Pfafflar

Pfafflar
Wappen von Pfafflar
Pfafflar (Österreich)
Pfafflar
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Reutte
Kfz-Kennzeichen: RE
Hauptort: Bschlabs
Fläche: 33,63 km²
Koordinaten: 47° 17′ N, 10° 37′ O47.28333333333310.6166666666671314Koordinaten: 47° 17′ 0″ N, 10° 37′ 0″ O
Höhe: 1314 m ü. A.
Einwohner: 125 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 3,72 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6647
Vorwahl: 05635
Gemeindekennziffer: 7 08 25
Website: www.pfafflar.eu
Politik
Bürgermeister: Bernd Huber
Lage der Gemeinde Pfafflar im Bezirk Reutte
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Über dieses Bild
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(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Pfafflar ist eine Gemeinde mit 125 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) im Bezirk Reutte, Tirol (Österreich). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Reutte.

Pfafflar besteht aus den drei auseinanderliegenden Ortschaften Bschlabs, Boden und Pfafflar im Bschlabertal, einem Seitental des Lechtals. Das 8 km entfernte Bschlabs besteht aus mehreren Höfen und Weilern. Hier verläuft die Straße vom Lechtal über das Hahntennjoch (das die Gemeindegrenze bildet) nach Imst im Oberinntal, die für das obere Lechtal einen kürzeren Weg als über den Fernpass darstellt. Die Hahntennjochstraße wurde 1969 eröffnet und stellt heute neben einer Verkehrsverbindung eine auch unter Motorrad- und Radfahrern beliebte Ausflugsstraße dar, die allerdings in den Wintermonaten gesperrt ist. Der Ortsteil Pfafflar wird heute nur noch im Sommer genutzt.

Inhaltsverzeichnis

Ortsteile

Bschlabs, Boden, Pfafflar

Nachbargemeinden

Elmen, Häselgehr, Imst, Stanzach.

Geschichte

Ursprünglich fand die erste Besiedelung in Pfafflar statt. Heute sind nur noch Bschlabs und Boden ganzjährig besiedelt, Pfafflar ist lediglich eine Art Almdorf, dessen Häuser teilweise im Sommer von Feriengästen bewohnt werden.

Die ersten Dauersiedler in diesem Seitental des Lechtales waren Flüchtlinge aus dem Engadin, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Sie erhielten von den Grafen Starkenberg aus Imst die Erlaubnis, das Tal zu besiedeln. Die Schweizer kamen mit ihrem Vieh über das Hahntennjoch (früher Hohentennen genannt), einem Pass der das Lechtal mit dem Inntal verbindet und ließen sich 1280 in Pfafflar nieder. Laut Urkunden befanden sich dort 1284 vier Schwaighöfe. Danach wurden Höfe in Bislafes (dem heutigen Bschlabs) und Boden errichtet.

Die Siedler rodeten Wald, um Wiesen für Viehzucht (Ziegen, Schafe, Kühe) und Ackerbau (Kartoffeln, Getreide, Flachs und Bohnen) zu bekommen. Somit waren sie wirtschaftlich unabhängig. Damals war das Leben in den Bergen ein harter Überlebenskampf. Die Bergwiesen wurden zum Teil bis auf 2.300 m Höhe gemäht, um Heu für das Vieh im Winter zu haben. Einige mündliche Überlieferungen besagen, dass oberhalb vom Ortsteil Boden, am Fuße des Rotkopfes, Bergbau betrieben wurde. Abgebaut wurde Galmei und Blei. Davon zeugt noch heute ein kleiner Bergstollen unterhalb des Rotkopfes.

Im Jahre 1500 war die Gegend um Pfafflar ein beliebtes Jagdgebiet des Landesfürsten Kaiser Maximilian.

1629 wurde das Tal zu einem Steuerbezirk des Gerichtes Imst zusammengefasst. 1811 erklärte man die Siedlung zur politischen Gemeinde Pfafflar. Den Einwohnerhöchststand erreichte Pfafflar 1840 mit 320 Bewohnern. Diese ernährten sich größtenteils aus dem Ertrag der kargen Landwirtschaft. 1894 ließ man dann den Ortsteil Pfafflar als Dauersiedlung auf und die Bergbauern zogen in das um 250 m tiefer gelegene Boden. Jedoch wurde Pfafflar weiterhin als Sommersiedlung genutzt, wo die Bauern vom Frühjahr bis zum Spätherbst blieben.

Im 1. Weltkrieg sind 10 Männer aus Bschlabs und Boden als Soldaten in Lemberg (Ukraine), Russland, Ungarn, Italien und Wien für das Vaterland gefallen. 1930 begann man eine Straße von Elmen nach Bschlabs zu bauen. Etwa 5 Jahre später von Boden Richtung Bschlabs. Das erste Auto konnte 1937 bis Bschlabs fahren, aber erst 1947 nach Boden.

Durch die Straßenverbindung ins Lechtal wurde das Bschlabertal 1938 sinnvollerweise politisch dem Bezirk Reutte zugeteilt.

Im 2. Weltkrieg fielen 8 Männer aus der Gemeinde als Soldaten in Afrika, Russland, Rumänien, Schlesien, Italien und Jugoslawien. Pfafflar war bis 1938 Teil des Bezirks Imst und bis 1947 Teil des Gerichtsbezirks Imst.

Seit 1954 hat die Gemeinde Pfafflar elektrischen Strom.

Im Jahre 1960 begann man mit den Lawinenschutzverbauungen (Stahlschneebrücken, Aufforstungen, Lawinengalerien und Untertunnelungen) um die Orte und vor allem die Zufahrtsstraße im Winter sicherer zu machen. Die Gemeinde Pfafflar hatte vor diesen Schutzmaßnahmen die lawinengefährdetste Zufahrtsstraße aller Gemeinden Österreichs. (z. B. Winter 1981/82 waren die Orte der Gemeinde insgesamt 80 Tage von der Außenwelt abgeschnitten, was in den Folgejahren wiederum den höchsten Bevölkerungsrückgang aller Gemeinden Österreichs nach sich zog).

Durch die Eröffnung der Hahntennjochstraße im Jahre 1969 kam - zumindest für die Sommermonate - in das verschlafene Dörfchen Bschlabs mehr Leben durch den regen Durchzugsverkehr. In dieser Zeit machte der technische Fortschritt auch vor der Gemeinde Pfafflar nicht halt. Es verbesserten sich Radio- und Fernsehempfang und das Internet hielt Einzug. Durch neue landwirtschaftliche Maschinen wurde der Alltag der Bergbauern um Vieles erleichtert. Trotz der ganzen Verbesserungen ließ sich aber die Abwanderung der Jugend aus dem Tal nicht aufhalten. Vereine, wie beispielsweise die Musikkapelle, die das kulturelle und kirchliche Leben bereicherten, lösten sich mangels Mitglieder auf.

In den letzten Jahren tauchten immer wieder Filmteams auf, um in der Gemeinde Kino- und Fernsehfilme wie Der Bergdoktor, Weihnachtswolf, Apollonia, Die Versöhnung, Der Architekt und Die Hebamme zu drehen.

Die Entstehung des Ortsnamen

Um 1284 wurde Pfafflar Pavelaers genannt, das vom rätoromanischen Wort pabulariu abgeleitet ist und Futterstadel bedeutet.

Wappenentstehung

Auszug aus einer Pfafflarer Urkunde: Die Tiroler Landesregierung hat in ihrer Sitzung vom neunzehnten Mai neunzehnhunderteinundachtzig der Gemeinde Pfafflar folgendes, in der Urkunde dargestellte, Wappen verliehen: In Grün drei goldene Heuhütten, die mittlere höher stehend. Die Farben der Gemeindefahne sind Gelb-Grün. Das Wappen versinnbildlicht den Namen der Gemeinde, der in seiner ältesten bekannten Form Pavelaers lautet und bei den Futterstädeln bedeutet. Es erinnert somit auch an die Anfänge der Besiedelung und mit der Dreizahl an die Ortschaften Pfafflar, Bschlabs und Boden. Die Urkunde wird durch die Unterzeichneten und das Landessiegel beglaubigt. Gegeben zu Innsbruck am dreizehnten September neunzehnhunderteinundachtzig.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Literatur

  • Florian Gasser: Wie ein Tal stirbt. In: Die Zeit. 28. Juli 2011, abgerufen am 30. Juli 2011.

Weblinks