Petersfrauen

Ein mit dem Stift St. Peter in Salzburg eng verbundenes Frauenkloster für die sogenannten Petersfrauen ist von 1130 bis 1583 nachgewiesen. Diese verstanden sich als Benediktinerinnen, wobei sie die Ordensregel nach ihrer eigenen Auslegung befolgten. Ihre Wohnstätte war die des heutigen Franziskanerklosters. Sie waren durch eine Trennwand von den Mönchen des Männerklosters abgetrennt. Es war aber üblich, dass zu bestimmten Zeiten diese Mauer durchbrochen wurde und die Petersfrauen in die Männerdomäne eingeladen und gastlich bewirtet wurden. Danach wurde die Mauerbresche wieder zugemauert. An die Peterfrauen erinnert für den Kenner der Salzburger Geschichte auch der sogenannte Fron- oder Frauengarten, ein damals unbebautes Grundstück, das außerhalb der petrischen Mauer und der Getreidegasse lag und das den Petersfrauen für die Anpflanzung von Gemüse, Kräutern und Heilpflanzen von Erzbischof Konrad I. im 12. Jahrhundert zur Verfügung gestellt worden war.

Ein Frauenkloster ist im Mittelalter eine Institution, um in der Nachfolge Christi ein gottgeweihtes Leben zu führen. Zum anderen dienten solche Klöster auch dazu, um unverheiratete oder verwitwete Frauen aus begüterten Familien zu versorgen und ihnen eine standesgemäße Unterkunft zu sichern. Dazu mussten sie bei ihrem Eintritt in die Klostergemeinschaft eine angemessene Aussteuer mitbringen.

Eine Zeit lang wurde vermutet, dass das petrische Frauenkloster ein Gegenstück für das wohlhabende Bürgertum zu dem Stift Nonnberg gewesen sein könnte, das nur adelige Frauen aufnahm. Aus der Namensliste der Petersfrauen geht jedoch hervor, dass eine ganze Reihe von ihnen aus dem Salzburger Adel stammte, wie der Familie der Pollheimer, der Thenn, der Gutrather, der Trauner oder der Elsenheimer. Die Klosterfrau Hiltpurga war die Schwester des Minnesängers Dietmar von Aist. Es scheint sogar, dass Adelige bei der Aufnahme bevorzugt wurden, da von ihnen in der Regel eine größere Mitgift zu erwarten war. Im 14. und 15. Jahrhundert hatten sie den größten Zulauf ihres Bestehens, sogar Schützlinge des Herzogs Ludwig von Bayern mussten wegen Platzmangel abgewiesen werden. Das Verhältnis zu den Klosterfrauen auf dem Nonnberg scheint reserviert gewesen zu sein.

Die Petersfrauen waren von der Außenwelt nicht abgeschnitten, sie legten einen feudalen Lebensstil an den Tag, so konnten sie z.B. Dienerschaft mitbringen. Das Tafelgeschirr bestand aus vergoldeten Tellern und Schalen, silbernen Löffeln und reich verzierten Trinkbechern. Sie konnten auch das Kloster verlassen, um etwa in der Stadt Einkäufe zu tätigen. Zu ihrem Lebensstil gehörte auch, dass sie sich das Haar lang wachsen ließen und nach weltlicher Art pflegten. Ihre Rosenkränze waren aus kostbaren Edelsteinen und Korallen und dienten zugleich als Schmuck. Auch sonst waren sie bestens ausgestattet (Pelzmäntel im Winter, Federbetten, feinstes Leinen). Ihren geistlichen Pflichten (Gebet, Gottesdienste) kamen sie in der Franziskanerkirche nach.

Nikolaus von Kues versuchte bei einer Visitation den Lebensstil der Petersfrauen zu ändern, wobei er aber keinen Erfolg hatte, denn sie hielten sich nicht an seine Anweisungen. Und auch die Äbte von St. Peter taten gut daran, sich mit den Petersfrauen nicht anzulegen, brachten sie dem Kloster doch reiche Schenkungen.

Von besonderer Bedeutung waren die Petersfrauen bei der Herstellung prachtvoller Stickereien und gewebter Stoffe. Zudem widmeten sie sich dem Kopieren von Büchern und der Herstellung von kunstvollen Miniaturen und farbenprächtiger Buchmalereien. Ihr Kloster verfügte auch über eine reichhaltige Bibliothek, die neben religiösen Werken auch die Werke der Antike umfasste. Sogar ein Buchkatalog wurde angefertigt und es kam zu einem Bibliotheksbetrieb. Sie richteten auch eine Schule für Mädchen ein, was für das Mittelalter eine große Ausnahme war. Ihre Schülerinnen kamen auch von auswärts. All dies führte zu Auseinandersetzungen mit dem Klerus, der gegen die Bildung von Frauen und besonders von nicht geistlichen Frauen eingestellt war. Große Bedeutung hatten sie auch bei der Musikpflege; es war in Salzburg sogar üblich, dass bei der Aufbahrung eines Verstorbenen die Petersfrauen zu einem „Besängnis“ geladen wurden.

Die Petersfrauen waren zur Zeit der Reformation der neuen Strömung gegenüber sehr aufgeschlossen. Als Johann von Staupitz, der ehemalige Vorgesetzte von Luther als Abt nach Salzburg berufen wurde, schrieben die Petersfrauen seine Predigten auf; diese Unterlagen sind heute eine wichtige Quelle für die Staupitz-Forschung. Auch der Lektüre Martin Luthers nahmen sie sich an. Schließlich schlossen sie sich, wie fast das ganze Salzburger Bürgertum, der Reformation an. Die meisten von ihnen verließen das Kloster, das sich nach und nach entleerte. Die letzten vier Petersfrauen fanden im Kloster am Nonnberg eine Unterkunft.

Literatur

  • Liselotte Eltz-Hoffmann: Die Petersfrauen. Bastei, 2011, 60/4, 23-25.