Raimund von Klebelsberg

Raimund von Klebelsberg (* 14. Dezember 1886 in Brixen; † 6. Juni 1967 in Innsbruck) war ein österreichischer Geologe und Hochgebirgsforscher.

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Leben und Forschertätigkeit

Raimund Wilhelm Werner von Klebelsberg zu Thumburg stammt aus einer altadeligen Familie und wurde in Brixen, im heutigen Südtirol geboren. Er studierte Geologie in München und Wien und promovierte 1910 an der Universität Wien mit einer paläontologischen Dissertation.

1913 nahm Klebelsberg als Geologe an der ersten Pamir-Expedition des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (DuÖAV) in West-Turkestan teil, wodurch seine Aufmerksamkeit auf die Hochgebirgsforschung gelenkt wurde. Klebelsberg blieb dem Alpenverein immer treu verbunden. Von 1934 bis 1938 war er erster Vorsitzender des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, zwischen 1918 und 1964 leitete er den AV-Gletschermessdienst.

Während des Ersten Weltkrieges leistete er aktiven Militärdienst. 1915 habilitierte er im Fronturlaub in Innsbruck. 1919 begann sein Dienst an der Universität Innsbruck, 1921 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt und trat die Nachfolge von Josef Blaas als Leiter des Instituts für Geologie und Paläontologie an. 1925 folgte das Ordinariat, 1958 die Emeritierung. Klebelsberg war im Studienjahr 1933/34 und während der Zeit des Nationalsozialismus von 1942 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Rektor der Universität Innsbruck. Nach dem Krieg wurde er des Amtes enthoben und erst 1949 als ordentlicher Professor in aller Form mit voller Rehabilitierung wiederbestellt.

Die Hauptgebiete seiner wissenschaftlichen Tätigkeit waren die regionale Geologie von Tirol, die Geologie der Alpen und insbesondere die Glazialgeologie. Er verfasste über 600 Publikationen, begründete zwei Fachzeitschriften – 1923 die Buchreihe „Schlern-Schriften“, 1950 die neue Zeitschrift für Gletscherkunde und Glazialgeologie – und gab diese bis zu seinem Lebensende alleine heraus.

1958 erhielt er die Albrecht-Penck-Medaille.

Nachwirkung

Im Jahr 1981 wurde das Realgymnasium in Bozen nach Klebelsberg benannt. 1986 wies der Historiker Leopold Steurer auf die nationalsozialistische Vergangenheit des Namensgebers der Schule hin. Dieser hatte als Vorsitzender des DuÖAV den Anschluss Österreichs befürwortet und den Ausschluss jüdischer Bergsteiger gerechtfertigt. Bei seinem Antrag um die Aufnahme in die NSDAP im Mai 1938 hatte er als eigene Verdienste die Förderung junger nationalsozialistischer Wissenschaftler in Österreich angeführt. Nach erbitterten Debatten in den 1990er Jahren trennte sich die Schule 2000 vom Namen „Raimund von Klebelsberg“.[1]

Auszeichnungen

Schriften

  • Beiträge zur Geologie Westturkestans, 1922
  • Geologischer Führer durch die Südtiroler Dolomiten, 1928
  • Geologie von Tirol, 1935
  • Handbuch der Gletscherkunde und Glazialgeologie, 1948/49

Weblinks

Einzelnachweise

  1.  Christina Linger: Die öffentliche Darstellung des Südtiroler Schriftstellers Josef Wenter – Eine Studie zum Thema „Vergangenheitsbewältigung“. Dissertation. Grin Verlag, Norderstedt 2010, ISBN 978-3640545070, S. 89.