Reformierte Stadtkirche (Wien)

Reformierte Stadtkirche in der Dorotheergasse
Stiegenhaus, Stufen Kaiserstein

Die Reformierte Stadtkirche ist das älteste evangelische Kirchengebäude in Wien. Sie ist Sitz der Landessuperintendentur der Evangelischen Kirche H. B. in Österreich (Reformierte Kirche) und der Evangelischen Gemeinde H. B. Wien – Innere Stadt. Sie befindet sich in der Dorotheergasse 16 neben der Lutherischen Stadtkirche und schräg gegenüber dem Auktionshaus Dorotheum.

Vorgeschichte

Die Grundlage für die Errichtung evangelischer Bethäuser wurde 1781 durch das Toleranzpatent von Kaiser Joseph II. geschaffen.

Sowohl die reformierte als auch die lutherische Gemeinde erwarben für ihre Bauvorhaben 1783 jeweils einen Teil des aufgelassenen Königinklosters (Klarissen) bei der Wiener Hofburg. So befinden sich heute die Reformierte Stadtkirche und die Lutherische Stadtkirche in unmittelbarer Nachbarschaft.

Geschichte

Der klassizistische Bau wurde 1783–1784 nach Plänen des späteren Hofarchitekten Gottlieb Nigelli errichtet. Als Folge des Toleranzpatents durfte das Gebäude von außen nicht als Kirche erkennbar sein und keinen Kirchturm, keine Glocken und keinen straßenseitigen Eingang besitzen (Toleranzbethaus). Der Innenraum ist zweifach überkuppelt und weist seitliche, auf Säulen lastende Emporen und im Osten eine Apsis auf. Eine weitere Besonderheit ist die Bildlosigkeit des Raums, eine Konsequenz des reformierten Bekenntnisses. Die Herkunft von Kanzel und Abendmahlstisch ist nicht völlig geklärt, sie stammen vermutlich aus einem aufgelassenen Kloster.

1815 wurde für die reformierte Gattin von Erzherzog Karl, Henriette von Nassau-Weilburg, ein (heute nicht mehr vorhandener) Seiteneingang direkt von der Straße eingebaut, das so genannte Henriettentor. Das Protestantenpatent von 1861 bildete die Basis für einen Kirchenumbau.

1887 erhielt die Reformierte Stadtkirche durch den Architekten Ignaz Sowinski eine neobarocke Fassade mit Kirchturm und straßenseitigem Tor. Das Innere der Kirche wurde um 180 Grad gedreht und die Position von Kanzel und Orgel vertauscht. Weiters wurde der durch einen Innenhof vom Kirchengebäude abgesetzte Verwaltungstrakt unterkellert. Bereits 1885 hatte die Kirche eine Gasbeleuchtung erhalten.

1895 bekam der Kirchturm drei Glocken, die während der beiden Weltkriege eingeschmolzen wurden. Die heutigen Glocken stammen aus dem Jahr 1979. Die Orgel aus dem Jahr 1974 ist ein Werk des Wiener Orgelbauers Herbert Gollini, wobei das Gehäuse aus dem Jahr 1901 beibehalten wurde.

Im 20. und 21. Jahrhundert wurde die Kirche mehrmals renoviert.

Weblinks

 Commons: Reformierte Stadtkirche (Wien) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.20694444444416.36875Koordinaten: 48° 12′ 25″ N, 16° 22′ 8″ O