Rollende Landstraße

RoLa auf der Lötschberg-Südrampe, gezogen von zwei Re 465 der BLS
Ein Zug der RoLa von der Tauernbahn im Bahnhof Spittal-Millstättersee

Die Rollende Landstraße (kurz RoLa) ist ein Transportsystem für den begleiteten kombinierten Verkehr auf der Schiene bzw. ein spezieller Zug, bei dem komplette Lastwagen bzw. Sattelzüge per Bahn befördert werden. Die dazu verwendeten kurzgekuppelten Niederflurwagen mit kleinen Raddurchmessern (380/360/335 mm) haben durchgängig über den ganzen Zug hinweglaufende Fahrspuren. Die Fahrer sind während der Fahrt in zusätzlich angehängten Begleitwagen (Sitz- oder Liegewagen) untergebracht. An den Endpunkten der Verbindungen befinden sich spezielle Laderampen, um die LKW einfach be- und entladen zu können. In der Schweiz wurde zeitweise statt RoLa das Kürzel RA für Rollende Autobahn verwendet[1]. In Indien lautet das Kürzel RORO für Roll On-Roll Off.

Inhaltsverzeichnis

Verkehrsangebote

Kraftfahrzeug-Transport im Krieg, Rungenwagen mit Halbkettenfahrzeug
Deutsches StVO-Hinweisschild 1010-14: Informationsstelle zur Rollenden Landstraße
Drehgestell eines RoLa-Wagens

Meist werden Transitlinien, z. B. von Bayern über Tirol nach Italien oder nach Osteuropa, mit der RoLa bedient. Für Österreich als traditionelles Transitland ist die „Rollende Landstraße“ aus umweltpolitischen Gründen von Bedeutung. 1999 wurden von den ÖBB 254.000 LKW bzw. LKW-Züge – das entspricht rund 8,5 Millionen Tonnen Ladung – befördert (1993 waren es noch 158.989 Einheiten). 2007 wurden mit 19.073 Zügen 288.776 Einheiten von der RCA AG befördert.

Zwischen Salzburg und dem Hafen Triest, wo die LKW mit der Fähre aus der Türkei ankommen, verkehrt eine „RoLa“ direkt. Die Fahrer kommen in diesem Fall erst per Flugzeug über den Flughafen Ljubljana nach, um den LKW zu übernehmen. In der Schweiz verkehren RoLa-Züge sowohl über die Gotthard-, als auch über die Lötschberg-Simplon-Achse.

Der wichtigste Parameter von Strecken für den LKW-Transport ist die Eckhöhe, das ist die Höhe, die ein geladener LKW nutzen darf, um das Lichtraumprofil der Strecke nicht zu überschreiten. Für heute bestehende Strecken ergeben sich Eckhöhen nach dem vorhandenen Lichtraumprofil – häufig 3,85 m – Neubaustrecken wie die der projektierten Neuen Eisenbahn-Alpentransversale streben eine Eckhöhe von 4 m an, die die EU für LKW erlaubt.

Zum 25. September 1994 verkehrte der erste RoLa-Zug zwischen Dresden-Friedrichstadt und Lovosice in Tschechien. Die 115 km wurden in 185 Minuten (zwischen Ladeschluss und Entladung) bewältigt. Der Freistaat Sachsen förderte das Pilotprojekt bis Ende 1995 mit knapp zehn Millionen Euro. Mit den später zurückgefahrenen Zuschüssen sank die Attraktivität des Angebots.[2] Am 11. Juni 2003 wurde der 750.000. Lkw befördert. 2003 wurden dabei bis zu zwölf Zugpaare täglich mit einer Kapazität von je 23 Stellplätzen angeboten.[3] Bei einer Auslastung von 70 bis 80 Prozent erforderte das Angebot Betriebskostenzuschüsse von jährlich rund 7,5 Millionen Euro; 2003 standen dem 6,5 Millionen Euro an Fahrgeldeinnahmen gegenüber. Nachdem mit dem EU-Beitritt Tschechiens die Auslastung auf weniger als zehn Prozent gesunken war, wurde am 18. Mai 2004 die Einstellung des Angebots beschlossen.[4]

Betreiber

In Österreich wird die RoLa von Ökombi GmbH, einer Tochtergesellschaft der RCA AG (Güterverkehr der ÖBB) betrieben. Es verkehren täglich bis zu 80 Züge mit insgesamt rund 1.600 Stellplätzen innerösterreichisch und von Österreich nach Deutschland, Italien, Slowenien und Ungarn. Auch eine Transit-RoLa verkehrt über den Brenner vom italienischen Trient nach Regensburg in Deutschland. Im Jahr 2011 wurden ca. 320.000 LKW etwa 80 Millionen Kilometer transportiert.[5] Seit dem 08. Dezember 2012 wird die Transit-RoLa Trient - Regensburg nach dem Aus durch den bisherigen Betreiber Ökombi durch bayernhafen in Zusammenarbeit mit dem Terminalbetreiber in Trento, Interbrennero, der Trenitalia, dem Unternehmen Trasposervizi und dem privaten deutschen Eisenbahnverkehrsunternehmen Lokomotion betrieben.

Die RoLa wird im alpenquerenden Verkehr durch die Schweiz (bis auf einen Zug in der Relation Freiburg (Breisgau) GüterbahnhofLötschbergNovara) von der RAlpin AG in Olten betrieben. Im Jahr 2004 wurden 330.929 Straßensendungen mit einem Gesamtgewicht von 5,5 Millionen Tonnen über die Alpen befördert.

In Indien wird sie von der Konkan Railway Corporation in den Relationen Kolad–Verna (seit 1999), Kolad–Surathkal (seit 2004) und Ankola–Surathkal betrieben.

Entwicklung

Die erste RoLa durchquerte die Schweiz bereits 1968. Im Zuge der Verlagerungspolitik wurden dann die bestehenden Alpenbahnstrecken weiter ausgebaut, so dass ab 2001 eine verbesserte RoLA in Betrieb genommen werden konnte. Von nun an konnten Lastwagen mit einer Eckhöhe von bis zu 4 Metern, einer Breite von bis zu 2,5 Metern und einem Gewicht von bis zu 44 Tonnen transportiert werden[6]. Im Jahre 2007 stieg die Zahl der transportierten Lastwagen in der Schweiz auf 350'000 an[7]. Mit der RoLa und anderen Maßnahmen konnte die Schweiz viel vom alpenquerenden Güterverkehr auf die Schiene verlagern[8].

Bewertung

Die Vorteile der „RoLa“ sind sowohl ökonomischer als auch ökologischer Natur: Der Spediteur spart Treibstoff, Mautgebühren, Zeitverluste durch Staus und Betriebskilometer bei seinen Fahrzeugen, und die Fahrer können die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten, ohne den Transport unterbrechen zu müssen. Oftmals müssen zudem Einschränkungen, wie etwa Nacht- oder Wochenendfahrverbote beim Vor- und Nachlauf, nicht beachtet werden.

Die Frachtführer kritisieren an dieser Einrichtung jedoch, neben den anfallenden Kosten, die Abhängigkeit von Fahrplänen sowie die langen Verladezeiten. Es wird auch dargelegt, dass viel Totlast im Verhältnis zur Güterlast transportiert wird, da die Zugmaschine des LKW mittransportiert wird. Dagegen steht jedoch der Vorteil des um ein Vielfaches geringeren Rollwiderstandes. Eine Zwischenlösung bzw. Kompromiss ist der Huckepackverkehr, bei dem nur der Sattelauflieger auf Taschenwagen verladen wird, während die Zugmaschine am Ort bleibt.

In der Schweiz besteht ein Verfassungsauftrag (Alpeninitiative) und ein Gesetz (Güterverkehrsverlagerungsgesetz, GVVG) die Gütertransport durch die Alpen von der Straße auf die Bahn (bis zur Erstellung der NEAT) umzulagern. Darum besteht eine Notwendigkeit für den Bahngütertransport und somit auch für die „RoLa“.

Einzelnachweise

  1. Glossar des Bundesamtes für Verkehr
  2. Meldung „Kurz-RoLa“ Dresden – Lovosice weiter beschleunigt. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 3/2003, ISSN 1421-2811, S. 107 f.
  3. Meldung 750 000 LKW auf „Kurz-RoLa“. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 8-9/2003, ISSN 1421-2811, S. 368.
  4. Meldung Aus für Dresden – Lovosice. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 7/2004, ISSN 1421-2811, S. 328.
  5. Sparen beim Fahren in der Presseaussendung der RCA vom 19. Jänner 2012 abgerufen am 1. April 2012
  6. Swissworld.ch Rollende Landstrasse
  7. BahnOnline.ch
  8. Bundesamt für Statistik: Alpenquerender Güterverkehr in Europa

Weblinks