Peter Wehle

Peter Wehle (* 9. Mai 1914 in Wien; † 18. Mai 1986 ebenda) war ein österreichischer Komponist, Autor und Kabarettist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Studium und Kriegsdienst

Peter Wehle besuchte als Bub das Wiener Schottengymnasium, das seinen Worten zufolge Franz Grillparzer, Johann Nestroy, Johann Strauss und Kaiser Karl als prominente Schüler verzeichnete.[1] Er sollte die väterliche Rechtsanwaltskanzlei übernehmen und studierte deshalb an der Universität Wien Jus. Das Studium, von einjährig-freiwilligem Militärdienst in der Breitenseer Kaserne unterbrochen, schloss er im März 1939 mit der Promotion ab.

Bereits während des Studiums war er als Barpianist tätig und schrieb auch Chansons für Kabaretts und Revuebühnen. Er legte auch die Kapellmeisterprüfung ab. Damals lernte er Gert Fröbe und Curd Jürgens, beide Ensemblemitglieder des Deutschen Volkstheaters, kennen.

Im Zweiten Weltkrieg hatte Wehle vom Jänner 1940 an Militärdienst zu leisten, vorerst in Frankreich. Dort wurde festgestellt, dass er nicht als Unteroffizier fungieren dürfe, weil er „Vierteljude“ sei. Sein Vorgesetzter, später unter den ersten Offizieren des österreichischen Bundesheers, hat es jedoch Wehle zufolge auf sich genommen, diese Vorschrift zu ignorieren.[2]

Später war seine Einheit an der Ostfront eingesetzt. Auf Grund seines Sprachtalents konnte er sich in Frankreich, Russland und der Ukraine mit Einheimischen verständigen und wurde oft zu Dolmetschdiensten herangezogen. Kurz vor der deutschen Niederlage in der Schlacht von Stalingrad wurde Wehle im Herbst 1942 auf Initiative einer Wiener Brieffreundin zu einer Dolmetschkompanie nach Wien versetzt, wo er Serbisch lernte.[3]

In Wien befreundete er sich mit Gunther Plachetta, den er bei einem bunten Abend in einem Reservelazarett kennenlernte, und lernte 1943 Neugriechisch, da ihm ein Freund die Versetzung nach Griechenland organisieren wollte. Er wurde im April 1943 auch tatsächlich nach Saloniki versetzt. Dort wurde er als Klavierspieler und Chansonnier im Soldatensender tätig, anschließend beim Soldatensender Belgrad, wo er Theo Mackeben und Evelyn Künnecke begegnete und als Soldat seine Kenntnisse in Italienisch und Serbisch einzusetzen hatte.

1944 wurde er nach Wien versetzt. Die Betreiber dieser Versetzung beabsichtigten, damit nach Kriegsende ihre Einstellung gegen das NS-Regime nachweisen zu können. In den letzten Kriegstagen flüchtete er nach Tirol und wurde nach einem Intermezzo als rechtskundiger Sekretär des Politikers Ludwig Draxler in Innsbruck am Theater in Salzburg tätig.

Die kleinen Vier

Mit Gunther Philipp (später durch Rolf Olsen ersetzt), Fred Kraus und mit der ehemaligen Staatsopernballerina Eva Leiter[4] gründete er 1948 das Kabarettensemble Die kleinen Vier. Als Leiter heiratete, trat Hilde Berndt an ihre Stelle, die bis zur letzten Vorstellung dem Ensemble die Treue hielt.[5] 1949 vermittelte Franz Antel den kleinen Vier die Mitwirkung an einer großen, öffentlichen Sendung des Bayerischen Rundfunks, die weitere Engagements des Ensembles in ganz Westdeutschland und in der Schweiz nach sich zog. Auf der Tournee lernte er Vico Torriani und Caterina Valente, beide damals am Anfang ihrer Showkarriere, kennen. Wehles Erinnerungen zufolge hat sich das Ensemble nie offiziell aufgelöst, war jedoch in den fünfziger Jahren auf Grund anderer Verpflichtungen der Mitglieder immer schwerer zusammenzuholen. Um 1970 kam es aber in München noch einmal zu einem Nostalgieauftritt in Originalbesetzung.

Theater in Wien

In Wien spielte Wehle 1948 im Theater in der Josefstadt in William Saroyans Stück Time of our life mit Maria Andergast, Lotte Lang, Attila Hörbiger, Leopold Rudolf und Paul Hubschmid unter der Regie von Rudolf Steinboeck einen halb verhungerten Neger[6]; wie er waren Kurt Sowinetz und Ernst Stankovski als Anfänger auf der Bühne.

Zusammenarbeit mit Gerhard Bronner

1948 lernte er Gerhard Bronner kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Bronner urteilte 2002 in einem Interview: Der Wehle war ein katholischer Monarchist.[7] Gemeinsam verfassten Bronner und Wehle im Laufe der Jahre über 1000 Texte und Melodien.

Beide waren in den 1950er Jahren auch Mitglieder der als Namenloses Ensemble bekannten Kabarettgruppe, zu der auch Michael Kehlmann, Helmut Qualtinger, Georg Kreisler, Louise Martini, Carl Merz und weitere wechselnde Partner gehörten. Bronner und Wehle riefen 1978 die sonntägliche satirische Rundfunksendung Der Guglhupf ins Leben, die bis 2009, mit Lore Krainer und Herbert Prikopa, wöchentlich gesendet wurde.

Komponist

Darüber hinaus war Peter Wehle als Komponist unter anderem für Marika Rökk, Johannes Heesters, Paul Hörbiger, Willi Forst, Eddie Constantine, Peter Cornelius, Peter Alexander und Marianne Mendt tätig. Für Da sprach der alte Häuptling der Indianer, interpretiert von Gus Backus, erhielt er in den 1950er Jahren eine Goldene Schallplatte.

Germanist

1974 promovierte Wehle erneut, und zwar in Germanistik; aus seiner Dissertation [8] entstand das Buch Sprechen Sie Wienerisch?, ein etymologisches Wörterbuch des Wiener Dialekts.

Nachleben

Peter Wehle ruht in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40, Nummer 128). Peter Wehle ist ein Stern im Walk of Fame des Kabaretts gewidmet.

Peter Wehles 1967 geborener Sohn Peter jun. ist ebenfalls als Kabarettist, Musiker und Schriftsteller tätig.

Werke

Musikalische Komödien

Bücher

  • 1977: Die Wiener Gaunersprache
  • 1980: Sprechen Sie Wienerisch? Von Adaxl bis Zwutschkerl
  • 1982: Sprechen Sie ausländisch? Von Amor bis Zores
  • 1983: Der lachende Zweite. Wehle über Wehle (Autobiografie)
  • 1986: Singen Sie Wienerisch? Eine satirische Liebeserklärung an das Wienerlied

Einzelnachweise

  1. Peter Wehle: Der lachende Zweite. Wehle über Wehle, Ueberreuter, Wien / Heidelberg 1983, ISBN 3-8000-3193-0, S. 11
  2. Wehle, a. a. O., S. 64
  3. Wehle, a. a. O., S. 72
  4. Wehle, S. 118
  5. Wehle, S. 127
  6. Wehle, S. 115 f.
  7. Großmeister der Kleinkunst ist tot Nachruf auf Gerhard Bronner in: Der Standard 20./21. Jänner 2007
  8. Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek

Weblinks