Rolf Kosiek

Rolf Kosiek (* 23. September 1934 in Herford) ist ein deutscher Publizist, Politiker der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und Multifunktionär des rechtsextremen Spektrums. Eines seiner Pseudonyme ist „Rudolf Künast“.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kosiek absolvierte ein Studium der Physik, Chemie und Geschichte in Göttingen (1955–1957) und Heidelberg (1957–1960). Er promovierte 1963 in Heidelberg in Kernphysik zum Dr. rer. nat. und war von 1963 bis 1968 wissenschaftlicher Assistent am 1. Physikalischen Institut der Universität Heidelberg, von 1968 bis 1972 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Duden-Verlages.

Von 1972 bis 1980 war Kosiek Dozent für Mathematik, Physik und Statistik an der Fachhochschule Nürtingen (heute Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen), bis er dort wegen rechtsextremer Tätigkeit aus dem Staatsdienst entlassen wurde.

Eine neue Berufstätigkeit fand er 1981 bei dem Rechtsextremen Wigbert Grabert, der ebenfalls Witikone ist. Seit 1981 ist er für die inhaltliche Arbeit zuständiger Mitarbeiter und Lektor des rechtsextremen Grabert-Verlags sowie Leiter des zu dem Verlag gehörenden Instituts für deutsche Nachkriegsgeschichte. Kosiek lebt in Nürtingen.

Funktionen in rechtsextremen Netzwerken

Rolf Kosiek gehört dem Führungskreis der im Jahr 2000 von bekannten Rechtsextremisten gegründeten „Deutschen Studiengemeinschaft“ (DSG) an. Vorsitzender der mit der DSG eng vernetzten Gesellschaft für freie Publizistik (GfP), die nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz „die mitgliederstärkste rechtsextremistische Kulturvereinigung in Deutschland“ ist, war er von 1991 bis 2005. Seit 2005 ist er stellvertretender GfP-Vorsitzender.

Im „Grabert Verlag“ ist er als Lektor und im Vertrieb tätig. Er setzt sich seit 2006 für die rechtsextreme NPD-Denkfabrik Dresdner Schule ein, die sich in Abgrenzung zur Frankfurter Schule um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno versteht und „den Multikulturalisten und Umvolkern den politischen Kampf ansagt“.

Er ist Vorstandsmitglied des von Walter Staffa geführten „Deutschen Seminars“ und seit 2001 Vorsitzender des „Deutschen Kreises von 1972“, der in der Druckschrift „Rechtsextremismus“ des baden-württembergischen Landesamts für Verfassungsschutz als Vereinigung rechtsextremistischer Bestrebungen aufgeführt ist.[1] Beide Vereinigungen haben ihren Sitz in Nürtingen. Er ist im Beirat der rassistischen, von Jürgen Rieger geführten Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GbfAEV), ist Mitglied des „Witikobundes“, des „Aktionskreises des Witikobundes“ (Sitz: Nürtingen), ist aktiv tätig im revisionistischen Verein Kultur und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit.

Kosiek war von 1968 bis 1972 Landtagsabgeordneter der NPD in Baden-Württemberg, ab 1968 bis 1973 für die NPD Mitglied des Gemeinderats von Heidelberg, von 1973 an im NPD-Bundesvorstand und 1977 stellvertretender NPD-Vorsitzender in Baden-Württemberg. Kosiek galt als einer der Chefideologen der Partei. Seit Ende der 1970er Jahre hatte er enge Verbindungen zum Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes (DKEG), bei dem er mehrfach als Referent auftrat.

Als Referent trat Kosiek für den Verein Dichterstein Offenhausen, die Deutsche Liga für Volk und Heimat und beim Schutzbund für das deutsche Volk auf. Kosiek arbeitet eng mit Walter Staffa und anderen Repräsentanten der DSG sowie mit den anderen Vorstandsmitgliedern der GfP zusammen und hat immer noch große Bedeutung als Stratege und Ideologe der NPD und ähnlicher Gruppierungen.

Entlassung aus dem Staatsdienst

Rolf Kosiek promovierte 1963 an der Universität Heidelberg in Kernphysik. Anschließend war er bis 1968 wissenschaftlicher Assistent am dortigen Physikalischen Institut. Zu Beginn der 1970er Jahre hatte sich Kosiek als Dozent an der Fachhochschule in Koblenz beworben. Das Kultusministerium von Rheinland-Pfalz lehnte die Übernahme von Rolf Kosiek in den Staatsdienst ab. Kosiek klagte gegen diese Entscheidung. Die 7. Kammer des Verwaltungsgerichts Neustadt wies dessen Klage ab, nicht wegen dessen NPD-Mitgliedschaft, sondern wegen einer Aktion gegen linke Studenten in Heidelberg. Außerdem hatte Kosiek vor dem Stadttheater Ulm eine Flagge der DDR eingeholt. Somit weise Kosiek nicht die gebotene Zurückhaltung in politischen Auseinandersetzungen auf. Dagegen legte Kosiek Berufung ein. Der baden-württembergische Kultusminister Wilhelm Hahn hingegen hatte Kosiek 1972 an die Fachhochschule Nürtingen (heute HFWU) berufen. Kosiek halte er zwar für einen „Nationalisten mit sehr konservativen Anschauungen“, aber nicht für einen „Radikalen“, der sich gegen Bestand und Gesellschaftsordnung unseres Staates wende.[2] Am 28. Februar 1974 stellte Wilhelm Hahn in einem Kündigungsschreiben an Rolf Kosiek fest, dass sich die maßgebliche Funktion in der NPD, die verfassungsfeindliche Ziele verfolge, mit dem Beamtenstatus nicht vereinbaren lasse, sie achte den Gedanken der Völkerverständigung nicht, huldige einem extremen Nationalismus, pflege eine rassistische Ideologie und distanziere sich nicht vom nationalsozialistischen Staat.[3] 1980 wurde Rolf Kosiek aus dem Staatsdienst entlassen und wechselte zum Grabert-Verlag.

Publizistische Tätigkeit

Kosiek ist Buchautor, Verfasser von Zeitschriftenbeiträgen und Mitherausgeber von Resolutionen. Er veröffentlichte u. a. Beiträge in der rechtsextremen Publikationen Nation und Europa. Als Dauerautor „Rudolf Künast“ verfasste Rolf Kosiek zahlreiche Artikel in der geschichtsrevisionistischen Zeitschrift „Deutschland in Geschichte und Gegenwart“ (DGG) des Tübinger Grabert-Verlages.

Anlässlich der Regierungsübernahme der rot-grünen Koalition im Jahre 1998 überarbeitete Kosiek sein Werk über die Frankfurter Schule: Die Frankfurter Schule und ihre zersetzenden Auswirkungen; 2001).

In den führenden Vertreter der neuen Koalition sah Kosiek geistige Kinder der „68er, deren geistige Väter die Frankfurter Schule bilden. Ihre Ziele: die Zerstörung der deutschen geistigen Tradition, die Vernichtung des Volks- und Vaterlandsbewußtseins, der Abbau aller Autoritäten, die Auflösung der Familie und des Staates.“

Für die so genannten „zersetzenden Auswirkungen“ macht Kosiek Juden verantwortlich. Die nach 1945 entstandene „Kritische Theorie“, die auch der Frankfurter Schule inne sei, sei „dem deutschen Denken fremd“, sie bringe das „gefährliche geistige Gift des Marxismus in den deutschen Volkskörper“. Die „Umerziehung“, mit welcher vor allem – so Kosiek – die Angehörigen der Frankfurter Schule von den US-Alliierten beauftragt worden seien, habe dies möglich gemacht. Aus dem US-amerikanischen Exil als „Sieger“ zurückgekehrte „Zersetzer“ haben – so Kosiek - ganze Arbeit geleistet: Eine „egoistische Spaß- und Genussgesellschaft“ habe die gute alte Volksgemeinschaft abgelöst. Heute könnten „Fremde“ ungehindert „in den deutschen Volkskörper in Millionenzahl einströmen“. Kosiek beklagt einen „Ungeist der Verneinung, Bezweiflung und Verweigerung“, der die „Innenwelt“ zerstört habe. Nicht nur ihren Hass auf alles Deutsche, auch für die Umweltzerstörung macht Kosiek die von ihm so genannten „Zersetzer“ der Frankfurter Schule verantwortlich. All dies schiebt er „den Juden“ in die Schuhe: Er propagiert, dass „fast alle führenden Vertreter der Frankfurter Schule dem Judentum entstammten“.[4]

„Der Sieger schreibt die Geschichte!“, so heißt es zu seinem dreibändigen Werk Der Grosse Wendig. Richtigstellungen zur Zeitgeschichte, „diese alte Weisheit“ habe „besonders für Deutschland nach der Kapitulation der Wehrmacht und der vollkommenen Besetzung des Deutschen Reiches ab Mai 1945“ gegolten. „Den Deutschen“ sei „seitdem ein Geschichtsbild vermittelt, das sich vor allem an der Kriegspropaganda der Alliierten ausrichtete, der Umerziehung der Deutschen dienen sollte und deren politische Erpressung ermöglichte“.[5][6]

Ehrungen

Rolf Kosiek wurde von der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik“ die „Ulrich-von-Hutten-Medaille“ verliehen.

Publikationen

  • mit Olaf Rose (Hrsg.): Der Grosse Wendig. Richtigstellungen zur Zeitgeschichte, 3 Bände. Grabert-Verlag, Tübingen 2007
  • Die Frankfurter Schule und ihre zersetzenden Auswirkungen. Grabert, Tübingen 2001
  • Waldemar von Schütz (Hrsg. & Verleger), Bearb. Rolf Kosiek: Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Reihe: Veröffentlichungen des Institutes für deutsche Nachkriegsgeschichte, 34. Deutsche Verlagsgesellschaft, Rosenheim 1990
  • Deutsches Land in fremder Hand. Tausend Jahre Grenzlandschicksal. Deutsche Ostgebiete. Deutsche Verlagsgesellschaft, Rosenheim 1990. 1982.
  • Rolf Kosiek, Waldemar Schütz: Lexikon Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, geprägt durch 1. Weltkrieg, Nationalsozialismus, Zweiten Weltkrieg Deutsche Verlagsgesellschaft, Rosenheim 1990
  • Völker statt 'One World'. das Volk im Spiegel der Wissenschaft. Grabert, Tübingen 1999
  • Jenseits der Grenzen. 1000 Jahre Volks - und Auslandsdeutsche. Veröffentlichungen aus Hochschule, Wissenschaft und Forschung, 12. Grabert, Tübingen 1987
  • Das Volk in seiner Wirklichkeit. Naturwissenschaften und Leben bestätigen den Volksbegriff. Kurt Vowinckel Verlag, Berg am See, 1975
  • Marxismus? Ein Aberglaube. Kurt Vowinckel, Berg am See 1972
  • Wege zur Wirklichkeit. Das Volk in seiner Wirklichkeit. Band 7, Kurt Vowinckel, Berg am See 1976
  • Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Das Ringen eines Volkes um Einheit und Bestand. Grabert, Tübingen 2004
  • Mathematik für Wirtschaftswissenschaftler, Bd. 1, 1975

Vier Bücher schrieb Rolf Kosiek nach eigenen Angaben unter Pseudonym.

Literatur

  • Anton Maegerle: Autoren des Grabert-Verlags und des Hohenrain-Verlags. Ihre Funktion und ihre Bedeutung in der rechten Szene. In: Martin Finkenberger, Horst Junginger (Hrsg.): Im Dienste der Lügen. Herbert Grabert (1901–1978) und seine Verlage. Alibri, Aschaffenburg 2004, ISBN 3-932710-76-2. S. 155–174, hierzu S. 168 f.
  • Die Netzwerke der rechten Szene. In: Deutsche Polizei. Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei, Nr. 1, Januar 2005, darin eine grafische Darstellung eines rechten Netzwerkes mit Rolf Kosiek

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Landesamt für Verfassungsschutz (Herausgeber): Rechtsextremismus. Stuttgart 2006, S. 37 (PDF)
  2. Hayo Matthiesen: Draußen vor der Tür. Die vom Extremisten-Beschluß Betroffenen. Eine Dokumentation. In: Die Zeit, Nr. 11/1973
  3. Schuß nach links. In: Die Zeit, Nr. 38/1974
  4. Heribert Schiedel, Stephan Grigat: Hass der Rechten auf die Kritische Theorie: Burschis gegen Adorno in haGalil:
  5. Interview National-Zeitung
  6. Aus der Vorstellung der Publikation im „Deutschen Buchdienst. Freiheitlicher Buch- und Zeitschriften-Verlag“