Paul Cartellieri

Paul Cartellieri, Lithographie von Josef Kriehuber, 1854

Paul Cartellieri (* 22. April 1807 in Wien; † 17. Juli 1881 in Franzensbad) war Kurarzt und Ehrenbürger der Stadt Franzensbad bei Eger in Westböhmen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Cartellieri verbrachte seine Jugend in Raudnitz an der Elbe in Böhmen, einem Stammsitz des Fürstenhauses Lobkowitz, bei welchem sein Vater Antonio Casimir Cartellieri als Hofmusiker tätig war. Als Absolvent des Gymnasiums in Leitmeritz in Böhmen und Studium der Medizin an der Universität Prag promovierte Paul Cartellieri zum Doktor der Medizin bei Julius Vinzenz Edler von Krombholz, Professor für spezielle Pathologie, Therapie und Physiologie in Prag, 1830 und 1831 Rektor der Universität Prag und Direktor der Choleraspitäler während der Epidemie 1831 mit umfangreichem Wissensspektrum. Ehrenbürger von Prag

Paul Cartellieri war zunächst als Herrschaft- und Choleraarzt im Dienst des Fürstenhauses Kinsky in der Herrschaft Böhmisch-Kamnitz in Nordböhmen tätig und seit dem Jahr 1848 landesfürstlicher Brunnenarzt in Franzensbad in Westböhmen. Er gilt als Entdecker der dortigen Stahlquelle und führte die von dem Konstrukteur Tobler in Komotau konstruierten Pumpen zur Gewinnung des Quellwassers ein. Er erkannte das psysikalische Gesetz, nach welchem der Wasserzufluss der Quellen in Franzensbad mit dem jeweiligen Barometerstand in umgekehrtem Verhältnis steht. Seine geophysikalischen Forschungsarbeiten über den Quellenzufluß haben bis heute Gültigkeit.

Paul Cartellieri wurde für seine Verdienste k.k. Hofrat und Ehrenbürger des Kurortes Franzensbad

Familie

Cartellieri ist der Sohn von Antonio Casimir Cartellieri (1772–1807) einem Komponist und Kapellmeister und Franziska Kraft. Er war mit Wilhelmine Kraft verheiratet und hatte elf Söhne und eine Tochter mit ihr. Bekannt sind von den Kindern:

  • Josef Cartellieri (* 19. Februar 1849, † 6. August 1909), ein Allgemeinmediziner
  • Friedrich Cartellieri (* 27. November 1855, † 28. November 1932), ein Notar
  • Franziska Cartellieri, Ehefrau des Arztes Andreas Buberl
  • Wilhelm Cartellieri (* 23. Juni 1860, † 29. Mai 1908), ein Philologe und Forscher von Altertumskunde

Werke (Auswahl)

  • Die Franzensquelle in Franzensbad und der atmosphärische Luftdruck. Ein Beitrag zur Physik der Mineralquellen, Eger 1860;
  • Die salinischen Eisenmineralmoorbäder;
  • Die Heilkräfte des Kaiser Franzensbades. Monographie des Mineral-Moorbäder zu Franzensbad;
  • Die Stahlquelle in Franzensbad;
  • Das Klima und die Heilmittel von Franzensbad;
  • Sehnsucht nach dem Egerlande. Ein Lied. Diese Veröffentlichungen sind erschienen in: Kalender für das Egerland, Eger 1911;

Literatur

  • Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder, Band 1 Seite 184, herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum von Heribert Sturm, Seite 184, München Wien 1979.
  • Dr.Josef Weinmann: Egerländer Lexikon, Band 1, Seite 9, Männedorf / ZH 1985.
  • Franz Jahnel: Die Mineralquellen im historischen Egerland, in: Heimatkreis Eger – Geschichte einer deutschen Landschaft in Dokumentationen und Erinnerungen, Seite 61 bis 73, Amberg 1981.
  • Unser Egerland, 1925, Seite 45.
  • Kalender für das Egerlandes, 1911.