Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät der Universität Wien

Die hl. Katharina von Alexandrien ist die Schutzpatronin der Philosophie. Sie lebte am Anfang des 4. Jahrhunderts und war der Legende nach hochgebildet. Diese kleine vergoldete Silberfigur der Katharina datiert um 1401. Sie befindet sich auf dem Szepter der Philosophischen Fakultät der Universität Wien, das 1666 geschaffen wurde und nach wie vor bei feierlichen Anlässen Verwendung findet.

Inhaltsverzeichnis

Die größte Fakultät an der Universität Wien

Zentraler Gegenstand der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät ist der in der Gesellschaft handelnde Mensch in seiner geschichtlichen Bedingtheit und im Lichte seiner kulturellen Leistungen, speziell im Bereich von Sprache, Literatur und Musik.

Die Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät ist die größte an der Universität Wien. Aus der heutigen, neuorganisierten Fakultät sind im Laufe des letzten Jahrzehnts zwei Rektoren der Universität Wien bestellt worden (Alfred Ebenbauer und Wolfgang Greisenegger). Weiters wurden im gleichen Zeitraum zwei Spitzenpositionen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften von Professoren der Fakultät besetzt (Herwig Friesinger und Werner Welzig).

Seit Herbst 2012 ist Matthias Meyer Dekan der Fakultät.

Geschichte

De septem liberalibus artibus, St.Isidor von Sevilla (Isidorus Hispalensis): Etymologiarum libb.XX. Straßburg, Johann Mentelin um 1473.

Lehre, Forschung und Verwaltung an der Fakultät sind das Ergebnis einer über 600jährigen Entwicklung, die im Gründungsjahr 1365 – die Gründungsurkunde ist heute im Archiv der Universität verwahrt – mit der sogenannten Artistenfakultät im Sinne des mittelalterlichen Universitätskonzepts begann. Hier erwarb man mit Hilfe der septem artes liberales (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik) eine umfassende, „enzyklopädische“ Allgemeinbildung, die als Voraussetzung für das Studium der Theologie, Jurisprudenz und Medizin galt. Dieses System hielt sich bei allen Veränderungen im Detail über viele Phasen des Aufschwungs und des Niedergangs hinweg bis zum Revolutionsjahr 1848. Erst 1849 erfolgte die Gründung einer – nunmehr gleichrangigen – Philosophischen Fakultät, die in den Geistes- und Naturwissenschaften gewaltige Fortschritte erzielte.

Transdisziplinarität

De musica et eius nomine, St.Isidor von Sevilla (Isidorus Hispalensis): Etymologiarum libb.XX. Straßburg, Johann Mentelin um 1473.

Den von der Universität Wien gepflegten humanistischen Werten fühlt sich die Philologisch- Kulturwissenschaftliche Fakultät zutiefst verbunden und verpflichtet. Zur Philologisch- Kulturwissenschaftlichen Fakultät gehören heute 13 Institute. Mit ihrem breiten Angebot an Forschung und Lehre sorgen sie dafür, dass der Blick über die Grenzen des Landes und über Europa hinaus ausgedehnt wird und Kompetenzen für politische, kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen zu allen Weltregionen entwickelt und vermittelt werden. Die Disziplinen der Fakultät untersuchen Kulturen in deren sprachlichen und geschichtlichen Dimensionen, in ihren regionalen, nationalen, ethnischen, sozialen und geschlechtsspezifischen Unterschieden sowie in ihren überregionalen und globalen Zusammenhängen. Diese Vielfalt der Fachrichtungen, welche in Österreich einzigartig ist, trägt wesentlich zu ihrer international anerkannten Stellung bei. So werden z. B. Afrikanistik, Finno-Ugristik, Nederlandistik, Skandinavistik, Arabistik, Turkologie, Islamwissenschaften, Indologie, Tibetologie, Sinologie, Koreanologie und Japanologie nur in Wien angeboten. Die Theater-, Film- und Medienwissenschaft, die Asienwissenschaften und die Musikwissenschaft werden kontinuierlich ausgebaut. Eine Reihe von Fachbereichen ist zudem im Aufbau begriffen und in ersten konkreten Ansätzen vorhanden: Keltologie, Lusitanistik, Neolatinistik, Ukrainistik.

Weiters berücksichtigen die Institute für Germanistik, Anglistik, Romanistik und Slawistik das breite Spektrum der europäischen Sprachen. Somit ist die heute erreichte Transdisziplinarität und das hohe Maß an Synergieeffekten nur durch die Bandbreite der an der Fakultät vorhandenen Vielfalt möglich. In der Lehre werden mehr als 50 neue Studienpläne nach dem Bologna-System entwickelt, dazu kommt die Integration der Neuen Medien und technischen Hilfsmittel in den fakultären Lehrbetrieb. Derartige Kompetenzen gewinnen im Zuge der Globalisierung immer größere Bedeutung.

Das Konfuzius-Institut

Der Kaiser von China, Detail. Martini-Atlas, Martino Martini, Peking, aus: Novus Atlantis Sinensis, Amsterdam, ca. 1655.

Durch gute wissenschaftliche, ökonomische und diplomatische Kontakte mit der VR China ist es gelungen, die Universität Wien bzw. das Institut für Ostasienwissenschaften zum Standort eines neu gegründeten Konfuzius-Instituts zu machen, das große internationale Entwicklungschancen bietet.

Die Fakultät in Zahlen

Anzahl der Studierenden (2006) ca. 20000
Davon Studentinnen ca. 15000
Anzahl der Studienabgänger im Jahr 2006 ca. 1000
Personal ca. 1028 - davon 64 Professorenstellen und ca. 250 Dozenten und Assistenten

Die Institute der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien

Bis 1997 waren die Institute der damaligen Geisteswissenschaftlichen Fakultät auf etwa zwanzig verschiedene Standorte verteilt. Heute gibt es im Wesentlichen nur noch zwei Standorte: das Hauptgebäude am Ring und den Universitätscampus.

Die Institute

  • Institut für Afrikawissenschaften,
  • Institut für Anglistik und Amerikanistik,
  • Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft, mit folgenden Abteilungen:
    • Abteilung für Finno-Ugristik,
    • Abteilung für Nederlandistik,
    • Abteilung für Skandinavistik,
    • Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft,
  • Institut für Germanistik,
  • Institut für Klassische Philologie, Mittel- und Neulatein,
  • Institut für Musikwissenschaft,
  • Institut für Orientalistik,
  • Institut für Ostasienwissenschaften,
  • Institut für Romanistik
  • Institut für Slawistik,
  • Institut für Sprachwissenschaft,
  • Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde,
  • Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft.

Literatur

  • 1000 Jahre Österreich – Wege zu einer Österreichischen Identität; Vorträge anlässlich des Dies Academicus der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien am 10. Jänner 1996, ed. Franz Römer, WUV-Universitätsverlag (Wien 1997);
  • Historie und Geist, Universitätscampus Wien; ed. Alfred Ebenbauer, Wolfgang Greisenegger, Kurt Mühlberger, Verlag Holzhausen (Wien 1998);
  • Geisteswissenschaften Wien – Themen, Projekte, Kontakte, Herbst 1999, ed. Arbeitsgruppe für Öffentlichkeitsarbeit an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien in Zusammenarbeit mit den „Wiener Vorlesungen“, (Wien 1999);
  • Zukunft mit Altlasten. Die Universität Wien 1945 bis 1955, ed. M. Grandner, G. Heiss und O. Rathkolb, Innsbruck-Wien-München-Bozen 2005 (=Querschnitt 19), die Beiträge sind weitgehend den philologischen und historischen Fächern gewidmet.

Weblinks