Regionalwahlkreis Linz und Umgebung

Wahlkreis 4A: Linz und Umgebung
Regionalwahlkreise Oesterreich.png
Staat Österreich
Bundesland Oberösterreich
Wahlkreisnummer 4A
Anzahl der Mandate 7
Wahlberechtigte 245.598 (2008)[1]
Wahlbeteiligung 79,0 %[1]
Wahldatum 28. September 2008
Abgeordnete

Der Regionalwahlkreis Linz und Umgebung (Wahlkreis 4A) ist ein Regionalwahlkreis in Österreich, der bei Wahlen zum Nationalrat für die Vergabe der Mandate im ersten Ermittlungsverfahren gebildet wird. Der Wahlkreis umschließt die Landeshauptstadt Linz sowie den politischen Bezirk Linz-Land und entspricht in seinem Umfang damit dem Landtagswahlkreis Linz und Umgebung. Bei der letzten Nationalratswahl 2008 waren im Regionalwahlkreis Linz und Umgebung 245.598 Personen wahlberechtigt, wobei bei der Wahl die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) mit 37,7 % als stärkste Partei hervorging. Von den sieben zu vergebenden Grundmandaten entfielen zwei Mandate auf die SPÖ, eines auf die Österreichische Volkspartei (ÖVP) und eines auf die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), wobei die SPÖ gegenüber der Nationalratswahl 2006 ein Mandat verlor.[1]

Geschichte

Nach dem Ende des Staates Österreich-Ungarn wurden für das Gebiet von Oberösterreich mit der Wahlordnung 1918 für die Wahl der konstituierenden Nationalversammlung sechs Wahlkreise geschaffen, woebei bereits zu dieser Zeit ein Wahlkreis mit dem Namen Linz und Umgebung gebildet wurde. Dieser Wahlkreis (zunächst Wahlkreis 13, ab 1923 Wahlkreis 12) umfasste das Gebiet der Stadt Linz und die Gerichtsbezirke Linz, Ottensheim und Urfahr.[2] Nachdem die Wahlordnung von 1923 von der austrofaschistischen Regierung 1934 außer Kraft gesetzt worden war, wurde die ursprüngliche Einteilung der Wahlkreise nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Verfassungsgesetz vom 19. Oktober 1945 weitgehend wieder eingeführt.[3] In der Folge war der Wahlkreis Linz und Umgebung von Gebietsverschiebungen betroffen. 1949 blieb das Gebiet des Wahlsprengels noch unverändert, wenngleich die Definition des Wahlkreisgebietes angepasst werden musste. Durch die Stilllegung des Gerichtsbezirks St. Florian war dieses nämlich an den Gerichtsbezirk Linz gefallen, das Gebiet blieb jedoch trotzdem Teil des Wahlkreises Traunviertel. Daher wurde umfasste das Wahlkreisgebiet ab 1949 per Definition die Stadt Linz und die Gerichtsbezirke Ottensheim, Urfahr und Linz (ohne den ehemaligen Gerichtsbezirk Markt St. Florian).[4] Auch der 1958 erfolgten Auflösung der Bezirksgerichte Ottensheim und Urfahr 1958 wurde mit der Nationalrats-Wahlordnungsnovelle 1958 Rechnung getragen. Erneut kam es zwar zu keiner Gebietsveränderung, jedoch wurde nun die Definition des Wahlkreisgebietes auf die Stadt Linz, den Gerichtsbezirk Liniz-Land (ohne die Gemeinden des ehemaligen Marktes St. Florian) und den Gerichtsbezirk Urfahr-Umgebung geändert.[5] Mit der Nationalrats-Wahlordnung 1971 kam es schließlich erstmals zu einer tiefgreifenden Wahlkreisreform, mit der die Anzahl der Wahlkreise in Österreich auf nur noch neun reduziert wurde. Für das Bundesland Oberösterreich bestand in der Folge nur noch ein Wahlkreis, der Wahlkreis Oberösterreich (Wahlkreis 4).[6] Mit Inkrafttreten der Nationalrats-Wahlordnung 1992 wurde das österreichische Bundesgebiet schließlich in 43 Regionalwahlkreise unterteilt und somit ein drittes Ermittlungsverfahren eingeführt, wobei Linz und der Bezirk Linz-Land zum Wahlkreis Linz und Umgebung (Wahlkreis 4A) zusammengefasst wurden.[7] Der Regionalwahlkreis Linz und Umgebung umfasste damit nun auch die Gemeinden des ehemaligen Marktes St. Florian, verlor aber im Gegenzug die Gemeinde des Gerichtsbezirkes Urfahr-Umgebung. 1993 wurden dem Regionalwahlkreis sieben Mandate zugewiesen,[8] wobei die Neuberechnung der Mandatsverteilung im Jahr 2002 (nach den Ergebnissen der Volkszählung 2001) zu keinen Veränderungen führte.[9]

Seit der Schaffung des Wahlkreises erreichte die SPÖ bei jeder Wahl die relative Mehrheit und jeweils zwei bis drei Grundmandate, wobei die SPÖ bei der letzten Nationalratswahl 2008 mit 37,7 % ihr bisher schlechtestes Ergebnis einfuhr. Der zweite Platz war seit 1994 zwischen FPÖ und ÖVP umkämpft. Während die ÖVP jedoch durchgehend mindestens ein Grundmandat erzielte und 2002 sogar zwei Grundmandate erreichte, blieb die FPÖ 2002 und 2006 ohne Grundmandat, während sie bei den übrigen Wahlen jeweils ein Grundmandat erreichte. Während die FPÖ zwischen 1994 und 1999 vor der ÖVP lag, fiel sie 2002 und 2006 sogar hinter die Grünen zurück. 2008 konnte die FPÖ mit 18,4 % jedoch wieder mit der ÖVP gleichziehen, die in diesem Jahr ihr bisher schlechtestes Ergebnis verbuchte. Die Grünen, für die der Wahlkreis Linz und Umgebung der stärkste Wahlkreis ist, blieben mit 12,4 % nur knapp hinter ihrem bisher besten Ergebnis von 2006.

Wahlergebnisse

Nationalratswahl im Wahlkreis 4A 2008
 %
50
40
30
20
10
0
37,7 %
(-6,5 %p)
18,4 %
(-6,4 %p)
12,4 %
(-0,3 %p)
18,4 %
(+6,5 %p)
8,1 %
(+5,5 %p)
5,1 %
(+1,3 %p)
2006

2008

Nationalratswahlen im Regionalwahlkreis Linz und Umgebung[1][10]
Wahltermin GM[11] SPÖ ÖVP FPÖ GRÜNE BZÖ LIF Sonstige
9. Oktober 1994 Stimmenanteile (%) 41,7 18,5 22,5 8,9 - 6,7 1,5
7 Grundmandate 3 1 1 0 - 0 0
17. Dezember 1995 Stimmenanteile (%) 46,8 20,1 20,5 5,5 - 6,0 1,1
7 Grundmandate 3 1 1 0 - 0 0
3. Oktober 1999 Stimmenanteile (%) 40,0 19,3 26,6 8,6 - 4,0 1,6
7 Grundmandate 2 1 1 0 - 0 0
24. November 2002 Stimmenanteile (%) 45,5 31,9 10,0 11,0 - 1,1 0,5
7 Grundmandate 3 2 0 0 - 0 0
1. Oktober 2006 Stimmenanteile (%) 44,2 24,8 11,9 12,7 2,6 - 3,8
7 Grundmandate 3 1 0 0 0 - 0
28. September 2008 Stimmenanteile (%) 37,7 18,4 18,4 12,4 8,1 1,9 3,3
7 Grundmandate 2 1 1 0 0 0 0

Einzelnachweise

  1. a b c d Ergebnis der Nationalratswahl 2008 auf den Seiten des Bundesministeriums für Inneres
  2. Wahlordnung 1918
  3. Staatsgesetzblatt 51/1945 Gesetz Nr. 198
  4. BGBl. 129/1949
  5. BGBl. 7/1959
  6. Nationalrats-Wahlordnung 1971 BGBl. 391/1970
  7. Nationalrats-Wahlordnung 1992 BGBl. 471/1992
  8. BGBl. 322/1993 Kundmachung: Zahl der auf jeden Wahlkreis entfallenden Mandate für die Wahl des Nationalrates
  9. BGBl. 337a/2002 Kundmachung: Zahl der auf jeden Wahlkreis entfallenden Mandate für die Wahl des Nationalrates
  10. Wahlergebnisse ab 1994
  11. Anzahl der zu vergebenden Grundmandate