Otto-Wagner-Spital

Das Otto-Wagner-Spital (genauer: Sozialmedizinisches Zentrum Baumgartner Höhe Otto-Wagner-Spital und Sozialmedizinisches Zentrum Baumgartner Höhe Pflegezentrum) befindet sich im 14. Wiener Gemeindebezirk Penzing auf der Baumgartner Höhe.

Es ist ein Krankenhaus, das in dieser Form am 1. August 2000 gegründet wurde. Fünf bis dahin selbständige Einrichtungen des Wiener Gesundheitswesens wurden zusammengelegt: das Förderpflegeheim (jetzt Sozialpädagogisches Zentrum) Baumgartner Höhe, das Neurologische Krankenhaus der Stadt Wien Maria Theresien-Schlössel, das Pflegeheim Sanatoriumstrasse, das Psychiatrische Krankenhaus Baumgartner Höhe und das Pulmologische Zentrum Baumgartner Höhe. Die Abteilungen blieben unverändert und wurden zu Zentren zusammengefasst.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Zur Zeit ihrer Eröffnung war diese Anstalt der psychiatrischen Spitalsbehandlung von Wienern gewidmet. Die Anlage, die in den Jahren 1904 bis 1907 als Niederösterreichische Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke Am Steinhof errichtet wurde, war damals eine der modernsten und auch größten solchen Anstalten in Europa, wurde in der Bauabteilung der Niederösterreichischen Landesregierung unter der Leitung von Carlo von Boog geplant und von Otto Wagner, dem führenden Wiener Architekten der Zeit, überarbeitet.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die im Westen gelegene Sanatoriumsabteilung (für Privatpatienten) geschlossen und in ihrem Bereich eine von der psychiatrischen Anstalt unabhängige Lungenheilstätte errichtet.

Mahnmal und Jugendstiltheater

Aus dieser Lungenheilstätte entstand seit den 1960er Jahren die Krankenanstalt mit dem Namen Pulmologisches Zentrum, aus der wichtige und innovative Entwicklungen in diesem Fachbereich hervorgegangen sind. Das gleiche gilt für die Orthopädische Abteilung, die sich aus einer Einrichtung zur Behandlung der Knochentuberkulose zu einer modernen Orthopädischen Abteilung mit einem chirurgisch-orthopädischen Schwerpunkt im Bereich des Gelenkersatzes entwickelt hat. Aus der Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke wurde auch in den 60er-Jahren das Psychiatrische Krankenhaus Baumgartner Höhe.

Auf dem Grünareal vor dem Jugendstiltheater erinnern die 772 Licht-Stelen des Mahnmals für die Opfer vom Spiegelgrund an die Kinder und Jugendlichen, die in den Jahren 1940 bis 1945 in der nationalsozialistischen Euthanasie-Anstalt „Am Spiegelgrund“ ermordet wurden. Die Dauerausstellung Der Krieg gegen die Minderwertigen des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes befindet sich im Pavillon V.

Kultur

Anlage

Direktionsgebäude

Die weitläufige Anlage des früheren Psychiatrischen Krankenhauses von 26 Krankenpavillons und Nebengebäuden, die den östlichen Teil des Geländes einnimmt (Eingang: Baumgartner Höhe 1), ist am Südhang des Gallitzinbergs terrassenförmig zu beiden Seiten einer Mittelachse errichtet. Auf der Mittelachse sind hangaufwärts das Verwaltungsgebäude, das einen Vorplatz in Art eines Ehrenhofs U-förmig umschließt, dahinter das hinter einen breiten Rampe und einer Freitreppe errichtete Gesellschaftshaus und Theater (so genanntes „Jugendstiltheater“), oberhalb davon der breit gelagerte Küchenbau und zuoberst die nach Plänen Otto Wagners selbst erbaute Kirche hl. Leopold, die über zwei Treppenrampen entlang der Mittelachse zu erreichen ist, angeordnet. Östlich und westlich der Mittelachse sind auf jeder Terrasse je drei Pavillons über vorwiegend U-förmigen Grundrissen gruppiert, die in Rohziegelbauweise mit Anklängen an das Neo-Biedermeier sowie Rückgriffen auf den Klassizismus gestaltet sind, wobei glatte Flächen und klare Formen dominieren. Einige der Pavillons weisen an der Südseite über ein bis zwei Geschoße reichende Gitterveranden auf. Die mittig angeordneten Eingänge sind durch originale Vordächer geschützt. Gittertüren und Stiegenhausgitter sind in secessionistischen Formen ausgeführt.

Kurhaus des ehemaligen Pulmologischen Zentrums

Der ursprünglich als Sanatorium für begüterte Kranke konzipierte westliche Teil der Heil- und Pflegeanstalt (später Pulmologisches Zentrum) nimmt den westlichen Teil des Areals ein (Eingang: Sanatoriumstraße 1). Entlang der Mittelachse, auf der auf einer Anhöhe das Kurhaus mit Festsaal und Hallenbad und oberhalb davon das Küchengebäude angeordnet sind, sind auf vier Terrassen zehn Pavillons symmetrisch gruppiert; lediglich das Verwaltungsgebäude ist Richtung Osten aus der Achse gerückt. Die Pavillons sind in Grundriss und Gliederung ähnlich denen des Psychiatrischen Krankenhauses, aber wie die Hauptgebäude mit Putzfassaden und Fliesenapplikationen ausgeführt; an den Südseiten sind Gitterveranden angeordnet.

Eine entlang des Heschwegs verlaufende Mauer umgibt die Steinhofgründe, die sich nördlich des Otto-Wagner-Spitals erstrecken, und wurde wie die ganze Anlage 1904–07 errichtet.

Kirche zum Heiligen Leopold

Kirche am Steinhof

Die Kirche zum „Hl. Leopold“, besser bekannt als Kirche am Steinhof, die in 310 m Seehöhe an den Hängen des Galitzinberges als Krönung der gesamten Anlage prangt, gilt als die bedeutendste sakrale Bauschöpfung des Jugendstils. Sie wurde in den Jahren 1904–1907 erbaut und gilt als Hauptwerk von Otto Wagner.

Jugendstiltheater

Das Jugendstiltheater war ursprünglich als Gesellschaftshaus konzipiert und wird heute für Theateraufführungen, Konzerte und Veranstaltungen genutzt.

Otto Wagner Galerie

Die Otto Wagner Galerie hat sich zur Aufgabe gemacht, Kunst in die Psychiatrie zu bringen. In enger Zusammenarbeit mit Künstlern und Patienten entstehen stetig neue Vernissagen und Projekte.

Literatur

  • Eberhard Gabriel: 100 Jahre Gesundheitsstandort Baumgartner Höhe: Von den Heil- und Pflegeanstalten am Steinhof zum Otto-Wagner-Spital. Facultas Universitätsverlag, ISBN 978-3708900612

Weblinks

 Commons: Otto-Wagner-Spital – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien