Rolf Schwendter

Rolf Schwendter 2007

Rolf Schwendter (* 13. August 1939 in Wien als Rudolf Scheßwendter) ist ein österreichischer Schriftsteller und Sozialwissenschaftler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Rolf Schwendter entstammt einer zweisprachigen Familie und wuchs mit Ungarisch und Deutsch als Muttersprachen in Wien auf. Dort studierte er Rechtswissenschaften, Staatswissenschaften und Philosophie und wurde in diesen drei Fächern jeweils auch promoviert: 1962 zum Dr. jur., 1965 zum Dr. rer. pol., 1968 zum Dr. phil. – daher in 68er-Kreisen sein Spitzname „Genosse Genosse Genosse“.[1]

Schwendter war in den Jahren 1959–67 Koordinator einer „Informellen Gruppe zu Wissenschaft und Kunst“, 1968–70 Mitarbeiter der Zeitschrift „song“, 1968–71 freischaffender Liedermacher und trat 1967 und 1968 auf den Waldeck-Festivals und 1968 bei den Internationalen Essener Songtagen auf. 1970 veröffentlichte er die Lieder zur Kindertrommel. 1971 erschien die erste Auflage seiner Theorie der Subkultur. Von 1971 bis 1974 war er Dozent am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg. Von 1975 bis zur Emeritierung 2003 war er Professor für Subkultur-Forschung an der Universität Kassel.

„So ganz nebenbei“ ist er Zentralfigur verschiedener Bewegungen wie der Gesundheitsläden, der deutschen Antipsychiatrie und des Mannheimer Kreises „Kritische Psychiatrie“, des Theoriearbeitskreises Alternative Ökonomie in der AG SPAK. Er baute die „Sozialpolitische Gesellschaft“ auf, betreut das jährliche Mainzer Festival „Open Ohr“ und singt gelegentlich auf Tagungen in Evangelischen Akademien.

Er war Mitbegründer des Ersten Wiener Lesetheaters und des Vereins zur Förderung alternativer Kultur e. V. in Kassel, den Kasselänern meistens als „Offenes Wohnzimmer“ bekannt. Von 1992 bis 2002 war er Vorstandsmitglied der „IG Freie Theaterarbeit“ in Wien und von 2001 bis 2005 Präsident der Internationalen Erich Fried Gesellschaft.[2]

Im Jahr 1980 erschienen die Lieder zum freien Gebrauch unter dem aus dem bekannten I can’t get no satisfaction bewusst politisch eingedeutschten Titel Ich bin noch immer unbefriedigt im Rotbuch Verlag. Im Deuticke Verlag erschien 1996 der Lyrikband Drizzling Fifties.

Rolf Schwendter lebt in Wien und Kassel und ist Vorstandsmitglied (und seit Juni 2006 Präsident) der Grazer Autorinnen Autorenversammlung.[3][2]

Schwendter erhielt 2008 das „Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte“ der Humanistischen Union. Die Laudatio wurde von Christoph Nix gehalten.[4]

Werke (Auswahl)

  • Theorie der Subkultur, 1971
  • Zur Geschichte der Zukunft. Zukunftsforschung und Sozialismus Band 1, Syndikat Verlag, Frankfurt am Main 1978/1982
  • Zur Zeitgeschichte der Zukunft. Band 2. Zur Geschichte der Zukunft: Zukunftsforschung und Sozialismus, Syndikat Verlag, Frankfurt am Main 1984
  • Grundlegungen zur [alternativen Ökonomie] Mehrere Bände: Die Mühen der Berge, Die Mühen der Ebenen AG SPAK Verlag Steinheim 1986
  • Gesellschaftsbilder des 20. Jahrhunderts, Rotbuch Verlag
  • Psalter, Gedichte 1970–1980, Fama Wien 1991
  • Ich bin noch immer unbefriedigt: Lieder zum freien Gebrauch, Rotbuch 227 1980
  • Katertotenlieder, mit Illustrationen von Mascha Grüne, Freibord Wien 1987
  • Schwendters Kochbuch Orig.-Ausg. Athenäum, Frankfurt am Main 1988, 212 S, ISBN 3-610-04719-4
  • Die Unmöglichkeit zu Telefonieren, Essays, Freibord, Wien 1990
  • Gemeinsam mehr erreichen, Beiträge zur Demokratieentwicklung von unten, Hrsg. AG SPAK, Steinheim 1995
  • Arme essen – Reiche speisen: Neuere Sozialgeschichte der zentraleuropäischen Gastronomie, Promedia, Wien 1995, 248 Seiten, ISBN 3-900478-89-9
  • Tag für Tag. Eine Kultur- und Sittengeschichte des Alltags, Hamburg 1996
  • Einführung in die Soziale Therapie Dgvt-Verl., Tübingen 2000. 303 S. ISBN 3-87159-021-5
  • Lesetheater. Ed. die Donau hinunter, Wien 2002, 155 Seiten, ISBN 3-901233-20-2
  • Subkulturelles Wien. Die informelle Gruppe (1959–1971) Promedia, Wien 2003, ISBN 3-85371-215-0
  • Vergessene Wiener Küche: Kochen gegen den Zeitgeist. Promedia, Wien 2004, 206 Seiten, ISBN 3-85371-226-6
  • Blues auf dem Weg zum Wahnsinn: Gedichte 1963/64, Klagenfurt Wieser Verlag 2004, ISBN 978-3-85129-487-3
  • Rosa Luxemburg im botanischen Garten und weitere Lieder zum freien Gebrauch, Grüner Zweig 183 Liederbuch, auch als Transmitter CD Grüne Kraft
  • Die ungarische Arme-Leute Küche, Klagenfurt Wieser Verlag 2008, ISBN 978-3-85129-774-4

Literatur

  • Christine E. Winter-Heider (Hrsg.): Festschrift für Rolf Schwendter. Fragmente einer Begegnung – Elemente einer Entgegnung. Kassel 2005.[5]

Einzelnachweise

  1. Philipp Schmidt-Rhaesa Universität Osnabrück: Entwicklung der Liedermacherei, Kap. 1 „Vom Kriegsende bis zur Burg Waldeck“. Zitiert in Detlev Mahnert: „Essener Songtage 1968 – Burg Waldeck“
  2. a b News. Erich Fried Gesellschaft (2008). Abgerufen am 28. Juni 2008.
  3. Verein [Vorstand]. Grazer Autorenversammlung (23. Juni 2008). Abgerufen am 28. Juni 2008.
  4. Dragan Pavlovic (10. Juni 2008): Rolf Schwendter erhält Marburger Leuchtfeuer 2008. HU-Ortsverband Marburg. Abgerufen am 29. Juni 2008.
  5. Festschrift zum 65. Geburtstag als Elektronische Ressource der Univ. Kassel

Weblinks