Retznei

Retznei
Wappen von Retznei
Retznei (Österreich)
Retznei
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Leibnitz
Kfz-Kennzeichen: LB
Fläche: 3,31 km²
Koordinaten: 46° 44′ N, 15° 34′ O46.73722222222215.569444444444261Koordinaten: 46° 44′ 14″ N, 15° 34′ 10″ O
Höhe: 261 m ü. A.
Einwohner: 420 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 126,89 Einw. pro km²
Postleitzahl: 8461
Vorwahl: 03453
Gemeindekennziffer: 6 10 29
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Retznei 43
8461 Retznei
Politik
Bürgermeister: Detlef Gruber (SPÖ)
Gemeinderat: (2010)
(9 Mitglieder)
6 SPÖ, 3 ÖVP
Lage der Gemeinde Retznei im Bezirk Leibnitz
Allerheiligen bei Wildon Arnfels Berghausen Breitenfeld am Tannenriegel Ehrenhausen Eichberg-Trautenburg Empersdorf Gabersdorf Gamlitz Glanz an der Weinstraße Gleinstätten Gralla Großklein Hainsdorf im Schwarzautal Heiligenkreuz am Waasen Heimschuh Hengsberg Kaindorf an der Sulm Kitzeck im Sausal Lang Lebring-Sankt Margarethen Leibnitz Leutschach Oberhaag Obervogau Pistorf Ragnitz Ratsch an der Weinstraße Retznei Sankt Andrä-Höch Sankt Georgen an der Stiefing Sankt Johann im Saggautal Sankt Nikolai im Sausal Sankt Nikolai ob Draßling Sankt Ulrich am Waasen Sankt Veit am Vogau Schloßberg Seggauberg Spielfeld Stocking Straß in Steiermark Sulztal an der Weinstraße Tillmitsch Vogau Wagna Weitendorf Wildon Wolfsberg im Schwarzautal SteiermarkLage der Gemeinde Retznei im Bezirk Leibnitz (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Retznei ist eine kleine Gemeinde mit 420 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) im Bezirk Leibnitz in der Steiermark.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Retznei liegt am rechten Murufer unterhalb der Sulmmündung ca. 6 km südöstlich von Leibnitz.

Katastralgemeinden sind Retznei und Unterlupitscheni.

Geschichte und Archäologie

Als archäologische Fundstelle ist Retznei seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bekannt, als erste Ausgrabungen durch den Numismatiker Friedrich Pichler durchgeführt wurden.[1] Nähere Untersuchungen, bei denen zunächst der Ort der Altgrabung lokalisiert werden konnte, haben in den Jahren 2005 bis 2010 stattgefunden.

Erste Ergebnisse dieser Grabungen wurden in einzelnen Artikeln veröffentlicht.[2] Demnach war der Ort schon in der mittleren Bronzezeit besiedelt. Aus der darauf folgenden Hallstattzeit stammen keine Funde. Eine ausgedehnte spätlatènezeitliche Ansiedlung, die vielleicht als Gehöftgruppe bezeichnet werden kann, befand sich auf demselben Grundstück. In der römischen Kaiserzeit wurden mehrere Gebäudetrakte errichtet. Mindestens zwei Badegebäude stammen aus dieser Zeit, sowie luxuriöse mit Wandmalereien und Mosaiken ausgestattete Räume. Ein Bau wird als Nymphäum bezeichnet und aus diesem Grund die Überlegung angestellt, ob es sich bei der gesamten Anlage um keine private Villa im Nahbereich der Stadt Flavia Solva, sondern ein Quellheiligtum mit angeschlossenen Thermenkomplex handeln könnte.[2] Auch ein bei den Grabungen des 19. Jahrhunderts gefundener Altar weist in diese Richtung.

Die Aufhebung der Grundherrschaften erfolgte 1848. Die Ortsgemeinde als autonome Körperschaft entstand 1850. Nach der Annexion Österreichs 1938 kam die Gemeinde zum Reichsgau Steiermark, 1945 bis 1955 war sie Teil der englischen Besatzungszone in Österreich.

Einwohnerentwicklung

Datum Einwohner
1869 410
1923 510
1961 625
1971 609
1981 510
1991 441
2001 408
2010 428

Politik

Bürgermeister ist Detlef Gruber (SPÖ). Der Gemeinderat setzt sich nach den Wahlen von 2010 wie folgt zusammen: 6 SPÖ, 3 ÖVP

Wirtschaft und Infrastruktur

Retznei lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft. Wichtigste Anbaugüter sind: Weintrauben, Obst (für Apfelsaft, Schnaps), Kürbisse und Bohnen. Zahlreiche Weine kommen aus dieser Region, die schon bei Weinverkostungen Preise gewonnen haben. Die Gemeinde Retznei ist auch für gute und prämierte Schnäpse bekannt.

Steinbruch Retznei

Wichtigster Arbeitgeber ist die Firma Lafarge Perlmooser, einer der weltweit größten Zementhersteller. Das Unternehmen betreibt einen großen Steinbruch, welcher sich auf zwei Aufschlüsse aufteilt. Der ältere ist schon seit mehr als 30 Jahren in Betrieb, wird aber zur Zeit rekultiviert und in ein großes Biotop umgewandelt. Der zweite Bruch ist erst seit einigen Jahren in Betrieb.

Die Verarbeitung erfolgt im ortsansässigen Werk. Das Rohmaterial wird zuerst (nach Sprengung) in einer Brecher-Anlage zerkleinert und über Förderbänder zu den Kugelmühlen transportiert. Danach erfolgt ein Transport auf eine Lagerhalde. Nach chemischer Analyse (Zusammensetzung) wird der Rohstoff entsprechend der gewünschten Ziel-Zusammensetzung abgemischt und im Drehrohrofen zu Zement gebrannt.

Der Steinbruch ist vor allem für seinen Fossilien- und Mineralienreichtum bekannt. Gefunden wurden Calcit (gelb, glasklar, milchig; in verschiedenen Kristallformen, Drusen, mit Fossilien verwachsen), Pyrit-Markasit (Knollen, ausgefüllte Fossilien, teilweise auch Kristallaggregate), Haizähne (Kugelfisch, Kauplatten, Megalodon-Cacarodon Zähne (bis ca. 13 cm groß) Krabbenpanzer (ganze Krabben, Scheren, Panzer), Muschelkerne (mit und ohne Schalenerhaltung, Bohrmuscheln), Seeigel (Clypeaster, Schi-Caster).

Bildung

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Weblinks

 Commons: Retznei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Friedrich Pichler: Die römische Villa zu Reznei in Steiermark. In: Mittheilungen der k. k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Baudenkmale Bd. XIX, 1874, S. 3–13
  2. a b B. Schrettl: Neue Forschungen zu römischen Villen im Umland von Flavia Solva. In: Forum Archaeologiae 45/XII/2007 (online)
  3. Die PreisträgerInnen 2000, elternbrief.at