Peter Hochegger

Peter Hochegger (* 20. Februar 1949 in Mürzzuschlag) ist ein österreichischer Unternehmer und PR-Berater.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Hochegger studierte Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Welthandel in Wien. Nach Beratungstätigkeiten in verschiedenen Unternehmen gründete er zusammen mit seinem Bruder Paul die PR-Agentur Hochegger|Com mit Schwerpunkt Unternehmensberatung mit 50 Mitarbeitern.[1] Hochegger ist spezialisiert auf Public Relations und Lobbying-Strategien. Er beriet große österreichische Unternehmen wie die Telekom Austria und die Immofinanz. Zudem war er als Berater für den Porr-Konzern und die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) tätig und organisierte die 2,4 Millionen Euro teure "Roadshow" des damaligen österreichischen Finanzministers Karl-Heinz Grasser[2]

Im Jahre 2007 gründete Hochegger zusammen mit Grasser die Kommunikationsagentur Valora Solutions Projektbegleitung GmbH,[3][4] als Tochtergesellschaft der ZehnVierzig Agentur. Sowohl Mutter- als auch Tochtergesellschaft stehen zwischenzeitlich im alleinigen Eigentum des ehemaligen FPÖ-Politikers und Lobbyisten Walter Meischberger.[5]

Verwicklung in Affären

Hochegger gilt zusammen mit Meischberger und Grasser als Schlüsselfigur zahlreicher undurchsichtiger Geschäfte. Über ihn sollen laut dem österreichischen Nachrichtenmagazin Profil im Zeitraum 2000 bis 2006, in der Ära der Schwarz-Blauen-Koalition, mehr als 40 Millionen Euro an Honoraren und Provisionen geflossen sein, wobei das Geld überwiegend von staatsnahen Betrieben wie der Telekom Austria und den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) gekommen sein soll. Nutznießer dieser Gelder waren über zahlreiche Beraterverträge Regierungsmitglieder und hochrangige Funktionäre.[6]

  • Laut "Profil" erhielt Hochegger von der Telekom Austria über zehn Jahre hinweg 25 Millionen Euro an Honoraren. In diese Phase fällt auch die Zeit, als Hocheggers Freund Karl-Heinz Grasser Finanzminister und Eigentümervertreter der teilprivatisierten Telekom war.[7] Im August 2011 hat die Staatsanwaltschaft Wien Ermittlungen gegen den ehemaligen Verkehrsminister Hubert Gorbach (FPÖ/dann BZÖ) eingeleitet. Nach dessen Ausscheiden aus der Politik soll Hochegger über seine Firma die private Sekretärin des Ex-Ministers finanziert haben. Dabei sollen 264.000 Euro geflossen sein.[8]
  • BUWOG-Affäre: Im Jahr 2004 erhalten Hochegger und Meischberger im Zuge der umstrittenen Privatisierung der Bundeswohnungen (BUWOG) vom erfolgreichen Käufer Immofinanz 9,6 Millionen Euro. Laut Berichten sollen die beiden mittels Scheinrechnungen über eine zypriotische Briefkastenfirma bezahlt worden sein.[1] Im September 2009 erstatten Meischberger und Hochegger Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung.[9]
  • Linzer Terminal Tower Affäre: Im Jahr 2005 erhalten Hochegger und Meischberger von der zur Porr AG gehörenden UBM-Realitätenentwicklung-AG ein Beraterhonorar von 200.000 Euro um "Hindernisse in Zusammenhang mit einem von der Porr in Linz entwickelten Büroprojekt aus dem Weg zu räumen".[10] Kurz darauf spricht sich der damalige österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser für die Übersiedlung der Finanzlandesdirektion Oberösterreich in den neuen Terminal Tower aus. Zuvor hatte sich Grasser aufgrund der hohen Mietkosten wiederholt dagegen ausgesprochen.[10]
  • Sky-Link Terminal: Kurz nach dem Start des umstrittenen Skylink-Terminals im Jahr 1999 wird Hochegger vom politisch besetzten Vorstand des Flughafens Wien als Kommunikationsberater engagiert. Die Kosten des neuen Flughafenterminals erhöhen sich von 400 auf 890 Millionen Euro.[2]
  • Weiters erhielt Peter Hochegger von der Telekom Austria angeblich ohne dokumentierte Gegenleistungen 9 Mio €. Dies wurde in Zusammenhang mit der sogenannten Telekom-Affäre publik, bei der es sowohl um Kursmanipulationen mit dadurch ausgelösten Boni-Zahlungen an das Management, als auch um Korruptionsvorwürfe in Zusammenhang mit einem Behörden-Funknetzprojekt geht.[11]
  • Hochegger wurden auch durch die ÖBB um 180.000 € die Markenrechte an der Marke "Railjet" abgekauft, obwohl dieser Name durch einen ÖBB-Mitarbeiter in einem Workshop erdacht wurde.[12]
  • Hochegger erhielt vom burgenländischen Energieversorger BEWAG zwischen 2006 und 2009 an die €3,6Mio für nicht genau nachvollziehbare Leistungen und Geschäfte unter anderem auch in Ungarn. Die damals zuständigen Vorstände wurden deswegen im Mai 2011 von der BEWAG fristlos entlassen.[13]
  • Bei der Teilprivatisierung der Österreichischen Post erhielt Hochegger zusammen mit Meischberger von der beratenden Investmentbank Raiffeisen Centrobank eine "Erfolgsprovision" von 350.000 Euro, damit das Investmenthaus vom Finanzminister und der ihm unterstellten ÖIAG nicht übersehen wurde.[14]

Weitere Zahlungen

Die Bulgarische Regierung zahlte Hochegger 1,5 Millionen Euro für eine Imagekampagne "Reinforcing the Positive Image of the Republic of Bulgaria in the European Union“. Dabei soll es laut Hochegger um die „Einschätzung“ des Image Bulgariens in der EU gegangen sein. Ein Teil des Geldes landete bei Ex-ÖVP-Innenminister Ernst Strasser. Dieser sagte aus, für die Beseitigung eines Problems eines ausländischen Kunden 100.000 Euro erhalten zu haben. Die ÖVP-Fraktion Christlicher Gewerkschafter im Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) bekam einen „Marketingzuschuss/Telekomzuschuss“ in der Höhe von 30.000 Euro. Das Zentralorgan der Freiheitlichen, die „Neue Freie Zeitung“, erhielt 2004 einen „Druckkostenbeitrag“ von 200.000 Euro, als Gegenleistung für mehrere Artikel über „Regulierungsmaßnahmen im Telekom-Bereich“. Auch der SPÖ-Abgeordnete Kurt Gartlehner erhielt von Hochegger im Jahr 2007 rund 30.000 Euro für eine Expertise zum Thema „Breitbandausbau und Regulierungspolitik“. Weitere zahlreiche Zahlungen sollen an den früheren FPÖ-Politiker und Lobbyisten Walter Meischberger geflossen sein.[6]

Einzelnachweise

  1. a b Buwog-Affäre: Peter Hochegger gibt PR-Agentur ab, diepresse.com, 25. September 2009
  2. a b Peter Hochegger, der Millionen-Jongleur, Kurier, 10. Oktober 2010
  3. APA: Buberl, Trauzeuge, Steuersünder: Meischberger im Porträt, diepresse.com, 4. August 2010
  4. Christoph Winder: Valora Solutions, DerStandard.at, 29. September 2009
  5. Valora Solutions Projektbegleitung GmbH. Eintrag auf firmenabc.at. Abgerufen am 19. September 2010.
  6. a b Nehmen und nehmen lassen Profil, 12. Februar 2011
  7. „Profil“: Millionenhonorare von Telekom an Hochegger, ORF online, 29. Jänner 2011
  8. Ex-Minister Gorbach unter Korruptionsverdacht Standard, 24. August 2011
  9. Renate Graber: Buwog: Grasser-Freunde erstatten Selbstanzeige, Der Standard & derstandard.at, 24. September 2009
  10. a b Buwog-Affäre: Hausdurchsuchung bei Baukonzern Porr DiePresse.com, 28. Jänner 2010
  11. Telekom Affäre, Anwalt: TA plante Geheimpakt mit Kronzeugen DerStandard.at, 29. August 2011
  12. ÖBB kaufte Hochegger selbst kreierte Marke ab DerStandard.at, 29. August 2011
  13. Windgeschäfte: Hocheggers Millionengeschäfte mit der Bewag profil, 17. September 2011
  14. 350.000 Euro „Erfolgsprovision“ profil, 17. März 2012