Richard Berczeller

Richard Berczeller (* 4. Februar 1902 in Ödenburg; † 3. Januar 1994 in New York City) war ein österreichischer Arzt, Autor und Filmschauspieler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der Sohn aus gutbürgerlich-jüdischer Familie mit Ärztetradition wuchs in Ödenburg (Sopron) im damaligen Deutsch-Westungarn auf. Sein Vater Adolf Berczeller war in Ungarn ein führender Sozialdemokrat und Gewerkschafter. Nach der Machtübernahme des Horthy-Regimes wanderte die Familie nach Österreich aus und ließ sich in Sauerbrunn im Burgenland nieder. Berczeller studierte ab 1920 Medizin und war nebenbei als Schauspieler für Michael Curtiz tätig, der damals noch Kertész hieß. Berczeller verkörperte unter anderem die Rolle des Lot im Monumentalfilm Sodom und Gomorrha (1922).

Nach Absolvierung des Medizinstudiums im Jahr 1926 wurde Berczeller 1930 Gemeindearzt in Mattersburg. Besonders beeindruckt war er von seinem akademischen Lehrer Julius Tandler. Nach dem Februaraufstand 1934 schloss sich Berczeller der (verbotenen) Bewegung Revolutionäre Sozialisten Österreichs an. Nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 wurde er verhaftet und wurde von den örtlichen Nationalsozialisten, unter ihnen der Bürgermeister Franz Giefing und der Kreisleiter der NSDAP Karl Sobota, beraubt und mit Stockschlägen und Ochsenziemer misshandelt. Er emigrierte in der Folge über Frankreich und Westafrika in die USA. Er übte dort weiter seinen Arztberuf aus, publizierte jedoch auch im angesehenen New Yorker humorvoll-melancholische Kurzprosa. In späten Jahren erfuhr Berczeller zahlreiche Ehrungen von österreichischen öffentlichen Stellen.

Werke (Auswahl)

  • —, Kurt Wagenseil (Übers.): Die sieben Leben des Doktor B. Odyssee eines Arztes. List München 1965. (Aus dem Englischen: Displaced Doctor, New York, NY 1964).
  • Time was. The zestful education of a young Viennese doctor in the years before the storm. A memory. (englisch). Viking Press, New York, NY 1971, ISBN 0-670-71563-8.
  • —, Norbert Leser: … mit Österreich verbunden. Burgenlandschicksal 1918–1945. Jugend und Volk, Wien 1975, ISBN 3-7141-6529-0.
  • Norbert Leser, —: Als Zaungäste der Politik. Österreichische Zeitgeschichte in Konfrontationen. Jugend und Volk, Wien (a.a.) 1977, ISBN 3-7141-6535-5.
  • —, Mathias Gabriel (Übers.): Verweht. (Autobiografie). Edition Roetzer, Eisenstadt 1983, ISBN 3-85374-117-7.
  • Joachim Riedl (Hrsg.), —: „Denn sie töten den Geist nicht, ihr Brüder!“ Festschrift zum 90. Geburtstag von Richard Berczeller. Zeitzeugnisse, Band 1, ZDB-ID 2274666-3. Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, Wien 1992, ISBN 3-85437-042-3. – Inhaltsverzeichnis (PDF).
  • —, Elisabeth Bartosch (Gestaltung): Heimat-Los. Ein Auslandsösterreicher im Porträt. Fernsehsendung, 13. Juli 1992. 1 Videokassette, SVHS, 55 min, mono, Farbe. ORF FS2, 1992.
  • „So arg wird es nicht werden!“ In: Gerhard Jelinek: Nachrichten aus dem 4. Reich. Ecowin-Verlag, Salzburg 2008, ISBN 978-3-902404-64-0, S. 27–40.
  • —, Georg Kusztrich (Sprecher): Es gab eine Zeit. Über Leben und Werk von Richard Berczeller. dasLiteraturhausMattersburg. 1 CD (12 cm). Hörarchiv Burgenland, ORF Burgenland. Verlag Edition lex liszt, Oberwart 2011, ISBN 978-3-901757-97-6.
  • —, Jacqueline Csuss (Übers.): Fahrt ins Blaue und andere Geschichten aus dem New Yorker. Czernin-Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-7076-0397-2.

Filmografie

Literatur

  • Traude Horvath (Hrsg.), Milenia Snowdon-Prötsch (Hrsg.): Richard Berczeller, 1902–1994. Sopron – Mattersburg – New York. Kanica, St. Margareten 1996, ISBN 3-900874-11-5.
  • Susanne Blumesberger (Red.): Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Band 1: A –I. Österreichische Nationalbibliothek (Hrsg.), K. G. Saur, München 2002, ISBN 3-598-11545-8, S. 743f.
  • Alfred Pfabigan: Die „literarischen Leben“ des Doktor Berczeller. (Paralleltitel:) Richard Berczellers „Displaced Doctor“. In: Jeanne Benay et. al (Hrsg.): Österreichische Satire (1933–2000). Exil – Remigration – Assimilation. Lang, Bern 2003, ISBN 3-03910-090-4, S. 277–294.

Weblinks