Oscar Baumann

Oscar Baumann (* 25. Juni 1864 in Wien; † 12. Oktober 1899 ebenda) war ein österreichischer Afrikaforscher, Philosoph, Ethnologe, Geograph und Kartograf.

Oscar Baumann

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung

Oscar Baumann besuchte die Realschule und das Gymnasium in Wien, hörte geographische und naturhistorische Kollegien an der Universität Wien und studierte Terrainaufnahme am Militärisch-Geographischen Institut.

Forschungsreisen

Bereits als 19-jähriger bereiste Baumann noch unerforschte Gebiete Montenegros, insbesondere die Durmitor-Gruppe. Die mitgebrachten Studien und Karten bewirkten seine Aufnahme in die österreichische Kongoexpedition (1885-1887) unter der Leitung von Oskar Lenz. Zwar musste Baumann aufgrund einer Erkrankung früher zurückkehren, dennoch gelang ihm die erste brauchbare Kartografierung des Kongo-Stroms.

1886 bereiste Baumann die Insel Fernando Póo, deren Ethnologie und Geographie er erkundete.[1] Zurück in Europa promovierte er 1888 in Leipzig zum Doktor der Philosophie.

In den Folgejahren (1888) erforschte er an der Seite des Deutschen Hans Meyer Ostafrika und half bei der Kolonialisierung Deutsch-Ostafrikas mit. Dabei bereiste er weite Teile des heutigen Tansanias. Insbesondere erforschte er Usambara, wo er allerdings in die Hände des Araberführers Buschiri geriet, in Ketten gelegt wurde und erst nach Zahlung eines Lösegelds wieder freigelassen wurde.

Seine kartografischen und ethnologischen Aufzeichnungen waren für die schnell folgende wirtschaftliche Erschließung des Landes von unschätzbarem Wert.

1889 begab sich Baumann erneut nach Montenegro und sorgte für die kartografische Aufnahme des zentralen Gebirgsstocks.

Im Januar 1890 vollendete Baumann dann die Erforschung Usambaras im Auftrag der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft und bereiste dann das Pare-Gebirge bis zum Kilimandscharo und nach Nord-Useguha. Hier machte er unter anderem Vorstudien für die geplante Eisenbahnverbindung Tanga-Korogwe.

Die Quellen des Nils

Nachdem er im Dezember 1890 nach Europa zurückgekehrt war, begab er sich 1891 im Auftrag des Antisklaverei-Komitees wieder nach Ostafrika. Baumanns bekannteste Unternehmung war die sogenannte "Massai-Expedition", die ihn von 1892 (17. Januar) bis 1893 mit 200 Begleitern von der Küste zum Victoria- und zum Tanganyika-See und danach weit in die unerforschten Königreiche Burundis und Ruandas führte, wo er als erster Europäer empfangen wurde. Hauptergebnis der Expedition war die kartografische Aufnahme der Massai-Steppe und des Zwischenseengebietes. Im Zuge dieser Unternehmung entdeckte Baumann die Seen Eyassi und Manyara, den Ngorongoro-Krater sowie die Baumann-Bucht im Victoriasee.

1893 erreichte Baumann auch als erster Europäer die Quelle des Kagera-Nils am Luvironza, die der tatsächlichen Quelle des Nils entspricht, die genaue geographische Bestimmung dieser Nilquelle wurde allerdings erst 1898 vom Deutschen Richard Kandt vorgenommen. Am 25. Februar 1893 erreichte er wieder die Küste.

1895 bereiste Baumann im Auftrag des Zuckersyndikats Ostafrika und nahm den Unterlauf des Pangani bis zu dessen Fällen auf. 1896 wurde Baumann zum österreichisch-ungarischen Konsul in Sansibar ernannt, musste jedoch bereits drei Jahre später aufgrund einer Infektionskrankheit die Rückreise nach Österreich antreten, wo er an den Folgen - erst 35-jährig - starb. Begraben wurde Baumann in einer Gruft auf dem Salzburger Kommunalfriedhof.

Im Jahr 1902 wurde in Wien Landstraße (3. Bezirk) die Baumannstraße nach ihm benannt.

Werke

  • Beiträge zur Ethnologie des Kongo. Wien (1877)
  • Fernando Po und die Bube. Wien (1888)
  • In Deutsch-Ostafrika während des Aufstandes. Wien (1890)
  • Usambara. Berlin (1891)
  • Karte des nordöstlichen Deutsch-Ostafrika. Berlin (1893)
  • Durch Massailand zur Nilquelle. Berlin (1894)
  • Die kartographischen Ergebnisse der Massai-Expedition. In: Petermanns Geographische Mitteilungen, Ergebnisheft 111, Gotha (1894)
  • Der Sansibar-Archipel. 3 Hefte Leipzig (1896-1899|99)
  • Afrikanische Skizzen. Berlin (1900)

Literatur

  • Hans Meyer: Baumann, Oskar. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 46. Duncker & Humblot, Leipzig 1902, S. 255 f.
  • Otto Maull: Baumann, Oskar. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, S. 653 f. (Digitalisat).
  • Baumann Oskar. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 1. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1957, S. 57.
  • Reinhart Bindseil: "Als erster Europäer 1892 in Ruanda. Dr. Oscar Baumann, ein Österreicher im deutschen Auftrag" S. 169-184, "Entwicklung als Beruf", Festschrift für Peter Molt, (Hrsg. Th Hanf, N.H. Weiler, H. Dickow), Nomos, Baden-Baden, 2009.
  • Barbara Köfler-Tockner: "Denn die Tropenwelt ist eine Circe...". Der Wiener Geograph Dr. Oscar Baumann (1864-1899). Dissertation, Universität Wien 2003,

Einzelnachweise

  1. Vereinschronik. (…) K. k. geographische Gesellschaft in Wien. In: Das Vaterland, 25. November 1886, S. 7, Mitte links

Weblinks