Péter Nádas

Péter Nádas - Leipziger Buchmesse 2012

Péter Nádas [ˈpeːtɛr ˈnaːdɒʃ] (* 14. Oktober 1942 in Budapest) ist ein ungarischer Schriftsteller und Fotograf.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nádas entstammt einer jüdischen-kommunistischen Familie. Seine Mutter starb noch vor der ungarischen Revolution, sein Vater wählte 1958 den Freitod.[1] Der Vollwaise studierte zunächst Chemie und arbeitete lange Jahre als Fotograf und Fotoreporter. Nach der ersten Veröffentlichung einer seiner Erzählungen in einer Zeitschrift 1965 betätigte er sich als freier Schriftsteller. Von Januar 1981 bis Februar 1982 lebte er auf Einladung des DAAD in West-Berlin.

Seine Bücher beschäftigen sich hauptsächlich mit der Situation im kommunistischen Ungarn. Die Veröffentlichung seines ersten Romans Ende eines Familienromans wurde in Ungarn über mehrere Jahre von der Zensur verhindert, bevor das Buch schließlich 1977 erschien. 1985 dann wurde der 1.300 Seiten umfassende Roman Buch der Erinnerung veröffentlicht. Péter Nádas hatte seit 1973 an dem Buch gearbeitet. Die Handlung besteht aus drei ineinander verwobenen Erzählsträngen, von denen einer in der DDR der 1970er Jahre, einer im Ostseebad Heiligendamm um die Jahrhundertwende und ein weiterer im Ungarn zur Zeit des Volksaufstands von 1956 spielt. 2005 erschien der dreibändige Roman Parallelgeschichten, an dessen Entstehung Péter Nádas insgesamt 18 Jahre gearbeitet hatte, und der die Geschichte einer ungarischen und einer deutschen Familie anhand scheinbar zusammenhangloser Episoden durch das 20. Jahrhundert nachzeichnet. Nach fünfjähriger Übersetzungsarbeit erschien der Roman 2012 auf Deutsch.[2] Er enthält „den wohl längsten Geschlechtsverkehr der Literaturgeschichte“.[3]

In dem Bericht Der eigene Tod schildert er sein Erlebnis einer Nahtod-Erfahrung nach einem Herzinfarkt auf offener Straße am 28. April 1993 in Budapest. Das Buch ist eine Kombination aus Textabschnitten und Fotografien. In einem Interview mit dem Fotopublizisten Ralf Hanselle, erschienen in der Zeitschrift Photonews, nennt Nádas das Buch ein „modernes Stundenbuch“: „Es gibt keinen Gott in diesem Buch. Aber es wird doch über etwas nachgedacht, worüber ein moderner oder ein postmoderner Mensch nicht nachdenken darf: Sein Tod“.

Péter Nádas ist seit 1990 mit Magda Salamon verheiratet, mit der er seit 1962 zusammenlebt. Heute wohnt und arbeitet er in Budapest und in Gombosszeg, einem Dorf im Komitat Zala.

Fotografie

Im Kunsthaus Zug kuratierten 2012 Matthias Haldemann und Péter Nádas eine Ausstellung von 150 Fotografien Nádas' und 200 weitere Fotografien ungarischer Künstler unter dem Titel In der Dunkelkammer des Schreibens. Übergänge zwischen Text, Bild und Denken.

Werke

Auszeichnungen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Peter Nádas wird 70 ZEIT.de, abgerufen am 14. Oktober 2012
  2. Matthias Haldemann: Péter Nádas In der Dunkelkammer des Schreibens. Übergänge zwischen Text, Bild und Denken, Wädenswil 2012, S. 5.
  3. Sandra Kegel in FAZ, 10. März 2012, S. L2.