Porta Claudia

Dieser Artikel beschreibt eine Festungsanlage bei Leutasch, die Festungsanlage bei Reutte wird unter Fort Claudia beschrieben.

47.39606911.265115960Koordinaten: 47° 23′ 46″ N, 11° 15′ 54″ O

Reste der Porta Claudia am Westhang
Leutascher Schanz

Die Porta Claudia ist eine ehemalige Befestigungsanlage an der Engstelle des Scharnitzpasses im Isartal bei Scharnitz (Tirol, Österreich), an der bayerischen Grenze bei Mittenwald. An der Porta Claudia – genauer am Scharnitzpass – beginnt heutzutage die B 2 (Deutschland) bzw. die B 177 (Österreich).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Bau der Sperre wurde von Claudia de’ Medici, Erzherzogin von Österreich und Landesfürstin von Tirol, als Befestigung des wichtigen Übergangs von Bayern nach Tirol in Auftrag gegeben und nach ihr benannt. Die Porta Claudia wurde 1633 während des Dreißigjährigen Krieges errichtet und 1670 erweitert. Goethe beschrieb die Grenze 1786 in seinem Reisebericht nach Italien als „mit einem Walle geschlossen, der das Tal verriegelt und sich an die Berge anschließt.“[1]

Belagerung der Porta Claudia 1805

Während des Feldzuges Napoléons gegen Österreich im Jahr 1805 (3. Koalitionskrieg) belagerten die französischen Truppen unter Marschall Michel Ney die Pässe Scharnitz und Leutasch auf der bayerischen Nordseite. Teil der Porta Claudia waren dabei nicht nur die Befestigungsanlagen bei Scharnitz, sondern ebensolche wenige Kilometer westlich am Beginn des Leutaschtals, die Leutascher Schanz. Ruinen davon sind dort heute noch zu besichtigen.[2] Dem VI. französischen Armeecorps mit 8000 bis 9000 Mann standen damals 2200 Tiroler gegenüber. Von ortskundigen Mittenwaldern geführt (Bayern stand auf der Seite von Napoléon Bonaparte), konnten die Franzosen über den vom Lautersee und Ferchensee seitlich am Grünkopf (1587 m) vorbeiführenden Steig den an der Befestigungsanlage Leutascher Schanz stationierten Österreichern am 4. November 1805 unverhofft in den Rücken fallen. Dadurch konnten sie zuerst die Leutascher Schanz und dann über Seefeld auch den Scharnitzpass erobern und so ins Inntal und nach Innsbruck vordringen. Der seitlich am Grünkopf vorbei führende Steig wurde infolge dieser Kriegslist Franzosensteig benannt (als solcher ist er auch in heutigen Wanderkarten eingetragen). Angeblich wurde beim Einfall der Truppen über den Steig nach Leutasch nur ein einziger Schuss aus einer Kanone abgefeuert. Die Kanonenkugel schlug im Gasthaus zur Mühle ein, wo sie von der Wirtin noch heute aufbewahrt wird.[3] Nach der Niederlage von Austerlitz und dem Frieden von Pressburg vom 26. Dezember 1805 zwischen Österreich und Frankreich musste Österreich die Grafschaft Tirol und Vorarlberg an Bayern abtreten und Kaiser Franz II. musste Napoléon als Kaiser anerkennen.

Heutiger Zustand

Heutzutage sind von der Porta Claudia nur noch bis zu 6 Meter hohe Mauern erhalten (Scharnitz, unter Denkmalschutz). Die Reste der kleineren Schanze (Leutasch, unter Denkmalschutz) in der Leutasch sind am alten Zollamt in Unterleutasch-Schanz zu sehen.

Literatur

  • Hans v. Zwiedineck-Südenhorst: Die Ostalpen in den Franzosenkriegen, II. Theil. Der Feldzug von 1805, S. 110 f., Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1898, Band XXIX

Einzelnachweise

  1. Johann Wolfgang von Goethe: Italienische Reise, Kapitel 3 auf Projekt Gutenberg-DE
  2. Ruine des Sperrwerkes Leutascher Schanz
  3. Bergtour-Beschreibung Obere Wettersteinspitze