Prunerstift

Prunerstift und heutige Musikschule der Stadt Linz

Das Prunerstift ist eine Stiftung des Linzer Bürgermeisters Johann Adam Pruner (1672 - 1734), aus deren Erträgen über 180 Jahre lang für bedürftige Erwachsene und Waisen gesorgt wurde. Das 1737 anstelle des Egererschlosses errichtete und 1975 vollständig renovierte Gebäude ist in Linz an der Ecke Fabrikstraße 10 / Prunerstraße 1 zu finden und beherbergt seit 1919 die Kirche der Altkatholiken[1] und seit 1979 die Musikschule der Stadt Linz.[2][3]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der kinderlos gebliebene Johann Adam Pruner hatte am Lichtmesstag des Jahres 1730 sein Testament errichtet; acht Tage nach seinem Tode am 7. Februar 1734 wurde das Testament im Beisein seines Schwagers Mathäus Gross von Ehrenstein als Vertreter seiner zur Universalerbin eingesetzten Gattin Maria (geborene Pruner) geöffnet. Darin bestimmte er u. a., dass der Großteil seines beträchtlichen Vermögens neben weiteren wohltätigen Legaten für eine Stiftung zugunsten der Armen und Waisen von Linz verwendet werden sollte, darunter war die Erbauung einer Kirche zu Ehren der drei heiligen Könige und die Bezahlung eines Benefiziaten zur Abhaltung der Messen in der Kirche, die Unterhaltung von 27 Pupillen (darunter sind hier Linzer Waisenknaben gemeint), die Unterhaltung von 27 armen ledigen Mannspersonen (Pfründner) und 27 armen ledigen Weibspersonen, der Bau eines entsprechenden Gebäudes sowie Geld für weiterer Aufgaben (z. B. Verwalter, Dotierung der Kirche). Das Vorschlagsrecht für die Aufnahme des Benefiziaten wie auch der Armen und Waisen (ius praesentandi) sollte alternierend dem Magistrat der Stadt Linz und seiner Schwester (nach deren Ableben durch deren Nachkommen) wahrgenommen werden.

Um die Zahl 27, die hier mehrmals auftaucht, ranken sich verschiedene Deutungsversuche (Rettung eines verloren geglaubten Schiffes, Traum des Stifters über seine Rettung aus Seenot).[4]

Das Stiftungskapital wurde anfangs auf 13 Obligationen aufgeteilt, die zwischen 4 und 5 Prozent verzinst waren. Während des Bestehens der Stiftung konnte der Kapitalstock durch eine verantwortungsvolle Verwaltung und sparsame Haushaltung über die Jahrhunderte bis etwa 1920 durch alle Fährnisse der Zeit aufrechterhalten werden. 1922 ging dann im Zuge der Nachkriegsinflation das Stiftungskapital vollständig verloren.

Für den Bau des Stiftsgebäudes und der Kirche wurde das Areal des Schlosses Egereck angekauft. Dieses war im Wesentlichen das Schlossgebäude sowie eine Wiese, die sich von der Lederergasse bis zur Fabrikstraße erstreckte. Das Material für den Bau des Prunerstifts an der Fabrikstraße wurde durch den Abriss des Schlosses Egereck, das im südlichen Teil des Grundstückes an der Lederergasse lag, gewonnen. Zwar wurde mit dem Abriss des Schlosses sofort begonnen, doch aufgrund eines kaiserlichen Dekrets vom 23. November 1735 musste dieser sofort eingestellt werden, da kein kaiserlicher Konsens (Bewilligung) eingeholt worden war. Vom Landeshauptmann von Oberösterreich, Graf Christoph Wilhelm Thürheim, wurde daraufhin ein Gutachten erstellt, in welchem die Argumente der Bauherrn unterstützt wurden (das Schloss sei unbewohnt und in einem schlechten Zustand und an dem übelriechenden Gewässer der Ludl gelegen, ein günstigeres Grundstück habe für die Stiftung nicht gewonnen werden können), so dass am 4. Februar 1737 die kaiserliche Bewilligung für den Abriss erfolgte. Da die Ausgaben für den Bau des Stiftes in den Jahren 1734 bis 1739 aber durchaus vergleichbar waren, muss man davon ausgehen, dass die verfügte Baueinstellung nicht ernst genommen wurde.

Das Stiftsgebäude wurde als zweigeschoßiger Bau errichtet und ist trotz mehrmals beabsichtigter Umbauten noch in der ursprünglichen Form erhalten.[5] Der Haupttrakt ist gegen die Fabrikstraße gerichtet. Von diesem zweigen drei Flügel ab, durch deren Quertrakte zwei Innenhöfe geschaffen wurden. Den mittleren Flügel bildet die Kirche zu den drei heiligen Königen. In den Innenhöfen waren heute nicht mehr vorhandene Brunnen aufgestellt. Die Hauptfront ist durch vor- und zurückspringende Risalite gegliedert. In der Mitte befindet sich auch heute wieder das mit einer barocken Graniteinfassung und einer Wappenkartusche versehene Hauptportal. Zwei Engel halten oberhalb des Wappens eine fünfzackige Freiherrnkrone (J. A. Pruner ist als Edler (praenobilis) von Pruner im Sterbebuch der Stadt Linz eingetragen). In den Seitentrakten befanden sich die Einzelzimmer für die Pfründner, daneben waren Wohnungen für den Benefiziaten sowie den Verwalter eingerichtet. Die Knaben waren in zwei Schlafsälen untergebracht, zudem waren für sie ein Krankenzimmer, ein Musikzimmer und ein Refektorium vorgesehen. Für einen Deutsch- und einen Latein-Präzeptor war jeweils eine Wohnung vorgesehen. Diese mussten die Knaben beaufsichtigen und unterweisen und der schulischen Lernstoff wiederholen. Der Lernerfolg der Prunerstiftknaben galt regelmäßig als hervorragend.

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Heilige Drei Könige-Kirche im Prunerstift
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Kirche und Seitentrakt des Prunerstifts
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Altarbild von Altomonte in der Heiligen Drei Königs-Kirche

Die den heiligen drei Königen geweihte Prunerstiftskirche ist zwischen 1737 bis 1740 erbaut worden. Sie ist heute über das Hauptportal und die Sakristei erreichbar. Das Deckenfresko zeigt eine Scheinarchitektur mit Armen und Kranken, die ihre Hände nach einem von einem Engel getragenen Füllhorn, aus dem sich ein Münzstrom ergießt, ausstrecken. Der linke Seitenaltar zeigt die Enthauptung des Jakobus des Älteren, der rechte die Verbrennung des Märtyrers Laurentius. Das Bild des Hauptaltars stellt die Anbetung des Jesukindes durch die drei heiligen Könige dar. Es ist mit M. A. 1737 monogrammiert, stammt vermutlich also von Martino Altomonte. Die acht Holzplastiken und der schmiedeeiserne Hängeluster stammen vermutlich aus der Entstehungszeit der Kirche. Den Abschluss der Kirche bildet ein halbrunder Chor, der mit einem Dachreiter und einem großen Doppelkreuz (crux gemina) geschmückt ist. Im Dachreiter befinden sich zwei Glocken von 1737, die größere musste aufgrund eines Sprunges 1931 ausgewechselt werden und befindet sich heute im Oberösterreichischen Landesmuseum. Die Kirche wurde von Joseph Dominik, Kardinal der römischen Kirche und Fürst des Heiligen Römischen Reiches zu Passau, am 6. Oktober 1739 konsekriert. Der Bischof genehmigte auch das Benefizium.

1739 konnten das Gebäude seiner stiftungsgemäßen Bestimmung übergeben werden. Das Haus hatte des Namen „Prunersches Stiftsgebäude in der Unteren Vorstadt“. Die ersten Pfründner und Waisenknaben konnten am 6. Januar 1740 einziehen.

Einen großen Einschnitt in der Stiftungsgeschichte bildeten die von Kaiser Josef II. vorgenommenen Reformen. Zu diesen gehörte die Aufhebung aller Klöster, in denen Missstände beklagt wurden. Der Erlös aus der Veräußerung des Klostervermögens wurde einem Religionsfond zugeschlagen, aus dem die Gemeindepfarrer ein angemessenes Gehalt beziehen sollten. Den Pfarrern wurde auch die Verantwortung für die Armenfürsorge zugeschrieben. Für die Erziehung von Waisen sollten (aus Kostengründen) christliche Familien gefunden werden. Beides hatte zur Folge, dass ab 1786 die Armen- und Waisenstifte aufgelöst werden sollten. Für das Prunerstift bedeutet dies, dass die Pfründner in ein allgemeines Versorgungshaus (aufgelassenes Dominikanerkloster Münzbach oder Abtei Baumgartenberg) umziehen sollten oder sich eine private Unterkunft besorgen mussten. Die Prunerstiftknaben mussten in Familien untergebracht werden. Die Schulbänke und der Katheder im Stift wurden der Schule in Weingarten übergeben. Ebenfalls aufgelassen wurde das Benefiziat, das Vermögen des Benefiziums musste dem Religionsfond übergeben werden und der Messdienst in der Kirche wurde eingestellt. 1830 wurde das Benefiziat wieder hergestellt und die Kirche aus dem Religionsfond herausgelöst.

Von den Stiftungserträgen wurden aber weiterhin die Pfründner und Waisen unterstützt. Für das Stiftsgebäude musste hingegen eine andere Verwendung gefunden werden, wobei unterschiedlichste Vorschläge gemacht wurden (Polizeiamt, Wache-, Arbeits-, Stock- oder Irrenhaus). So wurden 1788 die ersten acht Geisteskranken ins Prunerstift verlegt; dies war der Beginn der institutionalisierten Pflege Geisteskranker in Oberösterreich. Die Zustände im Prunerstift waren allerdings keineswegs ideal. Nach etlichen Verbesserungsversuchen wurde erst 1867 die Landesirrenanstalt Niedernhart, die spätere Landes-Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart und ab 1994 Wagner-Jauregg Krankenhaus des Landes Oberösterreich, gegründet.[6] Auch die heutige Oberösterreichische Landes-Frauenklinik wurde unter Kaiser Joseph II. 1788 als „Gebär- und Findelanstalt“ gegründet und war im Prunerstift untergebracht. 1833 wurde sie auf den heutigen Standort in der Lederergasse 47, den ehemaligen Edelsitz Eckharthof, verlegt, der 1843 zunächst angemietet und 1852 gekauft worden war.[7][8] Die Stiftsgärten wurden versteigert und die südlich gelegenen Gärten kamen 1795 an die Fürst Schwarzenbergsche Gutsverwaltung.

Die den Heiligen Drei Königen geweihte Kirche wurde 1789 geschlossen und dann als Lagerraum verwendet. Später wurde ein Metall verarbeitender Betrieb in der Kirche untergebracht.

Seit 1867 wurde das Stiftsgebäude als Miethaus verwendet.

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Seitenflügel der Prunerstifts
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Eingangsportal des Prunerstifts

Gegenwart

Nach dem Ersten Weltkrieg waren in dem Gebäude 65 Mietparteien untergebracht, was eine deutliche Überbelegung des Gebäudes bedeutete und zu vielen Konflikten führte.

Die Kirche Heilige Drei Könige, die bis dahin als Eisenmagazin verwendet wurde, wurde 1919 der altkatholischen Kirchengemeinde überlassen. 1980 wurde die Kirche wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt errichtet.

Nach der Beseitigung der Schäden durch den Zweiten Weltkrieg wurde im Stiftsgebäude eine Tagesheimstätte für alte Leute eingerichtet.

Seit 1979 ist im Prunerstift die Musikschule der Stadt Linz untergebracht.

Hinter dem Kirchengebäude wurde der Kinder- und Jugendspielplatz Prunerstift eingerichtet[9], der aber in einem schlechten Zustand ist.

Das Prunerstift ist das einzige von allen ehemaligen städtischen Versorgungshäusern in Linz, das noch in seinem ursprünglichen Zustand erhalten ist.

Literatur

  •  Konrad Plass: Die Stiftung des Johann Adam Pruner in Linz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Linz. 1970.

Einzelnachweise

  1. Altkatholische Kirche Heilige Drei Könige - Prunerstift
  2. Musikschule auf LinzWiki
  3. Linzer Musikschule auf forum oö geschichte
  4. Konrad Plass, 1970, S. 18-19.
  5. Archiv der Stadt Linz
  6. Geschichte der Landes-Nerven Klinik
  7. Landes-Frauenklinik Linz
  8. Frauen in Linz
  9. Kinder- und Jugendspielplatz Prunerstift

Weblinks

 Commons: Prunerstift – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.3081626535714.292086362839Koordinaten: 48° 18′ 29″ N, 14° 17′ 32″ O