OPEC-Fonds für Internationale Entwicklung

Der OPEC Fonds für Internationale Entwicklung (engl. OPEC Fund for International Development) (OFID) wurde im Jahr 1976 von den Mitgliedstaaten der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) als kollektive Maßnahme zur Kanalisierung von Hilfe an Entwicklungsländer ins Leben gerufen. [1] Die grundlegenden Ziele des Fonds sind die Gewährung von Hilfe zur Überbrückung der Kluft zwischen Arm und Reich und die Ankurbelung des Wachstums in den am wenigsten entwickelten Ländern der Erde (LDCs). [2] Getreu seiner Zielsetzung, das wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsländer anzukurbeln und die Armut zu lindern, sieht OFID seine Aufgabe darin, im Sinne einer Süd-Süd Kooperation mit anderen, weniger privilegierten Entwicklungsländern nach dem Prinzip der Solidarität zusammenzuarbeiten. Diesem Mandat folgend konzentriert OFID alle verfügbaren Mittel auf Projekte zur Unterstützung der ärmsten Länder und deren schwächsten Bevölkerungsschichten. [3] Seit 1976 hat OFID ihren Sitz in Wien. Der amtierende Generaldirektor von OFID ist Suleiman Jasir Al-Herbish aus Saudi-Arabien.

Inhaltsverzeichnis

OFID Hauptsitz

Seit 1982 amtiert OFID in einem Palais in der Wiener Innenstadt, an der Ringstraße. Das Gebäude wurde als Privatpalais für Erzherzog Wilhelm Franz Karl in den Jahren 1864 bis 1868 vom bekannten Baumeister Theophil von Hansen errichtet. Nach dem Tod des Erzherzogs stand das Gebäude dem Großmeister des Deutschen Ritterordens zur Verfügung. Ab den 1930er-Jahren im Besitz der Stadt Wien, war es 1945 bis 1975 Sitz der Wiener Polizeidirektion. Danach diente das Gebäude mehrmals als Filmkulisse und drohte zu verfallen, bis 1981 OFID das Palais ankaufte und es aufwändig revitalisieren ließ.

Geschichte

Die Idee zur Gründung von OFID entstand 1975 anlässlich des Ersten OPEC-Gipfels in Algier, Algerien. Damals beschlossen die Mitgliedstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder die Einrichtung einer multilateralen Finanzinstitution als kollektive Maßnahme zur Kanalisierung von Hilfe an Entwicklungsländer. Die anfangs als OPEC-Sonderfonds (OPEC Special Fund) bezeichnete Einrichtung zählte zu jenen bilateralen bzw. multilateralen Entwicklungsinstitutionen, die damals von den Staaten der OPEC und des arabischen Raumes gegründet wurden. Der OPEC-Sonderfonds nahm im August 1976 mit einer anfänglichen Dotierung von 800 Millionen US$ seine Tätigkeit auf. Diese Mittel konnten in knapp mehr als einem Jahr verdoppelt werden. Ende des Jahres 1977 waren bereits 71 Darlehen an 58 Entwicklungsländer vergeben und zahlreiche Spenden der Mitgliedsländer an andere Entwicklungsorganisationen, wie den Treuhandfonds des Internationalen Währungsfonds (IMF Trust Fund) oder den Internationalen Fonds für Landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), vergeben worden. Nach dem Start als einfaches, zunächst für temporäre Zwecke konzipiertes Finanzierungskonto, wurde der OPEC-Sonderfonds schließlich im Mai 1980 zu einer vollwertigen und auf Dauer ausgerichteten internationalen Entwicklungsagentur.[4]

Mitgliedstaaten

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Mittel

OFID leistet Finanzhilfe verschiedenster Art, deren Prioritäten sich im Laufe der Zeit in dem Maße entwickeln, in dem sich die Rahmenbedingungen und Anforderungen der Empfängerländer ändern. Die Finanzierungsarten beinhalten Darlehen für Entwicklungsprojekte und -programme der öffentlichen Hand, Stützung der Zahlungsbilanz oder Schuldenerlässe im Rahmen der Heavily Indebted Poor Countries (HIPC) Initiative für stark verschuldete Armutsländer, Darlehen an die Privatwirtschaft, Subventionen für technische Hilfe, Nahrungsmittelhilfe, Forschung sowie humanitäre Hilfsmaßnahmen und schließlich die OFID Beiträge an andere Entwicklungsorganisationen, die mit ihrer Arbeit Entwicklungsländer unterstützen.

Ressourcen

Die Ressourcen des Fonds beruhen hauptsächlich auf freiwilligen Beiträgen der OPEC Mitglieder sowie Einnahmen aus Investments und Darlehen des Fonds. Das Budget belief sich Ende 2008 auf insgesamt 3.435,0 Mrd. US$, davon waren 2.463,15 Mrd. US$ direkte Beiträge an OFID.

Empfängerländer

Jedes Entwicklungsland, mit Ausnahme der OPEC Mitgliedstaaten, kann von OFID gefördert werden. Im Laufe der Jahre wurde 121 Staaten aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik sowie Europa zuteil, wobei die am wenigsten entwickelten Länder (LDCs) beziehungsweise Länder mit geringem Einkommen Priorität genießen.

Funktionen

Funktionsbereiche

  • Landwirtschaft und Agrarindustrie
  • Bildungswesen
  • Energie
  • Finanzsektor
  • Gesundheit
  • Industrie
  • Infrastruktur
  • Fabrikation
  • Bergbau
  • Armutsbekämpfung
  • Privatsektor
  • Öffentlicher Sektor
  • Ländliche Entwicklung
  • Sanitäre Einrichtungen
  • Telekommunikation
  • Textilien
  • Tourismus
  • Handel
  • Transportwesen
  • Wasserversorgung und Kanalisierung

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Projekte im Öffentlichen Sektor

Projekte im Öffentlichen Sektor – OFIDs traditionelles Finanzierungsfenster – beinhalten die Bereitstellung von Darlehen für Entwicklungsprojekte und -programme der öffentlichen Hand, Unterstützung der Zahlungsbilanz oder Schuldenerlässe im Rahmen der HIPC-Initiative für stark verschuldete Armutsländer (Heavily Indebted Poor Countries (HIPC) Initiative). Es werden beispielsweise Darlehen für Schulbauprojekte, Bau von Krankenhäusern, Verkehrswegen, Projekte in der Wasserwirtschaft, etc. direkt den Regierungen von Entwicklungsländern zu besonders günstigen Konditionen bereitgestellt.

Projekte im Privatsektor

In zahlreichen Entwicklungsländern sind kleinere und mittelständische Unternehmen ganz besonders wichtige Treiber des Wohlstands. Der private Sektor steht jedoch meist vor gewaltigen Herausforderungen, nicht zuletzt aufgrund mangelnden Zugangs zu angemessenen Finanzierungsmöglichkeiten. Dies betrifft insbesondere Jungunternehmer und Betriebsgründungen, die meist von herkömmlichen Geschäftsbanken als nicht kreditwürdig erachtet werden. Aus diesem Grunde – und als Antwort auf die zahlreichen Anträge aus Partnerländern – hat OFID im Jahr 1998 ein Finanzierungsinstrument für den privaten Sektor ins Leben gerufen (Private Sector Facility, PSF), die diesen Schlüsselsektor nun direkt mit Mitteln versorgt. Die Einrichtung dieser neuen Schiene bedeutete keineswegs, dass OFID neue Zeichen setzen oder Mittel vom staatlichen Bereich abziehen und der Privatwirtschaft zukommen lassen wollte; es handelte sich um die Schaffung eines eigens dotierten, zusätzlichen Fensters, das OFIDs traditionelle Aktivitäten gleichberechtigt ergänzen sollte.

Subventionen

OFID gewährt im Wesentlichen drei Arten von Subventionen: Technische Hilfe, Finanzierung von Forschung und verwandten Aktivitäten und Katastrophenhilfe. Im Rahmen des Subventionsprogramms laufen des Weiteren drei Sonderkonten: Ein Sonderkonto für HIV/AIDS (HIV/AIDS Special Account), ein Sonderkonto für Palästina (Special Grant Account for Palestine) und ein Sonderkonto für Nahrungsmittelhilfe (Special Food Aid Account).

Unterstützung anderer Organisationen

OFID steht in engem Kontakt mit zwei multilateralen Institutionen, denen große Bedeutung im Bereich Entwicklung zukommt: dem Gemeinsamen Fonds für Rohstoffe (CFC) und dem Internationalen Fonds für Landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD):

Der Gemeinsame Fonds für Rohstoffe

Der Gemeinsame Fonds für Rohstoffe (engl. Common Fund for Commodities CFC) wurde im Jahr 1989 mit der Absicht geschaffen, den globalen Warenhandel zu stabilisieren und auf eine faire Basis zu stellen. Angesichts der enormen Bedeutung von Rohstoffen für die Wirtschaft der Entwicklungsländer stand OFID stets in besonders engem Kontakt zum CFC. Zur Abdeckung der Mitgliedsbeiträge dutzender Entwicklungsländer sowie zur Kofinanzierung rohstofforientierter Projekte hat OFID dem CFC einen Betrag von 83,56 Millionen US$ zugewiesen.

Internationaler Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD)

IFAD wurde 1977 mit dem Ziel ins Leben gerufen, der ländlichen Armutsbevölkerung in Entwicklungsländern den Weg aus der Armut aufzuzeigen. Dabei spielte OFID eine entscheidende Rolle. Die OFID-Mitgliedsländer stellten damals Mittel in Höhe von 861,1 Millionen US$ für die anfängliche Dotierung und erste Kapitalaufstockung des IFAD zur Verfügung. Zusammen mit den nachfolgenden Mittelaufstockungen sowie einem Sonderbeitrag aus OFID Eigenmitteln wurde IFAD von Mitgliedstaaten mit - bis dato - insgesamt 1,3 Milliarden US$ unterstützt.

Einzelnachweise

  1. http://www.ofid.org/publications/PDF/DynamicPartnerGerman2007.pdf
  2. http://www.ofid.org/publications/PDF/30YearsGerman.pdf
  3. http://www.ofid.org/publications/PDF/DynamicPartnerGerman2007.pdf
  4. Geschichtliche Zusammenfassung der OFID
  5. http://www.ofid.org/about/member_countries.aspx
  6. [http://www.insouth.org/index.php?option=com_content&task=view&id=72&Itemid=86
  7. http://www.ofid.org/projects_operations/overview.aspx Übersicht über die Projekte]
  8. Projektbeschreibung Niger

Weblinks