Peter Kubelka

Peter Kubelka (* 23. März 1934 in Wien) ist ein österreichischer Experimentalfilmer und Künstler.


Inhaltsverzeichnis

Leben

Kubelka ist in Taufkirchen an der Pram (Innviertel/Oberösterreich) aufgewachsen und war in seiner Jugend sowohl Wiener Sängerknabe (1944-1947) als auch österreichischer Juniorenmeister im Diskuswerfen (1953) und Judoka [1]. Er studierte von 1952 bis 1954 an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Wien (heute Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) und von 1954 bis 1955 am Centro Sperimentale di Cinematografia, Rom. Von 1978 bis 2000 unterrichtete er als Professor an der Städelschule, Frankfurt am Main (u. a. von 1985 bis 1988 Rektor) und leitete die Klasse für Film und Kochen als Kunstgattung. 1980 gründet er das Ensembles Spatium Musicum und hatte Konzerte u.a. in Chicago und in der New Yorker Carnegie Hall. 1980 erhält er den Großen Österreichischen Staatspreis für sein Gesamtwerk und 2005 das Ehrenzeichen der Republik Österreich. Peter Kubelka ist Bruder der Schriftstellerin Susanna Kubelka.

Werk

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Kubelkas Filme sind hochverdichtete, zwischen einer und 10 Minuten lange Arbeiten. Sie stehen in der Tradition Dsiga Wertows, sowie des Avantgardefilms der 20er Jahre: Walter Ruttmann, Viking Eggeling (Symphonie Diagonale), Hans Richter, Man Ray, Fernand Leger und Marcel Duchamp definierten das Medium als eigenständige Kunstgattung und lehnten Rudimente aus den „alten Künsten” ab. (Fernand Leger: Der Fehler im Film ist das Szenario, womit er die Narration als solches meinte).

Am bekanntesten wurde der Film Unsere Afrikareise von 1966. Hier sind Bild und Ton ähnlich gearbeitet wie Wertows „Enthusiasm” (von dem es eine von Kubelka restaurierte Fassung gibt). Bilder und Töne sind nicht gleichzeitig aufgenommen, um einen naturalistischen Eindruck zu erzielen, sondern assoziativ miteinander verknüpft. Ein Gewehrschuss, der erklingt, wird nicht zwangsläufig mit einem ebensolchen Bild gezeigt. Kubelka setzt voraus, dass der Klang alleine reicht, um "Gewehrschuss" zu denken. Im konkreten Beispiel sieht man einmal einen Hut vom Kopf eines Touristen fliegen, ein andermal einen Fisch, der aus dem Wasser geangelt wird. Besonders eindrücklich ist die Szene, in der sich ein Schmetterling in Nahaufnahme völlig synchron zu österreichischer Volksmusik bewegt.

Metrische Filmreihe

Kubelkas „metrische” Filme bilden eine Grundlage für den strukturellen Film, der in den 1960er und 1970er Jahren zu einer weltweiten Bewegung in der filmischen Avantgarde führte. [2]. Peter Kubelka produzierte in seiner Schaffensperiode unter anderem drei Filme (Adebar, Schwechater und Arnulf Rainer), welche unter dem Begriff der Metrik bekannt sind. Grundsätzlich kommt der Begriff des metrischen Systems aus der Musik. Es geht dabei um einzelne Einheiten, wie etwa in der Musik stellen Notenzeichen verschiedene Zähleinheiten (halbe, viertel etc. Note) dar. Im Gegensatz dazu wird im Film eine einzelne Einstellung als Zeiteinheiten verstanden. Eine Einstellung wiederum besteht aus mehreren Kadern, wobei 24 Kader eine Sekunde im Film darstellen.

In Kubelkas metrischen Filmen wird der Filmkader tatsächlich als eine Zeiteinheit eingesetzt. Er geht hierbei intensiv auf die Musik ein, indem er die Kader an die Musik anpasst und somit ein metrisches System geschaffen wird.

Adebar

Kubelkas erster metrischer Film ist „Adebar“ (1957), mit dem auch der Wiener Formalfilm begann. In diesen Filmen ist die Form immer wichtiger als der Inhalt und meist geht ein planvolles, regelhaftes Vorgehen mit genauen Strukturen hervor. In Adebar geht Kubelka besonders vom Ton aus. Er findet ein strenges Regelsystem aus 26 Kadern, die sich immer wieder als Schleife wiederholen und die Länge der einzelnen Einstellungen bestimmen. Die Zahl 26 wird von ihm sowohl geteilt, als auch verdoppelt, wodurch sich Filmeinstellungen bestehend aus jeweils 13, 26, oder 52 Kadern ergeben.

Das Grundmaterial im Film sind acht bewegte Einstellungen von tanzenden Paaren, die sowohl als Positiv und als Negativ im gleichen Ausmaß verwendet werden. Somit erhält jeder cm² der Leinwand den exakt gleiche Lichtmenge bzw. Lichtqualität.

Der Film an sich wäre als ein Werbefilm für das Lokal „Adebar“ konzipiert worden, jedoch wurde er nicht als solcher verwendet. Der Inhalt des Films sind Silhouetten von tanzenden Paaren, die sich einerseits berühren und andererseits sich trennen. Es geht somit um Bewegungen, die sich zwar berühren wollen, aber es gleichzeitig auch nicht können. Der Inhalt des Films ist also durchwegs minimalistisch. Der Film handelt von Tanzsilhouetten, welche in drei verschiedene Phasen gezeigt werden: in der Ausgangs-, Entwicklungs-, und Endpose. Um Standbilder erreichen zu können, kopierte Kubelka die Ausgangspose 26. Mal. Somit erhält der Film den eigentlichen Eindruck einer Bewegung vor allem durch die Differenz von Stand- und Bewegungsbildern. [3]

Auszeichnungen

Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (2005)

Ausstellungen (aktuelle Auswahl)

  • 2004 International Festival of New Film and New Media, Split (Kroatien
  • 2005 Westfälischer Kunstverein, Münster, Touching
  • 2005 ZKM, Karlsruhe, Lichtkunst aus Kunstlicht
  • 2005 MAMCS Strasbourg, L’ŒIL MOTEUR (Motorauge)
  • 2006 CCCB Barcelona, THAT'S NOT ENTERTAINMENT!
  • 2006 Kunsthaus Zürich, The Expanded Eye
  • 2008 Akademie der Künste, Berlin, Notation: Kalkül und Form in den Künsten

Filmografie

  • Mosaik Im Vertrauen (1955) (mit Ferry Radax)
  • Adebar (1957)
  • Schwechater (1958)
  • Arnulf Rainer (1960)
  • Tesa (1964) (Werbespot-Serie)
  • Unsere Afrikareise (1966)
  • Pause! (1977)
  • Dichtung und Wahrheit (2003)
  • Antiphon (2012)[4]

Weblinks

Artikel

  • Tina M. Stadler, Peter Zach: Interview mit Peter Kubelka, in: Blimp, Zeitschrift für Film Nr. 7, S. 4 ff., Graz 1987
  • Peter Tscherkassky: Film-Bier - Zu Peter Kubelkas Werbefilm 'Schwechater', in: Blimp, Zeitschrift für Film Nr. 7, S. 12 ff., Graz 1987

Quellen

  1. frame the state of the art 20, Sommer 07, Servus Austria, S.194-196
  2. Peter Tscherkassky „Die rekonstruierte Kinematografie” - Zur Filmavantgarde in Österreich
  3. [Peter KUBELKA: Die Theorie des metrischen Films (1978). In: Gabriele Jutz, Peter Tscherkassky (Hg.): Peter Kubelka. Wien: PVS 1995, S. 46-67.]
  4. Viennale 2012: Monument Film