zwischen 1997 und 2003 Mitglied des Vorstandes und später Vorstandsvorsitzender.
  • Karl Schlögl, SPÖ, ehemaliger österreichischer Innenminister, ist seit 2004 im Aufsichtsrat der Novomatic AG.[10]
  • Elisabeth Gehrer, ÖVP, zwischen 1995 und 2007 österreichische Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, würdigte Johann F. Graf mit dem Professoren-Titel.
  • Theo Waigel, von 1989 bis 1998 deutscher Bundesminister der Finanzen und von 1988 bis 1999 CSU-Vorsitzender, ist Aufsichtsratsvorsitzender der Novomatic-Tochter NSM-Löwen Entertainment.
  • Alfred Gusenbauer fungiert als Europa-Direktor des Equitas European Funds. Deren Mutterfirma hat ihren Sitz in Santiago de Chile. Co-Direktor des Investmentfonds ist Rudolf Binder. Er ist seit 1980 dem Novomatic-Konzern verbunden und war unter anderem damit beauftragt die Geschäftstätigkeiten in Südamerika zu entwickeln[11]. Heute betreibt Rudolf Binder in Chile mit Novomatic Joint Ventures[12]. Laut Profil-Bericht ist Novomatic auch der Sponsor eines Kongresses des Equitas European Funds in Wien, an dem Gusenbauer teilnimmt[13].

Einzelnachweise

  1. a b c d vgl. Novomatic meldet 2010 Umsatzrekord bei Wirtschaftsblatt, 27. Jänner 2011
  2. Novomatic Corporate Information. Abgerufen am 8. März 2012.
  3. Novomatic Corporate Information: Struktur der Novomatic Group of Companies. Abgerufen am 8. März 2012.
  4. ORF Am Schauplatz: Das Geschäft mit dem Glücksspiel
  5. ORF-TV-Thek Am Schauplatz vom 14. September 2012
  6. [1]
  7. a b Strafanzeige, Aktenzahl 12Ur78/06i
  8. Medienbericht Salzburger Nachrichten: Des Generals Glück und Ende
  9. www.ec.europa.eu: Lebenslauf EU-Kommissar Johannes Hahn. Webseite der Europäischen Kommission, abgerufen am 1. Oktober 2010
  10. novomatic.at; corporate information
  11. [2]
  12. Novomatic, Monticello Grand Casino & Entertainment World
  13. Presseaussendung Profil

Weblinks

48.03638816.294268Koordinaten: 48° 2′ 11″ N, 16° 17′ 39,4″ O