Peter R. Hofstätter

Peter Robert Hofstätter (* 20. Oktober 1913 in Wien; † 13. Juni 1994 in Buxtehude) war ein österreichischer Sozialpsychologe.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Hofstätter studierte in Wien Physik und Psychologie und promovierte über die Frühentwicklung japanischer und koreanischer Kinder.

Von 1937 bis 1943 war er im Reichskriegsministerium unter Max Simoneit in der Wehrmachts-Psychologie aktiv und vertrat dabei die nationalsozialistische Rassenlehre. Im Anschluss arbeitete er im Reichsjustizministerium. Ungeachtet seiner Vergangenheit erhielt er 1945 einen Lehrauftrag an der Universität Graz und von 1949 bis 1956 lehrte er als Dozent in den USA. Hofstätter wurde in Nachfolge von Curt Bondy 1959 auf den Lehrstuhl für Psychologie I der Universität Hamburg berufen und dort 1979 emeritiert.

1963 veröffentlichte Hofstätter in der Wochenzeitung Die Zeit einen Artikel mit dem Titel „Bewältigte Vergangenheit?“[1], der einen Eklat auslöste. Darin stellte er den Sinn der Vergangenheitsbewältigung in Frage und plädierte für eine Generalamnestie für NS-Verbrechen. Arie Goral polemisierte wegen dieses Artikel öffentlich gegen Hofstätter. Dies entfesselte einen medialen Skandal. Rudolf Walter Leonhardt verteidigte Hofstätter.[2] Er kritisierte Goral, er habe einer „Hysterie Vorschub geleistet, die sich nicht mehr an Tatsachen orientiert“. Hofstätter zog sich danach in die Forschung zurück und äußerte sich nur noch selten zu politischen Themen.

Hofstätter war auch langjähriger Kolumnist im Hamburger Abendblatt.

Schriften

  • Die Psychologie der öffentlichen Meinung. Braumüller, Wien 1949
  • Psychologie. Erstveröffentlichung 1957. S. Fischer Verlag, Frankfurt Juli 1968 (357.–376. Tausend)
  • Sozialpsychologie. de Gruyter, 1973, ISBN 3-11-004309-2
  • Quantitative Methoden der Psychologie I (zus. mit Dirk Wendt) Springer, Heidelberg 1974, ISBN 3-540-79602-9
  • Individuum und Gesellschaft. Ullstein, Berlin 1984, ISBN 3-548-02955-8
  • Gruppendynamik. Die Kritik der Massenpsychologie. Rowohlt, Hamburg 1957, ISBN 3-499-55038-5
  • Deutsche Wehrmachtpsychologie 1914–1945. Einführung P. R. Hofstätter (weitere Verf.: Leonhard von Renthe-Fink, Siegfried J. Gerathewohl, Werner Fritscher) Verlag für Wehrwissenschaften, München 1985, ISBN 3-8219-0019-9 und ISBN 3-8219-0016-4
  • Bedingungen der Zufriedenheit. Edition Interfrom, 1986, ISBN 3-7201-5192-1
  • Persönlichkeitsforschung. Kröner, 1991, ISBN 3-520-40302-1
  • Einführung in die Sozialpsychologie. Kröner, 1990, ISBN 3-520-29505-9
  • Differentielle Psychologie. Kröner, 1971

Literatur

  • Arie Goral: Der Fall Hofstätter – Aus dem Leben eines Rechtssympatisanten. Hamburg 1963.
  • Erich H. Witte (Hrsg.): Beiträge zur Sozialpsychologie: Festschrift für Peter R. Hofstätter. Beltz 1980.
  • Gerhard Benetka: Stolpersteine. Zur Karriere von Peter R. Hofstätter (Werkblatt 18/19, 1989, Nr. 1/2)
  • AStA Universität Hamburg (1969). Das permanente Kolonialinstitut. Hamburg, S. 119–138.
  • Peter Hofstätter. In: Ernst G. Wehner: Psychologie in Selbstdarstellungen, Bd. 3, Bern 1992.
  • Werner Bergmann: Antisemitismus in öffentlichen Konflikten: kollektives Lernen in der politischen Kultur der Bundesrepublik 1949–1989. Frankfurt/Main 1997.
  • Peter Hofstätter: Bewältigte Vergangenheit? In: Die Zeit, Nr. 24/1963
  • Rudolf Walter Leonhardt: Der Fall Hofstätter. In: Die Zeit, Nr. 36/1963

Einzelnachweise

  1. Hofstätter, Peter R.: Bewältigte Vergangenheit. In: DIE ZEIT, 14. Juni 1963 Nr. 24
  2. Leonhardt, Rudolf Walter: Der Fall Hofstätter Notwendiger Widerspruch — Verständliche Empörung — Unkontrollierte Hysterie In: DIE ZEIT, 6. September 1963 Nr. 36.

Weblinks