Reichsratswahl 1907

Österreich-Ungarn nach 1878, Kronländer:

Die Reichsratswahl 1907 war die erste Reichsratswahl in Cisleithanien, die nach dem allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrecht durchgeführt wurde. Sie wurde durch das Allgemeine Männerwahlrecht der Wahlrechtsreform 1906 möglich. Wahlberechtigt waren Männer ab 24 Jahren.

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Wahlsystem

Die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder waren in Wahlkreise eingeteilt, die es zu gewinnen galt. Erlangte kein Kandidat beim ersten Durchgang am 14. Mai 1907 eine Mehrheit, musste am 23. des Monats zwischen den beiden Erstplatzierten eine Stichwahl durchgeführt werden. Die Einteilung der österreichischen Wahlkreise erfolgte nach Volkszugehörigkeit und nach Land- und Stadtbezirken. So gab es beispielsweise in Böhmen deutsche und tschechische Wahlkreise. Die Stadtwahlkreise kleinerer Städte umfassten oftmals mehrere Orte des betreffenden Raumes, so beinhaltete der Tiroler Wahlkreis Bozen auch Meran, Brixen, Bruneck und Lienz.

Wahlausgang

Die christlichsozialen und sozialdemokratischen Massenparteien konnten einen herausragenden Erfolg erzielen, während die deutschfreiheitlichen Honoratiorenparteien empfindliche Verluste hinnehmen mussten. So wurden beinahe alle Landwahlkreise, die sich im heutigen Österreich befinden, von den Christlichsozialen gewonnen, während die deutschen Mandate Böhmens und Mährens hauptsächlich von der Deutschen Volkspartei, den Deutschen Agrariern, Sozialdemokraten, Alldeutschen oder Deutschradikalen gewonnen wurden. Auch in Kärnten gewann die Deutsche Volkspartei vor den Sozialdemokraten. Ein ähnliches Bild ergab sich in Städten wie Graz, Salzburg, Innsbruck, Brünn oder Linz. In der Reichshauptstadt Wien hingegen wurden die Christlichsozialen vor Sozialdemokraten und den freisinnigen Deutschfortschrittlichen stärkste Kraft.[1]

Literatur

  • Manfred Scheuch: Historischer Atlas Österreich, 6. Auflage, Wien 2008.

Anmerkungen

  1. Mandatsergebnisse der Reichsratswahlen von 1907, in: Reinhold Knoll, Zur Tradition der christlich-sozialen Partei. Ihre Früh- und Entwicklungsgeschichte bis zu den Reichsratswahlen 1907, Wien u.a. 1973, S. 248/49.