Rotraud A. Perner

Rotraud A. Perner (* 18. August 1944 in Orth an der Donau) ist eine österreichische Juristin, Psychotherapeutin und Publizistin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Perner wurde als Tochter einer Lehrerin und eines Schuldirektors 1944 in Orth an der Donau in Niederösterreich geboren. Nach ihrem Studium arbeitete die promovierte Juristin als volkswirtschaftliche Referentin bei der Oesterreichischen Nationalbank. Nach ihrer Heirat 1968 studierte sie Soziologie. 1975 gründete sie eine Familienberatungsstelle in Favoriten (Wien) und eröffnete nach ihrer Ausbildung zur Psychoanalytikerin eine Praxis. 1987 erhielt sie ein Diplom im Fach Sexualtherapie und gründete die erste Wiener Sexualberatungsstelle. 1990 gründete sie mit Elfriede Abt den Verein „Die Möwe – für physisch, psychisch und sexuell misshandelte Kinder“ und engagierte sich für den Aufbau eines wissenschaftlichen Netzwerkes für gewaltfreie Erziehung und Beziehungen. Sie bildete mit Gerti Senger, Ernest Borneman und Dieter Schmutzer das Ö3-Sexhotline-Team in den 1990er Jahren.

Sie ist multidisziplinäre ausgebildete Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin und machte postgraduale Studien der Soziologie und Erwachsenenbildung. Perner ist Universitätsprofessorin an der Donau-Universität Krems (einzige Universitätsprofessorin für Prävention) und als Mediatorin (Ehrenmitglied des Österreichischen Berufsverband der MediatorInnen) tätig, weiters an mehreren österreichischen Universitäten. Weiters ist sie Gerichtssachverständige, Autorin zahlreicher Fachbücher und Leiterin des Instituts für Stressprophylaxe & Salutogenese (ISS) in Matzen, Niederösterreich. Sie ist ehemalige Mitherausgeberin des Monatsmagazins Forum für feministische Gangarten. Sie war von 1996 bis 2002 Vorsitzende, bis 2004 dritte Vorsitzende und jetzt Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung (ÖGS). Des Weiteren ist sie als Supervisorin und Seminarleiterin sowie Coach und Beraterin für Manager, religiöse Würdenträger und Politiker tätig.

Perner war bis zu dessen Tod 2009 mit dem Journalisten Reinhold Perner verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne (* 1972 und * 1974).[1]

Politische Tätigkeit

Erste politische Erfahrungen sammelte sie als SPÖ-Bezirksrätin. Die SPÖ überwarf sich mit ihr, als sie in einem profil-Gastkommentar die Frauenpolitik unter Johanna Dohnal kritisierte: "Oder geht es Johanna Dohnal gar nicht um ein besseres Verständnis zwischen Mann und Frau, sondern darum, Männern Angst zu machen?"[2]

Im Interview mit Christine Lapp (SPÖ) sprach sie sich auch gegen Frauenquoten aus: "Sie spricht sich als einzige Gesprächspartnerin gegen die Quote aus und vertritt die Meinung, daß das Aufteilen von vorhandenen Ämtern eine Weiterführung des kindlichen Penisneids darstellt. Sie bezeichnet sich als Freudianerin. Ihre Meinung hat sie auch dezidiert in einem Profil-Artikel (35/1987) vertreten, in einem Gastkommentar über die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe ging sie in einem Nebensatz auf die Quotenregelung mit der Bemerkung ein, daß die Quotenregelung eine subtile Form einer versuchten Kastration sei. Aufgrund ihres Artikels konnte sie an der Verwaltungsakademie kein Training mehr abhalten und eine zeitlang war ihre Existenz gefährdet."

"Die Psychoanalytikerin steht der Quote skeptisch gegenüber, da sie diese Regelung als typisch weiblich hält, ohne große Auseinandersetzungen doch etwas durchsetzen zu wollen. »So ist es immer eher ein Versuch, unter Konfliktvermeidung einen Fuß in der Türe zu haben, in der Hoffnung, daß alles andere dann von selbst kommt.«“[3][4]

Ehrungen

Gründungen und Initiativen

  • Gründung und Leitung von Familienberatungsstellen in Wien
  • Gründung der Kommunikationsplattform Club Bassena in Gemeindewohnhausanlagen der Stadt Wien zur Reduktion von Gewalt und Integration
  • Gründungsmitglied des Verein zur Förderung der qualifizierten Kinder-, Jugend -, Partner-, und Sexualberatung (VFB)
  • Gründung der 1. Wiener Sexualberatungsstelle im Rahmen des VFB
  • Aufbau eines wissenschaftlichen Netzwerkes zur Propagierung gewaltfreier Erziehung und Beziehung
  • Idee und Realisierung des Hans Czermak-Preises für gewaltlose Beziehungen
  • Gründung des Vereins Pomethea zur Unterstützung sexuell ausgebeuteter Frauen (Vorsitz bis 1998)
  • Gründung der Akademie für Wissen & Können
  • Gründung der Österreichische Frauenakademie
  • Gründung des Verlags aaptos
  • Initiatorin und Konzept-Entwickerlin der umgassenden Aus- und Fortbildungsinitiative "Halt! Gewalt! im Rahmen der Niederösterreichischen Landesakademie

Vorträge

Werke (Auswahl)

  • Liebe macht gesund – Salutogenese im Alltag; aaptos Wien, 2004
  • Sein wie Gott. Von der Macht der Heiler; Kösel, München, 2002
  • Sexualität - Sexualität in Österreich; aaptos Wien, 1999
  • Madonna und Hure. Jagdstrategien für Amazonen, Ankh-Verlag, 1997
  • Schaff‘ Dir einen Friedensgeist! Gewaltprävention im Alltag; aaptos Wien, 2001
  • Die Hausapotheke für die Seele, Erste Hilfe von Angst bis Zorn; Deuticke, 2005
  • Darüber spricht man nicht - Tabus in der Familie; Kösel, München, 2008
  • Die Überwindung der Ich-Sucht, Sozialkompetenz und Salutogenese; Studienverlag, Tirol, 2009
  • Königin! Über weibliche Kraft; Kösel, München, 2009
  • PROvokkativpädagogik; LIT Verlag, Wien, 2010
  • Der erschöpfte Mensch; Residenz-Verlag, 2012

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Biographie auf der Website von R. Perner
  2. profil: Strafen statt helfen? Profil 35/1987, Seite 45f
  3. Christine Lapp: Quotenregelung zwischen Traum(a) und Wirklichkeit, Diplomarbeit Wien 1988, Seite 41 und 55. ÖNB-Signatur 1288943-C. NEU Mag
  4. Robert Boder: Frauen in der Politik – mehr Frauen in die Politik! Seite 54f Parlamentarische Enquete des Nationalrates, 7. Oktober 2009
  5. Website von R. Perner: Laudatio – Dankesrede – Fotos, 2. Mai 2005.
  6. Niederösterreichische Landeskorrespondenz: Großes Ehrenzeichen des Landes NÖ für Rotraud Perner, 20. Oktober 2009.
  7. Wiener Rathauskorrespondenz: Termine am 22. Februar, 17:00 Uhr: Überreichung des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien an Univ.-Prof.in i.R. Mag.a Dr.in Rotraud A. Perner, 21. Februar 2010.