Ottakringer Brauerei

Ottakringer Brauerei AG
Logo der Ottakringer Brauerei bis 2011
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000758032
Gründung 1837
Sitz Wien (Ottakring), Österreich
Leitung Christiane Wenckheim,
Vorstand
Mitarbeiter 207 (09/2008) [1]
Umsatz 73,3 Mio (2007) [2]
Branche Brauerei
Website www.ottakringer.at
Das alte Brauhaus von Ottakringer
Eine Ottakringer Aktie von 1905

Die Ottakringer Brauerei ist die letzte verbliebene Großbrauerei in Wien und liegt im 16. Wiener Gemeindebezirk Ottakring.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Ottakringer Brauerei wurde vom Müllermeister Heinrich Plank im Jahr 1837 unter dem Namen Planksche Brauerei eröffnet, nachdem die damalige Stiftsherrschaft Klosterneuburg die Braubewilligung erteilt hatte. Im Jahr 1850 wurde sie von den aus Lundenburg stammenden Cousins Ignaz und Jakob Kuffner übernommen, die sie zu einer Großbrauerei ausbauten. Innerhalb von 10 Jahren steigerte sich der Ausstoß von 18.318 hl auf 64.183 hl. Ähnlich anderen Industriellen der Gründerzeit, wie den Mautner Markhof in Wien-Mariahilf, so traten auch die Kuffner als Förderer „ihres“ Bezirkes auf und Ignaz Kuffner ließ in Ottakring ein Spital errichten.[3] Als 1858 Kaiser Franz Joseph den Abbruch der Stadtmauern und den Beginn massiver Wohnbautätigkeit verfügte, wuchs die Ottakringer Brauerei mit. Ein neuer Gärkeller und größere Lager gingen in Betrieb. 1878 wurde Ignaz Kuffner schließlich in den österreichischen Adelsstand erhoben. Moriz von Kuffner, der Sohn des geadelten Ignaz von Kuffner, übernahm 1882 die Brauerei und steigerte den Ausstoß über 170.000 hl um 1890 auf über 350.000 hl im letzten Vorkriegsjahr, eine Menge, die in der Zwischenkriegszeit nie mehr erreicht wurde. Vor dem Ersten Weltkrieg 1905 ließ Kuffner die Brauerei in eine Aktiengesellschaft umwandeln. Den Ersten Weltkrieg und die Zwischenkriegszeit überstand das Unternehmen unter der Führung Moriz von Kuffners trotz mancher wirtschaftlicher Probleme relativ unbeschadet.

Im Jahr 1938 war der damals 85-jährige Moriz von Kuffner jedoch aufgrund seiner jüdischen Herkunft gezwungen, seinen Betrieb noch vor dem Anschluss zu verkaufen. Sie wurde um 14 Millionen Schilling (nach heutigem Wert etwa 36 Mio Euro) relativ günstig an Gustav Harmer verkauft, einen Spiritusfabrikanten aus Spillern bei Stockerau.[4] Harmer wiederum wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls für zwei Jahre aus dem Betrieb vertrieben. In den Jahren 1949 und 1950 wurden die Erben des 1939 im Zürcher Exil verstorbenen Moriz von Kuffner von der Familie Harmer mit rund elf Millionen Schilling abgefunden. Der Historiker Oliver Rathkolb stellt in seinem Gutachten „Restitutionsvergleich – Die Dokumentation eines Falles“, Wien, 2000, unter anderem folgendes fest: „In der Gesamtbeurteilung kann festgehalten werden, dass die Familie Harmer sowohl 1938 als auch nach 1945 bestrebt war, eine – unter den Rahmenbedingungen des NS-Regimes – korrekte Abwicklung des durch die Gestapo-Drohungen gegenüber der Familie Kuffner initiierten Verkaufs durchzuführen. Nach 1945 suchte die Familie aktiv Kontakt zum Familienoberhaupt Stephan Kuffner in den USA und strebte eine endgültige Regelung – noch vor Erlassung der Rückstellungsgesetze – an.“ Und weiter: „Es gibt wohl wenige Restitutionsfälle, aber auch Erwerbungen nach der Machtübernahme des NS-Regimes 1938, in denen die bestehenden politischen Rahmenbedingungen zugunsten der Opfer und ursprünglichen EigentümerInnen so extensiv ausgenützt wurden, wie im Falle der Ottakringer-Kuffner-Gruppe.“

Nach Kriegsende wurde die Brauerei provisorisch von der sowjetischen Besatzungsmacht verwaltet, ehe es der Familie Harmer gelang, ihren rechtmäßigen Erwerb zu beweisen. Zwischen 1955 und 1962 konnte der Bierausstoß von 125.000 auf 236.000 Hektoliter gesteigert werden. 1962 treten Dr. Gustav Harmer und sein Schwager Engelbert Wenckheim in das Unternehmen ein und übernehmen gemeinsam schrittweise die Führung der Brauerei von Seniorchef Gustav Harmer.[5]

Im Jahr 1977 trug die Brauerei durch ihren Austritt aus dem Bierkartell wesentlich zu dessen Sprengung bei. Fortan konnte sich jeder Gastronom unabhängig von seinem Standort aussuchen, welche Bierbrauerei er als Lieferant wählt. 1986 erfolgte der Börsengang der Ottakringer Brauerei AG, ebenfalls 1986 wurde die Brauerei Kapsreiter in Schärding erworben. 1989 wurde die Abfüllung in den österreichweit üblichen braunen Flaschen eingestellt und als erste Brauerei in Österreich die bekannten grünen Schulterflaschen eingeführt.[6] Dr. Gustav Harmer schied schließlich 1995 als Alleinvorstand der Ottakringer Brauerei aus und wurde Generaldirektor der Harmer Holding mit den Marken Kapsreiter Bier und Grieskirchner Bier.

Firmenstruktur

Das Brauereigelände im 16. Bezirk (2007)

Die Ottakringer Brauerei AG ist im Besitz der Ottakringer Getränke AG. Letztere ist zu 94,31 % im Besitz der Ottakringer Holding AG, die wiederum im Besitz der Familien Wenckheim, Menz, Pfusterschmid und Trauttenberg steht. Neben anderen Firmenbeteiligungen hält die Ottakringer Brauerei AG 49 % an der Innstadt Brauerei AG, die zu 100 % an der Innstadt Brauerei in Passau und zu 49 % an der Glückauf Brauerei beteiligt ist. Zur Holding gehört auch der in Bad Vöslau beheimatete Mineralwasserabfüller Vöslauer. Ebenso gehört zur Firmengruppe die ungarische Brauerei Pécsi Sörfözde.

Wie Ottakringer Brauerei AG am 28. Juli 2009 bekannt gab, wird sie wesentliche Strukturmaßnahmen vornehmen. So soll die Vöslauer Mineralwasser AG übernommen werden, die Firmierung von Ottakringer Brauerei AG in Ottakringer Getränke AG geändert werden und zwei Tochtergesellschaften, für die beiden operativen Geschäfte „Mineralwasser“ und „Brauerei“ gegründet werden.[7]

Die Brau AG, die über die Ottakringer Holding ebenfalls an der Brauerei beteiligt war, zog sich im September 2009 aus der Holding zurück.[8]

Produkte

Dosen Ottakringer Helles
16er Blech.

Die beliebteste Marke ist das Ottakringer Helles, mit einem Alkoholgehalt von 5,2 % und einer Stammwürze von 11,8°. Weitere Marken sind das Goldfassl Spezialbier bzw. das Goldfassl Pils, sowie der Ottakringer Radler, der aus 50 % Bier und 50 % Zitronenlimonade besteht. Ebenfalls zum Produktsortiment gehört das alkoholfreie Bier Null Komma Josef, dessen Markenname eine Anspielung auf seinen Alkoholgehalt von unter 0,5 % ist. Das Bier mit dem höchsten Alkoholgehalt der Ottakringer Brauerei ist das Ottakringer Bock (17° Stammwürze, 7,6 % alc.), das allerdings nur zu besonderen Anlässen (Weihnachten und Ostern) produziert wird. Das Urban Ottakringer wird nur in der „Szene-Gastronomie“ in Flaschen verkauft und hieß ursprünglich Unten Ohne, da sich am Bauch der Flasche kein Etikett befindet.

2011 wurde der Radler Johannisbeere eingeführt. Als weitere Produkte werden Kühles Blondes (nur bei Hofer) und Kühles Blondes Radler angeboten, welche ausschließlich pfandfrei erhältlich sind.

Sonstiges

Im Wienerischen findet man für Ottakringer Bier, entsprechend der Herkunft aus dem 16. Gemeindebezirk, die Ausdrücke 16er-Blech, auch 16er-Hüs'n (Metallhülse) für eine Dose, wobei fälschlich „Hülse“ mitunter auch zu Flaschenbier gesagt wird. Anfang 2007 machte sich die Brauerei den seit geraumer Zeit bestehenden Ausdruck zunutze und begann Dosenbier in speziell gestylter Aufmachung unter dem Namen 16er Blech zu vermarkten.

Die Brauerei ist langjähriger Sponsor des österreichischen Fußballrekordmeisters SK Rapid Wien. Im Zuge der Fußball-EM 2008 versprach sie jedem ÖFB-Spieler, der ein Tor bei der EM schießen würde, lebenslang jedes Jahr 110 Liter Freibier. Es gab jedoch bei dem gesamten Turnier nur ein Tor der österreichischen Mannschaft durch Ivica Vastić.[9]

Mehrere aufgelassene Produktionshallen des historischen Brauereigebäudes, darunter der Gerstenboden, werden heute regelmäßig für Konzerte, Clubbings und andere Veranstaltungen genutzt.

Seit 2009 wird Ottakringer Bier auf österreichischen Musikfestivals unter dem Namen „Ottarocker“ verkauft.

Weblinks

 Commons: Ottakringer Brauerei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ottakringer Brauerei AG: Dritter Quartalsbericht 2008. Abgerufen am 31. Januar 2009 (PDF).
  2. Ottakringer Brauerei AG: Jahresfinanzbericht 2007. Abgerufen am 31. Januar 2009 (PDF).
  3. Geschichte der Ottakringer Brauerei http://www.ottakringer.at
  4. Geschichte der Ottakringer Brauerei http://www.ottakringer.at
  5. Geschichte der Ottakringer Brauerei http://www.ottakringer.at
  6. Brauereigeschichte mit Genehmigung von Michael Kranewitter www.brauereifuehrer.com
  7. Strukturmaßnahmen durch Umstrukturierung der Ottakringer Brauerei AG in eine Führungs- und Steuerungsholding 28. Juli 2009
  8. DJ EANS-Adhoc: Ottakringer Brauerei AG / vom 15. September 2009 abgerufen am 16. September 2009
  9. Vastic bekommt lebenslang Freibier für EM-Tor (ORF Wien vom 18. November 2008)

48.21194444444416.323888888889Koordinaten: 48° 12′ 43″ N, 16° 19′ 26″ O