Or Chadasch

Or Chadasch (hebräisch ‏אוֹר חָדָשׁ‎, lit.: „Neues Licht“) ist der Name zweier Liberaler jüdischer Gemeinden, nämlich in der österreichischen Bundeshauptstadt Wien und in der Schweizer Stadt Zürich[1]. Der vorliegende Artikel behandelt die Gemeinde in Wien. Die 1990 gegründete Gemeinde wird von Rabbiner Walter Rothschild betreut und ist Mitglied der World Union for Progressive Judaism (WUPJ).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bereits in den 1970er Jahren versuchte man mit Unterstützung von Rabbiner Henry G. Brandt, eine liberale jüdische Gemeinde in Wien zu gründen.[2] Am 4. Mai 1990 fand unter seiner Leitung in Wien der erste öffentliche egalitäre Gottesdienst in der Geschichte des österreichischen Judentums statt, kurz darauf wurde die Gemeinde als Verein „Bewegung für progressives Judentum in Österreich“ gegründet.[3] Die Vereinspräsidentschaft übernahm Theodor Much. Im Frühjahr 2012 stellte Or Chadasch beim Kultusamt einen Antrag auf die Einrichtung einer eigenen Kultusgemeinde.[4]

Synagoge

Die Gottesdienste zu Kabbalat Schabbat und Schacharit fanden zunächst in den Räumlichkeiten des Vereins „Hilfe und Hoffnung“, der sich der Hilfe für bedürftige jüdische Gemeinden in Osteuropa widmete, in der Schüttelstraße statt. 1991 konnte Rabbiner Michael König mit Unterstützung der WUPJ als Vollzeitrabbiner für Or Chadasch angestellt werden, nach einem Autounfall aber seine Tätigkeit nicht fortsetzen. Mit Hilfe der Israelitischen Kultusgemeinde Wien konnte als Übergangslösung 1997 ein Vereinslokal in der Haidgasse bezogen werden. Ab 23. Jänner 2004 konnte Or Chadasch alle Aktivitäten in das neue Gemeindezentrum in der Wiener Robertgasse verlagern. Die offizielle Einweihung der Synagoge erfolgte am 22. Februar 2004. Das Engagement von Rabbiner Walter Homolka war entscheidend dafür, dass die Räumlichkeiten einer ehemaligen Druckerei umgebaut werden konnten. Dies wurde nach Entwürfen von Ferydon Heschmat und Architekt Karl Peyrer-Heimstätt begonnen, die Fertigstellung und Innenausstattung erfolgte durch Samuel Huber-Huber.[5] 2008 übernahm die Gemeinde die Organisation des großen Kongresses des European Board der WUPJ, der im März 2008 in Wien stattfand.

Rabbiner

Walter Rothschild, Gemeinderabbiner von 1995 bis 1997 und seit 2006

Folgende Rabbiner betreuten seit 1991 die Gemeinde[6]:

  • Michael König (1991–1992)
  • Walter Rothschild (1995–1997)
  • Robert L. Lehman (1998–2000)
  • Eveline Goodman-Thau (2001–2002)
  • Irit Schillor (2003–2005)
  • Walter Rothschild (seit 2006)

Einzelnachweise

  1. Jüdische Liberale Gemeinde JLG Or Chadasch in Zürich
  2. Evelyn Adunka: Die vierte Gemeinde. Die Wiener Juden in der Zeit von 1945 bis heute. Philo Verlagsgesellschaft Berlin Wien, 2000, S. 468
  3. ebd., S. 468.
  4. ORF-Religion: Liberale Juden wollen eigene Kultusgemeinde; abgerufen am 12. April 2012
  5. Theodor Much: Die neue Synagoge von Or Chadasch. David, Heft Nr. 74 Sept. 2007, S. 75
  6. Or Chadasch: Jahresbericht/Annual Report 5771 - 2010/2011, Wien 2011, S. 8-9

Literatur

  • Evelyn Adunka: Die vierte Gemeinde. Die Wiener Juden in der Zeit von 1945 bis heute. Philo Verlagsgesellschaft Berlin Wien, 2000.
  • Theodor Much: Die neue Synagoge von Or Chadasch. David, Heft Nr. 74 Sept. 2007, S. 70-75.
  • Or Chadasch: Jahresbericht/Annual Report 5771 - 2010/2011, Wien 2011

Weblinks