Philipp Ther

Philipp Ther (* 16. Mai 1967 in Mittelberg) ist ein deutscher Zeithistoriker, Kulturwissenschaftler und Universitätsprofessor an der Universität Wien.

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Leben

Philipp Ther studierte von 1988 bis 1992 Neuere Geschichte, Osteuropäische Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaften an den Universitäten Regensburg und München. Er machte seinen Magister-Abschluss 1993 an der Georgetown University in den USA. 1997 promovierte er an der Freien Universität Berlin und war 1997/1998 „John F. Kennedy Fellow“ am „Center for European Studies“ an der Harvard University. Anschließend war er bis 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Vergleichende Geschichte Europas der Freien Universität Berlin.

2002 erfolgte die Ernennung zum Juniorprofessor für Polen- und Ukrainestudien an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), von 2007 bis 2010 hatte Philipp Ther die Professur für Europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz inne.

Zu einem kleinen Eklat kam es, als Erika Steinbach Anfang 2008 seinen Göttinger Verlag Vandenhoeck & Ruprecht anschrieb, um Ther dort als Autor zur Vertreibungsgeschichte „anzuschwärzen“. Sein Verhältnis zum Bund der Vertriebenen sei zudem gestört. Der Verlag machte dieses Schreiben publik und sprach von einer „dreisten Einmischung“.[1]

Seit dem Wintersemester 2010/11 ist Philipp Ther als Universitätsprofessor für Geschichte Ostmitteleuropas/„nation building“ am Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien tätig.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die vergleichende Sozial- und Kulturgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert in Deutschland und Ostmitteleuropa, insbesondere Nationalismusstudien, Migrationsgeschichte, Stadtgeschichte und die Geschichte des Musiktheaters.

Auszeichnungen

Ther ist Träger mehrerer Auszeichnungen, darunter auch des Richard G. Plaschka-Preises.

Schriften

Als Autor
  • Deutsche und polnische Vertriebene: Gesellschaft und Vertriebenenpolitik in der SBZ/DDR und in Polen 1945–1956 (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Bd. 127). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-35790-7 (= Dissertation, Freie Universität Berlin, 1997).
  • In der Mitte der Gesellschaft. Operntheater in Zentraleuropa 1815–1914. Oldenbourg, Wien/München 2006, ISBN 3-7029-0541-3.
  • Die dunkle Seite der Nationalstaaten. „Ethnische Säuberungen“ im modernen Europa (= Synthesen. Bd. 5). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-36806-0.
Als Herausgeber
  • (mit Ana Siljak) Redrawing Nations: Ethnic Cleansing in East-Central Europe 1944–1948, Lanham 2001.
  • (mit Holm Sundhaussen) (Hg): Nationalitätenkonflikte im 20. Jahrhundert: Ursachen von inter-ethnischer Gewalt im Vergleich, Wiesbaden 2001.
  • (mit Kai Struve) Nationen und ihre Grenzen. Identitätenwandel in Oberschlesien in der Neuzeit, Marburg 2002.
  • (mit Jürgen Danyel) Flucht und Vertreibung in europäischer Perspektive (= Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Heft 1/2003).
  • (mit Holm Sundhaussen) Regionale Bewegungen und Regionalismen in europäischen Zwischenräumen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, Marburg 2003.
  • (mit Constantin Goschler) Raub und Restitution. Arisierung und Rückerstattung des jüdischen Eigentums in Europa, Frankfurt am Main 2003.
  • (mit Tomasz Krolik und Lutz Henke) Das polnische Breslau als europäische Metropole. Erinnerung und Geschichtspolitik aus dem Blickwinkel der Oral History, Wroclaw 2005.
  • (mit Martin Dean und Constantin Goschler) Robbery and Restitution. The Conflict over Jewish Property in Europe, Providence 2006.
  • (mit Georgii Kasianov) A Laboratory of Transnational History. Ukraine and Ukrainian Historiography since 1991, Kiew 2007.
  • (mit Peter Stachel) Wie europäisch ist die Oper? Die Geschichte des Musiktheaters als Zugang zu einer kulturellen Topographie Europas, Wien/Köln/Weimar 2009.

Weblinks

Einzelnachweise

  1.  Unliebsamer Autor. In: Der Spiegel. Nr. 10, 2008, S. 20 (online).