Popfest

Son Of A Velvet Rat (2011)

Das Popfest ist ein seit 2010 jährlich in Wien stattfindendes Festival für innovative Popmusik österreichischer Musiker und Bands. Es findet am Karlsplatz und in einigen angrenzenden Gebäuden wie der Technischen Universität, dem Wien Museum und dem project space der Kunsthalle statt. Weitere Veranstaltungsorte sind seit 2011 das brut im Künstlerhaus und seit 2012 der Ost Klub am Schwarzenbergplatz. Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen frei.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Kunstzone Karlsplatz 2008: Ernst Molden & Band auf der „Seebühne“
Gabriela Hegedüs, Andreas Mailath-Pokorny, Christoph Möderndorfer und Robert Rotifer bei der Programmpräsentation 2011
Die „Seebühne“ (2011)

Hervorgegangen aus dem Konzept zu einem Kunstplatz Karlsplatz[1] veranstaltete die Projektgruppe karlsplatz.org[2] um Gabriela Hegedüs, Peter Melichar und Christoph Möderndorfer im Sommer 2008, parallel zur Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz, mit der Kunstzone Karlsplatz[3] erstmals eine Konzertreihe auf dem Platz und in der Parkanlage vor der Wiener Karlskirche. Auf einer „Seebühne“ im Teich vor der Karlskirche fanden dabei täglich mehrere Konzerte vor allem österreichischer Musiker aus dem Bereich der Liedermacher-, der experimentelleren Pop- und der zeitgenössischen Wienerlied-Szene statt; auf einer „Baumbühne“ Darbietungen von Performancekünstlern. Auf Grund des Erfolgs sowohl bei den teilnehmenden Künstlern und beim Publikum wie auch dem positiven Medienecho begannen in der Folge die Planungen für das Popfest.[4] Die Festivalleitung liegt bei Christoph Möderndorfer, die Koordination bei Gabriele Hegedüs und Juliane Krüger. Als Kurator stieß der Musiker und Journalist Robert Rotifer zum Organisationsteam.[5] Träger ist der Verein Popfest Wien, Verein zur Förderung und Verbreitung von innovativer, zeitgenössischer Popmusik.

Popfest 2010

Gefördert von der Kulturabteilung der Wiener Landesregierung, von der € 150.000.- bereitgestellt wurden, fand das erste Popfest von 6. bis 9. Mai 2010 statt. Insgesamt mehr als 40.000 Menschen besuchten an den vier Tagen die Konzerte.[6] Als Hauptbühne diente wie schon bei der Kunstzone Karlsplatz die „Seebühne“ im Teich vor der Karlskirche. Neben den Auftritten verschiedener Bands und Künstler gab es auch eine Konzertreihe („Showcases“), in der die Künstler einzelner Plattenlabels vorgestellt wurden.

Parallel dazu fanden am 7. und 8. Mai während des Tages im project space die „Popfest-Sessions“, eine Reihe von weiteren Konzerten sowie Diskussionsrunden, Workshops und Vorträge statt. Themen waren unter anderem „Urheberrecht 2.0“, „Wiener Popmusik – Popmusik in Wien“ und „Pop-Marketing 2.0“.

Auftretende Künstler:[7]

„Seebühne“
Clara Luzia, Bunny Lake, A Life, A Song, A Cigarette, Tanz Baby!, Dorian Concept, Der Nino aus Wien feat. Skero, Laokoongruppe, Florian Horwath, Rotifer und Freunde feat. Mel, Garish, Ernst Molden Band
Wien Museum
Paper Bird, Sir Tralala, pauT, Das Trojanische Pferd, Songs of Claire Madison, Showcase Seayou & Fettkakao Records: Vortex Rex, A Thousand Fuegos
TU Prechtlsaal
Ginga, Showcase Affine Records: The Clonious + JSBL mit Special Guest I-Wolf, Ogris Debris; Velojet, Aber das Leben lebt feat. B.Fleischmann, Showcase Problembär Records: Astropanda, Mob, Neuschnee, Parkwächter Harlekin;
TU Hof 1
Showcase Siluh-Records: Mimu at Nite, Killed by 9VBatteries, Francis International Airport
project space
Mika Vember+Börn, Frenk Lebel, Pieter Gabriel, Bernhard Eder, Ernesty International und Protestant Work Ethic

Popfest 2011

Gustav (2011)
Popfest-Session zu Empowerment vs. Sexpoloitation – Gender und Popmusik

Das Popfest 2011 fand von 5. bis 8. Mai statt. Die Fördersumme von Seiten der Stadt wurde im zweiten Jahr des Festivals auf € 180.000 erhöht und die Vienna Insurance Group kam als Sponsor hinzu. Medienpartner waren Der Standard, Falter und der Radiosender FM4. Als neuer Veranstaltungsort diente das brut im Künstlerhaus. Die speziellen Label-Showcases wurden, da immer mehr Künstler ihre eigenen Mini-Labels betreiben, aus dem Programm genommen. Nach Kritik an der Gestaltung der „Seebühne“ im Vorjahr, die vom Zuschauerbereich teils schwer einsehbar war, wurde diese Bühne erhöht konstruiert. Die insgesamt 36 Konzerte wurden nach Angabe der Veranstalter von rund 50.000 Menschen besucht.[8]

Die „Popfest-Sessions“ im project space widmeten sich den „Rahmenbedingungen des aktuellen Popschaffens und den ökonomischen Aspekten der neuen (heimischen) Popmusik“. Die Themen reichten dabei von „Empowerment vs. Sexpoloitation – Gender und Popmusik“, über „All souled out – Wozu noch Pop?“, „Tod der Popkritik!“ und „The Nation of Pop – Transkulturalität oder Roots?“, bis „Marketing – Ten Ways To Promote You Music On A Budget Under € 1.000.-“ und „Labeling & Stadtmarketing“. Unter den Vortragenden und Diskutierenden waren unter anderem DJane und Kuratorin Susanne Rogenhofer (Sweet Susie, Dub Club im Flex), Journalist und Radiomaterator Martin Blumenau, Kultur- und Musiksoziologe Alfred Smudits (siehe Mediamorphose), Autor und Radiomacher Thomas Edlinger, Kritiker Karl Fluch, Georg Markus Kainz (Verein quintessenz) und Musiker wie Klaus Waldeck, Maja Osojnik, Tania Saedi, Skero und Franz Wenzl (Austrofred).

Auftretende Künstler:

„Seebühne“
Ginga, Son of the Velvet Rat, Ja, Panik, Francis International Airport, Black Shampoo, Café Olga Sánchez, Violetta Parisini & Coshiva, Trouble Over Tokyo, Skero & SK Invitational feat. Lylit, Gustav, „Legenden Brunch“ mit Maria Bill, Sigi Maron, Willi Resetarits, Robert Räudig (Chuzpe) und Peter Henisch unterstützt von Ernst Molden, Marlene Lacherstorfer (Velojet), Raphael Sas (Mob), pauT, Robert Rotifer, Der Nino aus Wien, Walther Soyka und Heinz Kittner
Wien Museum
Tanz Baby!, Wolfgang Kos im Gespräch mit Sigi Maron, Sweet Sweet Moon, Al Birds Trash Rock Archives, Mika Vember, Meaghan Burke, Dust Covered Carpet, Marilies Jagsch
brut
broken.heart.collector (Maja Osojnik), Crazy Bitch In A Cave, Cherry Sunkist
TU Prechtlsaal
MA 21, Kayo, Kamp, Mäuse, The Happy Kids, Sex Jams, Beat Beat, Hip-Hop-Night presented by Skero, Bo Candy & His Broken Hearts
TU Hof 1
Wolfgang Schlögl, Ping Ping, Luise Pop
project space
Filou, M185, Cardiochaos, bensh

Popfest 2012

Mel ft. Rotifer auf dem Balkon des Wien Museums (2012)
Konea Ra im brut im Künstlerhaus (2012)

2012 fand das Popfest nicht wie in den Jahren zuvor anfang Mai, sondern von 26. bis 29. Juli statt. Als Gründe für die Verschiebung wurden das beständigere Wetter im Sommer und die Nähe des Musikvereinssaals genannt, mit dem es so während dessen Sommerpause keine akustischen Probleme wie im Jahr zuvor geben sollte. Die Besucherzahl blieb trotz des Termins während der Ferien- bzw. Urlaubszeit mit rund 50.000 konstant.[9]

Programmatisch verstehen die Veranstalter es weiterhin der „Qualität und lebendige[n] Vielfalt der teilnehmenden KünstlerInnen“ verpflichtet, darum bemüht, das „ganze künstlerische Potential einer aktuellen heimischen Pop-Generation“ auszuloten und als „wundersam Fleisch gewordene [...] Antithese zu Castingshows & Co in visionsarmen Zeiten.“ Robert Rotifer kuratierte das Festival zum dritten und voraussichtlich letzten Mal, da geplant ist, das Popfest ab 2013 von jährlich wechselnden Kuratoren zusammenstellen zu lassen. Als gelungenes Beispiel für ein so geführtes Festival verwies er auf das Meltdown Festival in London.[10]

Die Seebühne vor der Karlskirche wurde an den ersten drei Tagen ab dem späten Nachmittag bespielt, gefolgt von jeweils drei Nachtprogrammschienen an den weiteren Veranstaltungsorten, dem Prechtl-Saal der Technischen Universität, Hof und Balkon des Wien Museums, dem brut im Künstlerhaus und erstmals dem Ost Klub am Schwarzenbergplatz. Insgesamt standen 43 Konzerte und zwei DJ–Specials am Programm. Die „Popfest-Sessions“ im project space fanden am Samstag und Sonntag ab Mittag bis vor Beginn des Konzertprogramms statt. In Kooperation mit dem Medienpartnern The Gap, FM4 und Der Standard wurde unter dem Titel „Who Cares?“ über den „österrechischen Pop-Nachlass“ diskutiert, Christian Werthschulte spricht über das „Überleben in der Popkultur“ und Attwenger über „Das Überwinden der Pop-Provinz“. Künstlergespräche stellten Anna Kohlweis (Squalloscope) und Patrick Pulsinger vor.

Auftretende Künstler:

„Seebühne“
The Beth Edges, Attwenger, Fatima Spar & The Freedom Fries, Lonely Drifter Karen, M185, Texta, Mopedrock!!, Das trojanische Pferd, 5/8erl in Ehr'n, Kreisky
Wien Museum
Mel, Alp Bora, Ernst Molden, Eloui, Loose Lips Sink Ships, Woodpigeon, Squalloscope (Anna Kohlweis)
brut
Welle Wien, Sixtus Preiss, Konea Ra, Anbuley, DJ Phekt vs Brenk, DJ Urbs vs. The Clonious
TU Prechtlsaal
Bernhard Eder, A Thousand Fuegos, Der Nino aus Wien, G.Rizo, Patrick Pulsinger, Elektro Guzzi, Wolfram, Gary, Monsterheart feat. Die Eternias
Ost Klub
Willi Landl, Pop:sch, Binder & Krieglstein, Hella Comet, Tracker, Nifty's
project space
Tiefseetaucher (Rainer Schöngruber), Werner Kitzmüller, Just Friends and Lovers, Martin Klein, Contrails, Mile Me Deaf

Popfest 2013

Das Popfest 2013 soll von 25. bis 28. Juli stattfinden. In der Nachfolge Robert Rotifers wurde im November 2012 Patrick Pulsinger als neuer Kurator vorgestellt.[11]

Weblinks

 Commons: Popfest Wien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Konzept für den „Kunstplatz Karlsplatz“, Archivmeldung der Rathauskorrespondenz vom 2. Dezember 2004
  2. karlsplatz.org
  3. karlsplatz.org: Kunstzone Karlsplatz 2008
  4. karlsplatz.org: Popfest '10
  5. Falter 17/2010 vom 28. April 2010: Interview mit Robert Rotifer zum Popfest 2010
  6. APA/NEWS: 40.000 Besucher als deutlicher Auftrag: Wiener Popfest soll jährlich stattfinden, 10. Mai 2010
  7. Programm des Popfest 2010
  8. Der Standard: 50.000 waren beim Wiener Popfest, 9. Mai 2011
  9. Kurier: Rund 50.000 Besucher bei Wiener Popfest, 30. Juli 2012
  10. Popfest 2012: Info, Juni 2012
  11. Der Standard: Patrick Pulsinger wird Kurator des Wiener Popfests 2013, 27. November 2012