Römisch-katholische Kirche in Österreich

Die österreichischen Diözesen ab 1968

Die römisch-katholische Kirche in Österreich ist Teil der weltweiten römisch-katholischen Kirche unter der Führung von Papst Benedikt XVI., der römischen Kurie und der österreichischen Bischofskonferenz. Sie ist die mitgliederstärkste Konfession des Christentums in Österreich. 2011 waren 64,1 % der Österreicher Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Selbstbezeichnung der Kirche ist Katholische Kirche in Österreich.

Inhaltsverzeichnis

Gliederung

Die österreichischen Kirchenprovinzen und ihre beiden Erzbistümer

Die Katholische Kirche in Österreich gliedert sich in zwei Kirchenprovinzen Salzburg und Wien mit insgesamt neun (Erz)diözesen, sowie einem Militärbischof, der als Titularbischof von Wiener Neustadt seinen Sitz ebenfalls in Wien hat und die direkt dem Heiligen Stuhl unterstellte Territorialabtei Wettingen-Mehrerau, deren Abt Mitglied der Bischofskonferenz ist.

Die Gebietsgrenzen der neun Diözesen decken sich weitgehend aber nicht völlig mit den Grenzen der Bundesländer. Auffälligster Unterschied: zum Erzbistum Wien zählt auch das östliche Niederösterreich, und zu Salzburg das östliche Tirol.

Im Jahr 2010 gab es 3.032 katholische Pfarrgemeinden in Österreich, die von 2.289 Diözesanpriestern und 1.545 Ordenspriestern seelsorglich betreut werden.[1]


Diözese Gründung Kathedrale Bischof Weihbischof Katholiken
(Stand 2010)
Erzdiözese Salzburg 739 Salzburger Dom Alois Kothgasser Andreas Laun 491.800
Diözese Feldkirch 1968 Dom St. Nikolaus zu Feldkirch Sedisvakanz
Diözesanadministrator Benno Elbs
253.461
Diözese Graz-Seckau 1218 Grazer Dom Egon Kapellari Franz Lackner 878.659
Diözese Gurk 1072 Klagenfurter Dom Alois Schwarz 395.955
Diözese Innsbruck 1964 Dom zu St. Jakob in Innsbruck Manfred Scheuer 397.935
Erzdiözese Wien 1469 Wiener Stephansdom Christoph Kardinal Schönborn Franz Scharl

Stephan Turnovszky

1.281.161
Diözese Eisenstadt 1960 Dom St. Martin zu Eisenstadt Ägidius Zsifkovics 204.375
Diözese Linz 1785 Mariä-Empfängnis-Dom Linz Ludwig Schwarz 1.016.947
Diözese St. Pölten 1785 Dom zu St. Pölten Klaus Küng Anton Leichtfried 532.441
Österreichische Militärdiözese 1986 St. Georgs-Kathedrale Wiener Neustadt Christian Werner
Ordinariat für die byzantinischen Gläubigen in Österreich 1956 Zentralpfarrkirche St. Barbara Wien-Innere Stadt Christoph Kardinal Schönborn 10.000

Geschichte

Das Christentum kam über die Römer ins Gebiet des heutigen Österreich. Davon zeugt zum Beispiel der Märtyrer Florian von Lorch. In den Wirren der Völkerwanderung gingen die christlichen Strukturen großteils verloren.

Die Neuchristianisierung erfolgte im Mittelalter vor allem durch die 739 von Bonifatius gegründeten Diözesen Passau und Salzburg. Zahlreiche Klöster entstanden: Mondsee (748), Innichen (769), Kremsmünster (777), Sankt Florian (um 800).

Der Habsburger Rudolf der Stifter ließ die Stephanskirche 1365 zum Dom umbauen doch erst 1469 wurde Wien eine eigene Diözese und von Passau unabhängig.

Ab 1520 breitete sich die Reformation in Österreich aus. Doch die Habsburger betrieben die Gegenreformation sehr energisch und nach dem Dreißigjährigen Krieg war das Land wieder katholisch. In den Toleranzpatenten (1781 und 1782) von Joseph II. wurde die Religionsfreiheit garantiert. Dennoch blieb Katholizismus in der Habsburgermonarchie bis zu deren Ende 1918 politisch und gesellschaftlich vorherrschend.

In der Ersten Republik war die katholische Kirche sehr eng mit der Christlichsozialen Partei verbunden. Die Haltung der Kirche zum Nationalsozialismus ist ambivalent. Der Anschluss Österreichs wurde von den Bischöfen befürwortet, andererseits kam es auch zu katholischem Widerstand (Rosenkranz-Demonstration). Die Nationalsozialisten versuchten durch verschiedene Schikanen, wie Enteignung, Verhaftungen, Predigtverbot, Ende des Religionsunterrichts, etc. den Einfluss der katholischen Kirche zu schmälern.

In der Zweiten Republik wurde der Religionsunterricht wieder eingeführt und das Konkordat von 1933 von der Regierung anerkannt. Kardinal Franz König trug zur Aussöhnung mit der Sozialdemokratie bei und nahm erste Kontakte mit den Ostkirchen auf. Papst Johannes Paul II. besuchte Österreich 1983, 1988 und 1998, Papst Benedikt XVI. 2007.

Missbrauchsfälle und zahlreiche weitere Vorwürfe führten zur Gründung von diözesanen Ombudsstellen und einer Kommission unter Leitung Waltraud Klasnics, die diese Vorfälle untersucht. [2] [3][4][5] Im März 2011 forderten einige kirchenkritische und religionskritische Organisationen, wie z.B. Freidenkerbund Österreichs, Giordano Bruno Stiftung, Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt, ein Volksbegehren gegen Privilegien der Kirche in Österreich, das Ende des Konkordats und staatliche Untersuchungen der Missbrauchsfälle.[6]

Entwicklung

Entwicklung Katholiken in Österreich[7][8][1][9]
Jahr Ges.-Bev. Katholiken Anteil
1951 6.933.905 6.170.084 89,0 %
1961 7.073.807 6.295.075 89,0 %
1971 7.491.526 6.548.316 87,4 %
1981 7.555.338 6.372.645 84,3 %
1991 7.795.786 6.081.454 78,0 %
2001 8.032.926 5.915.421 73,6 %
2005 8.250.000 5.662.782 68,5 %
2007 8.300.000 5,603.398 67,4 %
2008 8.350.000 5.579.493 66,8 %
2009 8.369.878 5.533.517 66,0 %
2010 8.396.252 5.452.734 64,9 %
2011 8.442.160 5.410.000[10] 64,1 %

Nach dem Zweiten Weltkrieg stagnierte der Anteil der römisch-katholischen Glaubensangehörigen. Sowohl 1951 als auch 1961 bekannten sich 89 % zu diesem Religionsbekenntnis. Die Gesamtzahl der Katholiken nahm bis 1971 weiter zu, als sie ihren Höhepunkt erreichte. Doch bereits ab 1961 ging der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung aufgrund der einsetzenden Zuwanderung von Angehörigen anderer Religionen und aufgrund der Zunahme der Menschen ohne Bekenntnis von 266.000 (1961) auf 321.000 (1971), was vor allem auf Austritte aus der katholischen Kirche zurückzuführen ist, zurück. Dieser prozentuelle Rückgang wurde umso stärker, als ab 1971 auch die Gesamtzahl der Katholiken rückläufig ist, während die Zahl der Menschen ohne Bekenntnis bis 2001 auf 963.000 Personen anstieg.

Nicht nur die Anzahl der Katholiken (siehe Tabelle rechts), sondern auch die Zahl der Teilnehmer an der sonntäglichen Messfeier hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verringert und betrug nach Angaben der Kirchlichen Statistik im Jahr 2010 659.427 Menschen (oder 8% der Gesamtbevölkerung)[1] in 2005 753.701 Menschen (oder 9 % der Gesamtbevölkerung)[1] gegenüber 1,1 Millionen Teilnehmer (oder 14 % der Gesamtbevölkerung) im Jahre 1995.

Literatur

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d Statistik der katholischen Kirche in Österreich, abgerufen am 10. Januar 2012
  2. Diözesane Ombudsstellen für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche; Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft opfer-schutz.at
  3. Der Standard, 5. März 2010
  4. Bischöfe setzen Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch bischofskonferenz.at, abgerufen am 21. März 2011
  5. http://www.erzdioezese-wien.at/content/artikel/a18318
  6. 'Staat im Staat': Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien diepresse.com; Kirchenvolksbegehren kurier.at; Volksbegehren will Privilegien von Kirchen abschaffen , abgerufen am 21. März 2011
  7. Statistik Austria: Bevölkerung nach dem Religionsbekenntnis und Bundesländern 1951 bis 2001 (abgerufen am 16. Jänner 2009)
  8. Katholische Presseagentur Österreich: Katholikenzahl blieb in Österreich 2008 weitgehend stabil
  9. Bevölkerung Österreich, abgerufen am 10. Jänner 2012
  10. kathweb Kirchenstatistik, abgerufen am 10. Jänner 2012