Passivhaus oh 123

Passivhaus oh 123
Ort Thalgau
Baumeister sps-architekten (Simon Speigner)
Baustil Strukturalismus
Baujahr 2001–02
Koordinaten 47° 40′ 48″ N, 13° 8′ 12″ O47.68002777777813.13675Koordinaten: 47° 40′ 48″ N, 13° 8′ 12″ O
Besonderheiten
Passivhaus/-büro in Holzbauweise; Salzburger Landesenergiepreis 2003

Das Passivhaus oh 123 ist ein Wohnhaus in Thalgau, Land Salzburg, und eines der ersten prämierten Passivhäuser des Landes.

Lage und Architektur

Das Wohnhaus steht am südwestlichen Ortsrand von Thalgau, in einer Kleinsiedlung direkt an der Fuschlerache. Es stammt vom Thalgauer Architekten Simon Speigner (Firma sps-architekten),[1] einem der bekanntesten Vertreter des Nachhaltigen Bauens Österreichs, der dort auch wohnte und arbeitete. Es zeichnet sich neben Bautechnik auch durch eine repräsentative moderne Architektursprache aus.

Es ist als Mehrfamilienhaus mit drei Wohneinheiten ausgeführt, wobei zwei doppelgeschößßige Randbaukörper und ein zurückversetzter Mitteltrakt mit einem darüberliegenden Querriegel und gemeinsamen Windfang verbunden sind, und die drei Wohnungen jeweils in drei Stockwerken bilden, und auch einen kleinen, halböffentlichen Innenhof ausformen, sowie zwei Dachterrassen auf den Flügelbauten, und einen Balkon über dem mittleren. Die mittlere Wohneinheit hat 50 m², die beiden seitlichen ca. 140 m² Fläche.

Die Basis ist holzverschindelt, die Südseite teils großzügig verglast, besonders am Quertrakt mit fassadenintegrierten thermischen Kollektoren und Photovoltaikanlage ausgestattet, und sonst mit Nirostaverblechung geschlossen, so das sich ein klar strukturierter funktionaler Aufbau ergibt. Die Innenwände sind Lehmverputzt.

Integriert ist haustechnisch netzgekoppelte Photovoltaik, autonome Warmwasserbereitung, Regenwassersammlung für Brauchwasser, automatische Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung, Luftansaugung über Erdkollektoren (Frischluftvorwärmung im Winter, kältetechnikfreie Kühlung im Sommer), und ähnliche Standards der Niedrigenergietechnik. Durch die baulich getrennten Wohnungen werden die vom Passivhaus-Institut Darmstadt geforderten Grenzwerte für Passivhäuser leicht überschritten, im der Gebäudeform angepassten österreichischer Standard klima:aktiv erreicht es A++.

Politische Wirkung

Das Haus war seinerzeit in der Gemeinde äußerst umstritten, und galt – es kehrt Thalgau seine wie bei vielen Energiesparhäusern wenig attraktive Nordseite zu – als das „häßlichste Haus der Orts“.[2] 2003 erhielt es den Salzburger Landesenergiepreis,[3] 2006 auch den Publikumspreis zum Holzbaupreis Rosenheim.

Schon 2004 erstellte aber dann auch die Gemeinde ein Energieleitbild, in dem etwa auch die Schaffung von Vorrangflächen für solares Bauen bzw. Niedrigenenergie- und Passivhäuser vorgesehen war.[4] Seit 2005 nimmt Thalgau am e5 – Programm für energieeffiziente Gemeinden, dem kommunalen österreichischen Klimaschutzprogramm teil, und ist seit 2009 mit eee, also dem European Energy Award, ausgezeichnet.[5]

Einzelnachweise

  1. Simon Speigner. In Salzburger Nachrichten: Salzburgwiki., zitiert:
     Hauptsache, die Panier passt. In: Salzburger Nachrichten. 14. August 2010 (Artikelarchiv).
  2. Zitat nach  Energieoptimiertes Bauen. In: Salzburger Nachrichten. 10. September 2004 (Artikelarchiv).
  3. die Auszeichnung wird seit 2001 vergeben. Land Salzburg: Landes-Energiepreis 2001, Folder, S. 4 (pdf, salzburg.gv.at).
  4. Energie für Thalgau – Das Thalgauer Energieleitbild. Beschlossen 28. Februar 2004, S. 11 (pdf, thalgau.at).
  5. SIR Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen: Auditbericht Thalgau 2009. (pdf, e5-gemeinden.at).