Pfarrkirche Feldkirchen (Kärnten)

Feldkirchen Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt 14122007 33.jpg
Bildstock:detail
Rundkarner
Kapitell am Portal
Mittelschiff
Fresko: Dreikönigszug
Fresko: Weltgericht
Hochaltar
Hauptaltar

Die römisch-katholische Pfarrkirche Feldkirchen wird Maria im Dorn genannt. Sie steht unter dem Patrozinium des Festes Patrozinium Mariä Himmelfahrt. Die Kirche steht am Ende der Kirchgasse in Feldkirchen etwas erhöht über dem Fluss Tiebel.

Inhaltsverzeichnis

Kirchhof

Die Kirche wird von dem Friedhof mit einer ehemals wehrhaften Friedhofsmauer umgeben. Die Mauer geht gegen die tieferliegende ehemalige Gurkerstraße im Osten in eine Futtermauer über. Von den vier Wehrtürmen, die einst in die Friedhofsmauer integriert waren, steht nur mehr der nordöstliche.

Der Karner steht südwestlich der Kirche. Er wurde um 1200 errichtet. Der zweigeschossige romanische Rundbau hat im Osten eine abgetreppte Konsolapsis und eine Beinkammer im Untergeschoss. Das Kegeldach ist mit Steinplattln gedeckt.

Der Bildstock mit einer Darstellung der Maria Dorn wurde 1884 errichtet.

Geschichte

1065/66 wird ein Vorgängerbau als Eigenkirche der Eppensteiner genannt. Der Bau der heute bestehenden Kirche begann nach 1166. 1258 wird Feldkirchen als Pfarre erwähnt. Obwohl man die Kirche nach dem Türkeneinfall von 1476 befestigte, wurde sie 1480 von den Ungarn erobert. Die dreischiffige, romanische Pfeilerbasilika mit einem Chorturm erfuhr in der Gotik und in späteren Phasen bauliche Veränderungen. Im 14. Jahrhundert wurde der gotische Langchor angefügt und die Schiffe des ursprünglich basilikalen Langhauses mit einem gemeinsamen Satteldach zusammengefasst. 1986 wurde die Kirche nach Plänen von Gernot Kulterer mit einem hallenförmigen Zubau nach Westen erweitert. Er ist homogen an den Altbestand angeglichen. Die Kirche ist nun nach Westen ausgerichtet.

Bauwerk

Außen

Der fünfgeschossige Chorturm stammt im Kern aus der Romanik. 1783 wurde er zu seiner heutigen Höhe von 40 m Metern aufgestockt und mit einem barocken Zwiebelhelm versehen. 1871 erhielt der Turm eine neue Fassade mit einer Sockelzone und Eckpilastern. Eine Glocke wurde 1830 von Mathias Gollner gegossen.

Der gotische Hauptchor aus dem 14. Jahrhundert wird von Strebepfeilern gestützt und weist im ehemaligen, ausgebauten Wehrobergeschoss spitzbogige Öffnungen unter dem Dachansatz auf. Der polygonale Nordchor ist niedriger als der Hauptchor. Südlich des Hauptchores befindet sich ein rechteckiger Sakristeianbau mit einer Fassade aus dem 19. Jahrhundert mit gekuppelten Rundbogenfenstern im Obergeschoss und einem zweiläufigen Stiegenaufgang. An der Außenmauer sind biedermeierliche Grabsteine angebracht.

Die barocke Vorhalle an der Langhaussüdseite mit Wellengiebel hat ein Portal mit profiliertem Spitzbogen und zwei sekundär verwendeten, romanischen Säulen aus dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts. Eine Säule hat ein Knospenkapitell, die andere ein Kapitell mit Flechtband und Köpfen. Über dem Spitzbogenportal sind zwei Dreipässe eingemauert. In der Vorhalle mit einem Kreuzgratgewölbe ist ein Fresko mit Maria im Dornbusch aus dem 19. Jahrhundert. Die Rokokoflügeltür ist mit 1776 bezeichnet.

Innen

Das Mittelschiff hat die Proportionen der spätromanischen Pfeilerbasilika. Die Hochschiffwände sind in der unteren Zone durch Pfeilerarkaden mit schmalen Kämpferplatten zu den Seitenschiffen hin geöffnet, die ehemaligen Obergadenfenster wurden vermauert. Das Netzrippengewölbe aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ruht auf Konsolen. Im östlichen Mittelschiffjoch wurde 1991 eine hölzerne Orgelempore eingezogen. Auf ihr steht eine neue Orgel des Tiroler Orgelbauers Martin Pflüger.

Ein rundbogiger, romanischer Triumphbogen mit gekehlten Kämpfern verbindet das Langhaus mit dem ehemaligen Chorturmquadrat. Dieses ist mit einer Hängekuppel ausgestattet und öffnet sich zum Nordchor mit einem Segmentbogen, zum Südchor mit einem Spitzbogen und zum Hauptchor mit einem Rundbogen auf Kämpfern. An der Südseite des Chorquadrats ist eine römerzeitliche Herculesstatue in der provinziellen Wiedergabe des Typus des Herkules Farnese eingemauert. Der einjochige, ehemalige Hauptchor mit Fünfachtelschluss ist höher als des Mittelschiff. Das Kreuzrippengewölbe erhebt sich von Konsolen und besitzt reliefierte Schlusssteine mit Rosette und der Hand Gottes. An der nördlichen und südlichen Jochwand sind dreiachsige Blendarkaden auf Konsolen. Die Sakramentsnische mit Maßwerknasen ist mit einem Wimperg mit Lilienkreuz abgeschlossen. Ein spätgotisches Kragsteinportal mit einer rautengemusterten Eisentür führt in die Sakristei mit einem Sterngratgewölbe. Über der Sakristei befindet sich ein Oratorium, das mit einem gedrückten Bogen zum Chor hin geöffnet ist. Die Brüstung ist durch Stuckrauten und kannelierten Lisenen gegliedert. Im nördlichen, fünfjochigen Seitenschiff erhebt sich ein Sternrippengewölbe mit quadratischen Schlusssteinen über Wandvorlagen mit Halbsäulen. An der Südwand ist ein römerzeitliches Grabrelief mit Greifendarstellung eingemauert. Ein spitzbogiger Chorbogen verbindet das Seitenschiff mit dem zweijochigen Chor mit Dreiachtelschluss. Das Netzrippengewölbe des Nordchores mit quadratischen Schlusssteinen ruht auf Wandvorlagen mit Halbsäulen. Vom Chorschluss führt ein abgefastes Spitzbogenportal in die ehemalige, flachgedeckte Sakristei. Das fünfjochige, südliche Seitenschiff hat ein Kreuzgratgewölbe.

Die Kirchenerweiterung nach Westen, ein Hallenanbau von 1986 mit einem offenen Walmdach wird von einer Apsis abgeschlossen. Die rechteckigen Schlitzfenster des Neubaues wurden von Giselbert Hoke gestaltet.

Wandmalereien

Im Chorturmjoch wurden 1955 Reste eines zwischen 1220 und 1230 entstandenen Freskos freigelegt. In Scheitel ist das Lamm Gottes, im Osten die Majestas Domini, in den unteren Ecken dieses Feldes die Könige David und Salomon dargestellt. In den übrigen drei Abschnitten sind die zwölf Apostel, in den Zwickeln stehende Engel und in den Pendentifs die Evangelistensymbole wiedergegeben. In der östlichen Bogenlaibung sind Medaillons mit Propheten zu sehen. Die Szenen in der Triumphbogenlaibung sind nicht mehr erkennbar. An der Chorsüdwand finden sich Reste eines vor 1400 gemalten Dreikönigszugs. Hier wurden 1986 Freskenreste eines um 1450 entstandenen Passionszyklus freigelegt, der Meister Friedrich von Villach zugeschrieben wird. Von seinem Sohn Johann von Laibach stammt die Flucht nach Ägypten.

Einrichtung

Hochaltar

Der barocke Hochaltar von 1738 ist ein Wandaltar mit freistehender Mensa. Im Mittelpunkt des Altars steht eine Muttergottesstatue mit Kind, flankiert von den Heiligen Petrus und Paulus. Außen stehen zwei römische Märtyrer in Rüstung, die als Wetterheilige Paulus und Johannes verehrt werden. Im Aufsatz mit seitlichen Voluten und Baldachinbekrönung ist die plastische Darstellung Gottvaters und der Heilig-Geist-Taube zu sehen.

Hauptaltar

Im Erweiterungsbau ist der ehemalige Altar des südlichen Seitenschiffes als Hauptaltar aufgestellt. In der Mittelnische des Hauptgeschosses steht eine Muttergottesstatue mit Kind, in den Seitennischen stehen die Heiligen Katharina und Lucia, im Obergeschoss der Gute Hirte und außen auf Postamenten die Heiligen Joachim und Anna. Der Aufsatz des Altars mit einer einfachen Nachbildung des Mariazeller Gnadenbildes wurde abgetrennt und hängt heute an der Sakristeiwand.

Seitenaltar

Im nördlichen Seitenchor steht ein ehemaliger, gotischer Flügelaltar mit zwei Flügelpaaren, entstanden um 1510/20. Der Altar stammt aus der Filialkirche Tschahitsch und wurde 1952 aus dem Diözesanmuseum Klagenfurt hierher gebracht. 1988 fielen die Tafelbilder und Schreinfiguren des Altars einem Diebstahl zum Opfer, nur die Predella blieb erhalten. Darauf sind auf der Vorderseite ein Schnitzrelief des aus dem Steingrab auferstehenden Christus und auf der Rückseite in einem qualitätvollen Tafelbild das Schweißtuch der Veronika abgebildet.

Weitere Einrichtung

  • Die Kanzel am dritten Nordpfeiler des Mittelschiffes entstand um 1730. Der Kanzelkorb ist mit Laub- und Bandelwerkdekor geschmückt. Die Sitzfiguren der Evangelisten am Kanzelkorb wurden 1987 gestohlen. Die Volute am Schalldeckel wird von der Figur des Guten Hirten bekrönt.
  • In der Nordnische des Zubaus hängt ein um 1500/10 gefertigtes, spätgotisches Kruzifix. Das ehemalige Triumphbogenkreuz wird einer Lavanttaler Schnitzerwerkstatt zugeschrieben.
  • Der sechzehneckige, spätgotische Taufstein mit Wappentartschen stammt vom Anfang des 16. Jahrhunderts.
  • An der Nordwand des Chores stehen zwei Konsolfiguren aus dem zweiten Viertel des 18.Jahrhunderts. Weiters sind ein Maria Hilf-, ein Heilig Haupt- und ein Unterricht Mariae-Gemälde aufgehängt.
  • An der Nordwand befinden sich eine Maria-Immaculata-Statue aus dem 19./20. Jahrhundert, eine überlebensgroße Schmerzensmannfigur vom Anfang des 18. Jahrhunderts sowie ein Gemälde mit der Taufe Christi vom Anfang des 18. Jahrhunderts.
  • An der Südwand ist die Wappengrabplatte des Johann Lorentz von Jovio und seiner Frau mit reicher Akanthusrahmung von 1723 aufgestellt.
  • Über dem Südportal hängt ein Gemälde der Heiligen Familie aus dem 18./19. Jahrhundert.
  • Im zweiten Joch ist ein Bild mit der Apostelkommunion aus dem 19. Jahrhundert zu sehen.

Literatur

  • Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Anton Schroll, Wien 2001, ISBN 3-7031-0712-X, S. 128-130.
  • Gottfried Biedermann und Karin Leitner: Gotik in Kärnten - Mit Fotos von Wim van der Kallen. Verlag Carinthia, Klagenfurt 2001, ISBN 3-85378-521-2, S. 172.

Weblinks

46.72767514.094922222222Koordinaten: 46° 43′ 40″ N, 14° 5′ 42″ O