Pfarrkirche Heiligenblut

Heiligenblut - Pfarrkirche3.jpg
Blick auf die Orgel- und die Seitenempore
Unterkirche
Hochaltar
Ausschnitt aus dem Schutzmantelmadonna-Altar
Ausschnitt aus dem Veronika-Altar

Die Pfarrkirche Heiligenblut ist die Kirche von Heiligenblut am Großglockner unterhalb des Ortskerns an einem steilen Hang gelegen. Mit dem Großglockner im Hintergrund bildet sie eines der bekanntesten Fotomotive in Österreich.

Patron der Kirche ist der heilige Vinzent. Der legendäre Briccius (oder auch Brictius), der in Heiligenblut verehrt wird, kann nicht der Kirchenpatron sein, da er nie heiliggesprochen wurde. Dieser Briccius darf auch nicht mit Brictius von Tours verwechselt werden. Zur Pfarre gehört auch die Filialkirche Pockhorn.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Urkundlich erstmals erwähnt wird eine Kapelle 1271. Als Aufbewahrungsort eines Fläschchen Heiligen Blutes, die der Dänenprinz Briccius vom Bynzantischen Kaiser Kostatin VIII. zum Geschenk erhalten haben soll, war die Kapelle eine Wallfahrtsstätte. Von 1273 bis 1301 wurde die Kapelle erneuert. Ein Neubau einer Kirche begann im späten 14. Jahrhundert. Aus diesen Grund wurden 1389 und 1393 Ablässe durchgeführt. Der Chor wurde 1430 vollendet, am Triumphbogen ist des Langhaus mit der Jahreszahl 1483 bezeichnet. Die Weihe der Kirche fand 1491 statt.

Von 1909 bis 1911 wurde die Kirche unter Pater Johann Maria Reiter restauriert. In dieser Zeit wurde die Fensterverglasung erneuert und das Christophorus-Fresko freigelegt. Weitere Innenrestaurierungen fanden 1956 und 1996 statt. Dabei wurde an der Nordseite des Altarraumes eine Türe eingefügt.

Bau

Der hochgestreckte gotische Chor mit dreifach gestuften Strebepfeilern, dreiteilige Lanzettfenster mit Fischblasenmaßwerk und kleine spitzbogige Kryptenfenster hat einen 3/8-Schluss. Der Turm mit spitzbogigen Schallfenstern und Spitzgiebeln steht südlich des Chores und ist mit einem achtseitigen Nadelhelm bekrönt. Die Westfassade, das ist die dem Wetter zugewandte Seite, ist großteils nicht verputzt. Das Christopherusgemälde an der Nordseite des Langhauses stammt aus den Jahren 1470 - 1480. Es ist seitlich mit Bildern anderer Heiliger in Kielbogennischen flankiert und wurde 1997 restauriert.

Die sterngewölbte Vorhalle hat seitliche Zugänge und ist mit einem durchgehenden Satteldach bedeckt. Die Kirche wird durch ein spätgotisches profiliertes Spitzbogenportal betreten, deren Türbeschläge aus den Endes des 15. Jahrhunderts stammen.

Die aufwendige und einheitliche Innenarchitektur wird überwiegend dem Baumeister Hans Hueber, einem „Werkhmaister zu Sigmundskron 1483“ zugeschrieben.

Das dreischiffige, vierjochige Langhaus hat doppelreihig geführte Spitzbogenfenster. Über dem Mittelschiff erstreckt sich ein Netzrippengewölbe in Wechselberger-Figuration. Auf den Schlusssteinen sind Halbfiguren von Heiligen, sowie das Bindenschild und das Wappen von Görz dargestellt.

Die Seitenschiffe werden vom Mittelschiff durch zweigeschossige Spitzbogenarkaden getrennt. Sie sind durch die durchgehenden Emporeneinbauten in zwei Etatgen unterteilt und haben verschiedenartige Netzrippengewölbe. An der Emporenbrüstung befinden sich gotische Vierpässe. Die Gemälde in den Bogenzwickeln der Mittelschiffswände wurden 1913 freigelegt und zeigen Szenen aus der Legende des Briccius. Laut einer Inschrift wurden sie 1707 von Joseph Egger aus Lienz gemalt.

Im einschiffigen, dreijochigen Chor erstreckt sich ein Netzrippengewölbe über profilierte Wandpfeiler mit Kapitelring. An der Südseite des mittleren Chorjoches befindet sich ein Emporenbalkon mit Maßwerksbrüstung. In den Gewölbefeldern in vertieften Vierpässen sind Evangelistensymbole, Kirchenväter, Heilige und in der östlichen Gewölberaute eine Strahlenkranzmadonna dargestellt. Die Schlusssteine zeigen einen segnenden Christus, Engel, die Aposteln Petrus und Paulus , die heilige Katharina und andere Heilige. Die beiden kleinen Glasscheiben im Chor sind um 1550 zu datieren, die runden Bilder mit den Darstellungen einer Kreuzigung und zweier Heiliger haben einen starkten graphischen Charakter, der durch die ornamentale Gestaltung des Hintergrundes und der Rahmung noch unterstrichen wird.

Die 1 1/2-jochige und zweischiffige Krypta liegt unter dem Chor und kann über eine Treppe vom Langhaus aus betreten werden. Sie wird von zwei mächtigen Rundpfeilern gestützt. Die Unterkirche hat drei Spitzbogenfenster und ein Netzrippengewölbe über halbrunden Wandvorlagen.

Einrichtung

Hochaltar

Der Hochaltar ist ein doppelter Wandelaltar mit hohem Gesprenge und hat eine Gesamthöhe von 11 Metern. Dieser spätgotische Flügelaltar stammt aus der sogenannten Bozner Schule und wurde laut Inschrift 1520 vollendet. Vorbilder für den unbekannten Schnitzer waren Michael Pacher, Hans Klockner und Michael Erhart deren Wirkung er aber nicht erreichte, da die in den Schrein gedrängten Figuren eher Verwirrung stiften und die Hauptfigur isoliert wirkt, als dass sie hervorgehoben erscheint. Die Kühle des Ausdrucks, die Distanziertheit und die keineswegs ausgewogene Proportion der Szenen und Figuren schmälern ein wenig die handwerklich bemerkenswerke Qualität. Die Flügelgemälde wurden 1516 - 1518 in der Werkstätte Marx Reichlich angefangen und vermutlich 1520 durch einen anderen Künstler (Wolfgang) zu Ende geführt.

Die Predella wurde durch den Einbau eines Tabernakels in der Mitte des 18. Jahrhunderts verändert. Der jetzige Tabernakel wurde vom Schwazer Goldschmied Jakob Rappel 1909 gefertigt. Daneben stehen Statuetten der Heiligen Georg, Christophorus, Erasmus, Blasius, Pantaelon und Eustachius. Als Schreinwächter zu beiden Seiten der Predella stehen die Figuren des heiligen Florian und ein Ritterheiliger, vermutlich der heilige Achatius von Achatius.

Das Schnitzbildwerk im Altarschrein zeigt die Marienkrönung, Assistenzfiguren sind die Heiligen Vinzenz, Petrus und Brictcus. Schnitzer der Skulpturen war Christoph Scheller. In den Zwickeln der Bogenrahmung ist die Verkündigung an Maria dargestellt. Die Figur im Rechteckpostament unter der Hauptgruppe ist der schlafende Jesse, aus dessen Brust der Stammbaum Christi wächst. Die Reliefs der inneren Altarflügeln zeigen rechts Christi Geburt und die Auferstehung, links die Anbetung der heiligen drei Könige und die Himmelfahrt Christi.

Auf den Gemälden der Altarflügel sind verschiedene Szenen aus den Leben von Jesus, Maria, Johannes des Täufers und des heiligen Vinzenz zu sehen, sowie je vier Evangelisten, Kirchenväter, männliche Märtyrer und weibliche Heilige.

Im Gesprenge aus drei fialenbesetzen Türmchen wird der Mitte Jesus von drei Knechten mit Dornen gekrönt. Daneben stehen als Assistenzfiguren die Märtyrer Stephanus und Laurentius. Darüber präsentieren drei Engel die Leidenwerkzeuge.

Seitenaltäre

Die neugotischen Seitenlaltäre stammen von Adolf Vogel aus dem Jahre 1909, die Figuren und Reliefs wurden von Josef Bachleitner geschnitzt.

Die Mittefigur des linken Seitenaltars ist eine Herz-Jesu-Statue, daneben knien links wahrscheinlich die heilige Margareta Maria Alacoque und rechts die heilige Theresa von Avila. Über den Nonnen schweben zwei Engel. Im Gesprenge ist ein Kruzifix angebracht. Die Reliefs der Seitenflügel zeigen Szenen aus dem Leben Jesu: Christus diskutiert mit einem Schriftgelehren, die Fußwaschung durch Maria Magdalena, Jesus sagt den Untergang der Stadt Jesrusalem voraus und den Judaskuss.

Die zentrale Figur am rechten Altar ist eine Schutzmantelmadonna. Unter dem von Engel gehaltenen Schutzmantel knien links als Vertreter des geistigen Standes ein Papst, ein Priester, ein Mönch und eine Nonne; rechts als Vertreter des weltlichen Standes ein Kaiser, ein Soldat, ein Bauer, ein alter Mann und eine Mutter mit Kind. Im Halbrelief sind an den Altarflügeln der heilige Aloisius und die heilige Agnes abgebildet. In Gesprenge steht die Figur des heiligen Josefs.

Veronika-Altar

Der Veronika Altar steht auf der Empore im nördlichen Seitenschiff. Der Altar ist das namensgebende Werk des Meisters des Lazarinischen Veronika-Altars und wurde um 1500 geschaffen. In den Zwickeln der Predella sind die Wappen des Stifterehepaares Blasius Lazerin (Steinbock) und Apolonia Leininger (Doppelbecher) angebracht. Hauptfigur des im Hochrelief geschnitzten Schreins ist die heilige Veronika mit dem Schweißtuch, daneben stehen Apostel Petrus und Paulus. Die Malereien an der Predella zeigen den Schmerzensmann mit Maria und den Jünger Johannes. An den Innenflügeln ist der Prophet Daniel mit den Löwen und Brictius, der hier als „sanctus fridricus“ bezeichnet wird, mit drei Ähren dargestellt. Die Außenflügeln ist den Namenspatronen des Stifterehepaares, Blasius und Apollonia gewidmet. Im Oberbild ist die heilige Katharina zu sehen.

Sakramentshaus

An der nördlichen Chorwand steht das mit 1496 bezeichnete Sakramentshaus aus weißem Sandstein. Mit den viergeschossigen Aufbau aus durchbrochenen Maßwerksbaldachinen mit den eingestellten Figuren von Briccius und eines Heiligen erreicht es eine Höhe von 13 Metern. In Ihm werden die Heiligeblutreliquie und die drei Getreideähren des Briccius aufbewahrt.

Ausstattung der Krypta

In der Unterkirche ist das Grabmal der Altar des seligen Brictius untergebracht. Das Altarbild des nördlichen Seitenaltars zeigt die Enthauptung des Johannes des Täufer. Es wurde um 1700 geschaffen. Die Konsolenfiguren der heiligen Ägidius und Dionysius gehörten wahrscheinlich ursprünglich zur Predella des Hochaltares. Die volkstümliche Figurengruppe aus dem 18. Jahrhundert an der Südwand ist ein Vesperbild mit Engel, darüber schwebt Gottvater und der Heilige Geist. Die Sitzfigur der Madonna mit Jesuskind wurde Ende des 14. Jahrhunderts gefertigt. 1974 fielen eine Skulptur, die den heiligen Veit darstellt, sowie eine weitere, die den Apostel Phillipus oder Matthias zeigt, einem Diebstahl zum Opfer.

Sonstige Einrichtung

Die Kanzel aus dem vierten Viertel des 17. Jahrhunderts ist links am Triumphbogen angebracht. Sie ist mit Engelsköpfen und Fruchtgehängen dekoriert. Die Skulpturen auf den Konsolen im Langhaus und im Chor stellen den guten Hirten und die zwölf Apostel dar. Sie wurden von Joseph Egger 1710 gefertigt. Weitere Konsolenfiguren aus dem 18. Jahrhundert sind die heilige Notburga von Rattenberg und auf der Westempore der heilige Georg. Im Mittelschiff hängt eine Rosenkranz-Madonna aus dem Barock. Das Chorgestühl trägt die Bezeichnung 1909. Der Taufstein ist im neugotischen Stil.

Die Schutzengelgruppe stammt aus dem Rokoko.

Vikare und Pfarrherren

Heiligenbluter Vikare und Pfarrherren, Stand 2002:[1]

  • 1232: Leutpriester Ludwig
  • 1677 bis 1680: Vikar Balthasar Ruckenwald
  • 1680 bis 1683: Vikar Peter Winter
  • 1683 bis 1684: Vikar Isaak Peyer
  • 1684 bis 1695: Vikar Wolfgang Schopf
  • 1695 bis 1699: Vikar Michael Tschurtschentaler
  • 1699 bis 1705: Vikar Jakob Sonnberger
  • 1705 bis 1707: Vikar Stephan Prieschnigg
  • 1707 bis 1728: Vikar Christian Grängler
  • 1728 bis 1737: Vikar Jakob Xaver von Steinern
  • 1737 bis 1741: Vikar Anton Pichler
  • 1740 bis 1756: Vikar Johann Müller
  • 1756 bis 1773: Vikar Anton Poguz
  • 1773 bis 1785: Vikar Andreas Zoppoth
  • 1787 bis 1788: Pfarrer Dominikus Pfeifhoffer
  • 1788 bis 1800: Pfarrer David Aicher von Aichenegg
  • 1802 bis 1809: Pfarrer Lorenz Moser
  • 1809 bis 1815: Pfarrer Johann Michael Achatz
  • 1815 bis 1819: Pfarrer Joseph Gailhofer
  • 1819 bis 1826: Pfarrer Franz Schupp
  • 1827 bis 1853: Pfarrer Johann Wieser
  • 1854 bis 1856: Pfarrer Franz (Seraphim) Kornke
  • 1856 bis 1857: Pfarrer Johann Oberjörg
  • 1857 bis 1863: Pfarrer Wenzel Urschitz
  • 1863 bis 1881: Pfarrer Johann Wawra
  • 1881 bis 1883: Pfarrer Karl Sedlacek
  • 1883: Pfarrer Franz Fischnaller
  • 1883 bis 1896: Pfarrer Josef Seher
  • 1896 bis 1897: Pfarrer Andreas Pirker
  • 1897 bis 1900: Pfarrer Ignaz Markowitz
  • 1900 bis 1901: Pfarrer Benedikt Hochl
  • 1901 bis 1909: Pfarrer Florian Satz
  • 1909 bis 1926: Pfarrer Valentin Wank
  • 1926 bis 1927: Pfarrer Melchior Fischer
  • 1927 bis 1928: Pfarrer Otto Pregl
  • 1928 bis 1938: Pfarrer Leo Nuschei
  • 1938: Pfarr-Administrator Franz Reinthaler
  • 1938 bis 1945: Provisor Dr. Peter Hohenwarter
  • 1945 bis 1949: Provisor Melchior Granig
  • 1949 bis 1971: Pfarrer Geistl. Rat Peter Sampels
  • 1971: Provisor Ernst Kabasser
  • 1971 bis 1974: Provisor P. Andreas Grollmus
  • Seit 1974: Pfarrer Ernst Kabasser

Literatur

  • Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten. Anton Schroll, Wien 2001, ISBN 3-7031-0712-X, S. 283-286.
  • Matthias Kapeller: Kirchen, Klöster und Kultur - Begegnungsräume in Kärnten. Verlag Carinthia, Klagenfurt 2001, ISBN 3-85378-539-5, S. 76 f.
  • Gottfried Biedermann und Karin Leitner: Gotik in Kärnten - Mit Fotos von Wim van der Kallen. Verlag Carinthia, Klagenfurt 2001, ISBN 3-85378-521-2, S. 59 f.
  • Barbara Kienzl und Wilhelm Deuer: Renaissance in Kärnten - Mit einem Beitrag von Eckart Vancsa. Verlag Carinthia, Klagenfurt 1996, ISBN 3-85378-438-0, S. 129.

Einzelnachweise

  1. Ortsgeschichte Heiligenblut - Stand September 2002, 11. Kapitel: Aus der Kirchengeschichte

Weblinks

 Commons: Pfarrkirche Heiligenblut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.03929166666712.841680555556Koordinaten: 47° 2′ 21″ N, 12° 50′ 30″ O