Porträt des Kaisers Maximilian und seiner Familie

Bernhard Strigel 003b.jpg
Familie des Kaisers Maximilian I.
Bernhard Strigel, nach 1515
Öl auf Lindenholz, 72,8 cm × 60,4 cm
Kunsthistorisches Museum

Das Werk Familie des Kaisers Maximilian I. ist ein nach 1515 angefertigtes Gemälde von Bernhard Strigel. Es ist in Öl auf Lindenholz gemalt und misst 72,8 x 60,4 cm. Das Porträt befindet sich in der Gemäldegalerie im Kunsthistorischen Museum in Wien unter der Inventarnummer Inv.-Nr. GG_832.

Inhaltsverzeichnis

Gemälde

Auf dem Gemälde sind sechs Personen dargestellt. Linker Hand der bekennende Wiener Neustädter Maximilian I. und seine Gattin Maria von Burgund rechter Hand. Maximilian wurde auch der letzte Ritter und erste Kanonier genannt. In der Mitte, mit rotem Barett, ihr gemeinsamer Sohn Phillip der Schöne. Des Weiteren von links nach rechts Maximilians Enkel Ferdinand I., Karl V. und Ludwig II.

Während der jüngere Enkel Ferdinand von Kaiser Maximilian im Arm gehalten wird, legt Karl seine rechte Hand auf den Oberarm des ungarisch-jagellonischen Thronfolgers Ludwig. Maria von Burgund galt als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit. Im August 1477 heiratete sie gegen den Willen der Stände Maximilian von Österreich, den späteren Kaiser Maximilian I. Entscheidend für diese Wahl war, dass ihm am ehesten zuzutrauen war, sich gegen ihren Taufpaten, König Ludwig XI., durchzusetzen, der bereits seine Hand nach dem burgundischen Erbe ausstreckte. Drei Wochen nach einem Sturz vom Pferd bei einer Falkenjagd starb Maria bei einer Fehlgeburt. Mit ihrem Tod im März 1482 fiel ihr Erbe an das Haus Habsburg, was zu langwierigen und schweren Konflikten mit Frankreich führte.

Ferdinand und Ludwig

Ferdinand und Ludwig tragen anstelle eines Baretts ein Kränzchen auf dem Haupt, das beide als Bräutigame der Wiener Doppelhochzeit vom 22. Juli 1515 ausweist. „Bella gerant alii, tu, felix Austria, nube“ war ein geflügelter Satz der damaligen Zeit: Kriege sollen ruhig andere Fürstenhäuser führen, das Haus Habsburg erheiratet sich Besitz und Macht. Ludwig war schon vor seiner Geburt von seinem Vater, Vladislav II., der Maria von Kastilien, Enkeltochter von Kaiser Maximilian I., versprochen worden. Am 26. August 1526 stand er in der Schlacht bei Mohács mit seinem schlecht gerüsteten ungarischen Heer einer überlegenen Militärmacht der Osmanen gegenüber. Die Ungarn wurden völlig aufgerieben, 12.000 seiner Soldaten enthauptet und 100.000 Ungarn in die Sklaverei geführt. Ludwig konnte zwar von einigen Getreuen aus dem Schlachtgetümmel gerettet werden, ertrank aber auf der Flucht in einem Seitenarm der Donau. Seine Leiche wurde erst zwei Monate später gefunden. Ludwigs Schwester die spätere Anna von Böhmen und Ungarn sollte Karl oder Ferdinand heiraten. Anna heiratete schließlich am 26. Mai 1521 in Linz den damaligen Erzherzog Ferdinand. Sie war berühmt und als Frau für ihre Zeit sehr gebildet und zeichnete sich des Weiteren durch ihre Religiosität, Mildtätigkeit und Klugheit aus. Sie beherrschte Lateinisch, Tschechisch, Ungarisch und Deutsch.

Karl

Die Person unten in der Mitte des Gemäldes, die an der Schwelle vom Kind zum Erwachsenen steht und ihre rechte Hand brüderlich auf Ludwig legt, ist Karl, der 1519 zum Kaiser gewählt und zum mächtigsten Habsburger wurde. Durch die neuen Besitzungen in Amerika regierte er über ein Reich, „in dem die Sonne nie untergeht“. Er heiratete Isabella von Portugal am 10. März 1526 in Sevilla. Im Herbst 1529 wies er als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches bei der Ersten Wiener Türkenbelagerung zusammen mit den Wienern, die mit einer Streitmacht von über 100.000 Mann vor Wien auftauchenden Osmanen angeführt von Süleyman I., zum ersten Mal in die Schranken.

Maximilian

Maximilian weilte oft innerhalb der Stadtmauern Memmingens. Er nannte die Stadt seine Ruh- und Schlafzell. Strigel schenkt sein erstes Porträt von Maximilian I. den Straßburger Johannitern 1507. Auch Maximilian, der 1510 zum zweiten Mal Witwer wurde, stand als Ehemann von Anna in der Diskussion. Am 20. Juli 1515 adoptierte Maximilian Ludwig. Zwei Tage später am 22. Juli 1515 heirateten Ludwig und Maria im Stefansdom. Falls keiner der verbleibenden Enkel, also Ferdinand oder Karl Anna ehelichen sollten, verpflichtete sich Maximilian die ungarische Königstochter binnen Jahresfrist zu heiraten. Ferdinand entband dem Kaiser die Pflicht, indem er in die Hochzeit am 24. März 1516 einwilligte. Die Hochzeit fand dann am 26. Mai 1521, nach erreichen der Volljährigkeit statt.

Strigel teilt in dem Gemälde seinen Porträthintergrund in einen linksseitigen schwerem Brokatvorhang und einem weiten Landschaftsausblick. Das weitläufige Tal mit einem Fluss könnte die Donau auf der Höhe der Wiener Neustadt sein. Das Gemälde ist merkwürdig und hatte ein eigenartiges Schicksal. Es gilt als einigermaßen gesichert, dass Bernhard Strigel zur Zeit der Doppelhochzeit in Wien war. Maximilian kaufte das Gemälde aber dem Künstler nicht ab. Daraufhin malte er auf die Rückseite des Gemäldes die eigentliche Heilige Familie und bezeichnete die Vorderseite des Bildes mit Namen der weiteren Sippe Jesu Christi. Das Originalbildnis gelangte 1520 in den Besitz des kaiserlichen Rates und kunstbegeisterten Humanisten Johannes Cuspinian. Er betraute 1520 Bernhard Strigel mit der Anfertigung seines eigenen Familienporträts an. Auf der Rückseite dieses Porträts befindet sich die Inschrift, die Bernhard Strigel der Nachwelt bekannt gemacht hat.

Inschriften

Über oder unter der jeweiligen Person sind Beschriftungen in gelber Farbe. Diese Inschriften wurden später hinzugefügt. Über Maximilian steht: CLEOPHAS.FRATER.CARNALIS.IO/SEPHI:MARITI DIVAE VIRG.MARIAE; über Philipp dem Schönen: I/IACOBVS: MINOR EPVS:/HIEROSOLIMITANVS; über Maria von Burgund: MARIA CLEOPHAE SOROR/VIRG.MARPVTATIVA MA/TER TERA.D.N., über Ferdinand: III/IOSEPH IVSTVS und unter Karl: II/SIMON ZELOTES CONSO/BRINVS. DNI.NRI.

Wertschätzung des Kaisers

Die Inschrift, die der kaiserliche Rat Johannes Cuspinian auf sein Familienporträt setzen ließ, ist ein Zeugnis der Wertschätzung des Kaisers für Bernhard Strigel:

Im Monat Oktober des Jahres 1520, zur Zeit des Pontifikates Leos X. als Karl V., der Sohn des Philip von Kastilien, Leon und Granada in Aachen zum römischen König gekrönt und zum römischen Kaiser Designiert wurde, hat der Maler Bernhard Strigel, der edle Bürger aus Memmingen, der durch Edikt das alleinige Recht hatte den Kaiser zu malen, wie einst Apelles den Alexander, diese Bilder mit der linken Hand mit der Hilfe eines Spiegels als beinahe Sechzigjähriger in Wien gemalt.

Replik im Strigel-Museum

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Porträt des Kaisers Maximilian und seiner Familie
Vorlage:Infobox Gemälde/Wartung/KünstlerAnonymer Meister, 18. Jahrhundert
Öl auf Leinwand, 56 cm × 47 cm
Antoniterkloster Memmingen

Die Replik des Porträts des Kaisers Maximilian und seiner Familie ist eine in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts angefertigte 56×47 cm große, in Öl auf Leinwand gemalte Nachbildung des Gemäldes von Bernhard Strigel aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien. Das Gemälde wird seit 1998 im Strigel-Museum in Memmingen ausgestellt.

Die Kopie wurde schon 1936 im Memminger Rathaus ausgestellt. Eine weitere Kopie befindet sich im Brüsseler Privatbesitz. Der anonyme Kopist erreicht nicht den Rang des Originals. Gesichter und Bewegung der Personen sind sehr schematisch wiedergegeben. Das Original ist farblich differenzierter. Die Rottöne des Mantels von Maximilian und der Gewandung von Maria von Burgund sind grün wiedergegeben. Die Wolkengebilde der Landschaft sind eine Hinzufügung, ebenso wie die Rose in der Hand von Ferdinand. Die Wangen und Münder der Personen sind auffallend rot. Es wird angenommen, dass die Kopie aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt.

Literatur

  • Josef Numberger: Die Familie des Kaisers Maximilians. In: Lueg ins Land. Heimatbeilage des „Allgäuer Beobachter“ und des „Schwäbischen Beobachter“. Jg. 3, 1936, ZDB-ID 1486262-1, S. 171ff.
  • Gertrud Otto: Bernhard Strigel (= Kunstwissenschaftliche Studien. Bd. 33, ISSN 0170-9186). Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1964.
  • Walter Braun: Maximilian I. und Bernhard Striel. In: Der Spiegelschwab 4, 1966, ZDB-ID 1257186-6, S. 13.
  • Konrad Honold: Ein unbekanntes Bildnis Kaiser Maximilians I. von Bernhard Strigel. In: Tiroler Heimatblätter. Jg. 42, Heft 4/6, 1967, ISSN 0040-8115, S. 33–39.

Weblinks

47.98499210.178506Koordinaten: 47° 59′ 6″ N, 10° 10′ 43″ O