Otto Preminger

Otto Preminger (1976)

Otto Ludwig Preminger (* 5. Dezember 1905 [nach anderen Quellen 5. Dezember 1906] in Wiznitz, Bukowina, Österreich-Ungarn; † 23. April 1986 in New York City, USA) war ein österreichisch-amerikanischer Filmregisseur, Filmproduzent, Schauspieler, Theaterregisseur und Theaterdirektor.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Preminger wurde als Sohn der assimilierten Juden Markus und Josefa Preminger geboren.[1] Der Vater war als Staatsanwalt tätig. Während des Ersten Weltkriegs zog Markus Preminger mit seiner Familie nach Graz, um einer Invasion der zaristischen Armee und ein Leben unter russischer Besatzung zu entgehen. Über Graz gelangte er schließlich nach Wien. Otto Preminger studierte an der Universität Wien Rechtswissenschaft und schloss 1928 mit der Promotion ab. Neben seinem Studium widmete er sich der Schauspielerei, trat in kleinen Rollen unter Max Reinhardt am Theater in der Josefstadt auf und war dessen Assistent in Salzburg. Größere Rollen spielte er unter anderem am Deutschen Theater in Prag. 1925 führte er in Aussig an der Elbe erstmals Regie. 1931 kehrte er als Regisseur ans Theater in der Josefstadt zurück und war dort Direktor von 1933 bis 1935.

1931 drehte Preminger seinen ersten Film, Die große Liebe, der ihn nach seinen erfolgreichen Theaterinszenierungen in Hollywood und New York weiter bekannt machte. Im Oktober 1935 ging er in die USA, drehte dort zahlreiche Kinofilme und wirkte in mehreren Filmen auch als Schauspieler mit. Er blieb jedoch auch dem Theater treu, bis in die sechziger Jahre arbeitete er als Theaterregisseur in New York. Preminger gehörte zu den vielseitigsten Regisseuren Hollywoods; er drehte Komödien, Kriminalfilme, Western und Literaturverfilmungen. Als er bei der Verfilmung von Robert Louis Stevensons Kidnapped eigenmächtig das Drehbuch änderte, wurde er entlassen. Erst 1942 gelang ihm die Rückkehr nach Hollywood. 1944 sorgte Premingers Thriller Laura für Aufsehen. Obschon dieses Meisterwerk des Film noir im Studio auf Ablehnung stieß, fand der Film bei Publikum und Presse großen Anklang.

1953 gründete Preminger eine eigene Produktionsgesellschaft und musste so nicht mehr auf die Selbstzensur Hollywoods Rücksicht nehmen. 1955 griff er ein Tabuthema auf, als er Der Mann mit dem goldenen Arm, das Porträt eines Rauschgiftsüchtigen in den Elendsvierteln von Chicago, drehte. Nicht zuletzt sein Film Anatomie eines Mordes (1959) trug dazu bei, dass die innere Zensur immer öfter unterlaufen und schließlich aufgegeben wurde. Preminger drehte auch den ersten Film mit ausschließlich schwarzen Darstellern: Carmen Jones (1954) nach Georges Bizets Oper Carmen. Doch nicht allein für „schockierende“ Themen war Preminger bekannt. Seine subtile und präzise Führung der Schauspieler brachte ihm große Anerkennung. Ein zentrales Werk in Premingers Schaffen ist der Film Bonjour Tristesse (1958) nach dem gleichnamigen Roman von Françoise Sagan. Er wurde mit hymnischen Kritiken gefeiert und hatte für die späteren Regisseure der französischen Nouvelle Vague Vorbildcharakter.

1977 veröffentlichte Preminger seine „Autobiography“. Ab 1983 lebte er, an Alzheimer und Krebs erkrankt, zurückgezogen in Hollywood. Sein Sohn Erik Lee Preminger ist ebenfalls als Regisseur und Filmproduzent tätig, sein Bruder war der Schauspielagent und Filmproduzent Ingo Preminger.

Filmografie (Auswahl)

  • 1942: Der Rattenfänger von Hameln (The Pied Piper) – Darsteller
  • 1943: Margin for Error – Regie/Darsteller
  • 1943: They Got Me Covered – Darsteller
  • 1944: In the Meantime, Darling – Regie/Produktion
  • 1944: Laura (Laura) – Regie/Produktion
  • 1945: Skandal bei Hofe (A Royal Scandal)
  • 1945: Mord in der Hochzeitsnacht (Fallen Angel) – Regie/Produktion
  • 1946: Centennial Summer – Regie/Produktion
  • 1947: Amber, die große Kurtisane (Forever Amber)
  • 1947: Daisy Kenyon – Regie/Produktion
  • 1949: Lady Windermeres Fächer (The Fan) – Regie/Produktion
  • 1949: Frau am Abgrund (Whirlpool) – Regie/Produktion
  • 1950: Faustrecht der Großstadt (Where The Sidewalk Ends) – Regie/Produktion
  • 1951: The 13th Letter – Regie/Produktion
  • 1952: Engelsgesicht (Angel Face)
  • 1953: Stalag 17 (Stalag 17) (Darsteller)
  • 1953: Wolken sind überall (The Moon Is Blue) – Regie/Produktion
  • 1953: Die Jungfrau auf dem Dach (deutsche Version von The Moon Is Blue)
  • 1954: Fluß ohne Wiederkehr (River of No Return)
  • 1954: Carmen Jones – Regie/Produktion
  • 1955: Der Mann mit dem goldenen Arm (The Man with the Golden Arm) – Regie/Produktion
  • 1955: Verdammt zum Schweigen (The Court-Martial of Billy Mitchell)
  • 1957: Die heilige Johanna (Saint Joan) – Regie/Produktion
  • 1958: Bonjour Tristesse (Bonjour tristesse) – Regie/Produktion
  • 1959: Porgy und Bess (Porgy and Bess)
  • 1959: Anatomie eines Mordes (Anatomy of a Murder) – Regie/Produktion
  • 1960: Exodus (Exodus) – Regie/Produktion
  • 1961: Sturm über Washington (Advise and Consent) – Regie/Produktion
  • 1963: Der Kardinal (The Cardinal) – Regie/Produktion
  • 1964: Erster Sieg (In Harm’s Way) – Regie/Produktion
  • 1965: Bunny Lake ist verschwunden (Bunny Lake Is Missing) – Regie/Produktion
  • 1967: Morgen ist ein neuer Tag (Hurry Sundown) – Regie/Produktion
  • 1968: Skidoo (Skidoo) – Regie/Produktion)
  • 1970: Tell Me That You Love Me, Junie Moon – Regie/Produktion
  • 1971: So gute Freunde (Such Good Friends) – Regie/Produktion
  • 1975: Unternehmen Rosebud (Rosebud) – Regie/Produktion
  • 1979: Der menschliche Faktor (The Human Factor) – Regie/Produktion

Auszeichnungen

Locarno International Film Festival

Hollywood Walk of Fame

  • Stern auf dem Walk of Fame: 6624 Hollywood Blvd.

Im Jahr 2008 wurde in Wien Landstraße (3. Bezirk) die Otto-Preminger-Straße nach ihm benannt.

Retrospektive

Literatur

  •  Carluccio, Giulia; Cena, Linda, Nuova Italia (Hrsg.): Otto Preminger. Firenze 1990, OCLC 24409124.
  •  Frischauer, Willi, Joseph (Hrsg.): Behind the Scenes of Otto Preminger: An Unauthorised Biography. London 1973, ISBN 9780718111700.
  •  Fujiwara, Chris, Faber and Faber (Hrsg.): The World and Its Double: The Life and Work of Otto Preminger. New York 2008, ISBN 9780571223701.
  •  Grob, Norbert; Aurich, Rolf; Jacobsen, Wolfgang, Jovis (Hrsg.): Otto Preminger. Berlin 1999, ISBN 9783931321598.
  •  Hirsch, Foster, Alfred A. Knopf (Hrsg.): Otto Preminger: The Man Who Would Be King. New York 2007, ISBN 9780375413735.
  •  Legrand, Gérard; Lourcelles, Jacques; Mardore, Michel, Cinémathèque Française (Hrsg.): Otto Preminger. Paris 1993, ISBN 9782873400897.
  •  Lourcelles, Jacques, Seghers (Hrsg.): Otto Preminger. Paris 1965, OCLC 2910388.
  •  Pratley, Gerald, A.S. Barnes & Co (Hrsg.): The Cinema of Otto Preminger. New York 1971, ISBN 9780498078606.
  •  Preminger, Otto, Doubleday (Hrsg.): Preminger: An Autobiography. Garden City, NY 1977, ISBN 9780385034807.

Einzelnachweise

  1. http://www.imdb.com/name/nm0695937/bio

Weblinks

 Commons: Otto Preminger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien